Archiv für September 2013

Offener Brief an die Stadt Demmin

Hier jetzt der Offene Brief vom „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ an die Stadt Demmin:

Aktionsbündnis 8. Mai Demmin
achtermai[at]demmin.de

An den Stadtpräsidenten und den Bürgermeister der Hansestadt Demmin

Demmin, 19.09.2013

OFFENER BRIEF
zum „Tag der Befreiung vom Faschismus und der Beendigung des 2. Weltkrieges“

Sehr geehrter Herr Stadtpräsident Tabbert, sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Koch,

in den letzten 4 Jahren hat es eine beachtliche Entwicklung im Umgang mit den Aufmärschen von Rechtsextremisten in Demmin gegeben.
Schauen wir auf das Jahr 2009 zurück. Damals am 8. Mai liefen 200 fackeltragende Neo-Nazis durch die Straßen, während seitens der politischen Verantwortungsträger der Hansestadt dazu aufgerufen wurde, „Türen und Fenster geschlossen“ zu halten und den braunen Spuk zu ignorieren. Nur eine Handvoll Menschen stand mit einem Transparent „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“auf der Hafenbrücke von Demmin.
Angestoßen von diesem Erlebnis und aus der Unzufriedenheit mit dieser Situation, beschloss eine kleine Gruppe von Menschen, dass der Protest an diesem Tag anders angegangen werden muss und gründete in den nächsten Monaten einen parteiunabhängigen Zusammenschluss. Viele, vom Pastor bis zum Schüler wurden angesprochen. Das Aktionsbündnis 8. Mai war geboren. Das Ziel unseres Aktionsbündnisses war und ist es, zusammen mit Menschen aus Demmin und Umgebung, Gesicht zu zeigen und aktiv zu werden, sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinander zu setzen.
Der Aufruf zu einem friedlichen und bunten Protest gegen den inzwischen alljährlichen Neo-Naziaufmarsch geschieht seitdem zusammen mit Ihnen, den Vertretern der Stadt.
Das gemeinsam organisierte Friedensfest bildet den Mittelpunkt des Widerstandes gegen die Vereinnahmung der Stadt durch die Neonazis an diesem Tag und steht seit 2011 unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters.
Parallel dazu bietet das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin das ganze Jahr über Podiumsdiskussionen, Lesungen und Kulturelles zum Thema Weltoffenheit und Vergangenheitsbetrachtung an.
Das alles trägt dazu bei, dass sich ein neues Problembewusstsein entwickelt. Wir sind froh darüber, dieses Ergebnis gemeinsam erreicht zu haben.
Diese positive Entwicklung macht es nun möglich und aufgrund des bisherigen hohen ehrenamtlich getragenen Aufwandes auch nötig, die Organisation des Friedensfestes am Hafen künftig in Ihre Hände, die Hände der Stadt zu übergeben. Wir vertrauen dabei auf den heute breit etablierten Konsens in der Region, sich den Neo-Nazi-Aufmärschen sichtbar und aktiv entgegenzustellen.
Als Ansprechpartner und nach Kräften Mitwirkende bleiben wir gerne an Ihrer Seite, bis zum Ende dieser unseeligen „Trauermärsche“ in der Hansestadt Demmin. Denn auch unsere das Jahr umspannenden Aktivitäten für ein demokratisches, weltoffenes Demmin setzen wir fort.

Demmin bleibt bunt!

Mit freundlichen Grüßen

Aktionsbündnis 8. Mai Demmin

neue Tollensetaler

Gerade erschienen:
Ausgabe 3 / September 2013
mit Artikel zu: Beglückte Bürger, Kleine Könige, Weltgeschichten, Aussenraum, Zweitstimme, Denkmalpflege, Landleben, In Sachen Natur und Allerlei

und hier noch ein Nachtrag:
Sonderausgabe zum 8. Mai 2013

Demnächst sollen alle Tollensetaler Stimmen auch auf einer eigene Seite online sein: www.tollensetaler.blogger.de

Das Friedensfest in Demmin

Im Demminer Teil vom Nordkurier erschien heute ein Artikel mit der Überschrift: „Demminer Aktionsbündnis gibt Demokratiefest auf“

Aber keine Angst, es wird nicht weniger Proteste gegen die Nazis geben. Das „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ macht aktiv weiter, auch am 8. Mai.

Eine Erklärung vom Aktionsbündnis dazu folgt noch diese Woche.

Tag des unbequemen Denkmals

Ein Spaziergang, eine Lesung, ein Konzert und Ausstellung/Dokumention zur Geschichte der Orte auf und rund um den Barlachplatz war heute das abwechslungsreiche Programm vom Denkmaltag.

Bewegend war die Lesung mit Karl Schlösser in der Hansebibliothek. Er las aus der neusten Ausgabe von „Demmin – die andere Chronik. Fußnoten lokaler Geschichte“. Dabei kritisierte er die unsägliche Aufstellung der Kanone am Bebelplatz zum Gedenken an die Ulanen, lobte die diversen temporären Veränderungen, die daran vorgenommen wurden.
Irgendwie war es das Gegenstück zum Reservistentag. Auf den Tischen lag eine Vielfalt an Informationen zur gewaltfreien Konfliktlösung.

Viel wurde diskutiert über Symbolik von Denkmälern. Leben lässt sich halt nicht zum Archivieren in Stein meißeln. Die Gedenkstele für die Opfer von Krieg und Gewalt, die (versteinerte) Blütenknospe, bedarf eigentlich der Unterstützung durch Kräuter und Blumen, die die Ritzen der Steinplatten weiter aufsprengen – jeden Tag ein wenig mehr.


Für diesen Tag wurden Bruchstücke der Geschichte des Barlach-Platzes wieder sichtbar.


Auf dem Weg zum Ulanendenkmal liegt der jüdische Friedhof.


Die kriegsverherrlichende, nationalistische Darstellung des 1924 erbauten, 1946 zerstörten und 1994 teilweise wieder hergestellten Ulanen-Denkmals wurde durch die Ausstellung nochmal verdeutlicht.


Das ursprüngliche heroische Reiterbild würden einige in der Stadt gerne wieder errichten – in der jetzigen Form spiegelt es besser das historische Geschehen.

Weiteres zum Reservistentag

Die Artikel zu „Tag der Reservisten“ in Demmin häufen sich.
Gestern erschien auch ein Artikel von uns beim Kombinat Fortschritt der die Ereignisse bis gestern zusammenfasst.

Heute gibt es, leider nicht online, nochmal einen Artikel und Leserbrief im Nordkurier. Es geht um die Ermittlungen der Polizei gegen die Militärpolizei nach der Anzeige vom Filmer Georg Schramm und der Speicherchip ist jetzt Beweismittel, also weiterhin weg. Der Berliner Presserechtler Johannes Weberling bezeichnete gegenüber dem Nordkurier das Verhalten der Militärpolizei als krass rechtswidrig.
Um den Skandal nicht noch größer werden zu lassen wäre es doch das Beste, die Film-Speicherkarte mitsamt der Daten jetzt freizugeben – wird aber wahrscheinlich nicht passieren.

Hier nochmal dokumentiert das Beschlagnahmeprotokoll der Feldjäger. Besonders zu beachten die kleinen Schludrigkeiten, da sie kein passendes Formular hatten.

Während der Anzeige bei der Demminer Polizei durfte der Filmemacher übrigens die normale Toilette dort nicht benutzen, er mußte nach außerhalb oder in den Gefangenentrakt. Der aktive Bürger ist halt gefährlich.

Ein paar bewegte Bilder gibt es doch noch von dem Tag, wenn auch von den Reservisten:
http://www.youtube.com/watch?v=sfjp6TJml1I
Es gibt einen groben Eindruck von der Veranstaltung.
Kurz zu sehen ist Georg Schramm, aber auch diverse VIPs wie Landtagspräsidentin Sylvia Brettschneider und Ex-Landeswirtschaftsminister Seidel.

Aktion Kanone 1

Sonntag, 8.9.13, ist übrigens der „Tag des unbequemes Denkmals“ und von 14 Uhr bis 17 Uhr gibt es diverse Angebote rund um den Barlachplatz: Lesung, Konzert, Ausstellung, Spaziergang,…

Militärpolizei beschlagnahmt Filmmaterial

Vorgestern bei der Eröffnung des Tags des Reservisten auf dem Demminer Marktplatz gibt es Protest: zwei Menschen gehen auf die Bühne und beschweren sich, dass die Bundeswehr einen Tag vor dem Weltfriedenstag Krieg spielen will. Mit Kanonenschlägen war kurz davor das Spektakel eröffnet worden, was eher eine Technikausstellung von Militärgerät war. Die zwei „Störer“ werden entfernt und bekommen einen Platzverweis.
Ein lokaler Kameramann filmt das Geschehen und wird danach massiv bedrängt. Zuerst soll er seine Kamera hergeben, dann soll das Filmmaterial vernichtet werden. Es ginge um das „Recht auf das eigene Bild“ der agierenden Militärpolizisten. Im Keller von Rathaus beschlagnahmt danach die Militärpolizei das Filmmaterial. Damit überschreiten die Feldjäger nicht nur massiv ihre Kompetenzen. Hier geht es um eine Handlung von Funktionsträgern auf einer öffentlichen Veranstaltung. Und das darf nicht dokumentiert werden?

Im Bericht vom Nordkurier über die Veranstaltung auf dem Markt geht es um das ehrenamtliche Engagement, welches an dem Tag das Thema sein sollte, und zwischen die Fronten gerät.
Doch warum lassen die Soldaten auch die Kinder mit dem Kriegsgerät spielen?
Und eigentlich hofft mensch, dass so ein waffenklirrendes Gehabe der Vergangenheit angehört.

Sich wirklich für den Frieden ehrenamtlich einsetzen, dafür gibt es interessanter Organisationen, als die, welche sich am Samstag in Demmin vorstellten. Der Ziviler Friedensdienst ist eine davon. Oder auch der Friedenkreis aus Halle.