Archiv für November 2013

Der Film zum Tag der Reservisten!

Die Aufnahmen vom 31.8.2013 in Demmin sind jetzt öffentlich. Die bewegten Bilder zeigen das ganze Ausmaß des militärischen Spektakels auf dem Marktplatz in Demmin und die seltsame Erklärung der Bundeswehr.

Irgendwie war alles verdreht an diesem Tag der Reservisten: ein Brigadegeneral steht auf der Bühne, rechtfertigt militärisches Agieren von deutschen Soldaten überall auf der Welt, um das von Europa aus definierte System „Recht und Ordnung“ wiederherzustellen, und zu Gewalttätern werden von ihm diejenigen erklärt, die vor der Bühne stehen und eine gewaltfreie, zivile Lösung der Konflikte fordern. Die Feldjäger fühlen sich als zuständige Ordnungsmacht und greifen ein, unterstützt von der Polizei.
Der General geht auf die Äußerungen der Demonstranten ein, versucht einiges umzudeuten. Er erzählt auch noch, dass die Katastrophe für Demmin am Ende vom zweiten Weltkrieg kam und wird dafür auch Applaus von NPD-Anhänger_innen bekommen. Denn anscheinend war das Hauptproblem nicht bei der Machtergreifung der Nazis und der Umsetzung ihrer nationalistischen Ideologie, die ihre Fortsetzung im Beginn des zweiten Weltkriegs durch Deutschland fand. Die Zwischenrufer werden jedenfalls entfernt, bekommen einen Platzverweis.
Georg Schramm dokumentiert das Geschehen auf dem Marktplatz. Die Militärpolizei packt dann wohl doch die Angst vor der Wirkung der Bilder und meint, ihr Agieren dürfe wegen dem Recht am eigenen Bild nicht veröffentlicht werden, beschlagnahmen den Filmchip der Kamera. Nach der Rückgabe ist jetzt daraus ein kurzer Film entstanden:

„Nie wieder Krieg“ war eine klare Erkenntnis aus den Weltkriegen, welche viel Leid und viele Tote mit sich brachten. Der Wiederaufbau der Armee nach 1945 wurde begründet mit der Landesverteidigung gegen den Feind auf der anderen Seite der Mauer, der seit ’89 nicht mehr da ist. Doch viele der aktuellen Reservisten sehen sich in der militärischen Tradition, egal wo sie nach ’45 dienten.

In Demmin gibt es gerade intensiv die Debatte um die Erinnerung an die militärische Geschichte, speziell der in Demmin stationierten Ulanen, der Reiterei im Deutschen Kaiserreich. Enkel und Urenkel dieser Soldaten verteidigen noch heute das Verhalten ihrer Vorfahren. Neue Denkmäler wurden errichtet und Publikationen dazu verfasst, welche die Ulanen als nette Dekoration für die erhofften Touristen darstellen.

Im ersten Weltkrieg töteten sich unter anderem deutsche und französische Soldaten gegenseitig. Während der Kampfhandlungen merkten sie, dass sie miteinander mehr Gemeinsamkeiten hatten als mit denjenigen, welche die Befehle gaben. Der Nationalstolz war aber noch sehr ausgeprägt in den Köpfen, was auch gerade in Demmin noch lange zu spüren war.

Interessant in diesem Kontext ist auch der Film auf arte über den Aufstand der Bäuerinnen und Bauern vom Causse du Larzac, der weltweit ausstrahlte.

Ulanenkrams ohne Ende?

In Demmin scheinen einige die Ulanen wiederbeleben zu wollen. Demmin soll um eine Attraktion reicher werden, die Tradition pflegen. Nach dem Aufstellen der Kanone mit „Infotafel“ im letzten Jahr erschien jetzt vor kurzem ein Flyer, der genauso unkritisch die Ulanen als netten Sportverein mit schicker Uniform darstellt. Dazu soll noch ein Buch erscheinen und auch eine Internetpräsens ist angekündigt.
Daneben solles bald Ulanenbratwurst, Ulanenbier und weiteren Schnickschnack geben.
Ein 77-jähriger erscheint im Nordkurier als Sammler von Ulanen-Zinnfiguren und erzählt über den Aufschwung, den das Militär der Demminer Region gebracht haben soll. Kein Wort über die wirkliche Bedeutung von Krieg, der Gewalt und dem Leid, welches der Krieg für alle gebracht hat und vom Deutschen Kaiserreich ausging.

Einige fordern auch immer noch die Wiederherstellung vom Ulanendenkmals, ein Monument welches im Geiste des deutschen Nationalismus und Germanenkults geschaffen wurde.


Das Ulanendenkmal in seiner jetzigen Erscheinung spie­gelt bes­ser das his­to­ri­sche Ge­sche­hen.

Das Regionalmuseum aus Demmin gibt demnächst eine Broschüre heraus, welches die Geschichte der Ulanen kritisch beleuchtet und ab Dezember erhältlich ist.

Die Diskussion um die Geschichte vor ca. 100 Jahren geht weiter – wir bleiben dran.

Die Speicherkarte ist wieder da!

Die juristsche Unterstützung und der öffentliche Druck sowie die Zeitungsberichte haben gewirkt. Die Staatsanwaltschaft hat die Speicherkarte vom Filmer Georg Schramm mit allen bewegten Bildern vom Reservistentag in Demmin wieder freigegeben.

Es wird überlegt, daraus einen kurzen Film entstehen zu lassen, der kommt aber nicht so schnell.

Einige Informationen zu Fall findet ihr hier und hier.

Wir werden dranbleiben und euch informieren wie es weitergeht, damit die Anzeige gegen die Militärpolizei nicht sang- und klanglos eingestellt wird.

Warum gibt es eigentlich keinen wahrnehmbaren Kommentar der Stadtspitze zu den Ereignissen am Reservistentag?
Ziviles und Militärisches sollten getrennt bleiben und Militärpolizei sollte wirklich nur auf Militärgelände was zu sagen haben.

Eigentlich sollte beim Reflektieren über vergangen Kriege klar werden, dass wir so was nie wieder erleben wollen und sich auch niemand dran beteiligen soll, egal wo auf der Welt! Es gibt andere, gewaltfreie Wege mit Konflikten umzugehen.

Auf nach Schneeberg!

Die Diskussion um Asyl geht weiter. Neben dem, dass die Geflüchteteten sich für ihre Rechte einsetzen und auch viel Aufmerksamkeit bekommen, nutzt die NPD das Thema, um massiv zu hetzen, die Vorbehalte in der Bevölkerung zu nutzen. An einigen Stellen gibt es auch schon Angriffe auf die Unterkünfte der Asylsuchenden wie gerade in Eggesin. In zwei Nächten kurz nacheinander wurde die Hauseingangstür eingeworfen.
Erst vor einem Monat hatten Unbekannte in Güstrow zwei brennende Feuerwerkskörper durch ein Fenster in den Keller der Unterkunft für Asylbewerber geworfen.
Die meiste Unterstützung aus der Bevölkerung erfährt die NPD mit ihrer Agitation derzeit in Schneeberg (Sachsen). Dort reagiert sogar schon die Landesregierung und geht auf die Forderungen der NPD ein. Damit dies nicht noch weitere Kreise zieht, gibt es am Samstag eine bundesweite Demo in Schneeberg.

Auch aus MV (Rostock) fährt ein Bus, denn dann will der rassistische Mob wieder auf die Straße gehen.

Für ein Leben in Frei­heit, Würde und ohne Angst für alle!

Video zum 9.11.2013 in Friedland

Rückblick Friedland 9.11.

Über 5oo verteilt über die ganze Stadt demonstrierten am 75. Jahrestag der Reichsprogromnacht gegen die Hetze der NPD gegenüber den Geflüchteten. Am Marktplatz erwartete die Nazis schon ein breites Bündnis mit vielen Trillerpfeifen und klaren Parolen. Entlang der ganzen Route der Rechten waren Mahnwachen von verschiedenen Organisationen angemeldet worden, um den Protest sichtbar zu machen. Auch in den abgelegenen Teilen der Naziroute konnte die NPD nicht ungestört für ihre menschenverachtenden Position werben. Als die NPD-Demo kurz nach Beginn an dem Friedensfest bei der Nikolaikirchen-Ruine verbeiziehen wollte, gingen hier viele auf die Straße, und so mußten die Nazidemo erstmal wieder umdrehen. Mehrere größere antifaschistische Reisegruppen waren in der Stadt dynamisch unterwegs und brachten den Ablauf der Nazis durcheinander. Die Polizei hatte sich nach einer Weile darauf eingestellt und anscheinend mehr Kräfte zusammengezogen, so daß die NPD dann in der Nähe der Mahnwache vom Aktionsbündnis 8. Mai Demmin beim geplanten Flüchtlingsheim vorbeikam.


Auch in Friedland: Demmin bleibt bunt!

Bis zum Ende des Naziaufmarsches kam es immer wieder zu Störungen.

Über die Stadt verteilte Mahnwachen, Friedensfest, dynamische dezentrale Aktionen – die Proteste in Friedland konnten auf die Erfahrungen aus anderen Städten wie Demmin. Pasewalk, Wolgast und Güstrow zurückgreifen, wodurch eine lebendige Protestkultur sichtbar wurde.

Die meisten Friedländer_innen schauten aber diesmal dem Ereigissen nur interessiert zu. Ein paar liefen auch in der Demo gegen das Flüchtlingsheim mit.
Trotzdem ist der Tag als Erfolg zu werten. Vor ein paar Jahren wäre es nicht zu solchen Protesten in Friedland gekommen.

Erste Berichte auch bei Kombinat Forschritt und Nordkurier

Demminer Mahnwache am 9.11. in Friedland

Direkt vor dem geplanten Asylbewerber*innenheim in der Jahnstraße in Friedland (Mecklenburg) ist am 9.11.2013 eine Mahnwache angemeldet.
Mitglieder vom Demminer Aktionsbündnis 8. Mai werden dort ab 9 Uhr den Tag über präsent sein, um klar zu machen, dass die Flüchtlinge in der Mecklenburgischen Seenplatte erwünscht sind.
Die Demminer Mahnwache ist eine von viele Mahnwachen an diesem Tag in Friedland gegen die NPD-Demo unter dem Motto: „Kein Asylantenheim in Friedland!“, die ab 11 Uhr auf dem Marktplatz starten soll, ausgerechnet am 75. Jahrestag der Reichspogromnacht 1938.

Von viele Organsiationen aus Friedland selbst wird ein Friedensfest an der Nikolaikirchen-Ruine organisiert,
Auch viele weitere Organsiationen beteiligen sich an den Protesten und haben Mahnwachen angemeldet wie das Aktionsbündnis aus Vorpommern, der Demokratieladen aus Anklam,Bunt statt braun Rostock“, mehrere demokratische Parteien und die Kampagne Rassist*innen stoppen. Mitfahrgelegenheit in Bussen gibt es bis jetzt ab Rostock und Greifswald für 5 Euro.

Hiermit rufen wir alle zu kreativem Protesten gegen den Naziaufmarsch am 09.11.2013 in Friedland auf. Findet euch zusammen, fahrt hin und zeigt den Nazis, dass wir ihre rassistischen Hetze nicht wollen!

Nachtrag: wer Mitfahrgelegenheiten aus Demmin sucht wendet sich bitte an das Aktionsbündnis: achtermai@demmin.de

Rassist*innen stoppen am 9.11. in Friedland

Es passiert gerade einiges in Vorbereitung gegen den Naziaufmarsch in Friedland (bei Neubrandenburg)
Die überregionale Mobilisierung startet durch, es gibt Bustickets und Mobilisierungsveranstaltungen (Infos auf http://rassistenstoppen.blogsport.eu)
Dort findet ihr auch nen Aufruf und Plakat/Flyer für die Proteste am 9.11. sowie in den folgenden Tagen wichtige Infos zu der Naziroute und den Mahnwachen/Protesten.

In der Stadt selbst waren bei der öffentlichen Präventionsratsitzung Viele anwesend und haben für den 9.11. ein Friedensfest an der Ruine der Nikolaikirche angekündigt. Sie wollen zeigen, dass die Asylbewerber*innen willkommen sind. Unter dem Namen „Friedland – friedliches Land“ wurde ein Bündnis gegen Rechts gebildet.

Morgen wollen viele Friedländer*innen sich mit einer Monatgsdemo und Friedensgebet gegen die Rassist*innen wehren und freuen sich auf Unterstützung.

Die Asylsuchende sind noch nicht in Friedland untergebracht. Im Dezember sollen ca. 80 Menschen dann in der Jahnstraße untergebracht werden.
Die Rechten nutzen verstärkt die Asylthematik um für ihre menschenverachtende Ideologie zu werben, deren Potential in Friedland nicht unterschätzt werden darf.

Also am 9.11. auf nach Friedland!!! Rassist*innen stoppen!!!