Archiv für Juli 2014

Traditionslinien

In diesem Jahr jährt sich zum hundertsten Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges, der oftmals als die historische “Urkatastrophe” bezeichnet wird. Die Auswirkungen des Krieges waren tatsächlich katastrophal in seinen Ausmaßen und traumatisch für viele Generationen. Millionen von meist jungen Menschen wurden in einen vermeidbaren Krieg geschickt. Der Erste Weltkrieg markiert einen Einschnitt in die Geschichte unserer Zivilisation, ohne ihn sind der Zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus nicht zu erklären.

Das Ausrücken der Demminer Ulanen in den ersten Weltkrieg:
Ulanen 1914

Wie brutal die Kriegsführung schon vor dem ersten Weltkrieg im Deutschen Kaiserreich war, der noch zusätzlich ein Rassewahn innewohnte, zeigte die Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama („Hottentotten“) in Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia) von 1904 bis 1908. Der Kampf der deutschen Kolonialherren war gnadenlos und wurde zum ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.
Die Kriegführung Trothas zielte auf die vollständige Vernichtung der Herero ab („Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muß“ und wurde darin vom Chef des Generalstabs Alfred Graf von Schlieffen („Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung einer Partei abzuschließen.“) und Kaiser Wilhelm II. unterstützt. Im Anschluss an die Kampfhandlungen wurden die Herero und Nama in Konzentrationslagern interniert, in denen annähernd jeder zweite Insasse starb. Vom um 1904 auf rund 80.000 bis 100.000 Personen geschätzten Hererovolk lebten 1911 nur noch 15.130 Personen. Die Bundesregierung hält unverändert daran fest, dass es sich ihrer Ansicht nach nicht um einen Völkermord gehandelt habe. Dass die Bundeswehr mit die­ser Ver­gan­gen­heit nie kom­plett ge­bro­chen hat, belegt beispielsweise die Panzergrenadier-Kaserne in Lüneburg, die ab 1958 Schlieffen-Kaserne hieß und bis heute so genannt wird.

Aus Demmin waren in Deutsch-Südwest-Afrika ab 1904 dabei: 78 Ulanen und 3 Unteroffiziere, ab 1905 der Offizier Ernst von Maltzan, Freiherr von Wartenberg und Pentzlin. Alle hatten sich freiwillig gemeldet. Drei dieser Ulanen starben im Kampf, fünf an Krankheiten, vor allem Typhus.

Andere Wege schlug ein wenig später beispielsweise Ernst Barlach ein:

Ernst Bar­lach ver­än­der­te sich, vor allem durch seine di­rek­ten Er­fah­run­gen im ers­ten Welt­krieg, vom Kriegs­be­für­wor­ter zum Kri­ti­ker von Ge­walt und Kriegs­geg­ner. In der Nazi-Zeit galt seine Kunst als entartet.

Bunter Widerstand mit Blumen in Bützow

Um die 300 Menschen zeigten sich gestern in Bützow solidarisch mit den Flüchtlingen und demonstrierten gegen die menschenverachtende Hetze – trotz der kurzfristigen Bekanntmachung von der „Bürger-Demo“ gegen Asylmissbrauch, die dann doch ein Naziaufmarsch war. Entlang der ganzen Route gab es immer wieder Proteste. Drei Sitzblockaden auf der Nazistrecke gelangen, und zwangen die ca. 120 Rassist_innen zu Planabweichungen.


Direkt neben den Gegendemonstrant_innen sammelten sich die Nazis, nach einer Weile durch Polizeiautos getrennt.

Als es kurz nach 11 losgehen sollte, lief die Gegendemo spontan auf die geplante Route und sperrte eine Brücke.
Dadurch musste der Aufmarsch mit Verspätung in umgekehrter Reihenfolge losgehen.

Auch wenn zu Beginn gleich die freien Kameradschaften in ihrem klassischen Outfit zu sehen waren – spätestens am Marktplatz zeigte sich dann der volle Einfluss der NPD. Udo Pastörs betrieb seine Propaganda im bekannten Stil. Spontaner Applaus von Passant_innen blieb aus, dafür gab es Technomusik, die den Marktplatz beschallte.

Am Forsthof war schon am Morgen ein Infotisch aufgebaut worden.

Die zweite Zwischenkundgebung am Leninplatz mussten die Nazis sogar ganz ausfallen lassen, weil ihnen der Weg am Forsthof versperrt war.
Die Polizei wollte anscheinend größere Konfrontationen mit den Gegendemonstrant_innen vermeiden und löst die Blockaden nicht auf.

Zwar waren einige Bützower_innen schockiert, wer bei den Nazis mitlief, aber die Nazis hatten fast nur ihr leider schon bestehendes Klientel mobilisieren können.

Die Marschformation in Dreier-Reihen löste sich nach der Hälfte der Demo wieder auf. Dazu reichte die Disziplin dann doch nicht.


Die dritten Blockade auf der L11 zwang die Rechten mit ihrem Lautprecherwagen über eine Wiese auszuweichen, um ihr Hetze gegen die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Bützow in der Karl-Marx-Str. fortsetzen zu können.


Einige Frauen wurden mal wieder das Frontbanner in die Hand gedrückt.


Die Hoffnung, der Rassist_innen, in Bützow mehr „normale“ Bürger_innen zum Mitmachen zu bewegen, misslang, sie blieben klar unter der von Ihnen mit 150 angekündigten Teilnehmer_innenzahl.

Angetan war die erst seit Juni existierende Gruppe „Eine Blume für Bützow“ von der breiten Unterstützung, die trotz des heißen Sommerwetters in Bützow Gesicht zeigte.

Bützow zeigt sich: Keine Toleranz für Intoleranz!

Morgen, 19.7. wollen die Nazis und Rassist_innen ab 10.30 durch Bützow marschieren und zwar direkt an den Wohnungen der Flüchtlinge vorbei. Dies wurde kurzfristig bekannt und um so wichtiger ist, dass die, die es jetzt mitbekommen, erscheinen.
Zeigt Solidarität mit Flüchtlingen und kommt, damit sie nicht ungestört demonstrieren können!

Die Route der Nazis:
Schlossparkplatz Treffpunkt (10:30), Landesstraße 11 zur Karl-Marx-Straße, dann zurück L 11 Richtung Rosengarten, Forsthof, Leninring, Leninplatz, Rühner Landweg, Gartenstraße, Rathaus, Schlossparkplatz.
Kundgebungen der Nazis sind am NEC-Parkplatz (Karl-Marxstr), am Leninplatz (nahe Rühner Landweg) und am Rathaus vorgesehen.

Entlang der Naziroute wird es verschiedene Infopunkte geben. Ab 9.30 Uhr treffen sich alle, die ein Zeichen für ein tolerantes Bützow setzen wollen, auf dem Schloßparkplatz Es ist erwünscht, kreaktiven, lauten und bunten Protest dem Nazi- und Rassist_innenaufmarsch entgegen zu bringen. Die Infotische sollen an folgenden Orten sein: Rühner Landweg, Karl-Marx straße, Forsthof, am Schlossparkplatz (in Nähe zu den Flüchtlingswohnungen) und vielleicht auch noch ein Stand am Rathaus.


Hier der Aufruf aus Bützow:

Bützow zeigt sich: Keine Toleranz für Intoleranz!

Für morgen, den 19. Juli, rufen Rassist_innen und Neonazis im Deckmantel einer vermeintlichen „Bürgerinitiative“ unter dem Motto „Asylmissbrauch nicht mit uns! Būtzow wehrt sich“ ab 10.30 Uhr zu einer Demonstration durch Bützow auf. Sie wollen damit ihr menschenverachtendes Weltbild durch Bützows Straßen tragen und gezielt direkt an den Wohnungen der kürzlich angekommenen Flüchtlinge entlang hetzen.

Das Bützower Bündnis für eine offene Gesellschaft will das nicht ungestõrt zulassen und ruft dazu auf, gegen den Aufmarsch der Nazis und RassistInnen kreaktiv, laut und bunt zu protestieren!

Als sogenannte „Bürgerinitiative gegen Asylantenwohnungen in Bützow“ hetzen die Organisatoren der Demonstration auf Facebook seit Wochen und Monaten gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in Bützow. In den Kommentaren fallen neben permanenten rassistischen Kommentaren bis hin zu Gewaltaufforderungen, nicht selten Aufrufe für ein „zweites Lichtenhagen“.

Wir wollen diesen Aufmarsch nicht ungestört durch Bützow ziehen lassen! Wir wollen laut, bunt und kreativ unseren Protest gegen ihre menschenverachtende Einstellungen entgegen bringen. Mehrere Infostände sind in der direkten Nähe der Demoroute geplant. Die anwohnenden Flüchtlinge werden von uns nicht alleine gelassen. Wir solidarisieren uns mit ihnen und rufen alle dazu auf, dies mit uns zu tun!

Das Bützower Bündnis für eine offene Gesellschaft und Toleranz setzt sich ein für eine vielfältige, solidarische und offene Gesellschaft, in der Rassismus und Neonazismus keinen Platz haben!

Das Bündnis, dass sich aus allen namhaften Vereinen der Stadt, vielen Unternehmen, Kirchen, der Stadtverwaltung, den Stadtparlamentsfraktionen und vielen Bürgerinnen und Bürger zusammensetzt, hat bereits in der Vergangenheit ein positives Zeichen gesetzt und sich zur gemeinsamen gesellschaftlichen Verantwortung, hilfesuchenden Menschen Zuflucht zu gewähren, bekannt.

Für ein Leben in Freiheit und Sicherheit für alle Menschen!

Eine Blume für Bützow – keine Rassist_innen-Demo!

Nach aktuellen Infos soll am Samstag, 19.7.2014 eine Nazi-Demo ab 10 Uhr durch Bützow unter dem Motto: „Asylmissbrauch – nicht mit uns ! – Bützow wehrt sich“ geben. Offiziell soll es eine „Bürger-Demo“ sein, hinter der sich aber die NPD-Kader gerne verstecken. Der Naziaufmarsch soll auch an Wohnungen von Flüchtlingen vorbeigehen.
Dagegen organisiert sich gerade Widerstand! Es wird auf alle Fälle Proteste dagegen geben!
Haltet die Augen und Ohren offen, wir informieren über weiteres. Nachtrag: Hier findet sich die Aktualisierung

Was der gemeinsame interfraktionelle Beschluss der demokratischen Landtagsfraktionen zum partnerschaftlichen Umgang zwischen Polizei und DemonstrantInnen sowie zum legitimen Einsatz von spontanen Sitzblockaden taugt, wird sich am Samstag zeigen.

Eine Blume für Bützow – Refugees welcome!