Archiv für März 2020

Massenlager auflösen – überall * Evakuierung der griechischen Lager * Hier ist Platz * Aktion am 5.4.

Schutz vor Corona: Recht auf Abstand für Flüchtlinge !

Asylsuchende aus Aufnahmeeinrichtungen in die Kommunen umziehen lassen!
Corona-Risikogruppen in Wohnungen einziehen lassen!

Der gesellschaftliche Zusammenhalt wächst in Zeiten von Corona. Zusammenhalt und Solidarität – das muss für Alle gelten. Menschen in Flüchtlingsunterkünften dem Infektionsrisiko mit Corona auszusetzen, während alle denkbaren Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung ergriffen werden, ist rassistisch. Wir fordern von der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern (MV): Vernünftige Asylpolitik statt institutionellem Rassismus!

Unterschreibt die Petition:
https://weact.campact.de/petitions/schutz-vor-corona-recht-auf-abstand-fur-fluchtlinge-in-m-v

05.04.2020
Gemeinsamer bundesweiter Aktionstag zur Evakuierung der griechischen Lager

Am Sonntag setzen wir ein Zeichen. Wir setzen ein Zeichen unseres Protestes vor den Orten, die gerade darüber entscheiden, ob die Menschen auf den Inseln ihrem Schicksal überlassen werden oder nicht. Und wir setzen ein Zeichen an öffentlichen Orten und sagen: Hier ist Platz! Wir kippen Farbe aus, ziehen uns alte Schuhe an, spazieren einzeln im Minutentakt an diesen Orten vorbei und hinterlassen farbige Fußabdrücke. Wir können nicht zeitgleich mit vielen an einem Ort sein und wir werden auf unserer aller Gesundheit achten, aber wir können trotzdem zeigen, dass wir viele sind und unsere Spuren im öffentlichen Raum hinterlassen.

mehr Infos hier:
https://seebruecke.org/wir-hinterlassen-spuren-leavenoonebehind/

Der 8. Mai und Corona

Noch ist unklar, wie der 8. Mai in Demmin dieses Jahr aussehen wird, doch der Coronavirus wirft seine Schatten voraus. Große Demonstrationen ähnlich wie im letzten Jahr wird es vermutlich nicht geben. Pläne und Vorbereitungen wurden in den letzten Monaten schon viele gemacht und angemeldet. Ein konkreter Aufruf zur Teilnahme an den Protesten ist vorbereitet, aber noch nicht veröffentlicht. Die Nazis haben noch nichts angekündigt. Spätestens Ende April wird mehr Klarheit da sein.

Derzeit wird verstärkt an Ideen gearbeitet, was an Protest / Meinungsäußerungen bei Verbot von Großveranstaltungen noch umgesetzt werden kann. Einige tolle Ideen gibt es schon. Das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin hatte dazu gerade die erste Telefonkonferenz seit Bestehen, denn auch hier finden keine normalen Gruppentreffen mehr statt.
Vor drei Tagen gab es beispielsweise eine angemeldete Kundgebung in Kiel, mehr Infos hier

Wegen der Corona-Krise dürften keine Grundrechte über den Haufen geworfen werden. Zugriff des Staates auf die Handyortungen ist keine Lösung. Keine Maßnahmen einführen, die danach schwer wieder rückgängig gemacht werden können wie der Bundeswehr-Einsatz im Inneren. Keine autoritäre Strukturen aufbauen. Statt dessen viele Menschen auf Corona testen und andere Maßnahmen zur Eindämmung umsetzen.
Grenzenlos solidarisch sich um andere kümmern ist angesagt, sich gegenseitig helfen und körperlichen Kontakt minimieren, ohne dabei den Lagerkoller zu bekommen. Und Care-Arbeit wie die Arbeiten im Krankenhaus und in der Lebensmittelversorgung sollten gut bezahlt werden, nicht wie in den letzten Jahren kaputtgespart.

In den nächsten Tagen werden wir verstärkt zu Online-Protest aufrufen.

29.03.2020 16 Uhr Hängt Banner raus und beteiligt euch an der Online Aktion der Seebrücke
https://seebruecke.org/

Beteiligt euch an der Petition: Der 8. Mai muss Feiertag werden!
https://weact.campact.de/petitions/petition-der-vielen-diebefreiungfeiern-1

Emailaktion: Schreibt Politiker*innen, dass sie die Lager an den Außengrenzen evakuieren und auflösen müssen.
http://bleiberecht-mv.org/de/2020/03/26/gefluechtete-aufnehmen/

Fordert: Tödliche Exporte verbieten!
https://www.ohne-ruestung-leben.de/mitmachen/toedliche-exporte-verbieten.html

Griechische Lager jetzt evakuieren

8. Mai als Feiertag – gefordert unter anderem von Esther Bejarano

Keine Rüstungsexporte in andere Länder auf der Welt. In der Corona-Krise werden leider immer noch Waffen produziert wie bei Rheinmetall oder Heckler und Koch. Warum produzieren die jetzt keine Beatmungsgeräte für die medizinische Versorgung?

Vor 100 Jahren: Der Kapp-Lüttwitz-Putsch und die Demminer Region

Am 22. März 1920 wurden in Demmin-Stuterhof fünf Gnoiener Männer ermordet, weil sie gegen den Militärputsch kurz nach Beginn der Weimarer Republik waren. Die Täter waren Demminer Garnisonstruppen und „Baltikumer“.
Die sogenannten Baltikum-Freikorps waren extrem antidemokratisch. Auf ihren Helmen trugen sie Hakenkreuze als Zeichen ihrer völkisch-nationalistischen Gesinnung.
Nachdem sie nach dem Ende des ersten Weltkriegs aus dem Baltikum abgezogen wurden, kamen viele auf den Gütern um Demmin unter, da sie von dort auch zuvor Hilfe bekamen. Sie unterstützten den Militärputsch in Berlin und in Gnoien gab es eine heftige Auseinandersetzung mit Einwohner*innen aus Gnoien und Soldatenräten aus Rostock, die gegen den Putsch waren. Bei den Kämpfen kamen fünf Männer in Gefangenschaft, die dann in Demmin ermordet wurden.

In Stavenhagen wurde am 19. März 1920 von den Demminer Einheiten SPD-Stadtrat August Seidel erschossen.

Am 13. März 1920 versuchten Freikorpssoldaten unter der Führung des Generals Walther von Lüttwitz und des Politikers Wolfgang Kapp die vom Volk gewählte Regierung des Deutschen Reichs abzusetzen. Es war der erste Versuch rechtsextremer Kräfte, die junge Weimarer Republik zu beseitigen.
Nach 100 Stunden (am 17. März) scheiterte der Putschversuch, vor allem weil die Bevölkerung sich mit einem Generalstreik wehrte – der größte in der deutschen Geschichte.

Diesen Sonntag ist der 100. Jahrestag. An die Getöteten zu erinnern ist wichtig.
Während der Coronakrise werden wir keine große Gedenkveranstaltung machen.

Wir werden einzeln am Sonntag, 22.3. zwischen 12 Uhr und 14 Uhr Blumen an dem Gedenkstein in der Rosestraße (beim DRK) ablegen.


Wir gedenken:

Johann Puffpaff
Wilhelm Zach
Wilhelm Martz
Richard Hubbe
Karl Sell
August Seidel
und vielen weiteren, die durch den Kapp-Lüttwitz-Putsches ums Leben kamen.


Das Denkmal steht in der Demminer Rosestraße beim DRK.

Bilder: Demmin Nazifrei

Demo: Nein zu Abschiebungen!

***trotz Corona gehen die Planungen erst mal weiter, genaueres sehen wir zeitnäher***

Am 18. April gibt eine Großdemo in Hamburg gegen Abschiebungen. Wir fahren aus MV gemeinsam mit dem Zug dorthin. Wir fahren mit Bummelbahn und Mecklenburg-Vorpommern-Tickets und setzen auf eine solidarische Fahrtkasse für diejenigen, die wenig Geld haben.

Weiter Infos: bleiberecht-mv.org/18April

Abfahrt Demmin: 9.10 Uhr oder gemeinsam 9:06 Uhr über Stavenhagen, damit wir länger bleiben können (der Bahnhof Demmin ist leider schlecht angebunden…)

andere Abfahrtszeiten:
Strecke Greifswald-Rostock-Schwerin-Hamburg
9.21 Uhr Greifswald | 10.00 Uhr Stralsund | 11.07 Uhr Rostock | 11.29 Uhr Bützow | 12.11 Uhr Schwerin | 12.52 Uhr Boizenburg

Strecke Neubrandenburg-Waren
9.31 Uhr Neubrandenburg | 11.08 Uhr Güstrow | 11.29 Bützow – hier treffen sich die beiden Wege

Weitere
10.30 Uhr Waren (Müritz) | 11.24 Uhr Wismar | 11.32 Uhr Parchim

Wir kommen um 13.38 Uhr in Hamburg an. Wir wissen, dass die Demo eigentlich um 13 Uhr losgeht. Unsere Ankunftszeit ist mit den Organisator*innen in Hamburg abgesprochen.

Vermutlich werden wir mit dem Zug um 18.21 Uhr zurück fahren.

Der nächste Strickmarathon

Je kreativer Protestaktionen sind, desto mehr Aufmerksamkeit gewinnen sie – und desto mehr Spaß machen sie allen Beteiligten. Genau das können wir bei unseren Strickevents und den vielen positiven Reaktionen feststellen. Bisher haben uns 39 kunterbunte Schals (2 m lang/ 35cm breit) aus Dänemark, Freiburg, Cottbus, Rostock, Karsdorf, natürlich aus Demmin und aus dem weiten Umland erreicht. Außerdem sind zu unserer Guerilla-Strickgruppe in Demmin weitere Strickgruppen in Hamburg, Berlin, Rostock und Ückeritz gegründet wurden.

Am 13.3.2020 ab 17 Uhr laden wir alle Interessierten mit und ohne Strickerfahrung, jeden Alters und jeder Couleur zu unserem 4.Strickmarathon ins Café 3K des Demminer Bürger e.V. in der Clara-Zetkin-Straße 16 ein. Hier gibt es Gelegenheit, sich auszutauschen, mehr Informationen zu dem Straßenkunstprojekt „8. Mai 2020 -Demmin wird noch bunter!“ zu erhalten und natürlich los zu stricken. Wolle und Nadeln stehen dank vieler Spenden bereit.

Im Unterschied zu herkömmlichem Graffiti hinterlassen unsere keine Spuren oder gar Schäden auf den ummantelten Flächen.. Natürlich haben wir den erforderlichen Antrag auf Sondernutzung beim Ordnungsamt gestellt und genehmigt bekommen. Straßenlaternen, Zäune und eventuell geeignete Gegenstände werden mit selbst gefertigten Strickstücken verkleidet. Alle bunten Garne und Wollreste, die nicht mehr benötigt werden, dienen als Material ganz nach dem Upcycling Motto: Aus alt wird sinnvoll. So tragen wir zur Verschönerung des öffentlichen Raumes bei und tun unsere politische Meinung, „Bunte Maschen statt brauner Märsche“, kund.
Wir sind begeistert wie viele Menschen sich beteiligen und mithelfen, Demmin am 8. Mai 2020 bunt einzustricken, um so Gemeinschaft und Zusammenhalt für Solidarität und gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Faschismus zu demonstrieren.
Wer Lust hat mit zu stricken, kommt vorbei am 13.3. 2020
Für Wolle, Nadeln, Snacks und Getränke ist gesorgt.

mehr Infos zum Strickmarathon per Email: demmin.n@gmx.de
oder bei Facebook: https://www.facebook.com/Cafe3KDemmin/
oder direkt beim Treffen


Alle Bilder vom Aktionsbündnis 8. Mai

Die Frauen im Sudan fordern ihre Rechte ein

Im April 2019 wurde nach Jahrzehnten endlich der Diktator Omar al-Baschir im Sudan durch die Bevölkerung gestürzt. Mit kontinuierlichem Protest, an dem sich viele Frauen beteiligten, wurde danach auch erreicht, dass kein neuer Diktator die Macht übernehmen konnte und seit April 2019 arbeitet eine Übergangsregierung, in der auch Frauen Ministerposten übernommen haben. Die alte Einheitspartei wurde abgeschafft und die nächsten Wahlen wurden auf 2022 festgelegt, da die Gesellschaft Zeit braucht, sich neu zu organisieren. Die Gleichberechigung ist noch nicht da, aber die Frauen holen sich Stück für Stück ihre Rechte. Eines der wichtiges Zeichen war Ende letzten Jahres die Abschaffung des Scharia-Gesetzes zur Kleiderordnung für Frauen. Aber der Unterschied zwischen Stadt und Land ist noch sehr stark und die Zahl der Analphabetinnen sehr hoch. Vieles ist noch zu verändern und selbst wenn die Bedingungen sehr widrig sind – die Frauen setzen sich aktiv für Gleichberechtigung ein.
Infos gibt es hier im Beitrag vom Deutschlandfunk

Die großen Veränderungen im Sudan wurden durch Generalstreik, zivilen Ungehorsam und gewaltfreien Protest erreicht. Auch wenn die Militärs schossen – meist bleiben die Proteste gewaltfrei. Das lag auch daran, dass Mahmud Muhammad Taha im Sudan eine sehr fortschrittliche Interpretation des Korans entwickelte. Taha schrieb nur den frühen, in Mekka offenbarten Suren überzeitliche, ethische Bedeutung zu. Die Suren aus Medina hingegen hielt er für zeitbedingt und als historisches Modell nur für das 7. Jahrhundert gültig. Dadurch setzte er sich für Gewaltfreiheit, Trennung von Gesellschaftsstruktur und Religion, ein modernes Menschenrechtsverständnis und weiteres ein.
„Das grundlegende Prinzip (al-asl) im Islam ist, daß jeder Mensch frei ist […], denn die Freiheit ist ein natürliches Recht (haqq tabi´i), dem die Pflicht zum verantwortlichen Umgang mit der Freiheit (husn at-tasarruf fi l-hurriya) entspricht.“
„Das grundlegende Prinzip im Islam ist vollkommene Gleichberechtigung (al-musawat at-tamma) zwischen Männern und Frauen.“[
Mehr Infos in diesem Buch: Im Kampf gegen die Tyrannei

Hier ein interessanter Beitrag von Arte aus der bewegten Zeit im letzten Jahr:

Todesopfer rechter Gewalt in MV – Erinnern und Mahnen

„Erinnern und Mahnen über rassistische Verbrechen der Vergangenheit sind wichtige Beiträge um rechte und autoritäre Ideologien in der Gegenwart zu bekämpfen. Rassismus und rechte Weltbilder gehen immer mit Gewalt einher. Für viele Migrant*innen und Asylsuchende bedeutet Mecklenburg-Vorpommern genau das: Die Gefahr rassistischer Gewalt, Beleidigungen, Bedrohungen. Wir müssen uns bewusst machen, dass rechte Gewalt ein Teil dieser Gesellschaft ist, den wir fortwährend zurückdrängen müssen.“ Zitat von PRO BLEIBERECHT

Rechte Morde in MV seit 1990:
Staatlich anerkannt: 5
Tagespiegel: 10, Verdacht: 3
Amadeu-Antonio-Stiftung: 13
Es gibt weitere Verdachtsfälle

Hier zwei Fälle, die seit kurzem zurück in die Erinnerung geholt werden:

Dragomir Christinel
In der Nacht zum 15. März 1992 drangen zwischen 25 und 40 rassistische Jugendliche aus der näheren Umgebung in die Unterkunft für Asylsuchende in Saal bei Ribnitz-Damgarten und erschlugen Dragomir Christinel. An seinem 27. Todestag 2019 gedachten erstmals Antifaschist*innen von PRO BLEIBERECHT und vom Alternativen Jugendzentrum Kita vor der ehemaligen Unterkunft in Saal seines Todes. Sie wollten einen ersten Schritt gehen, um Dragomir Christinels Geschichte zu rekonstruieren und seines gewaltsamen Todes zu gedenken.
Gedenk-Veranstaltungen 2020
Der Angriff auf die Unterkunft in Saal war einer von 157 Angriffen rechter Motivation auf Asylsuchende und Linke im Jahr 1992 in Mecklenburg-Vorpommern. Er war einer von mehr als fünfzig Angriffen von Nazizusammenrottungen auf Unterkünfte in diesem Bundesland.

mehr Infos zu den Veranstaltungen und zum Tod von Dragomir Christinel finden sich hier

Mohammed Belhadj
Vier Männer im Alter zwischen 18 und 22 Jahren quälen in Jarmen in der Nacht vom 21. zum 22. April 2001 den 31-jährigen algerischen Asylsuchenden Mohammed Belhadj stundenlang und erschlagen ihn schließlich mit einem Stein am Ufer des Zarrenthiner Kiessees.
An einer Tankstelle in Greifswald begegnet Mohammed Belhadj am Abend des 21. April 2001 vier jungen erwachsenen Männern. Auf der Suche nach Haschisch, wenden sie sich an den Algerier und nehmen ihn im Auto mit. Als sich herausstellt, dass er ihnen nicht behilflich sein kann, fangen sie an, ihn zu schlagen und eine stundenlange Tortur beginnt, an deren Ende die Täter ihr Opfer töten. Nachdem sie Mohammed Belhadj, erschlagen im See zurück lassen, äußert einer von ihnen Reue, woraufhin der Haupttäter entgegnet: „Mach dich doch nicht fertig. Es war doch nur ein Scheiß-Ausländer.“ Mohammed Belhadj erliegt im Wasser seinen Verletzungen. Die Täter wurden zu Jugendstrafen zwischen fünf und neun Jahren verurteilt. Der 18-jährige Haupttäter sei in „menschenverachtender Weise“ mit dem Opfer umgegangen, so das Gericht. Ein rechter Hintergrund wurde nicht erwähnt.
Bis heute ist Mohammed Belhadj nicht staatlich anerkannt als Todesopfer rechter Gewalt.

mehr Infos hier

KEIN VERGESSEN !

Rechte Morde in MV seit 1990:

Es gibt weitere ungeklärte Verdachtsfälle

Gedenk-Veranstaltungen 2020 für Dragomir Christinel

Grafik von Pro Bleiberecht