Archiv für Oktober 2012

Video zur Kondom-Aktion

Tollensetaler Stimme

Über ein paar andere Themen aus der „Provinz“, genauer gesagt vom Lande berichtet die aktuelle Tollensetaler Stimme, die von ein paar Menschen aus dem „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ herausgegeben wird.

Die Papier-Ausgabe kommt heute aus der Druckerei.

Hier der Link zum pdf: Tollensetaler 3/12

In der Ausgabe 2/12 war ein Rückblick zu den Aktivitäten am 8. Mai 2012 in Demmin

Kontakt zur Redaktion: tollensetaler (ätt) googlemail.com

Kriege verhüten!

Heute um 16 Uhr gab es ein kurzes aber farbenfrohes antimilitaristisches künstlerisches Umgestalten des Gedenkplatzes für die Ulanen.

Aktion Kanone 1

11 Feen, Elfen und sonstige Wesen umschwirrten die Kanone und zogen darüber gefühlvoll einen pinken Schutz, auf dass nie wieder so ein Teil in Demmin abgefeuert wird.
Begleitet von weiteren 11 TeilnehmerInnen wollen sie die Kriegsverherrlichung stoppen.

Aktion Kanone 2

Es gibt auch schon einen Artikel beim Nordkurier

Nachtrag: Link zum Video der Aktion

Die nächsten Tage kommt noch ein Bericht über Reaktionen auf die Aktion.

Auch schon online: Artikel bei indymedia

Die dazu passende Musik findet ihr bei revolte springen

Erste Anmerkungen zum Gedenkplatz gab es schon vorher.

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Verteilt wurde ein Flyer auf buntem Papier:

Flyer als pdf

Kriege verhüten!

Mit einer bunten Aktion für ein buntes Demmin und
für eine Umgestaltung des Gedenkens an die Ulanen

Mit einer ansprechenden Choreographie stülpen wir heute gefühlvoll ein pink­farbenes Kondom über die Kanone in Demmin, um an die Probleme krieger­ischer Auseinandersetzungen zu erinnern.

Militär steht immer für Gewalt. Und egal wo auf der Welt – die Zivilbevölkerung ist immer die am stärksten Leidtragende. Das Militär bringt auch keinen Aufschwung, sondern Zerstörung. Ein militärischer Ein­satz mag zwar kurzfristig eine Verän­der­ung bringen, festigt aber zugleich struk­tur­elle Gewalt und Hierar­chien, welche einer gesell­schaf­tlichen Entwicklung hin zu mehr Frieden im Wege stehen. Nicht nur den eigenen Einfluß oder Reichtum zu mehren, sondern sich mit den eigenen Bedürfnissen und denen der Anderen gemeinsam auseinander zu setzen, kann anstrengend und langwierig sein, dafür gibt es dann wahrscheinlich für alle tragbare Lösungen. Sonst folgen ständig wieder brutale Auseinandersetzungen um Rohstoffe, Land und um die Macht.

Militärische Objekte als Dekoration in die Landschaft zu stellen, ist keine geeignete Form des Erinnerns.
Bei dem Gedenken für die Ulanen am August-Bebel-Platz fehlen kritische Töne zur Rolle der Ulanen in der damaligen Zeit. Das Denkmal ist unreflektiert und historisch außer der Reihe. Sinnvoll wäre davor eine breite öffentliche Diskussion über Sinn und Zweck gewesen.

Über die jetzigen Form des Gedenkplatzes für die Ulanen freuen sich auch die Neo-Nazis, kommt dies doch ihrer Sicht der Welt zum Beispiel bei Männlichkeit und Nationalstolz entgegen.

Deswegen wollen wir eine erneute Umgestaltung des August-Bebel-Platzes.

Gegen Militärdenkmäler!
Für gewaltfreie Konfliktlösungen!

Ausstellung: Demmin auf der Straße

Ab dem 4.11. ist für längere Zeit im Demminer Regionalmuseum am Hanseufer eine Stadtgeschichtliche Ausstellung zum Leben und zu Aktionen auf Demmins Straßen zu sehen. Der zeitliche Rahmen spannt sich von 1850 bis in die Jahre um und nach 1950.

Geöffnet ist Dienstag, Donnerstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr

Eröffnung der Ausstellung ist am 1.11. 2012 um 18 Uhr

Es geht um Handlungen, Tätigkeiten, Aktionen, die auf der Straße stattfinden / stattfanden und deren Akteure: die Bewohner Demmins. Es geht um Leben, Arbeit und Handel auf der Straße, um Alltag und Sonntag dort, ums Flanieren / Spazieren, um Verkehr, Aufmärsche / Umzüge, Proteste, Kämpfe.
Es werden einzelne Straßen vorgestellt (Luisenstraße, Anklamer Straße, Frauenstraße, Heilgeiststraße, Baustraße) und einzelne Häuser (zunächst Herberge zur Heimat, Synagoge und Westkaserne).
Es geht um die Vorstellung von Berufs- und sozialen Gruppen, die den Charakter der Straße mitbestimmten. Es geht um die Arbeits- und Lebensgeschichte einzelner Menschen aus diesen Straßen und Häusern.
Die Ausstellung legt Spuren aus und macht Angebote an die Betrachter / Demminer, sich an der Spurensuche zu beteiligen, ihr Wissen um, ihre Erinnerungen an die vorgestellten Straßen, Häuser und Menschen einzubringen.
Der zeitliche Rahmen spannt sich von den 1850er bis zu den 1950er Jahre. Im Einzelfall kann die zeitliche Betrachtung auch weiter zurück reichen. Die Konzentration auf das 19./20. Jh., also die zeitliche Nähe zum Heute kann es erleichtern, die Leute vor Ort am Mitmachen zu interessieren – ein Arbeitsprinzip, welches das Museum gerade in Bezug auf die Stadtgeschichte ausprobieren und praktizieren möchte.

Naziaufmarsch Wolgast und weitere Berichte

Am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht 1938, will NPD einen Fackelmarsch gegen „Asylmissbrauch“ durchführen.
Seit Beginn der Planungen für ein neues AsylbewerberInnenheim in Wolgast hetzen die Nazis dagegen.
Genaueres zu den geplanten Gegenaktivitäten gibt es die nächsten Tage bei: http://rassistenstoppen.blogsport.eu/ und bei http://www.vorpommern-weltoffen-demokratisch-bunt.de/
Bis dahin erstmal Infos beim Nordkurier, hier, bei stop it! und bei kombinat fortschritt
Die Stadt Wolgast plant einen friedlichen Lampion-Umzug.

Beim NDR gibt es gerade jede Tag ein Video einer Reporterreise quer durch MV, interessant anzuschauen: Link zur Seite

Noch eine Analyse zu den Ereignissen rund um den Naziaufmarsch am 20.10. gibt es bei Wismar Nazifrei

Berichte

Die letzte Woche gab es jeden Tag einen Artikel im Demminer Nordkurier zu den Aktivitäten der Neo-Nazis und was andere dagegen tun. Ihr findet sie hier oder direkt beim Nordkurier 1 2 3 4 5 6
Auch zu Feine Sahne gab es im Nordkurier vor ein paar Tagen zwei Artikel 1 2 sowie in der taz. Und bei Radio Corax gab es ein interessantes Interview.

Über 700 Menschen haben am Samstag in Wismar gegen einen Aufzug der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ demonstriert. Mit einer Demonstration und mehreren Sitzblockaden sorgten sie dafür, dass die Neonazis bereits nach etwa der Hälfte ihrer Strecke zum Bahnhof umkehren mussten. Überschattet wurden die Proteste von massiver Polizeigewalt. Mehrere Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden, nachdem sie von Polizisten verletzt wurden.
Berichte dazu findet ihr bei wismar2012 und kombinat-fortschritt

Solidarität mit Menschen ohne Hüsung*

Am vergangenen Sonnabend hatte das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin zu einer Veranstaltung in den „Blumenladen“ des Demminer Hanse-Viertels eingeladen. Thema war die Situation von Flüchtlingen in Mecklenburg-Vorpommern. Gezeigt werden sollte der Film „Die Wahrheit lügt in Rostock“, der die Ereignisse des Pogroms von 1992 in dieser Stadt zeigt.
Die meisten der 15 Besucher_innen der Veranstaltung kannten den Film, so dass die Zeit genutzt wurde, sich über die Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu informieren. Zwei Frauen aus dem Flüchtlingsheim in Jürgenstorf sprachen darüber, was es konkret in der BRD bedeutet, Flüchtling zu sein: Nach oft Monate langer Flucht vor Krieg, Verfolgung, Folter, Hunger gerät man in eine Unterkunft, in der einem Menschen sechs Quadratmeter zustehen, in der Wand an Wand Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprachen, Gebräuche leben. Man teilt sich mit vielen Familien Küche, Bad und Toiletten. Will man die Sprache des Landes lernen, muss man sich den Deutschkurs organisieren und bezahlen. Ohne Deutschkenntnisse ist es kaum möglich, all die Hürden eines Asylverfahrens zu verstehen und Beratung in der fremden Sprache führt – falls es sie gibt – auch oft zu Missverständnissen. Wenn das Heim dazu noch in einem Dorf liegt, sind die Hürden zum Aufnehmen von Kontakten, dem täglich nötigen Einkauf, dem Arztbesuch u.a. sehr hoch. Der Zugang zum öffentlichen Leben ist fast unmöglich. So sind die Menschen auf die Gemeinschaftsunterkunft fixiert, sehen kaum eine Perspektive. Die Folge sind vor allem psychische Krankheiten wie Depressionen, Antriebslosigkeit bis hin zu physischen Krankheiten.
Frau Ingrid Laatz, Leiterin des Jugendmigrationsdienstes des CJD Waren verwies auf die zu geringe Koordination aller Behörden des nun grösseren Landkreises, um den Flüchtlingen effektiv zu helfen.

Zu den oben beschriebenen Schwierigkeiten kommen noch die fremdenfeindlichen Haltungen, zum Teil erwachsen aus der Angst, selbst noch weiter ins gesellschaftliche Abseits zu driften und zum anderen aus rassistischer Einstellung allem Fremden gegenüber.
Das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin hatte sich gegründet, um die verbrecherische Interpretation des zweiten Weltkrieges durch die Neonazis aufzudecken und sich ihren Umzügen entgegen zu stellen. Mit dieser Veranstaltung wollte es einen Beitrag zur Sensibilisierung für die Gefahren, die aus Fremdenfeindlichkeit erwachsen, hinweisen
Ebenfalls an diesem 13. Oktober fand in Berlin der Protestmarsch von Flüchtlingen und Unterstützer_innen von Würzburg nach Berlin seinen Abschluss. Mit diesem Marsch protestierten die Menschen für die Abschaffung der rassistischen Gesetze, die Schliessung der Lager und den Stopp der Abschiebungen von Menschen in ihren oft sicheren Tod.
we will rise
Berichte von dem Marsch und von der Demonstration am 13.10. in Berlin finden sich hier und hier und hier, für den Teil des Marsches in MV hier

* nach „Kein Hüsung“ von Fritz Reuter

Demmin aus der Sicht vom VS

Der Verfassungsschutzbericht von MV ist vor kurzem erschienen und darin wird auch Demmin mehrfach erwähnt, vor allem wegen der Aktivitäten der Neo-Nazis in der Region. Aber mit der Extremismustheorie wurden auch wieder die Menschen verunglimpft, die sich gegen die Neo-Nazis wehren. Dazu gab es zwei Artikel im Nordkurier, gestern: Verfassungsschutz hat Demmin weiter im Blick und heute: Demmin engagiert sich für eine bunte statt braune Stadt
Noch passiert zu wenig gegen die Neo-Nazis in Demmin, gerade im Alltag, was auch auf der Straße spürbar ist.
Am 3.11. gibt es genau zu diesem Thema einen Aktionstag mit zwei Diskussionsveranstaltungen, einem anschließenden Konzert und mehr.
Veranstaltet wird das ganze von Feine Sahne Fischfilet. Einer Band, die bekannt ist für ihr antifaschistisches Engagement, die aber genau deswegen auch mit 1,5 Seiten im Verfassungsschutzbericht auftaucht, unter anderem mit ihrem Aktionstag in Demmin vor zwei Jahren. Dazu gab es jetzt einen sehr guten Artikel bei publikative.org
Sollen wir sagen: Glücklicherweise sind sie eine Musikband und kein Verein, dem dann gleich die Gemeinnützigkeit entzogen wird??

Der Widerstand gegen die Neo-Nazis muss weitergehen, sie werden nicht von sich aus klein bei geben.

20.10.: gegen den JN-Aufmarsch in Wismar

auch in der Demminer Region wird mobilisiert gegen den Aufmarsch der „Jungen Nationaldemokraten“ und der NPD am 20.10. in Wismar. Also schließt euch an.
Weitere Infos bei Wismar Nazifrei und bei Kein Leben ohne Freiheit!

Zum aktiven Gedenken

Auch wenn derzeit andere Kommentare zum Gedenkplatz für die Ulanen in der Diskussion sind, eine erste farbliche Anmerkung gab es vor einer Woche schon, kurz nach der Einweihung.

Farbe an Gedenktafel

Vor Ort ist schon wieder kräftig gesäubert worden, trotzdem sieht das Wachhäuschen immer noch so aus als ob da nachts heimlich drangepisst wird.

Spannenderweise zielt die Kanone auf die große St. Bartholomaei-Kirche in Demmin, in der am 17.12.2012 um 17:00 Uhr ein Benefizkonzert des „Wehrbereichsmusikkorps I Küste“ stattfindet, welches wohl mehr kostet als es (für die Kriegsgräberfürsorge?) einspielt, wodurch auch klar ist, dass es hier mehr ums Image der Bundeswehr geht als um den guten Zweck.

Das Ulanendenkmal, welches auch öfter in der Diskussion ist, sieht im derzeitigen Zustand viel attraktiver aus und erinnert so auch eher an das was Krieg bedeutet.

Denn die Ulanen waren keine netter Sportverein, sie waren Teil des Militärs.
Ulanen 1914

Release-Party und Diskussion am 3.11.

Feine Sahne Fischfilet veranstalten die Release-Party ihres neuen Albums “Scheitern & Verstehen“ am 3.11. im Lübecker Speicher in Demmin. Dazu gibt es noch viel tolles Programm drumrum.

feine sahne party

14.30 Uhr: Wenn wegschauen tötet – Vortrag und Gesprächsrunde zum NSU mit Katharina König (MdL Thüringen) & Richard Goldstein

16.30 Uhr: Naziaufmarsch in Demmin – Fenster zu oder auf die Strasse? – Eine Podiumsdiskussion

19.30 Uhr Konzert & Aftershow mit den Live-Acts: Feine Sahne Fischfilet, Kotzreiz, Egotronic und The True Two und die Dorfleute, danach führen Verschnibbt & Zugenäht (Greifswald/Stockholm) und Slim Case (Free Sample/Rostock) füßestapfend durch die Nacht

Am 3.11.2012 im “Lübecker Speicher“ in 17109 Demmin

weitere Infos bei
Feine Sahne Fischfilet