Archiv für November 2017

Spatenstich für die Gedenkstätte für Kriegsgefangene, die bei der Zwangsarbeit in der Woldeforst zu Tode gekommen sind

Im Wald, ungefähr an der Kreuzung der Woldeforster Straße und der Straße nach Seedorf, baut die Hansestadt Demmin mit Unterstützung des Landesamtes für Innere Verwaltung, dem Landkreis und dem Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Gedenkstätte. Dadurch wird die letzte Ruhe für die Zwangsarbeiter auf Dauer sichergestellt. Gestern war der erste Spatenstich.

Ein Brief einer Ukrainerin, deren Vater 1942 im Woldeforst als Letzter der bis jetzt bekannten 125 zu Tode gekommen ist, wurde vorgelesen. Deren Tochter und Enkeltochter wollen zur Einweihung der Gedenkstätte im Frühjahr 2018 kommen. Der Kontakt entstand erst vor kurzem über das Rote Kreuz zum Demminer Museumsverein.

Am 1.Dezember1941 kamen die ersten sowjetischen Kriegsgefangenen zur Zwangsarbeit nach Demmin. Die 125 gefangenen Soldaten sollten in der Heeres-Hauptmunitionsanstalt (Muna) im Wald nördlich von Demmin arbeiten.

Ca. 2/3 von ihnen starben in den ersten zwei Monaten. Viel Information darüber, was genau dort geschah, gibt es in den Archiven leider nicht. Alle Informationen kommen aus dem Meldekartensystem der NS-Verwaltung. Die hohe Sterblichkeit erklärt sich vielleicht durch die menschenunwürdigen Bedingungen und die schwere Zwangsarbeit. Vermutlich mussten sie auch erst mal Baracken bauen, in denen sie schlafen sollten, und bis dahin im Freien schlafen. Der letzte der 125 starb nach eine Jahr. Weitere Zwangsarbeiter sind sehr wahrscheinlich nach Dezember 1941 angekommen, viele auch zu Tode gekommen, denn die Muna brauchte bis zum Ende Arbeitskräfte, aber darüber gibt es bis jetzt nur wenig Information. Leider brauchte es Jahrzehnte, bis dafür eine Gedenkstätte entsteht.

Lange Zeit waren nur die Namen von etwa 20 Kriegstoten bekannt. Durch die Proteste gegen den Naziaufmarsch in Demmin wurde auch das Thema Zwangsarbeit im Aktionsbündnis 8. Mai aufgegriffen und ab 2012 recherchierte deswegen das Regionalmuseum Demmin im Archiv in Dresden und anderen Archiven. Dadurch sind heute 125 Namen bekannt, die an der Gedenkstätte alle auf einer Tafel stehen sollen.

Standortarzt Dr. Gürich bei einer Visitation der Gefangenen im Lager Woldeforst

14.11., Film mit Gesprächsrunde in NB: „Deportation Class“

14.November, 18:00, Café International, Neutorstraße 7, 17033 Neubrandenburg

Wenn ein Land als sicher deklariert wird, dann dürfen deutsche Behörden Asylbewerber dorthin abschieben. Was die deutsche Abschiebepraxis für die betroffenen Flüchtlinge – aber auch für die ausführenden Polizeibeamten bedeutet, zeigt die Dokumentation „Deportation Class“ in erschreckend nüchternen Bildern. Die kostenfreie Vorstellung beginnt um 18.00 Uhr.

Im Anschluss an den Film gibt es eine Gesprächsrunde und die Möglichkeit sich zu informieren.
Anwesend sind:
Menschen von Pro Bleiberecht und eine Aktivistin, die bei den Protesten und Blockaden gegen die Abschiebung in Rostock-Laage dabei war.

https://www.facebook.com/events/698866790502506/

Bei den Weltwechseltagen gibt es noch mehr interessante Veranstaltungen, schaut rein:

Einstellung des Strafverfahrens: „Not my face, Nazifotograf!“

Hiermit dokumentieren wir die PM zur heutigen Gerichtsverhandlung wegen Vermummung in Demmin:
(siehe dazu auch ein Artikel im Nordkurier)

Pressemitteilung

„Not my face, Nazifotograf“* – Einstellung im Verfahren wegen >Vermummung< neben einer Nazidemonstration

Am heutigen Donnerstag wurde vor dem Amtsgericht Demmin der Fall einer 24-jährigen Theologiestudentin verhandelt. Ihr wurde vorgeworfen sich am 8. Mai 2017 neben dem jährlich stattfindenden​ Naziaufmarsch in Demmin "vermummt" zu haben.

"Nazis fotografieren und veröffentlichen Fotos von Menschen, die sich gegen Rechts engagieren. Sie stellen die Fotos ins Internet, um ein Bedrohungsszenario aufzubauen", so die Angeklagte, Luise Schmidt**.
"Nazigewalt habe ich als Jugendliche selbst erlebt. Ich schütze mich deswegen."

So sah es auch der entscheidende Richter. Er stellte das Verfahren ohne Auflagen ein. Im bundesweiten Vergleich ist das Urteil eher konservativ. Es gibt Beispiele von Freisprüchen in verschiedenen Instanzen.

"Problematisch bei solchen Anzeigen und Verfahren ist, dass sie zivilgesellschaftlichen Protest gegen Naziaufmärsche erschweren. Sie sind mit finanziellem und emotionalem Aufwand verbunden", so die Angeklagte weiter. "Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, wo rechtes Gedankengut es mit 20% in den Landtag geschafft hat, ist dieser Protest aber bitter nötig."

* Mit dem Slogan >Not my face, Nazifotograf< ("Nicht mein Gesicht, Nazifotograf") möchten die Beteiligten auf die Legitimität hinweisen, das eigene Gesicht vor organisierten Nazis zu verbergen.
** Name zum Schutz der Person geändert

Gedenken am 9.11. in Demmin

1938 und auch schon davor gab an verschiedenen Stellen in Demmin Übergriffe gegen jüdische Menschen und ihre Geschäfte. Die Synagoge musste vor dem 9.11.1938 an einen deutschen Geschäftsmann verkauft werden, da sehr früh der antisemitische Druck in Demmin hoch war. Daran erinnert heute noch eine Gedenktafel an dem Gebäude. Drei Stolpersteine erinnern an die im KZ Getöteten mit jüdischem Glauben. Am jüdischen Friedhof gab es heute morgen eine Kranzniederlegung der Stadt.

Am Mittag gab es eine Gedenkaktion in der Stadt zur Erinnerung an Rosa Lewinski, die damals in der Luisenstr. 22 (heute Rudolf-Breitscheid-Straße) ein Schuhgeschäft hatte. Sie wurde vor dem 9.11.1938 zur Geschäftsaufgabe gezwungen und zog deswegen nach Südafrika. Daran erinnert bis jetzt noch kein Stolperstein.