Hier die Pressemitteilung vom 8.4.2020 statt eines Aufrufs

8. Mai unter besonderen Vorzeichen

Der 8. Mai 2020 in Demmin wird sich deutlich unterscheiden von den vorangegangenen. Die Ansteckungsgefahr soll sich nicht erhöhen und trotzdem wollen wir nicht vergessen. Angesichts der Corona-Pandemie sucht das „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ derzeit nach alternativen Wegen, an den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Faschismus zu erinnern. Gerade jetzt ist ein Feiern des Friedens und das Eintreten für eine offene, solidarische und ökologische Gesellschaft wichtig, um positive Bezugspunkte für die Zukunft zu setzen.

Im Zentrum steht dieses Jahr die Forderung, den 8. Mai zu einem bundeseinheitlichen Feiertag zu erklären. Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano erklärte dazu „Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten.“ In Deutschland fehlt bis heute ein fester Rahmen, um kollektiv an die Gräuel des Zweiten Weltkrieges und an das weltweite Aufbäumen gegen eine menschenfeindliche Ideologie zu erinnern. Die nationalistischen und rassistischen Geister von damals holen uns ständig ein und sind tödlich, wie sich allein in den letzten Monaten in Kassel, Halle und Hanau mörderisch zeigte. Wer nur nach vorne schauen will und verkennt, wie sehr unser Gestern unser Heute prägt, wird nie Frieden finden.

Seit einigen Wochen erleben wir sehr deutlich, dass wir alle im selben Boot sitzen. Und wir sehen, was möglich wäre, wenn die Bedrohungen nicht nur marginalisierte Menschen hier und anderswo, sondern allen gefährlich werden. Gesundheit und Menschenleben sind plötzlich wichtiger als das Wirtschaftswachstum. Der Mangel an medizinischer Ausrüstung macht die Umstellung von Produktionsprozessen möglich. Alle militärische Aufrüstung der Welt hilft nicht gegen einen kleinen Angreifer. Hoffentlich gibt uns das für die Zukunft zu denken. Denn wie wären wir heutzutage gewappnet, wenn die Rüstungsetats in den vergangenen Jahrzehnten in Gesundheit, in Bildung oder die Bekämpfung von Armut, Wohnungslosigkeit und Unterernährung gesteckt worden wären. Angesichts der Soforthilfen taucht das bedingungslose Grundeinkommen am Horizont auf. Wir würden es begrüßen.

Gleichzeitig ist auch jetzt Solidarität oft nicht grenzenlos. Mit der unteilbaren Menschenwürde ist nicht vereinbar, dass Geflüchtete nicht aus griechischen und bosnischen Lagern evakuiert werden, während zehntausende Saisonarbeiter*innen für die Ernte eingeflogen werden. Auch das Ringen um die knappen medizinischen Güter prägt vielfach das Recht des Stärkeren und Reicheren.

Unserem kreativen Protest können wir wahrscheinlich diesmal nicht wie geplant auf der Straße Nachdruck verleihen, möchten aber allen fleißigen Stricker*innen aus Demmin, den umliegenden Dörfern und über die Grenzen unserer Region hinaus danken, die sich bereits an der Aktion „Bunte Maschen statt brauner Märsche“ beteiligt haben. Unsere Grüße gehen deshalb auch nach Gribow, Hamburg, Berlin, Malchin, Gnoien, Rostock, Greifswald, Freiburg… Auch wenn wir aller Voraussicht nach aufgrund der Einschränkungen während der Corona-Pandemie nur einen Teil der bunten Schals anbringen können, werden wir dafür sorgen, dass sie zu einem anderen Zeitpunkt ihren aussagekräftigen Einsatz bekommen.

Für eine solidarische Zukunft können wir uns jetzt gut einsetzen. Welche Wege wir dafür finden und wie wir unterstützt werden können, ist auf www.demminnazifrei.blogsport.de zu verfolgen. Wir hoffen, dass die große Beteiligung der letzten Monate an Organisation und Überlegungen zum 8. Mai 2020 und darüber hinaus erhalten bleibt.

Hier der Link zur Petition: 8. Mai als Feiertag!
https://www.change.org/p/8-mai-zum-feiertag-machen-was-75-jahre-nach-befreiung-vom-faschismus-getan-werden-muss-tagderbefreiung-bkagvat-bundesrat