Archiv für August 2013

Presseberichte zur Preisverleihung

Neben den normalen Berichten von der Preisverleihung, die schon im anderen Blogbeitrag verlinkt sind, gibt es dieses erwähnenswerte:

Einmal ein ausführlicher Bericht zum Aktionsbündnis im Nordkurier

und ein Fernsehbeitrag, der mehr auf Feine Sahne eingeht, beim NDR sowie ein Radiobeitrag von NDR 1

Courage-Preis

Heute wurde dem „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ der Courage-Preis 2013 für Demokratie und Toleranz von der Fraktion Die Linke in Landtag von MV verliehen.

(den zweiten Platz teilt sich übrigens die Band „Feine Sahne Fischfilet“ mit dem Stralsunder Bündnis „Rock gegen Rechts“, dazu ein Statement von Feine Sahne)

Zu diesem Anlass dokumentieren wir hier aus der Rede, die ein Mitglied vom Aktionbündnis bei diesem Anlass gehalten hat:

Am 8. Mai 2009 stand eine Handvoll Menschen mit einem Transparent auf der Hafenbrücke von Demmin „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“. Zeitgleich liefen 200 fackeltragende Neo-Nazis durch die Stadt. Polizeischutz bekamen wir keinen. Im Gegenteil, man ging massiv gegen uns vor und der Bürgermeister rief dazu auf, „Türen und Fenster geschlossen“ zu halten und den braunen Spuk zu ignorieren. Der offizielle Spaziergang zur Kranzniederlegung der Stadtoberen wurde „wegen Nieselregens“ abgesagt.

Angestoßen von diesem Erlebnis und aus der Unzufriedenheit über die mangelnde Unterstützung und diverse Schikanen, beschloss diese kleine Gruppe von Menschen, dass der Protest anders angegangen werden muss und gründete in den nächsten Monaten einen parteiunabhängigen Zusammenschluß. Viele, vom Pastor bis zum Schüler wurden angesprochen. Und etliche, bunt gemischt, kamen. Das Aktionsbündnis 8. Mai war geboren.

Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf den Aktivitäten gegen den Neo-Naziaufmarsch am 8. Mai und gegen die Vereinnahmung der Geschichte der Stadt durch die Neo-Nazis.
Verschiedenste Initiativen und Vereine schlossen sich über die Jahre hinweg an, jedes Jahr wurde der Protest stärker gegen den sogenannten „Ehrendienst“ der Nazis.


Das Friedensfest 2013 um ca. 18 Uhr (Foto: KL)

Ein breites Bündnis war dieses Jahr aktiv auf dem Friedensfest unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters. Darunter Mitglieder demokratischer Parteien, organisierte Antifaschist_innen, Schüler_innen, Unternehmer_innen der Stadt und Bürger_innen. Aus vielen Dörfern und Städten waren Menschen zur Unterstützung angereist. Es war ein bunter und kreativer Protest.
Neben all dem gab es friedliche Sitz-Blockaden, die den Nazi-Aufmarsch deutlich behindert und fast verhindert haben.


Der historische Stadtrundgang 2013 vor der ehemaligen Synagoge (Foto: OS)

Der 8. Mai ist nicht der große Kristallisationspunkt für die Neo-Nazis geworden, wie sie es sich erhofft hatten.
Für die nächsten Jahre haben sie sich wieder angekündigt, sie haben ihren unsäglichen Umzug sogar versucht, gleich für die nächsten 15 Jahre im voraus anzumelden. Aber wir werden auch da sein. Und das nicht nur am 8. Mai.

Wichtig ist uns in der Auseinandersetzung, das ganze Jahr über präsent zu sein. Wir bieten Podiumsdiskussionen, Lesungen und Kulturelles zum Thema Weltoffenheit und Vergangenheitsbetrachtung.
Viel der wichtigen historischen Aufarbeitung der Stadtgeschichte findet durch Mitarbeiter_innen des Regionalmuseums statt, welche auch in unserem Bündnis aktiv sind. Etliche Veranstaltungen konnten wir gemeinsam durchführen.
So wird Kriegsleid sichtbar und mahnt uns, nie wieder Krieg zu führen. Und wer die geschichtlichen Zusammenhänge kennt, wird – hoffentlich – nicht die gleichen Fehler wiederholen.

Gegenüber den Asylsuchenden -ein von den Neo-Nazis derzeit in den Vordergrund gespieltes Thema- kann die Willkommenskultur in Mecklenburg-Vorpommern durchaus noch ausgebaut werden. Die Vorbehalte in der Bevölkerung sind breit verankert. Eine offene Diskussion vor Ort darf nicht gescheut werden. Aber Gespräche können nur dann fruchtbar sein, wenn sie freiwillig sind, von oben verordnet bringen sie nicht viel.
Es muss eine Beteiligungskultur wachsen, es muss Raum geben für ein eigenes Erleben von Anderem und Anderen.


Der Blick auf die zwei größeren Blockaden kurz bevor die Nazis vorbeikommen (2013, Foto: OS)

Lebendige Jugendarbeit, bunte Kultur und eine wirtschaftliche Perspektive, dass gräbt den Neo-Nazis das Wasser ab. In Demmin hat unsere Aktivität schon ein wenig abgefärbt und Menschen mischen sich aktiver in die Gestaltung der Stadt ein.
Ein kleines Beispiel ist eine Gruppe von jungen (und nicht mehr ganz so jungen) Leuten, die neuerdings auf öffentlichen Grünflächen die neue Trendsportart Jugger spielen und alle Zuschauer einladen, mitzutun.

Einiges hat sich in letzter Zeit verbessert, aber noch lange läuft nicht alles reibungslos. Wir wünschen uns mehr Unterstützung durch Politik und Behörden. Immer wieder gibt es Spannungen mit der Versammlungsbehörde. Nicht nur in Demmin.

In Güstrow musste im März diesen Jahres bis zum Oberverwaltungsgericht geklagt werden, um in räumlicher Nähe gegen den Neo-Naziaufmarsch demonstrieren zu dürfen. In anderen Städten und Dörfern in M-V tun sich die Offiziellen schwer, sich klar gegen die Neo-Nazis zu positionieren, was in unserer Demokratie selbstverständlich sein sollte. Aber es gibt auch positive Bespiele wie Greifswald oder Pasewalk.

Initiativen vor Ort zu fördern, auch wenn es unbequem ist, bringt die Zivilgesellschaft weiter. Politikverdrossen sind oft diejenigen, die sich einbringen wollten und deren Bedürfnisse abgebügelt wurden. Es geht um Anerkennung der geleisteten Arbeit und um eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Behörden.

Engagierte Bürger sind keine Bittsteller_innen oder Unruhestifter_innen sondern haben ein gleichberechtigtes Anliegen. Es ist eine Errungenschaft, wenn in unserer Landesverfassung steht, dass die Willensbildung von Parteien und Bürgerbündnissen ausgeht. Dies gilt es umzusetzen. Wir brauchen eine weitere Demokratisierung der Gesellschaft. Dezentrale Mitbestimmungsmöglichkeiten müssen selbstverständlich werden.

Derzeit werden Aktionsbündnissen, von denen es neben uns einige gibt, auch zu anderen Themen, noch zu oft Knüppel zwischen die Beine geworfen. Wir wünschen uns eine breitgefächerte Akzeptanz und Würdigung von zivilgesellschaftlichem Engagement, sowohl in der Bevölkerung als auch auf politischen Ebenen.

Wir empfinden den Courage-Preis als einen Schritt in diese Richtung.

Dankeschön.

Weitere Bilder von 2013 beim Umbruch-Bildarchiv

weitere Berichterstattung zur Preisverleihung: NDR, SVZ, Neues Deutschland,…

Refugees welcome!

Derzeit ist Wahlkampf und an viele Stellen ist auch Rassismus/Rechtsradikalismus ein Thema.
Die Ressentiments in weiten Teilen der Bevölkerung werden dabei aber kaum diskutiert.

Jetzt wurde gerade eine Demonstration am 19.10. angekündigt, die auch nach dem Wahltag den rassistischer Alltag und die Lebensrealität von Flüchtlingen zum Thema machen will:

Aus dem Aufruf:
Ähnlich wie Anfang der 1990er Jahre zeigt sich die herrschende Politik auch heute unfähig und unwillig, sich dem rassistischen Aufbegehren von BürgerInnen und Neonazis entgegenzustellen. Stattdessen werden Asylsuchende mit einer konstruierten „Einwanderung in die Sozialsysteme“ zu Sündenböcken für gesellschaftliche und soziale Probleme gemacht und das Recht auf Asyl von der neoliberalen Sparpolitik als unbezahlbar dargestellt. (…) „Wir haben Jahre gebraucht und viele lebensgefährliche Situationen auf uns genommen, um diese Festung zu überwinden und Schutz in Europa zu suchen. Nun leben wir hier immer noch in ständiger Unruhe und Angst, eingesperrt in einem Lager und isoliert durch die Gesellschaft um uns herum. Die hassen die Flüchtlinge.“ Remsi, 17 Jahre, geflüchtet aus Afghanistan, seit 28 Monaten im Lager in Anklam.

Der gesamte Aufruftext zur Demonstration ist hier zu finden.

Die Demonstration ist eine gemeinsame Aktion von Antifa Rostock, Stop_it-Kampagne und Defiant HGW

Solidarität mit den Geflüchteten!