Entschlossen gegen den rechten Spuk

Mehr als 500 Menschen zeigten in zwei Demonstrationen und fünf Mahnwachen, dass sie den Nazis am 8. Mai nicht die Straße überlassen. Themen waren die Lebenssituation der Asylbewerber_innen (es sprach eine Frau aus dem Iran), die Kriegseinsätze und Waffenexporte von Deutschland und der Naziterror, den Bürgerwehren und Schläger auf die Straße tragen.

Um die 200 Nazis spulten ihren Trauermarsch wie eine Pflichtübung ab. Petereit und noch einer hielten Reden, die schon im Abstand von 10 Meter nicht mehr zu hören waren. Und der Pathos, der ihnen sonst so wichtig ist, war nicht zu spüren.

Unverhältnismäßig und ruppig war mal wieder das Verhalten der Polizei. Wie leider bei vielen Naziaufmärschen üblich wurden die Grundrechte von Gegendemonstrierenden stark eingeschränkt: Einkesselung im Gartenbereich weit ab der Strecke. Viele Pfeffersprayeinsätze, die jedes mal Verletzte produzieren sowie teilweise gegen bestätigte Versammlungen eingesetzt werden. Oder das Polizeibeamte einfach so präventiv abschrecken und dadurch Meinungsäußerung im Keim ersticken. Gegenprotest wird als störend tituliert.

Wir werden jedenfalls auch am nächsten 8. Mai mit neuen Ideen auf die Straße gehen, um uns den Nazis engegenzustellen.

Weitere Berichte folgen die Tage.


2 Antworten auf „Entschlossen gegen den rechten Spuk“


  1. 1 Hans Schommer 10. Mai 2016 um 19:58 Uhr

    Hallo, hochgeachtete Streiter gegen die braunen Zombies!
    (Und dies meine ich genau so)
    Dass ich persönlich einen anderen Kurs gegen die rechte Pest der Demminer „Aufmärsche“ favorisiere, ist wohl bekannt. Das soll mich aber nicht daran hindern, all denen, die mittels persönlicher Präsenz auf unterschiedlichste Weise ihrem Protest lautstark und bunt, aber eben auch friedlich Ausdruck verliehen haben, meine Anerkennung auszudrücken. Meine Enkeltochter hatte sich auch für diesen Weg entschieden. Und Eure Berichterstattung bezüglich einer wohl recht rüde vorgehenden Polizei bestätigt. Allerdings mit dem Unterschied, dass sie die Ordnungshüter gegen sog. „Störer“ (meine Wortwahl) aus den Reihen der „AntiFa“ im Einsatz sah. Und dazu erlaube ich mir an dieser Stelle eine kurze Einschätzung, welche ich auch in Richtung der Kritiker von Gegendemonstrationen und der örtlichen Polizei kommuniziert habe: Es verhält sich in dieser Angelegenheit doch wie beim Hundehaufen und den Fliegen. Nur wenn zuerst (und angemeldet) die braune Kacke abgesetzt wird, kommen die Schmeißfliegen angereist. Heißt: Ohne Nazis gäbs auch nicht die aus Berlin und von sonstwo rangekarrte „AntiFa“. Ursache und Wirkung kann aber nicht jeder Einwohner der Stadt trennen – das kommuniziert man am besten im Nachgang über die Medien. Was u.a. ein Teil meines Weges ist. Auf diese Weise aber nicht zu vermitteln sind die (Haus)Friedensbruchs-, Gewalt- und Eigentumsdelikte, welche ausschließlich durch „AntiFa“ – Trüglinge begangen wurden. Dies beklage ich. Und was gar nicht ging, war der dümmliche Ansatz, mit Lola, der oder dem Aufblasbaren, die „Ertränkung/Versenkung der Nazis“ in der Peene symbolisieren zu wollen. Dieser undurchdachte Schuss ging voll nach hinten los! Wie blöde, unsensibel und oberflächlich muss man sein, um so etwas zu ersinnen?
    Hans Schommer

  2. 2 Hans Schommer 14. Mai 2016 um 21:22 Uhr

    Weil es passt und mancher bekennende „Linksradikale“ nicht unbedingt den Nordkurier abonniert hat, drück ich hier mal einen Leserbrief aus der DZ vom 14. Mai rein:
    Zum Beitrag „Sexpuppen in der Peene: Antifa empört Demmin“, Demminer Zeitung vom 12. Mai schreibt Fred Meier* aus Demmin:
    Was bezwecken Sie mit dem Artikel, in dem Sie gegen die Antifa, also einen Teil des Widerstands gegen den Naziaufmarsch, hetzen? Was ist Ihre Intension dahinter, sind Sie sich Ihrer Macht auf die öffentliche Meinung bewusst? Wollen Sie eine Bewegung spalten? Oder sich einfach nur wichtig machen? Sie und auch viele andere Bürger in der Region tun immer so, als wären das in der Antifa alles Leute, die von weither kommen. Das kann schon sein, weil viele, die ihr Leben schützen wollen und auf den Naziterror in der Region keine Lust haben, wegziehen, sich aber trotzdem weiterhin für ein weltoffenes und tolerantes Meck-Pomm einsetzen wollen.
    Ich bin zu Weltoffenheit und Toleranz erzogen worden und dafür wurde ich von Neonazis gejagt und bedroht, genauso wie viele andere Freunde meiner Generation. Und die Gesellschaft, die hier schockiert sein soll wegen ein paar Gummipuppen, sind die Leute, die dir sagen, nachdem du verprügelt wurdest: „Bist ja selbst schuld, wenn du so aussiehst.“ In Mecklenburg-Vorpommern sind nur wenige Menschen schockiert, wenn linke Jugendliche, Langhaarige, Punks und Migranten verprügelt werden und sich Knochenbrüche zuziehen.
    Ich bin von hier, ich habe Werte, die mich befähigen, in Frieden mit allen Menschen, egal woher sie kommen, zu leben. Ich wurde als „anders“ diffamiert, weil ich Werte habe, die bei den meisten nicht angesagt sind. Ich bin in der Mecklenburger Schweiz geboren, ich bin linksradikal, libertär, AntiFaschist, Anti-Rassist und ich bin weit davon entfernt ein Freund Deutschlands zu sein, weil viel zu viele, die denken, sie würden Deutschland repräsentieren, gar keine von meinen Werten teilen würden, sondern nur Hass und Resignation.
    Auf Demmin und andere Orte bezogen: Dort haben in meinen Augen 1945 vor allem Nazis Mord begangen, an ihren Familien. Und sich dann feige selbst getötet, weil sie für das, was sie getan hatten, nicht gerade stehen wollten. Das sage ich in Richtung aller Mecklenburger und der Generation meiner Großeltern, rechnet endlich mit euren Eltern ab, die haben Nazideutschland, Hitler, Rassentheorie und Judenverfolgung verbockt – und nicht die Menschen Sowjetrusslands, die auch nur Opfer der Nazis waren. Mecklenburg-Vorpommern hat ein Problem, weil es hier sehr einfach ist, ein rechter Schläger oder rechter Bürger zu werden, da muss man sich nur anpassen. Hingegen links, weltoffen, tolerant und den Nächsten liebend zu sein, ist hier ein sehr schwerer und auch schmerzhafter Akt.
    Schade, dass Antifaschismus in der DDR nur ein Wort war und die Kader und Opportunisten unbescholten bleiben konnten. Das werden Sie besser machen müssen, ohne zu spalten und Artikel über die Wichtigkeit von Gummipuppen zu schreiben. Auf welcher Seite stehen Sie?
    *Anmerkung der Redaktion: Dies ist nicht der wirkliche Name des Verfassers, wir haben ihn auf dessen Wunsch geändert, weil er angibt, Angriffe aus der rechten Szene zu befürchten. Der wirkliche Name ist der Redaktion bekannt.

    Meine Meinung dazu: Es fehlen bei dem Statement am Ende ein paar selbstkritische Sätze, z.B.:
    „Stimmt – die Aktion mit den Puppen war in der durchgeführten Form undurchdacht und dem Ziel der Protestveranstaltung abträglich. Auch ich als Linksradikaler distanziere mich von dem damit vermittelten Bild einer Verhöhnung der Kriegsopfer seitens der Antifaschisten. Die Absicht, mit einem sinnbildlichen „Schmiss der Nazis in die Peene“ ein Zeichen zu setzen, wurde durch unterlassene Medienarbeit, mangelhafte Vorbereitung und grottenschlechte Umsetzung verfehlt. Und dadurch bezüglich der Absicht offensichtlich in’s Gegenteil verkehrt. Dafür bitte auch ich um Entschuldigung“.
    So oder ähnlich wären der bekennende Linksradikale und die AntiFa da vielleicht noch aufrechten Ganges rausgekommen. Aber diese Chance wurde von dem „anonymen Helden“ verpasst. Schade.
    Hans Schommer
    Hohenbollentin

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