Spatenstich für die Gedenkstätte für Kriegsgefangene, die bei der Zwangsarbeit in der Woldeforst zu Tode gekommen sind

Im Wald, ungefähr an der Kreuzung der Woldeforster Straße und der Straße nach Seedorf, baut die Hansestadt Demmin mit Unterstützung des Landesamtes für Innere Verwaltung, dem Landkreis und dem Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Gedenkstätte. Dadurch wird die letzte Ruhe für die Zwangsarbeiter auf Dauer sichergestellt. Gestern war der erste Spatenstich.

Ein Brief einer Ukrainerin, deren Vater 1942 im Woldeforst als Letzter der bis jetzt bekannten 125 zu Tode gekommen ist, wurde vorgelesen. Deren Tochter und Enkeltochter wollen zur Einweihung der Gedenkstätte im Frühjahr 2018 kommen. Der Kontakt entstand erst vor kurzem über das Rote Kreuz zum Demminer Museumsverein.

Am 1.Dezember1941 kamen die ersten sowjetischen Kriegsgefangenen zur Zwangsarbeit nach Demmin. Die 125 gefangenen Soldaten sollten in der Heeres-Hauptmunitionsanstalt (Muna) im Wald nördlich von Demmin arbeiten.

Ca. 2/3 von ihnen starben in den ersten zwei Monaten. Viel Information darüber, was genau dort geschah, gibt es in den Archiven leider nicht. Alle Informationen kommen aus dem Meldekartensystem der NS-Verwaltung. Die hohe Sterblichkeit erklärt sich vielleicht durch die menschenunwürdigen Bedingungen und die schwere Zwangsarbeit. Vermutlich mussten sie auch erst mal Baracken bauen, in denen sie schlafen sollten, und bis dahin im Freien schlafen. Der letzte der 125 starb nach eine Jahr. Weitere Zwangsarbeiter sind sehr wahrscheinlich nach Dezember 1941 angekommen, viele auch zu Tode gekommen, denn die Muna brauchte bis zum Ende Arbeitskräfte, aber darüber gibt es bis jetzt nur wenig Information. Leider brauchte es Jahrzehnte, bis dafür eine Gedenkstätte entsteht.

Lange Zeit waren nur die Namen von etwa 20 Kriegstoten bekannt. Durch die Proteste gegen den Naziaufmarsch in Demmin wurde auch das Thema Zwangsarbeit im Aktionsbündnis 8. Mai aufgegriffen und ab 2012 recherchierte deswegen das Regionalmuseum Demmin im Archiv in Dresden und anderen Archiven. Dadurch sind heute 125 Namen bekannt, die an der Gedenkstätte alle auf einer Tafel stehen sollen.

Standortarzt Dr. Gürich bei einer Visitation der Gefangenen im Lager Woldeforst


3 Antworten auf „Spatenstich für die Gedenkstätte für Kriegsgefangene, die bei der Zwangsarbeit in der Woldeforst zu Tode gekommen sind“


  1. 1 Uwe Pohle 29. November 2017 um 19:59 Uhr

    Das ist eine sehr gute Initiative!
    Auch dieses dunkle Kapitel der regionalen Geschichte aus der Nazizeit Demmins wird nun erforscht und öffentlich dargestellt.
    Man sollte zur Eröffnung des Gedenksteins alle bekannten Hinterb liebenen dieser Naziopfer einladen.
    Die Kosten kann der deutsche Staat tragen. Da ja eine „Wiedergutmachung“ in diesem Leben wohl nicht mehr stattfinden wird, wäre dies nur eine kleine aber wichtige Geste.

  2. 2 Thomas 05. Januar 2018 um 23:43 Uhr

    An wen kann man sich wenden. Mich interessiert dieses Thema auch sehr. Bin immer wieder auf der Suche nach Kriegsgefangenen und deren Spuren im Greifswalder Raum.

    Mfg

  3. 3 Elisabeth Dietze(geb.Bigeschke) 19. Februar 2018 um 13:19 Uhr

    Danke für diese Initiative. Ich habe hier in der Woldeforst nach dem Krieg in der Jagdhütte von Max Schmeling gelebt.
    Wiedergutmachung kommt ja wirklich zu spät, denn die Menschen leben fast alle nicht mehr. Ich bin in Seedorf zur Schule gegangen und musste an der besagten Stelle oft vorbei, wenn der Trampelpfad durch den Wald unbegehbar war.In der Woldeforst lebte damals der Förster Hoffmann und hatte sein Revier. Gewusst hätte ich gern, was aus der Jagdhütte geworden ist. 1980 habe ich sie mit meinen Kindern letztmalig betreten und 2006 war sie nicht mehr auffindbar. Viele herzliche Grüße Elisabeth Dietze und Kinder

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