Kriege verhindern ist Handarbeit! Ein Kommentar zu: Festumzug: Wie sieht das dunkelste Kapitel aus?

Uns erreichte folgender Kommentar von Peter K., welchen wir hier veröffentlichen:

Heute, am Abend vor dem 1. September, dem Weltfriedenstag, wude über die leider immer noch existierende Kanone am Bebelplatz in Demmin wieder ein Kondom gestülpt. Anlass war auch der Nordkurierartikel vom 28. August: Festumzug: Wie sieht das dunkelste Kapitel aus?: „Wir wollen mit dem Umzug an wichtige Kapitel der Stadtgeschichte erinnern. Nicht alles lässt sich umsetzen, klar. Aber der 8. Mai ist ein Muss.“ so Karsten Behrens, der Hauptorganisator vom Festumzug. „Inzwischen hat man sich, nach vertraulichen Gesprächen mit Altbürgermeister Ernst Wellmer und Günther Behnke als Vertreter des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, auf eine stille Variante geeinigt: Ein Lkw der Stadtwerke soll auf der Ladefläche, von der die seitlichen Klappen demontiert werden, eine Nachbildung des Kugelkreuzes tragen. Besagtes Kreuz steht als markantes Mahnmal auf dem 45er Gräberfeld, in dem auch viele Opfer der Massensuizide bestattet liegen.“

Das Einizge, was also beim Festumzug zur Nazizeit präsent sein soll ist die Trauer über die Demminer Toten von ’45. Damit wird wieder unterstrichen, dass die Stadt den Tiefpunkt der Geschichte ’45 sieht bei der Zerstörung von Demmin und nicht bei der Machtergreifung der Nazis oder dem Kriegsbeginn. Komischerweise läuft diese Trauer dann nicht unter dem Termin 30.4./1.5. sondern unter dem Termin 8. Mai. Das heißt der 8. Mai ’45 wird anscheinend betrauert, nicht als Tag der Befreiung vom Faschismus gefeiert, was sehr nah an der Deutung der Nazis liegt. Von einem Ulanenverein, der sich mit Geschichte beschäftigen will, könnte ein wenig mehr Reflektion erwartet werden…


Bild vom Mittag des 1.9. – das Kondom war lange auf der Kanone.

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Auszüge vom Aufruf des Rostocker Friedensbündnis:

Der 1. September ist der Tag, der an den faschistischen deutschen Überfall auf Polen 1939 und damit die Auslösung des Zweiten Weltkriegs erinnert. In diesem Jahr, 70 Jahre nach 1945, denken wir auch an die Befreiung vom Faschismus, die diesen Krieg beendete. Frieden zu fordern, ist besonders an diesem Tag nötig. Denn die Lehren aus der Geschichte sind nicht gelernt.
„Wer noch einmal ein Gewehr in die Hand nehmen will, dem soll die Hand abfallen!“ Mit diesen Worten wird Franz Josef Strauß (CSU) aus dem Jahr 1949 zitiert. Aber das war nur der Populismus einer Rede im Wahlkampf zum ersten Deutschen Bundestag. Bald erfolgte die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Heute ist Deutschland das viertgrößte Waffenexportland und schickt wieder Bewaffnete in die Welt: angeblich in Friedensmissionen oder zu Ausbildungszwecken, in Wirklichkeit zur Durchsetzung ökonomischer und strategischer Interessen. (siehe auch die Diskussion in Japan dazu)

Aus den Ländern, bei deren Zerstörung die bundesdeutsche Außenpolitik geholfen und damit auch Kräften wie dem IS den Weg bereitet hat, in die deutsche Waffen gehen und in denen sich die Bundeswehr „engagiert“, kommen Flüchtlinge zu uns. Hier gibt es viele Menschen, die ihnen helfen wollen. Aber hier werden sie auch mit Steinen beworfen, ihre Heime werden angezündet oder sie werden auf der Straße beschimpft.
(Dazu ein Kommentar aus den Tagesthemen vom 25.8.2015).

Viele wollen aber derzeit den Flüchtlingen helfen Es macht Mut, zu sehen, wie das Verständnis der meisten Menschen für die Lage der Flüchtlinge tagtäglich der offiziellen Politik Lehren erteilt.


7 Antworten auf „Kriege verhindern ist Handarbeit! Ein Kommentar zu: Festumzug: Wie sieht das dunkelste Kapitel aus?“


  1. 1 Garnisonsverein Demmin e.V. 06. September 2015 um 21:43 Uhr

    Bei der Kritik an der Ausgestaltung des Festumzuges „875 Jahre Demmin“ – Jahr 1945 – übersehen Sie, dass es um eine unpolitische und überparteiliche Veranstaltung mit Volksfestcharakter geht – sonst nix. Da ist der Beitrag im historischen Teil m.E. absolut angemessen. Und genau so wird das von den Demminern auch bewertet. Und um die geht es beim Stadtjubiläum.
    Bezüglich der Aktion am Weltfriedenstag (Mülltüte über Kanonenrohr – die Story mit dem Kondom erschließt sich mir nicht so recht)nur der Vollständigkeit halber hier das Statement der Garnisonsvereins, veröffentlicht als Leserbrief am 04.09. in der Demminer Zeitung:
    Leserbrief von Hans Schommer, Stv. Vorsitzender des Garnisonsverein Demmin „9. Ulanen“ e.V. zur Berichterstattung der DZ am 02.09.2015 „Eine Kanone mit Kondom“.
    Meiner Meinung nach gibt es an dieser „friedensbewegten Aktion“ nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Ich finde es gut, dass sich noch Leute engagieren, um der Gesellschaft den Weltfriedenstag anschaulich in’s Gedächtnis zu rufen. Man mag in Zweifel ziehen, ob das Stülpen einer Mülltüte über die Nachbildung einer Kanone einen entscheidenden Beitrag zur Kriegs-verhütung leisten kann. Und gar trefflich lässt sich über Geschmack streiten. Aber an der Kanone wie auch am Platz vor der Ostkaserne wird diese mit Blick auf das Weltgeschehen durchaus gerechtfertigte Demonstration gegen Krieg und Gewaltherrschaft spurlos – heißt ohne die vielerorts verübten Beschädigungen und Schmierereien – vorrübergehen. Und das dürfen die „linken Aktivisten“ zumindest von meiner Seite aus als gewaltigen Plus- und Sym-pathiepunkt verbuchen. Wegen des sanften und friedfertigen Charakters sollte die Stadt einer solchen Aktion einen mindestens 24 stündigen Bestandsschutz gewähren. Dies wäre m.E. nicht nur taktisch klug, sondern bewiese auch ein angemessenes Maß an Toleranz und zugleich wahre Größe.
    Hans Schommer
    Garnisonsverein Demmin „9. Ulanen“ e.V.

  2. 2 Peter Kistenmacher 08. September 2015 um 23:21 Uhr

    Der Beitrag zur Nazizeit im historischen Teil vom Festumzug war auch vom Garnisionsverein sorgsam überlegt und ist als wichtig eingestuft worden. Ein solcher Beitrag ist immer ein Politikum. Vielleicht haben die Demminer_innen den Datumsverwechsler nicht wahrgenommen und das Kugelkreuz eher als Trauer um alle Opfer der Nazizeit gesehen. Trotzdem war der Beitrag daneben, weil er den historischen Kontext ausblendet. Verwundert bin ich, dass der Garnisionsverein gar nicht auf den Inhalt meines Kommentars eingegangen ist.

    Die Kanone am Bebelplatz ist weiterhin ein Graus und sollte am besten demontiert werden. Da helfe ich gerne und lade dann dazu Nachfahren der Menschen aus Namibia ein, die unter den Demminer Ulanen gelitten haben. Eine Stadt, die weiterhin den Militarismus hofieren will, muss mit Kritik rechnen.

  3. 3 Garnisonsverein Demmin e.V. 09. September 2015 um 18:55 Uhr

    Werter Herr Kistenmacher,
    danke für Ihre Nachricht. Ihren Kommentar habe zumindest ich gelesen, darauf einzugehen macht m.E. keinen Sinn. Sie haben ja Ihre Meinung zum Besten gegeben. Wir sehen die Thematik „Demmin – Festungs- und Garnisonsstadt“ als zu wichtig und auch zu komplex an, um diese lediglich klischeehaft, oberflächlich und auf Allgemeinplätzen abzuhandeln. Bitte darum nicht böse sein!
    Sie schreiben „Eine Stadt, die weiterhin den Militarismus hofieren will, muss mit Kritik rechnen.“ Da würde ich Ihnen sicher zustimmen, jedoch geht es bei der Gestaltung des Vorplatzes der Ostkaserne nicht um ein „hofieren des Militarismus“. Vielmehr soll – und das ist auch das Anliegen des Garnisonsvereins – die Geschichte Demmins in all ihren Facetten erklärt werden und – soweit möglich auch sichtbar und erlebbar gemacht werden. Und zur Geschichte der Hansestadt gehören eben auch Militär und Militarismus. Dieser Aufgabe wird sich der Garnisonsverein nun nach Abschluss des Projektes „Festumzug“ zuwenden. Und zwar unter Einbeziehung aller daran interessierten Gruppierungen und Einzelpersonen. Ausnahme: Die Zombies, auch „Neo-Nazis“ genannt. Die müssen draußen bleiben.
    MfG
    Hans Schommer
    Garnisonsverein Demmin „9.Ulanen“ e.V.

  4. 4 Peter Kistenmacher 10. September 2015 um 13:39 Uhr

    Werter Herr Schommer,

    die Kanone als solche passt in ein Museum oder an einen historischen Ort, am Bebelplatz ist sie wie ein Fremdkörper. Noch dazu nie von den Ulanen verwendet worden. Die Gedenktafel vor Ort wirkt in ihrer Darstellung schon sehr militristisch und diese Kritik ist auch nicht neu. Ich verfolgen das Geschehen wie auch andere seit einigen Jahren intensiv und bleibe bei meiner Kritik. Danke auch für das Zusenden ihrer Satzung, welche ich schon vorher kannte. Ich bin gespannt auf die weitere Aufarbeitung der Geschichte und werde mich dabei auch einmischen.

  5. 5 Garnisonsverein Demmin e.V. 11. September 2015 um 0:12 Uhr

    Werter Herr Kistenmacher,
    über konstruktive Kritik wie auch ebensolche Zuarbeit freuen wir uns – keine Frage.
    Meinerseits im Moment nur noch eine kurze Anmerkung zur Kanone: Es handelt sich dabei um eine Replik. Und zwar die eines ehem. Festungsgeschützes, welches Anfang des vergangenen Jahrhunderts in der Stadt bei Bauarbeiten aufgefunden, von den Demminern auf eine Lafette montiert und vor der Ostkaserne aufgestellt wurde. Die Nachbildung des in den Nachkriegswirren verloren gegangenen Originales steht heute nahezu an dem historischen Ort, wo sie Ihrer zuvor geäußerten(grundsätzliche) Auffassung nach hingehört.
    Ein zeitgenössisches Foto (von denen es dutzende gibt)schick ich Ihnen per E-Mail. Im Übrigen hab ich so ein wenig den Eindruck, dass Sie sich mit der Geschichte unserer Stadt noch nicht wirklich beschäftigt haben. Wenn Sie Wert darauf legen, könnte ich Ihnen dahingehend hilfreiche Literatur empfehlen (und das ist meinerseits ganz ehrlich gemeint).
    MfG
    Hans Schommer
    Garnisonsverein Demmin „9. Ulanen“ e.V.

  6. 6 Peter Kistenmacher 17. September 2015 um 12:37 Uhr

    Werter Herr Schommer

    Die Bilder mit der Kanone vor der Ostkaserne vor mehr als 100 Jahren waren mir durchaus schon länger bekannt. Mit historischem Ort meinte ich einen Ort, an dem sich mich Geschichte auseinandergesetzt wird – die Ostkaserne wird heute anders genutzt. In Demmin stand schon mal an vielen Stellen alles mögliche, vieles davon will niemand mehr aufstellen. Die Frage ist also: Warum dieser Ort. Und ihre Motivation ist doch wohl, den Ulanen ein würdiges und ehrenvolles Gedenken zu geben. Bei den Verbrechen, welche die Ulanen begangen haben finde ich, dass die Ulanen schon ein Gedenken brauchen, aber kein würdiges oder ehrenvolles. Die Überreste des Reiters beim alten Ulanendenkmal in den Sandbergtannen sehen doch passend aus, da brauchte es nichts weiteres.
    Eine Kanone in der Form, wie sie derzeit aufgestellt ist, auch immer ein Symbol eines grausamen Krieges, den niemand will.

  7. 7 Garnisonsverein Demmin e.V. 19. September 2015 um 23:27 Uhr

    Werter Herr Kistenmacher,
    Gegenfrage: Warum sollte man sich denn vor der Ostkaserne nicht mit einigen genau da auch räumlich zu verortenden Aspektwinkeln der Stadtgeschichte auseinandersetzen? Und weswegen sollte die Stadt denn weiterhin an der sozialistische Nachkriegsmanier festhalten, missliebige Zeugen ihrer Geschichte „unter den Teppich zu kehren“ bzw. dort wegzusperren?
    Ebenso wenig erschließt sich mir im Moment noch, was Sie dazu veranlasst, den gesamten Kavallerieverband undifferenziert für möglicherweise durch einzelne Individuen oder Teileinheiten begangene Verbrechen in „Sippenhaft“ zu nehmen. Wenn Sie persönlich in gleicher Weise auch die Soldaten der 1. Weißrussischen Front, die 1945 Pommern eingenommen haben, pauschal als „Mörderpack“ bezeichnen wollten – na ja. Damit stünden Sie dann aber aus genau dem gleichen Grunde ziemlich alleine da.
    Nicht nur wegen meiner grundsätzlichen Ablehnung des doch recht kruden Prinzips der Pauschalverurteilung würde mich interessieren, auf welche Quellen Sie sich (über den vergleichsweise gut dokumentierten „Fall Gnoien“ hinaus) konkret bei den „Verbrechen der 9. Ulanen“ stützen. Mit belastbaren weil belegten Berichten, also Fakten, käme unser Verein seiner Zielsetzung, ein möglichst wirklichkeitsnahes Bild dieses Kavallerieverbandes zu zeichnen, sicher ein gutes Stück näher.
    MfG
    Hans Schommer
    Garnisonsverein Demmin „9. Ulanen“ e.V.

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