Traditionslinien

In diesem Jahr jährt sich zum hundertsten Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges, der oftmals als die historische “Urkatastrophe” bezeichnet wird. Die Auswirkungen des Krieges waren tatsächlich katastrophal in seinen Ausmaßen und traumatisch für viele Generationen. Millionen von meist jungen Menschen wurden in einen vermeidbaren Krieg geschickt. Der Erste Weltkrieg markiert einen Einschnitt in die Geschichte unserer Zivilisation, ohne ihn sind der Zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus nicht zu erklären.

Das Ausrücken der Demminer Ulanen in den ersten Weltkrieg:
Ulanen 1914

Wie brutal die Kriegsführung schon vor dem ersten Weltkrieg im Deutschen Kaiserreich war, der noch zusätzlich ein Rassewahn innewohnte, zeigte die Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama („Hottentotten“) in Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia) von 1904 bis 1908. Der Kampf der deutschen Kolonialherren war gnadenlos und wurde zum ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.
Die Kriegführung Trothas zielte auf die vollständige Vernichtung der Herero ab („Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muß“ und wurde darin vom Chef des Generalstabs Alfred Graf von Schlieffen („Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung einer Partei abzuschließen.“) und Kaiser Wilhelm II. unterstützt. Im Anschluss an die Kampfhandlungen wurden die Herero und Nama in Konzentrationslagern interniert, in denen annähernd jeder zweite Insasse starb. Vom um 1904 auf rund 80.000 bis 100.000 Personen geschätzten Hererovolk lebten 1911 nur noch 15.130 Personen. Die Bundesregierung hält unverändert daran fest, dass es sich ihrer Ansicht nach nicht um einen Völkermord gehandelt habe. Dass die Bundeswehr mit die­ser Ver­gan­gen­heit nie kom­plett ge­bro­chen hat, belegt beispielsweise die Panzergrenadier-Kaserne in Lüneburg, die ab 1958 Schlieffen-Kaserne hieß und bis heute so genannt wird.

Aus Demmin waren in Deutsch-Südwest-Afrika ab 1904 dabei: 78 Ulanen und 3 Unteroffiziere, ab 1905 der Offizier Ernst von Maltzan, Freiherr von Wartenberg und Pentzlin. Alle hatten sich freiwillig gemeldet. Drei dieser Ulanen starben im Kampf, fünf an Krankheiten, vor allem Typhus.

Andere Wege schlug ein wenig später beispielsweise Ernst Barlach ein:

Ernst Bar­lach ver­än­der­te sich, vor allem durch seine di­rek­ten Er­fah­run­gen im ers­ten Welt­krieg, vom Kriegs­be­für­wor­ter zum Kri­ti­ker von Ge­walt und Kriegs­geg­ner. In der Nazi-Zeit galt seine Kunst als entartet.


1 Antwort auf „Traditionslinien“


  1. 1 Kritiker_in 01. August 2014 um 16:06 Uhr

    In Demmin finden noch viele die Ulanen trotz der Taten toll, haben ihnen auch September 2012 ein neues Denkmal gestellt.
    Und die Bundeswehr hat letzten August auf dem Markplatz ein krasses Spektakel veranstaltet

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