Archiv für April 2020

Kommt am 8. Mai nach Demmin – wir feiern die Befreiung und wehren uns gegen die Geschichtsverdrehung durch die Nazis

Heute haben wir die Bestätigung vom Ordnungsamt bekommen, dass wir mehrere stationäre Versammlungen in Demmin am 8. Mai machen dürfen, sowohl im Hafen als auch in der Stadt. Die Nazis schreiben, dass sie noch keine Entscheidung getroffen haben, was sie machen wollen. Sie dürften wohl eine Kundgebung im Hafen machen, wollen aber anscheinend mehr: durch die Stadt marschieren. Bundesweit ist die Genehmigungslage unterschiedlich, aber da wir damit rechnen müssen, dass die Nazis klagen werden, müssen wir davon ausgehen, dass sie vielleicht doch einen „Trauermarsch“ machen dürfen.
Verschiedenen Gruppen haben deswegen schon länger wie in den letzten Jahren mehrere Kundgebungen entlang der Naziroute angemeldet. Pro Versammlung sind 50 Menschen erlaubt, aber wie gesagt, mehrere sind angemeldet. Wo und wie genau kommt als Info die nächste Woche.
Stellen wir uns den Nazis entgegen!

Klar ist, dass wir wollen, dass alle gesund bleiben wollen und werden uns deswegen am die Corona-Standards mit Abstand, Gesichtsmaske und anderen Auflagen halten. Wir fragen uns aber immer noch, wie das bei einem sich bewegenden Naziaufmarsch funktionieren soll.

Auf den Social Media Kanälen bekommen wir die nächsten Tage Unterstützung von Rostock Nazifrei – Hashtag: #Befreiungfeiern

Weiteres ist in Vorbereitung und folgt die Tage!

Gerade jetzt ist ein Feiern des Friedens und das Eintreten für eine offene, solidarische und ökologische Gesellschaft wichtig, um positive Bezugspunkte für die Zukunft zu setzen.
Im Zentrum steht dieses Jahr die Forderung, den 8. Mai zu einem bundeseinheitlichen Feiertag zu erklären. Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Die nationalistischen und rassistischen Geister von damals holen uns ständig ein und sind tödlich, wie sich allein in den letzten Monaten in Kassel, Halle und Hanau mörderisch zeigte. Wer nur nach vorne schauen will und verkennt, wie sehr unser Gestern unser Heute prägt, wird nie Frieden finden.

Lasst uns feiern – tanzend, laut und bunt – gegen den Naziaufmarsch!
Der Tag der Befreiung vom Faschismus und das Kriegsende!

Kranzniederlegung auf dem Gräberfeld

Heute um 9 Uhr wurde auf dem Gräberfeld vom Kriegsende ’45 in Demmin einen Kranz abgelegt mit:
Faschismus und Rassismus tötet. Wehret den Anfängen.
Aktionsbündnis 8. Mai

Heute ist der Jahrestags des Einmarschs der Roten Armee.
Heute vor 75 Jahren begannen die Massensuizide in Demmin. Nazis instrumentalisieren dies seit Jahren für ihre Zwecke.
Am 8. Mai werden wir dann die #Befreiungfeiern

Artikel im Nordkurier


Bilder: Aktionsbündnis 8. Mai

Plakat-Aktion zum 8. Mai

Noch ist unklar, ob die Nazis am 8. Mai was machen (dürfen), ob Versammlungen überhaupt am 8. Mai in Demmin vom den Behörden erlaubt werden. Vermutlich maximal Kundgebungen mit vielen Auflagen wegen der Gesundheit von allen. Genaueres wird wohl erst nächste Woche bekannt.
Doch warum wir gegen die Nazis demonstrieren hat sich auch bei Corona nicht geändert.
Deswegen wurden heute morgen um 7 Uhr drei gemietete Plakatwände in Demmin an der Naziroute beklebt mit der Forderung:, dass der 8. Mai ein Feiertag werden soll und mit einer Erinnerung an die Opfer des Rechtsterrorismus von Hanau.

Hier das Plakat mit Esther Bejerano zum Runterladen

Petition von VVN-BdA

Petition von Die Vielen

Faschismus und Rassismus töten bis heute!

Artikel im Nordkurier dazu


Bilder: Privat

Gedenken an Mohammed Belhadj

Am 22.4.2001 wurde Mohammed Belhadj, ein Aslybewerber aus Algerien, von vier Rassisten am Südufer vom Zarrenthiner Kiessee ermordet. In dieser Zeit hab es viele rechtsextreme Taten und das hat bis heute nicht aufgehört.

Am Nachmittag vom 22.4. 2020 wurden vom „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ zum Blumen am Zarrenthiner Kiessee bei Jarmen abgelegt, wegen Corona nur von zwei Menschen in Vertretung von vielen.
Das war zum ersten Mal ein öffentliches Gedenken am Todesort.
Bis zum nächstes Jahr, dann zum 20. Todestag, soll es viele Gespräche geben und sich für einen dauerhaften Gedenkort eingesetzt werden.

Ganz in der Nähe vom Tatort findet sonst das „Wasted in Jarmen“ statt.

Viele Infos bei Pro Bleiberecht MV

Informativer Artikel im Nordkurier


Das Gedenken war in der Badesanstalt vom Zarrenthiner Kiessee, Der Tatort ist am Südufer (hinten rechts im Bild zu sehen, damals mit dem Auto befahrbar, heute abseits gelegen)

Mohammed Belhadj

Digitaler Ostermarsch von Lebenslaute – Gemeinsam für den Frieden

An 20 Orten spielt und singt Lebenslaute das Aserbeidschanische Friedenslied Lazemder, in dem es heisst: Asien, Afrika, auf der ganzen Welt, Europa, Amerika, auf der ganzen Welt, kommt mit ihr Väter, Töchter, Söhne und stimmt mit uns zusammen das Lied des Friedens an.
Und ruft zum aktiven Engagement für Frieden und Menschenrechte auf, z.B. gegen die Rüstungsprduktion in Unterlüß.
mehr Infos:
https://www.lebenslaute.net/

Gewissen in Aufruhr (Film in fünf Teilen)

Deutschland vor 75 Jahren: von allen Seiten rücken alliierte Streitkräfte vor. Die Wehrmacht ist auf dem Rückzug, der Ausgang des Krieges schon klar, aber an vielen Stellen gibt es noch erbitterte Kämpfe. Was genau passierte, hing teilweise an der Entscheidung einzelner Befehlshaber. Die Kapitulation der Stadt Greifswald rettet vielen Menschen das Leben.
In Demmin war es verboten, weiße Fahnen rauszuhängen. Bei einer anderen Entscheidung wären viele Ereignisse in Demmin vielleicht anders verlaufen.

Hier ein älterer Film über die Ereignisse in fünf Teilen. Sehenswert sind alle Teile, auch wenn aus heutiger wissenschaftlicher Perspektive das eine oder andere ein wenig anders präsentiert werden würde.
Wir wollten dies im April in Demmin öffentlich zeigen und mit euch darüber diskutieren, was jetzt gerade leider nicht geht.

Also wenn ihr die nächsten Tage Zeit habt, schaut es euch an und empfehlt es weiter.
Hier der Teil Nr. 3, die anderen sind aber auch auf Youtube:

Teil 1

8. Mai unter besonderen Vorzeichen

Der 8. Mai 2020 in Demmin wird sich deutlich unterscheiden von den vorangegangenen. Die Ansteckungsgefahr soll sich nicht erhöhen und trotzdem wollen wir nicht vergessen. Angesichts der Corona-Pandemie sucht das „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ derzeit nach alternativen Wegen, an den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Faschismus zu erinnern. Gerade jetzt ist ein Feiern des Friedens und das Eintreten für eine offene, solidarische und ökologische Gesellschaft wichtig, um positive Bezugspunkte für die Zukunft zu setzen.

Im Zentrum steht dieses Jahr die Forderung, den 8. Mai zu einem bundeseinheitlichen Feiertag zu erklären. Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano erklärte dazu „Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten.“ In Deutschland fehlt bis heute ein fester Rahmen, um kollektiv an die Gräuel des Zweiten Weltkrieges und an das weltweite Aufbäumen gegen eine menschenfeindliche Ideologie zu erinnern. Die nationalistischen und rassistischen Geister von damals holen uns ständig ein und sind tödlich, wie sich allein in den letzten Monaten in Kassel, Halle und Hanau mörderisch zeigte. Wer nur nach vorne schauen will und verkennt, wie sehr unser Gestern unser Heute prägt, wird nie Frieden finden.

Seit einigen Wochen erleben wir sehr deutlich, dass wir alle im selben Boot sitzen. Und wir sehen, was möglich wäre, wenn die Bedrohungen nicht nur marginalisierte Menschen hier und anderswo, sondern allen gefährlich werden. Gesundheit und Menschenleben sind plötzlich wichtiger als das Wirtschaftswachstum. Der Mangel an medizinischer Ausrüstung macht die Umstellung von Produktionsprozessen möglich. Alle militärische Aufrüstung der Welt hilft nicht gegen einen kleinen Angreifer. Hoffentlich gibt uns das für die Zukunft zu denken. Denn wie wären wir heutzutage gewappnet, wenn die Rüstungsetats in den vergangenen Jahrzehnten in Gesundheit, in Bildung oder die Bekämpfung von Armut, Wohnungslosigkeit und Unterernährung gesteckt worden wären. Angesichts der Soforthilfen taucht das bedingungslose Grundeinkommen am Horizont auf. Wir würden es begrüßen.

Gleichzeitig ist auch jetzt Solidarität oft nicht grenzenlos. Mit der unteilbaren Menschenwürde ist nicht vereinbar, dass Geflüchtete nicht aus griechischen und bosnischen Lagern evakuiert werden, während zehntausende Saisonarbeiter*innen für die Ernte eingeflogen werden. Auch das Ringen um die knappen medizinischen Güter prägt vielfach das Recht des Stärkeren und Reicheren.

Unserem kreativen Protest können wir wahrscheinlich diesmal nicht auf der Straße Nachdruck verleihen, möchten aber allen fleißigen Stricker*innen aus Demmin, den umliegenden Dörfern und über die Grenzen unserer Region hinaus danken, die sich bereits an der Aktion „Bunte Maschen statt brauner Märsche“ beteiligt haben. Unsere Grüße gehen deshalb auch nach Gribow, Hamburg, Berlin, Malchin, Gnoien, Rostock, Greifswald, Freiburg… Auch wenn wir aller Voraussicht nach aufgrund der Einschränkungen während der Corona-Pandemie die vielen bunten Schals nicht anbringen können, werden wir dafür sorgen, dass sie zu einem anderen Zeitpunkt ihren aussagekräftigen Einsatz bekommen.

Für eine solidarische Zukunft können wir uns jetzt gut einsetzen. Welche Wege wir dafür finden und wie wir unterstützt werden können, ist auf www.demminnazifrei.blogsport.de zu verfolgen. Wir hoffen, dass die große Beteiligung der letzten Monate an Organisation und Überlegungen zum 8. Mai 2020 und darüber hinaus erhalten bleibt.

Hier die Petition zum 8. Mai als Feiertag:
https://www.change.org/p/8-mai-zum-feiertag-machen-was-75-jahre-nach-befreiung-vom-faschismus-getan-werden-muss-tagderbefreiung-bkagvat-bundesrat