Archiv für Februar 2014

Gedenkkulturen und Veränderungen

Sowjetische und deutsche Kriegsgräber – Veränderungen im Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges nach 1990 in Demmin und anderenorts.

Veranstaltung des Demminer Regionalmuseums und des Aktionsbündnisses „8. Mai Demmin“

Donnerstag, 13. März 2014, 18.00 Uhr im Museum (Demmin, Hanseufer 2, 4. Etage)


Sowjetische Kriegsgräber am Barlachplatz in Demmin

Der Zweite Weltkrieg endete in Demmin mit zahlreichen Selbsttötungen und einer großflächigen Zerstörung der Stadt. Nach der weitgehenden Tabuisierung der Ereignisse zu DDR-Zeiten brach in der Stadt eine Debatte um die Deutung der Vergangenheit aus, wurden der sowjetische Friedhof umgestaltet und Erinnerungszeichen neu gesetzt, besetzten Rechtsextreme das Thema. Was setzt die Erinnerungspolitik der Stadt dagegen? Welchen Stellenwert hat historisches Wissen gegenüber Gedenken? In der Stadt, in ihren Schulen weiß und spricht man jetzt mehr über die zivilen deutschen Kriegstoten. Wie steht es um das Wissen über Einsatz und Tod sowjetischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter/innen in der Stadt, in Demmin-Woldeforst, in den Dörfern der Umgebung? Wie hält man es in anderen Kommunen mit sowjetischen Grabanlagen?

Diesen Fragen gehen in einem Podiumsgespräch nach:
Dr. Lutz Prieß und Sebastian Kindler, Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst
PD Dr. Elke Scherstjanoi, Institut für Zeitgeschichte München-Berlin
Dr. Michael Koch, Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und Bürgermeister der Stadt Demmin
Eleonore Wolf, Leiterin des Stadtarchivs Neubrandenburg, das u.a. zuständig ist für die Sammlung, Dokumentation und Bewahrung von Beständen zur Gedenkstätte Fünfeichen
Dr. Petra Clemens, Demminer Regionalmuseum
Moderation: Thoralf Plath, Journalist beim Nordkurier, Lokalredaktion Demmin

Einleitend spricht Dr. Lutz Prieß zur Frage „Sowjetische Gräberstätten in Deutschland – unbequeme Denkmale?“. Sebastian Kindler stellt das Dokumentationsprojekt „Sowjetische Grabstätten und Ehrenmale in Deutschland“ des Museums Berlin-Karlshorst vor. (jeweils 15 Minuten) Im Anschluss an die Veranstaltung besteht die Möglichkeit, in der Datenbank des Deutsch-Russichen Museums gezielt nach Orten (in der Region) zu recherchieren.

Wir laden Sie herzlich ein und freuen uns auf eine Diskussion, in der wir gemeinsam den Stand der Dinge aufnehmen und Überlegungen für zukünftige Erinnerungsarbeit und Gedenkkultur vor Ort anstellen.

Nazis in Waren (Müritz) und Dresden

Nachdem die Nazis an vielen Orten bei ihren Aufmärschen immer wieder blockiert werden und dann unglücklich nach Hause gehen, versuchen seit einer Weile mit dezentralen Konzepten, wie jetzt in Dresden und Waren (Müritz)

Dass 300 Nazis in Dresden am 12.2. in Dresden laufen konnten – unter massivem Protest – ist wirklich unschön, es ist aber nicht der erhoffte Erfolg der Nazis, nicht der groß angekündigte Gedenkmarsch. Am 13.2. haben sie ihre Anmeldungen ganz abgesagt und mischten sich teilweise unter die bürgerliche Menschenkette.

Da sie die Niederlage in Dresden nicht hinnehmen wollten, demonstrierten Nazis aus MV kurzfristig in Waren (Müitz) – mit Unterstützung aus Dresden.
Nach außen feiern es die Nazis als Erfolg, aber 50 Teilnehmer*innen eines Aufmarsches durch fast leere Straßen hat nicht die Wirkung, die sie sich erhoffen, auch wenn es wirklich ekelhaft aussah. Auch diese letzten Reste müssen angegangen werden.

In Demmin wollen sie es dieses Jahr am 8. Mai wohl doch noch versuchen mit nem „richtigen“ Aufmarsch – versalzen wir ihnen die Suppe.

Tollensetaler 4/2013

Nachtrag: der Tollensetaler 4/2013

mit Beiträgen zu:

- Streitkultur
- Man treibt Schindluder mit der Natur
- Kanonendonner & Böllerschüsse
- Viva la vida
- Herbst in Zarnekla
- Im Kulturrat Zukunft schaffen
- Arbeitslose Kompetenz im Zentrum
- Feste Filme in blauen Augen
- …

Es gibt jetzt eine eigene Seite für den Download:
http://tollensetaler.blogger.de/

Put an end to the Myth of Dresden!

Vor ein paar Jahren noch kamen Tausende Rechtsradikale um den 13.2. nach Dresden, um der deutschen Opfer zu Gedenken. Durch antifaschistischen Widerstand ist die Anzahl der teilnehmenden (Neo)Nazis drastisch gesunken. Trotzdem wurde wieder ein Naziaufmarsch angekündigt, offiziell reduziert auf eine Kundgebung. Dem wollen wir entgegentreten.

Bei der Diskussion um die Vergangenheit geht es auch um das Gedenken aus der „Mitte“ der Gesellschaft. Noch immer schwafeln einige von der unschuldigen Kunst- und Kulturstadt, es kursieren überhöhte Opferzahlen und nahezu jedes Jahr wird mit neuen Denkmälern aufgetrumpft.

Am 13.2.14 startet ab 14 der »Mahngang Täterspuren« Stoppen wir die Nazis, wenn sie ihre menschenverachtende Ideologie auf die Straße tragen. In den letzten 4 Jahren konnte der Aufmarsch erfolgreich blockiert werden, also: Let’s do it again!
Put an end to the Myth of Dresden!

Die schwarze Eule

Dem Naturschützer, Pazifist und Kriegsdeserteur Kurt Kretschmann ist eine Sonderausstellung vom Warener Müritzeum gewidmet, die am Montag, 10. Februar um 16 Uhr im NaturErlebnisZentrum Waren eröffnet wird. Die Ausstellung ist entstanden in einer Zusammenarbeit der Berliner Friedensbibliothek und des Hauses der Natur Bad Freienwalde.
Kretschmann praktizierte den Widerstand gegen Krieg und Nazis. Er pflegte den natürlichem Gartenbau und die vegetarischer Lebensweise.
Zusammen mit seiner Frau Erna hat er jahrzehntelang viel bewegt im Naturschutz Ostdeutschlands und war seit 1991 Ehrenpräsident des Naturschutzbundes. Im Jahr 1993 erhielt er gemeinsam mit seiner Frau den Europäischen Umweltpreis.

Die schwarze Eule auf gelbem Grund ist heute Symbol des Naturschutzes. Geprägt hat es Kurt Kretschmann, der auch die weltweit erste Naturschutzlehrstätte in Müritzhof 1954 mitbegründete.

In der Diskussion um die Militäreinsätze der Bundeswehr in Afrika und den Waffenexporten in alle Welt, auch aus MV, ist es gut zu sehen, dass es hier auch andere Traditionen gibt. Es braucht kein Bundeswehr-Planspiel POL&IS in den Schulen, das von der Logik in ein militärisches Agieren führt. Genausowenig wie ein militärisches Eingreifen von Deutschland in der Welt.
Wie Erna und Kurt Kretschmann zeigten, gibt es einen gewaltfreieren Umgang miteinander und einen schonenderes Verhalten mit der Natur.

Willkommenskultur gemeinsam gestalten

Den Statistiken nach steigt die Zahl der Geflüchteten, die nach Deutschland kommen. Und so werden auch in unserer Region mehr Geflüchtete ankommen, was der Region nur gut tun kann.

Während des Historischen Spaziergangs

Denn meist wird nur gejammert über die Demographie, Abwanderung und anderes. Zwar kommen die Asylsuchenden hierher, weil sie die Verwaltung zugeteilt hat, aber einige sind trotzdem teilweise erst mal zufrieden, angekommen zu sein. Die Verbesserung der Bedingungen, unter denen sie hier leben, ist notwendig für ein menschenwürdiges Dasein.
Die viel besprochene Willkommenskultur ist ausbaufähig. Dafür braucht es mehr Initiativen von unten, denn die Ämter verwalten das Problem oft nur. Zwar wird auf Landesebene das Problem auch langsam erkannt, doch vor Ort sind die Schwierigkeiten unterschiedlich.
Sinnvoll wäre beispielsweise, mit den Schulen/Kindergärten, Vereinen, Verwaltung, Politik, mögliche zivilgesellschaftliche Kräfte,… vor Ort einen Runden Tisch zu veranstalten und zu schauen, was im Detail umzusetzen ist.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Broschüre: „Gemeinsam Willkommenskultur gestalten“ von der Amadeu-Antonio-Stiftung und Pro Asyl, die gerade erschienen ist und von der einige Beiträge online sind.

Wichtig ist ein offensiver Umgang, heißt nicht „wir müssen ….“ sondern „wir wollen Flüchtlinge aufnehmen, freuen uns auf mehr kulturelle Vielfalt … wollen die Aufgabe gemeinsam mit engagierten Menschen aus der Stadt angehen…“