Kein religiöser Staat – kein Militärstaat! Für eine freie Gesellschaft

Der Blogger Maikel Nabil Sanad ist einer der bekanntesten Kritiker der ägyptischen Militärführung.

Maikel Sanad

Dienstag, 19. Februar, 19 Uhr
Aula des Goethe-Gymnasiums
An der Mühle 7
Demmin

Auf der Veranstaltung berichtet er differenziert über die Lage in Ägypten aufgrund seiner Aktivitäten in der Demokratiebewegung und seiner Arbeit zu Kriegsdienstverweigerung und Menschenrechten.
Danach folgt eine offene Diskussion.

Maikel Nabil Sanad kritisierte als Kriegsdienstverweigerer Anfang 2011 die Rolle des ägyptischen Militärs während und nach der Revolution und berichtete auf seinem Blog ausführlich über vom Militär verübte Menschenrechtsverletzungen.
Er wurde daraufhin von einem Militärgericht in einem unfairen Verfahren zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nachdem er zwischenzeitig mehrere Wochen in den Hungerstreik trat, wurde er Ende Januar 2012 nach fast 10 Monaten Haft im Rahmen einer Generalamnestie aus dem Gefängnis entlassen, nachdem sich international viele für ihn eingesetzt haben.

Im Mai 2012 gab es schon eine Veranstaltungsreise quer durch Deutschland zusammen mit seinem Bruder Mark: http://www.connection-ev.de/article-1666

Weiter Infos unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Maikel_Nabil_Sanad und http://www.maikelnabil.com/

Veranstaltet von Aktionsbündnis 8.Mai Demmin
achtermai [@] demmin.de


1 Antwort auf „Kein religiöser Staat – kein Militärstaat! Für eine freie Gesellschaft“


  1. 1 Das Malheur 20. Mai 2013 um 18:28 Uhr

    Nachhilfe in Sachen Demokratie

    „Kein religiöser Staat – kein Militärstaat! Für eine freie Gesellschaft!“
    Unter dieser Überschrift berichtete der Ägypter Maikel Nabil Sanad am 19. Februar in der Aula des Demminer Goethe-Gymnasiums über die dortige Revolution, „die noch nicht zu Ende ist“.
    Warum die gewaltsamen oder friedlichen Herrschaftswechsel dort „Revolution“ genannt werden, ist mir nicht recht klar. Weil es Vergewaltigungen und Tote gibt? Weil der Personalwechsel an der Macht nicht mittels Wahlen stattfindet?
    Und was das mit Frühling zu tun haben soll, erschließt sich mir auch nicht.
    Maikel Nabil Sanad politisierte sich als Kriegsdienstverweigerer. Sicher, Kriegsdienstverweigerung kann es gar nicht genug geben. Nur in „freien Gesellschaften“ können Bürger in Uniform mit gutem Gewissen Menschen abknallen. Maikel forderte u.a. die Trennung von Staat und Kirche in Ägypten. Warum fordert er nicht die Trennung von Staat und Militär? „Kein religiöser Staat – kein Militärstaat!“ Zumal „Militärs keine Ahnung von Wirtschaft“ hätten, Ägypten nur mit demokratischer Regierung ökonomisch in die Vollen gehen könnte, meinte Maikel. So ähnlich wie demokratisch regierte Länder like Portugal, Griechenland oder Spanien, lachte es aus dem Publikum. Tja, kapitaler wirtschaftlicher Erfolg hat nicht unbedingt was mit der Herrschaftsform zu tun – aber Elend produziert er allemal zuhauf. Nicht immer im eigenen Land, wohl wahr. Maikel beklagte den Export von Waffen oder staatlicher Spionagesoftware und die Unterstützung solcher Regimes wie in Saudi-Arabien durch Staaten der EU, incl. Deutschlands. Wenn sowas für demokratische Staaten völlig in Ordnung geht, warum wolle er denn dann Demokratie? Fragte es in der dem Vortrag folgenden, simultan übersetzten Diskussion aus der Zuhörerschaft.
    Ja, was soll man dazu sagen? Hm. Die Armen, die Aufständischen in Ägypten bräuchten keine Ratschläge, man muß ihnen nicht vortragen, was sie zu tun hätten, das wüßten sie nämlich allein. Ja, gut so, kam wieder die Frage aus den besetzten Stuhlreihen, wozu brauchen sie aber dann freie Wahlen? Und gleich nachgeschoben die Frage, was er denke, wozu es Wahlen in Deutschreich gäbe? Hm. Das blieb dahingestellt.
    Maikel unterstrich im selben Atemzug mit seiner Aussage „die Leute wüßten selber, was am besten für sie sei“, daß „es“ halt einfach Politiker braucht, die haben mal eben so verschiedene Lösungsvorschläge für die anstehenden Probleme parat und so, und davon können sich dann die Leute ja einen, den besten aussuchen. Nun, das wäre mir neu, denn gewählt werden ja nicht konkrete Problemlösungen, sondern Figuren, die sich gut verkaufen oder auch nicht. Und dann ohne Rückfragen die kompletten Lebensbedingungen des Folgs bestimmen. Wie es komme, daß es „Jobs“ zum Leben braucht, und ob ein Leben nicht ohne „Jobs“ zu haben sei – das überforderte dann sein Verständnis.
    Na ja, Ökonomie und so Zeugs sei nicht sein Ding, eher Freiheit und Menschenrechte und so. Eine Frage hätte also noch kommen können: in welcher Partei wird Maikel Karriere machen in einem demokratischen Ägypten? Ja, er sollte Politiker werden! Demokratie braucht solche Menschen!
    Aber auf diesen Trichter wird er alleine kommen. Keinesfalls aber auf den Gedanken, daß nicht nur der Export von Waffen („jedenfalls in manche Länder“), sondern auch der Export von Demokratie fraglich ist. Offenbar gibt es wohl keine anderen Möglichkeiten, das menschliche Leben zu organisieren, als unter einer Diktatur oder unter einer Demokratie, nicht wahr.
    Den Nachhilfeunterricht jedenfalls, daß Demokratie eine sehr effiziente und verschleißarme Herrschaftsform ist, die sich hin und wieder die Legimitation ihrer Führungsmannschaft mittels farbenfroher Wahlzettel und Kreuzen von den Leuten abholt, die von diesem Personal eingespannt und regiert werden, diesen Nachhilfekurs hätte man doch einfacher und kostensparender mit Vertretern hiesiger Kreisverbände irgendeiner beliebigen Partei oder ihrer Nachwuchskader hinbekommen. Die hätten das sicher gern und visafrei gemacht.
    Aber, da wäre wahrscheinlich niemand hingegangen, was?

    Das Malheur

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