8. Mai 2016 – Swing-Tanz-Blockade in Demmin

Viele Gruppen aus dem letzten Jahr wollen wieder zum 8. Mai nach Demmin kommen und kündigen dies auch schon an, wie zum Beispiel die “ Swing-Tanz-Blockade“:

Auch in diesem Jahr wollen Nazis wieder am 8. Mai in Demmin marschieren. Dagegen sind vielfältige Aktionen und Blockaden geplant. Einige Menschen planen auch wieder eine Swing-Tanz-Blockade.

http://gegenseitig.blogsport.de/2016/04/14/swing-tanz-blockade-in-demmin/
swing-gegen-nazis@mail36.net

Jedes Jahr am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, ziehen mehrere hundert Nazis am Abend mit einem Fackelmarsch durch die Kleinstadt Demmin in Mecklenburg-Vorpommern, um den „deutschen Opfern“ zu gedenken und ihren Geschichtsrevisionismus zu verbreiten. Anlass für einen der wichtigsten Naziaufmärsche in Norddeutschland ist ein Massenselbstmord am Ende des 2. Weltkrieges. Direkt nach dem Einmarsch der Roten Armee kam es zu hunderten Selbstmorden der deutschen Bevölkerung in Demmin.

Auch in diesem Jahr soll am 8. Mai den Nazis und ihrer Hasspropaganda nicht die Straße überlassen werden. So gibt es zahlreiche Gegenveranstaltungen in Demmin: ein Friedensfest, eine antifaschistische Demonstration, Mahnwachen und Blockaden.
Wir wollen wie im letzten Jahr mit einer Tanzblockade unseren Beitrag dazu leisten. Alle sind eingeladen sich tanzend dem braunen Spuk entgegenzustellen. Und all denen, die gerne auf der Tanzblockade Swingschritte tanzen möchten, bieten wir nachmittags eine Einführung an.

Swing gegen Rechts
Swing-Musik und Swing-Tanz galt bei den Nazis als „entartete Musik“, als „künstlerische Zuchtlosigkeit“ und „Verlotterung und Verschlampung im musikalischen Ausdruck“. Die Rede war auch von „unanständigen Tanzformen“ und einem „politischem Kampfmittel der Juden“.
Swing-Musik entstand in den 20er und 30er-Jahren in den USA. Vor allem Afroamerikaner_innen entwickelten den Swing aus vorangegangen Stilrichtungen des Jazz. Auch im Deutschland der 30er Jahre wurde Swing sehr populär. Aber schon 1932 wurde von der Reichsregierung unter Franz von Papen (später Vizekanzler unter Hitler) ein Auftrittsverbot für schwarze Musiker veranlasst und 1935 vom Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky das endgültige Verbot des Jazz für den Rundfunk in Nazi-Deutschland erlassen.
Trotzdem wurde weiter Swing-Musik gespielt, gehört und dazu getanzt. So entstand die Swing-Jugend, eine oppositionelle Jugendkultur in vielen deutschen Großstädten, die sich oft erst mal nur gegen Uniformierung und militärischen Drill in der Hitlerjugend wendete.
Am 18. August 1941 wurden bei der „Sofort-Aktion gegen die Swing-Jugend“ über 300 Mitglieder der Swing-Jugend verhaftet. Die Repression reichte vom Abschneiden langer Haare über Schutzhaft und Schulverweise bis zur Verhaftung angeblicher Rädelsführer und deren Deportation in Konzentrationslager. Nach der Verhaftungswelle begannen einige Swing-Jugendliche den Nationalsozialismus auch politisch zu bekämpfen. Sie verteilten regimekritische Flugblätter und es gab Kontakte zur „Weißen Rose“ und zu den „Edelweißpiraten“.
An diese Geschichte wollen wir mit unserer (Swing-)Tanzblockade anknüpfen.

Treffzeit und -ort für die Einführung ins Swing-Tanzen und die Swing-Tanz-Blockade werden wir demnächst bekannt geben.