Der Film zum Tag der Reservisten!

Die Aufnahmen vom 31.8.2013 in Demmin sind jetzt öffentlich. Die bewegten Bilder zeigen das ganze Ausmaß des militärischen Spektakels auf dem Marktplatz in Demmin und die seltsame Erklärung der Bundeswehr.

Irgendwie war alles verdreht an diesem Tag der Reservisten: ein Brigadegeneral steht auf der Bühne, rechtfertigt militärisches Agieren von deutschen Soldaten überall auf der Welt, um das von Europa aus definierte System „Recht und Ordnung“ wiederherzustellen, und zu Gewalttätern werden von ihm diejenigen erklärt, die vor der Bühne stehen und eine gewaltfreie, zivile Lösung der Konflikte fordern. Die Feldjäger fühlen sich als zuständige Ordnungsmacht und greifen ein, unterstützt von der Polizei.
Der General geht auf die Äußerungen der Demonstranten ein, versucht einiges umzudeuten. Er erzählt auch noch, dass die Katastrophe für Demmin am Ende vom zweiten Weltkrieg kam und wird dafür auch Applaus von NPD-Anhänger_innen bekommen. Denn anscheinend war das Hauptproblem nicht bei der Machtergreifung der Nazis und der Umsetzung ihrer nationalistischen Ideologie, die ihre Fortsetzung im Beginn des zweiten Weltkriegs durch Deutschland fand. Die Zwischenrufer werden jedenfalls entfernt, bekommen einen Platzverweis.
Georg Schramm dokumentiert das Geschehen auf dem Marktplatz. Die Militärpolizei packt dann wohl doch die Angst vor der Wirkung der Bilder und meint, ihr Agieren dürfe wegen dem Recht am eigenen Bild nicht veröffentlicht werden, beschlagnahmen den Filmchip der Kamera. Nach der Rückgabe ist jetzt daraus ein kurzer Film entstanden:

„Nie wieder Krieg“ war eine klare Erkenntnis aus den Weltkriegen, welche viel Leid und viele Tote mit sich brachten. Der Wiederaufbau der Armee nach 1945 wurde begründet mit der Landesverteidigung gegen den Feind auf der anderen Seite der Mauer, der seit ’89 nicht mehr da ist. Doch viele der aktuellen Reservisten sehen sich in der militärischen Tradition, egal wo sie nach ’45 dienten.

In Demmin gibt es gerade intensiv die Debatte um die Erinnerung an die militärische Geschichte, speziell der in Demmin stationierten Ulanen, der Reiterei im Deutschen Kaiserreich. Enkel und Urenkel dieser Soldaten verteidigen noch heute das Verhalten ihrer Vorfahren. Neue Denkmäler wurden errichtet und Publikationen dazu verfasst, welche die Ulanen als nette Dekoration für die erhofften Touristen darstellen.

Im ersten Weltkrieg töteten sich unter anderem deutsche und französische Soldaten gegenseitig. Während der Kampfhandlungen merkten sie, dass sie miteinander mehr Gemeinsamkeiten hatten als mit denjenigen, welche die Befehle gaben. Der Nationalstolz war aber noch sehr ausgeprägt in den Köpfen, was auch gerade in Demmin noch lange zu spüren war.

Interessant in diesem Kontext ist auch der Film auf arte über den Aufstand der Bäuerinnen und Bauern vom Causse du Larzac, der weltweit ausstrahlte.