Archiv der Kategorie 'Militärkritik'

Kriege verhindern ist Handarbeit! Ein Kommentar zu: Festumzug: Wie sieht das dunkelste Kapitel aus?

Uns erreichte folgender Kommentar von Peter K., welchen wir hier veröffentlichen:

Heute, am Abend vor dem 1. September, dem Weltfriedenstag, wude über die leider immer noch existierende Kanone am Bebelplatz in Demmin wieder ein Kondom gestülpt. Anlass war auch der Nordkurierartikel vom 28. August: Festumzug: Wie sieht das dunkelste Kapitel aus?: „Wir wollen mit dem Umzug an wichtige Kapitel der Stadtgeschichte erinnern. Nicht alles lässt sich umsetzen, klar. Aber der 8. Mai ist ein Muss.“ so Karsten Behrens, der Hauptorganisator vom Festumzug. „Inzwischen hat man sich, nach vertraulichen Gesprächen mit Altbürgermeister Ernst Wellmer und Günther Behnke als Vertreter des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, auf eine stille Variante geeinigt: Ein Lkw der Stadtwerke soll auf der Ladefläche, von der die seitlichen Klappen demontiert werden, eine Nachbildung des Kugelkreuzes tragen. Besagtes Kreuz steht als markantes Mahnmal auf dem 45er Gräberfeld, in dem auch viele Opfer der Massensuizide bestattet liegen.“

Das Einizge, was also beim Festumzug zur Nazizeit präsent sein soll ist die Trauer über die Demminer Toten von ’45. Damit wird wieder unterstrichen, dass die Stadt den Tiefpunkt der Geschichte ’45 sieht bei der Zerstörung von Demmin und nicht bei der Machtergreifung der Nazis oder dem Kriegsbeginn. Komischerweise läuft diese Trauer dann nicht unter dem Termin 30.4./1.5. sondern unter dem Termin 8. Mai. Das heißt der 8. Mai ’45 wird anscheinend betrauert, nicht als Tag der Befreiung vom Faschismus gefeiert, was sehr nah an der Deutung der Nazis liegt. Von einem Ulanenverein, der sich mit Geschichte beschäftigen will, könnte ein wenig mehr Reflektion erwartet werden…


Bild vom Mittag des 1.9. – das Kondom war lange auf der Kanone.

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Auszüge vom Aufruf des Rostocker Friedensbündnis:

Der 1. September ist der Tag, der an den faschistischen deutschen Überfall auf Polen 1939 und damit die Auslösung des Zweiten Weltkriegs erinnert. In diesem Jahr, 70 Jahre nach 1945, denken wir auch an die Befreiung vom Faschismus, die diesen Krieg beendete. Frieden zu fordern, ist besonders an diesem Tag nötig. Denn die Lehren aus der Geschichte sind nicht gelernt.
„Wer noch einmal ein Gewehr in die Hand nehmen will, dem soll die Hand abfallen!“ Mit diesen Worten wird Franz Josef Strauß (CSU) aus dem Jahr 1949 zitiert. Aber das war nur der Populismus einer Rede im Wahlkampf zum ersten Deutschen Bundestag. Bald erfolgte die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Heute ist Deutschland das viertgrößte Waffenexportland und schickt wieder Bewaffnete in die Welt: angeblich in Friedensmissionen oder zu Ausbildungszwecken, in Wirklichkeit zur Durchsetzung ökonomischer und strategischer Interessen. (siehe auch die Diskussion in Japan dazu)

Aus den Ländern, bei deren Zerstörung die bundesdeutsche Außenpolitik geholfen und damit auch Kräften wie dem IS den Weg bereitet hat, in die deutsche Waffen gehen und in denen sich die Bundeswehr „engagiert“, kommen Flüchtlinge zu uns. Hier gibt es viele Menschen, die ihnen helfen wollen. Aber hier werden sie auch mit Steinen beworfen, ihre Heime werden angezündet oder sie werden auf der Straße beschimpft.
(Dazu ein Kommentar aus den Tagesthemen vom 25.8.2015).

Viele wollen aber derzeit den Flüchtlingen helfen Es macht Mut, zu sehen, wie das Verständnis der meisten Menschen für die Lage der Flüchtlinge tagtäglich der offiziellen Politik Lehren erteilt.

Traditionslinien

In diesem Jahr jährt sich zum hundertsten Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges, der oftmals als die historische “Urkatastrophe” bezeichnet wird. Die Auswirkungen des Krieges waren tatsächlich katastrophal in seinen Ausmaßen und traumatisch für viele Generationen. Millionen von meist jungen Menschen wurden in einen vermeidbaren Krieg geschickt. Der Erste Weltkrieg markiert einen Einschnitt in die Geschichte unserer Zivilisation, ohne ihn sind der Zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus nicht zu erklären.

Das Ausrücken der Demminer Ulanen in den ersten Weltkrieg:
Ulanen 1914

Wie brutal die Kriegsführung schon vor dem ersten Weltkrieg im Deutschen Kaiserreich war, der noch zusätzlich ein Rassewahn innewohnte, zeigte die Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama („Hottentotten“) in Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia) von 1904 bis 1908. Der Kampf der deutschen Kolonialherren war gnadenlos und wurde zum ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.
Die Kriegführung Trothas zielte auf die vollständige Vernichtung der Herero ab („Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muß“ und wurde darin vom Chef des Generalstabs Alfred Graf von Schlieffen („Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung einer Partei abzuschließen.“) und Kaiser Wilhelm II. unterstützt. Im Anschluss an die Kampfhandlungen wurden die Herero und Nama in Konzentrationslagern interniert, in denen annähernd jeder zweite Insasse starb. Vom um 1904 auf rund 80.000 bis 100.000 Personen geschätzten Hererovolk lebten 1911 nur noch 15.130 Personen. Die Bundesregierung hält unverändert daran fest, dass es sich ihrer Ansicht nach nicht um einen Völkermord gehandelt habe. Dass die Bundeswehr mit die­ser Ver­gan­gen­heit nie kom­plett ge­bro­chen hat, belegt beispielsweise die Panzergrenadier-Kaserne in Lüneburg, die ab 1958 Schlieffen-Kaserne hieß und bis heute so genannt wird.

Aus Demmin waren in Deutsch-Südwest-Afrika ab 1904 dabei: 78 Ulanen und 3 Unteroffiziere, ab 1905 der Offizier Ernst von Maltzan, Freiherr von Wartenberg und Pentzlin. Alle hatten sich freiwillig gemeldet. Drei dieser Ulanen starben im Kampf, fünf an Krankheiten, vor allem Typhus.

Andere Wege schlug ein wenig später beispielsweise Ernst Barlach ein:

Ernst Bar­lach ver­än­der­te sich, vor allem durch seine di­rek­ten Er­fah­run­gen im ers­ten Welt­krieg, vom Kriegs­be­für­wor­ter zum Kri­ti­ker von Ge­walt und Kriegs­geg­ner. In der Nazi-Zeit galt seine Kunst als entartet.

Die schwarze Eule

Dem Naturschützer, Pazifist und Kriegsdeserteur Kurt Kretschmann ist eine Sonderausstellung vom Warener Müritzeum gewidmet, die am Montag, 10. Februar um 16 Uhr im NaturErlebnisZentrum Waren eröffnet wird. Die Ausstellung ist entstanden in einer Zusammenarbeit der Berliner Friedensbibliothek und des Hauses der Natur Bad Freienwalde.
Kretschmann praktizierte den Widerstand gegen Krieg und Nazis. Er pflegte den natürlichem Gartenbau und die vegetarischer Lebensweise.
Zusammen mit seiner Frau Erna hat er jahrzehntelang viel bewegt im Naturschutz Ostdeutschlands und war seit 1991 Ehrenpräsident des Naturschutzbundes. Im Jahr 1993 erhielt er gemeinsam mit seiner Frau den Europäischen Umweltpreis.

Die schwarze Eule auf gelbem Grund ist heute Symbol des Naturschutzes. Geprägt hat es Kurt Kretschmann, der auch die weltweit erste Naturschutzlehrstätte in Müritzhof 1954 mitbegründete.

In der Diskussion um die Militäreinsätze der Bundeswehr in Afrika und den Waffenexporten in alle Welt, auch aus MV, ist es gut zu sehen, dass es hier auch andere Traditionen gibt. Es braucht kein Bundeswehr-Planspiel POL&IS in den Schulen, das von der Logik in ein militärisches Agieren führt. Genausowenig wie ein militärisches Eingreifen von Deutschland in der Welt.
Wie Erna und Kurt Kretschmann zeigten, gibt es einen gewaltfreieren Umgang miteinander und einen schonenderes Verhalten mit der Natur.

Der Film zum Tag der Reservisten!

Die Aufnahmen vom 31.8.2013 in Demmin sind jetzt öffentlich. Die bewegten Bilder zeigen das ganze Ausmaß des militärischen Spektakels auf dem Marktplatz in Demmin und die seltsame Erklärung der Bundeswehr.

Irgendwie war alles verdreht an diesem Tag der Reservisten: ein Brigadegeneral steht auf der Bühne, rechtfertigt militärisches Agieren von deutschen Soldaten überall auf der Welt, um das von Europa aus definierte System „Recht und Ordnung“ wiederherzustellen, und zu Gewalttätern werden von ihm diejenigen erklärt, die vor der Bühne stehen und eine gewaltfreie, zivile Lösung der Konflikte fordern. Die Feldjäger fühlen sich als zuständige Ordnungsmacht und greifen ein, unterstützt von der Polizei.
Der General geht auf die Äußerungen der Demonstranten ein, versucht einiges umzudeuten. Er erzählt auch noch, dass die Katastrophe für Demmin am Ende vom zweiten Weltkrieg kam und wird dafür auch Applaus von NPD-Anhänger_innen bekommen. Denn anscheinend war das Hauptproblem nicht bei der Machtergreifung der Nazis und der Umsetzung ihrer nationalistischen Ideologie, die ihre Fortsetzung im Beginn des zweiten Weltkriegs durch Deutschland fand. Die Zwischenrufer werden jedenfalls entfernt, bekommen einen Platzverweis.
Georg Schramm dokumentiert das Geschehen auf dem Marktplatz. Die Militärpolizei packt dann wohl doch die Angst vor der Wirkung der Bilder und meint, ihr Agieren dürfe wegen dem Recht am eigenen Bild nicht veröffentlicht werden, beschlagnahmen den Filmchip der Kamera. Nach der Rückgabe ist jetzt daraus ein kurzer Film entstanden:

„Nie wieder Krieg“ war eine klare Erkenntnis aus den Weltkriegen, welche viel Leid und viele Tote mit sich brachten. Der Wiederaufbau der Armee nach 1945 wurde begründet mit der Landesverteidigung gegen den Feind auf der anderen Seite der Mauer, der seit ’89 nicht mehr da ist. Doch viele der aktuellen Reservisten sehen sich in der militärischen Tradition, egal wo sie nach ’45 dienten.

In Demmin gibt es gerade intensiv die Debatte um die Erinnerung an die militärische Geschichte, speziell der in Demmin stationierten Ulanen, der Reiterei im Deutschen Kaiserreich. Enkel und Urenkel dieser Soldaten verteidigen noch heute das Verhalten ihrer Vorfahren. Neue Denkmäler wurden errichtet und Publikationen dazu verfasst, welche die Ulanen als nette Dekoration für die erhofften Touristen darstellen.

Im ersten Weltkrieg töteten sich unter anderem deutsche und französische Soldaten gegenseitig. Während der Kampfhandlungen merkten sie, dass sie miteinander mehr Gemeinsamkeiten hatten als mit denjenigen, welche die Befehle gaben. Der Nationalstolz war aber noch sehr ausgeprägt in den Köpfen, was auch gerade in Demmin noch lange zu spüren war.

Interessant in diesem Kontext ist auch der Film auf arte über den Aufstand der Bäuerinnen und Bauern vom Causse du Larzac, der weltweit ausstrahlte.

Ulanenkrams ohne Ende?

In Demmin scheinen einige die Ulanen wiederbeleben zu wollen. Demmin soll um eine Attraktion reicher werden, die Tradition pflegen. Nach dem Aufstellen der Kanone mit „Infotafel“ im letzten Jahr erschien jetzt vor kurzem ein Flyer, der genauso unkritisch die Ulanen als netten Sportverein mit schicker Uniform darstellt. Dazu soll noch ein Buch erscheinen und auch eine Internetpräsens ist angekündigt.
Daneben solles bald Ulanenbratwurst, Ulanenbier und weiteren Schnickschnack geben.
Ein 77-jähriger erscheint im Nordkurier als Sammler von Ulanen-Zinnfiguren und erzählt über den Aufschwung, den das Militär der Demminer Region gebracht haben soll. Kein Wort über die wirkliche Bedeutung von Krieg, der Gewalt und dem Leid, welches der Krieg für alle gebracht hat und vom Deutschen Kaiserreich ausging.

Einige fordern auch immer noch die Wiederherstellung vom Ulanendenkmals, ein Monument welches im Geiste des deutschen Nationalismus und Germanenkults geschaffen wurde.


Das Ulanendenkmal in seiner jetzigen Erscheinung spie­gelt bes­ser das his­to­ri­sche Ge­sche­hen.

Das Regionalmuseum aus Demmin gibt demnächst eine Broschüre heraus, welches die Geschichte der Ulanen kritisch beleuchtet und ab Dezember erhältlich ist.

Die Diskussion um die Geschichte vor ca. 100 Jahren geht weiter – wir bleiben dran.

Die Speicherkarte ist wieder da!

Die juristsche Unterstützung und der öffentliche Druck sowie die Zeitungsberichte haben gewirkt. Die Staatsanwaltschaft hat die Speicherkarte vom Filmer Georg Schramm mit allen bewegten Bildern vom Reservistentag in Demmin wieder freigegeben.

Es wird überlegt, daraus einen kurzen Film entstehen zu lassen, der kommt aber nicht so schnell.

Einige Informationen zu Fall findet ihr hier und hier.

Wir werden dranbleiben und euch informieren wie es weitergeht, damit die Anzeige gegen die Militärpolizei nicht sang- und klanglos eingestellt wird.

Warum gibt es eigentlich keinen wahrnehmbaren Kommentar der Stadtspitze zu den Ereignissen am Reservistentag?
Ziviles und Militärisches sollten getrennt bleiben und Militärpolizei sollte wirklich nur auf Militärgelände was zu sagen haben.

Eigentlich sollte beim Reflektieren über vergangen Kriege klar werden, dass wir so was nie wieder erleben wollen und sich auch niemand dran beteiligen soll, egal wo auf der Welt! Es gibt andere, gewaltfreie Wege mit Konflikten umzugehen.

Tag des unbequemen Denkmals

Ein Spaziergang, eine Lesung, ein Konzert und Ausstellung/Dokumention zur Geschichte der Orte auf und rund um den Barlachplatz war heute das abwechslungsreiche Programm vom Denkmaltag.

Bewegend war die Lesung mit Karl Schlösser in der Hansebibliothek. Er las aus der neusten Ausgabe von „Demmin – die andere Chronik. Fußnoten lokaler Geschichte“. Dabei kritisierte er die unsägliche Aufstellung der Kanone am Bebelplatz zum Gedenken an die Ulanen, lobte die diversen temporären Veränderungen, die daran vorgenommen wurden.
Irgendwie war es das Gegenstück zum Reservistentag. Auf den Tischen lag eine Vielfalt an Informationen zur gewaltfreien Konfliktlösung.

Viel wurde diskutiert über Symbolik von Denkmälern. Leben lässt sich halt nicht zum Archivieren in Stein meißeln. Die Gedenkstele für die Opfer von Krieg und Gewalt, die (versteinerte) Blütenknospe, bedarf eigentlich der Unterstützung durch Kräuter und Blumen, die die Ritzen der Steinplatten weiter aufsprengen – jeden Tag ein wenig mehr.


Für diesen Tag wurden Bruchstücke der Geschichte des Barlach-Platzes wieder sichtbar.


Auf dem Weg zum Ulanendenkmal liegt der jüdische Friedhof.


Die kriegsverherrlichende, nationalistische Darstellung des 1924 erbauten, 1946 zerstörten und 1994 teilweise wieder hergestellten Ulanen-Denkmals wurde durch die Ausstellung nochmal verdeutlicht.


Das ursprüngliche heroische Reiterbild würden einige in der Stadt gerne wieder errichten – in der jetzigen Form spiegelt es besser das historische Geschehen.

Weiteres zum Reservistentag

Die Artikel zu „Tag der Reservisten“ in Demmin häufen sich.
Gestern erschien auch ein Artikel von uns beim Kombinat Fortschritt der die Ereignisse bis gestern zusammenfasst.

Heute gibt es, leider nicht online, nochmal einen Artikel und Leserbrief im Nordkurier. Es geht um die Ermittlungen der Polizei gegen die Militärpolizei nach der Anzeige vom Filmer Georg Schramm und der Speicherchip ist jetzt Beweismittel, also weiterhin weg. Der Berliner Presserechtler Johannes Weberling bezeichnete gegenüber dem Nordkurier das Verhalten der Militärpolizei als krass rechtswidrig.
Um den Skandal nicht noch größer werden zu lassen wäre es doch das Beste, die Film-Speicherkarte mitsamt der Daten jetzt freizugeben – wird aber wahrscheinlich nicht passieren.

Hier nochmal dokumentiert das Beschlagnahmeprotokoll der Feldjäger. Besonders zu beachten die kleinen Schludrigkeiten, da sie kein passendes Formular hatten.

Während der Anzeige bei der Demminer Polizei durfte der Filmemacher übrigens die normale Toilette dort nicht benutzen, er mußte nach außerhalb oder in den Gefangenentrakt. Der aktive Bürger ist halt gefährlich.

Ein paar bewegte Bilder gibt es doch noch von dem Tag, wenn auch von den Reservisten:
http://www.youtube.com/watch?v=sfjp6TJml1I
Es gibt einen groben Eindruck von der Veranstaltung.
Kurz zu sehen ist Georg Schramm, aber auch diverse VIPs wie Landtagspräsidentin Sylvia Brettschneider und Ex-Landeswirtschaftsminister Seidel.

Aktion Kanone 1

Sonntag, 8.9.13, ist übrigens der „Tag des unbequemes Denkmals“ und von 14 Uhr bis 17 Uhr gibt es diverse Angebote rund um den Barlachplatz: Lesung, Konzert, Ausstellung, Spaziergang,…

Militärpolizei beschlagnahmt Filmmaterial

Vorgestern bei der Eröffnung des Tags des Reservisten auf dem Demminer Marktplatz gibt es Protest: zwei Menschen gehen auf die Bühne und beschweren sich, dass die Bundeswehr einen Tag vor dem Weltfriedenstag Krieg spielen will. Mit Kanonenschlägen war kurz davor das Spektakel eröffnet worden, was eher eine Technikausstellung von Militärgerät war. Die zwei „Störer“ werden entfernt und bekommen einen Platzverweis.
Ein lokaler Kameramann filmt das Geschehen und wird danach massiv bedrängt. Zuerst soll er seine Kamera hergeben, dann soll das Filmmaterial vernichtet werden. Es ginge um das „Recht auf das eigene Bild“ der agierenden Militärpolizisten. Im Keller von Rathaus beschlagnahmt danach die Militärpolizei das Filmmaterial. Damit überschreiten die Feldjäger nicht nur massiv ihre Kompetenzen. Hier geht es um eine Handlung von Funktionsträgern auf einer öffentlichen Veranstaltung. Und das darf nicht dokumentiert werden?

Im Bericht vom Nordkurier über die Veranstaltung auf dem Markt geht es um das ehrenamtliche Engagement, welches an dem Tag das Thema sein sollte, und zwischen die Fronten gerät.
Doch warum lassen die Soldaten auch die Kinder mit dem Kriegsgerät spielen?
Und eigentlich hofft mensch, dass so ein waffenklirrendes Gehabe der Vergangenheit angehört.

Sich wirklich für den Frieden ehrenamtlich einsetzen, dafür gibt es interessanter Organisationen, als die, welche sich am Samstag in Demmin vorstellten. Der Ziviler Friedensdienst ist eine davon. Oder auch der Friedenkreis aus Halle.

Die „Muna“ in der Woldeforst

Im Norden von Demmin ist ein Waldgebiet. Dort gibt es den Bereich Woldeforst, in dem während der Nazizeit die Heeres-Hauptmunitionsanstalt Waffen produzierte. Auch mit sowjetische Kriegsgefangene als ZwangsarbeiterInnen.

Das Regionalmuseum Demmin will zur Aufklärung der noch in weiten Teilen unbekannten Geschichte beitragen.
Dazu gibt es beim Friedensfest am 8.5. eine Freiluftausstellung: „Tote sowjetische Kriegsgefangene – ein Massengrab in der Woldeforst“
Diese Geschichte ist auch Teil des historischen Stadtrundgangs am 8. Mai
Vor kurzem gab es dazu einen Artikel im Nordkurier

Spannender Film: „Töte zuerst“

Als Nachtrag zu der Diskussion zu Ägypten, Kriegsdienstverweigerung und der Kritik an Waffenexporten sei hingewiesen auf einen mehrfach ausgezeichneten Film, der gestern abend bei arte.tv lief. Ein Dokumentarfilm in dem sechs ehemalige Chefs des israelischen Inlandsgeheimdienstes über Moral, Sicherheit, Gewalt und den palästinensischen Staat reden. Sie kommen zu dem Schluss, dass der Krieg zwischen Israel und Palästina nicht zu gewinnen ist und der Weg, den es schon lange hätte nehmen müssen, nur über Vertrauen und Reden geht. Sonst wird es nur noch schlimmer, und Israel sei schon (fast) ein Geheimdienststaat.

Sehenswert – mit bedrückenden Bildern

Nachtrag: leider ist der Film auf arte nicht mehr zu sehen. Auf den Videokanälen mit freiem Zugang wird er schnell wieder gelöscht, aber wer sucht wird finden.

Hier ein kurzer Eindruck vom Film:

Die Revolution konnte bis jetzt den Diktator loswerden, aber nicht die Diktatur

„Wie können wir den Menschen in Ägytpen bei ihrem Kampf gegen Unterdrückung helfen?“ war eine der Fragen am Ende der Veranstaltung am 19.2. mit Maikel Nabil Sanad.
Eine erste Forderung ist, keine Waffen in die Region zu liefern, also auch keine Militärboote nach Saudi-Arabien, keine Finanzierung des Militärapparates und keine andere Arten der Unterstützung des diktatorischen Regimes in Ägypten.
Da GewerkschafterInnen die Peenewerften retten wollen und sich über jeden Auftrag freuen, berühren sich hier die Aktivität des Aktionsbündnisses 8. Mai mit der Aktivität der GewerkschafterInnen, die bei den Protesten gegen die Nazis mit dabei sind.

Die Inhalte des Vortrags selbst können gut auf den Seiten der War Resisters International nachgelesen werden.

In der Diskussion danach kam die gleichberechtigte Rolle der Frauen während der Proteste (viele Initiativen wurde von Frauen gestartet) zur Sprache. Die Akivistinnen werden unter anderem von verschiedene religiöse Gruppen aber auch durch den Staatsapparat dadurch bekämpft, dass Männer geschickt werden um sie auf dem Tahrir-Platz zu vergewaltigen.

Maikel Nabil Sanad studiert seit kurzem in Erfurt und fühlt sich derzeit in Deutschland wohler als in Ägypten, auch weil ihm hier keine Verfolgung droht wie in Ägypten, wo er jederzeit wieder in Knast landen könnte. Trotzdem will er nach dem Studium wieder zurück und sich weiter für den Frieden engagieren, bis dahin seine Kriegsdienstverweigerer-Organisation weiter aufbauen.
Eine anregende Diskussion über die anzustrebende Gesellschaftsform litt an sprachlichen Barrieren und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Klar wurde, dass in Deutschland nicht alles so frei und toll ist, wie es von außen scheint, die Freiheit in einer parlametarischen Demokratie auch begrenzt ist.
In Ägypten selbst gibt es auch viele Diskussionen darüber wie es weitergeht, welche an verschiedenen Stellen gut nachzulesen ist.

Jedenfalls war es eine interessante Veranstaltung die Lust auf mehr Diskussion geweckt hat.

Zu den Kriegerdenkmälern

Immer wieder gibt es die Diskussion um die Kriegerdenkmäler, vor allem vom ersten Weltkrieg, in dem die Soldaten noch keine bösen Nazis waren wie zum Beispiel in Alt Kentzlin.
Doch Soldaten sind keine Helden, egal wo, egal wann, selbst wenn dies von vielen immer wieder behauptet wird. Es gibt keinen gerechten Krieg, auch wenn wir uns teilweise über den Sturz eines Regimes freuen.
Soldaten im Krieg sind Täter. Sie kämpfen nicht für Menschenrechte, sie produzieren Unrecht.
Die kaiserlichen Soldaten waren vor allem in den Kolonien menschenverachtende Besetzer, Rassisten und sie haben auch gemordet. Und mit den aktuellen Berichten unter anderem aus Mali bekommt mensch den Eindruck, dass sich nicht viel geändert hat. Gewaltfreie Konfliktbearbeitung, gewaltfreier Widerstand und Gespräche, wie sie auch in Mali geplant waren, kurz bevor der Krieg startete, sollten der Weg sein.

Was vor kurzem in Dargun gelaufen ist, ist extra absurd: Der Schützenverein schießt auf ein Bild eines Kriegerdenkmals aus Teterow und verunglimpft damit das Kriegerdenkmal seiner eigenen Kameraden, was große Wellen schlägt.

„Gefallen im Krieg“, was auf vielen Kriegerdenkmälern steht, verharmlost den Krieg und seine Folgen.
Den Opfern, den Toten des Krieges zu gedenken ist menschlich und wichtig.

Dieses Thema und was die geeignetere Form des Erinnerns ist, wird uns wohl noch länger beschäftigen.
Ein Denkmal für den Deserteur wäre doch was schönes für Demmin.

Magdeburger Ehrenmal

Als Nachtrag jetzt noch ein paar Anmerkungen zum Artikel über Diskussionskultur

Auf dem vor ein paar Wochen angebrachten Plakat ist das Magdeburger Ehrenmal von Ernst Barlach zu sehen.

Ernst Barlach veränderte sich, vor allem durch seine direkten Erfahrungen im ersten Weltkrieg, vom Kriegsbefürworter zum Kritiker von Gewalt und Kriegsgegner. Mehr als 400 seiner Werke wurden während der Nazi-Zeit als „entartete Kunst“ aus öffentlichen Sammlungen entfernt.
Das Magdeburger Ehrenmal von Ernst Barlach, eine aus Eiche geschnitzte Skulptur, enstand Jahre 1929 und ist den Opfern des Ersten Weltkrieges gewidmet. Während der NS-Zeit wurde das Mahnmal auch auf Drängen des damaligen Magdeburger Domgemeinderates vorübergehend entfernt und 1955 wieder im Magdeburger Dom aufgestellt.

Hier ein paar weitere Infos dazu http://www.wege-zu-barlach.de/index.php?id=18

Das jetzt am BarlachPlatz in Demmin sichtbare Plakat wurde von der Ernst-Barlach-Stiftung aus Güstrow zur Verfügung gestellt.

Der erste Weltkrieg war auch für die Ulanen der Niedergang. Gegen die moderen Waffentechnik konnten die Soldaten zu Pferde nicht mehr viel ausrichten.

Diskussionskultur

Als Beitrag im öffentlichen Raum zum Diskurs um das Erinnern wurde vom Aktionsbündnis 8. Mai Demmin kurz vor Weihnachten direkt neben dem „Ulanengedenkplatz“ ein Beitrag von Ernst Barlach angebracht. Das Motiv soll in nächster Zeit durchaus auch mal wechseln.


Der angrenzende Barlachplatz selbst und das Erinnern, welches auf ihm stattfindet, ist durchaus wert, mehr in den Blickpunkt zu kommen.


Um die Nähe zur Kanone zu verdeutlichen: Im Hintergrund ist die Litfaßsäule zu sehen.

Die Meinungsverschiedenheiten zu den Ulanen beschäftigen weiter die Menschen. Am 7. Januar gab es einen skurrilen Leserbrief von Karsten Behrens aus Demmin:
Über Namensänderung kann man nachdenken
Das Traditionsverständnis in einer Demokratie ist breit gefächert. Im Meinungsstreit um die Traditionspflege könnte es kaum einen besser geeigneten Ort als Demmin geben! Sechzig Jahre war Demmin Standort einer Militäreinheit, so wie es hunderte Städte im In- und Ausland waren. Dass an diesem Zeitraum in angemessener Form erinnert wird, halte ich für längst überfällig und legitim. Über die einzelnen Stücke des Ensembles an der Ostkaserne kann man weiter streiten.
Dafür nahm man sich vor Errichtung zu wenig Zeit. Auch über eine Namensänderung des Platzes könnte man nachdenken.

Vielleicht sollten die Verteidiger der Ulanentradition noch mal einiges reflektieren.
Kaum ein geeigneterer Ort als Demmin für Traditionspflege? Wieso gab es zu wenig Zeit vor der Errichtung der Kanone? Und ist Ensemble nicht ein Wort vom Erzfeind?

Im Jahresrückblick vom Demminer Nordkurier war übrigens unter anderem ein Bild zum 8. Mai (gogotrash) und ein Bild von dem Kondom über der Kanone (keines zur Aufstellung der Kanone…)

Kein religiöser Staat – kein Militärstaat! Für eine freie Gesellschaft

Der Blogger Maikel Nabil Sanad ist einer der bekanntesten Kritiker der ägyptischen Militärführung.

Maikel Sanad

Dienstag, 19. Februar, 19 Uhr
Aula des Goethe-Gymnasiums
An der Mühle 7
Demmin

Auf der Veranstaltung berichtet er differenziert über die Lage in Ägypten aufgrund seiner Aktivitäten in der Demokratiebewegung und seiner Arbeit zu Kriegsdienstverweigerung und Menschenrechten.
Danach folgt eine offene Diskussion.

Maikel Nabil Sanad kritisierte als Kriegsdienstverweigerer Anfang 2011 die Rolle des ägyptischen Militärs während und nach der Revolution und berichtete auf seinem Blog ausführlich über vom Militär verübte Menschenrechtsverletzungen.
Er wurde daraufhin von einem Militärgericht in einem unfairen Verfahren zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nachdem er zwischenzeitig mehrere Wochen in den Hungerstreik trat, wurde er Ende Januar 2012 nach fast 10 Monaten Haft im Rahmen einer Generalamnestie aus dem Gefängnis entlassen, nachdem sich international viele für ihn eingesetzt haben.

Im Mai 2012 gab es schon eine Veranstaltungsreise quer durch Deutschland zusammen mit seinem Bruder Mark: http://www.connection-ev.de/article-1666

Weiter Infos unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Maikel_Nabil_Sanad und http://www.maikelnabil.com/

Veranstaltet von Aktionsbündnis 8.Mai Demmin
achtermai [@] demmin.de

Ulanendenkmal – wie geht es weiter?

Die Diskussion um das Gedenken an die Ulanen köchelte Ende des Jahres wieder munter vor sich hin:

Nordkurier, Fr. 14. Dezember 2012
Jetzt wird die Ulanenkanone vollends zum Politikum

Nordkurier, Fr. 28. Dezember 2012
Demmin-Chronist nimmt „Ulanen-Unsinn“ aufs Korn

Es gab auch eine weitere Anmerkung dazu in Demmin kurz vor Weihnachten: Hat sie schon wer entdeckt? Mehr dazu demnächst!

Diese Thema wird uns 2013 auch noch beschäftigen. Wir sind gespannt auf die verschiedenen Beiträge dazu.

Wer mehr dazu lesen will: Kategorie Militärkritik

Das Ulanengedenken ist weiterhin im Stadtgespräch

Die Diskussionen um den Ulanen-Gedenkplatz und die Kritik daran verebben nicht und der Vorschlag zu Umgestaltung wird lauter. Die nächsten Wochen werden wohl interessant werden.
Regelmäßig erscheinen LeserInnenbriefe dazu, die wir dokumentieren, denn selbst wenn darin der derzeitige Zustand verteidigt wird, sind sie doch sehr aufschlußreich:
LeserInnenbriefe zum Ulanengedenken im Nordkurier vom 7.11.2012

Die Kritik macht sich nicht nur an der Kanone fest, denn der Inhalt der Schautafeln stellt die Ulanen als netten Sportverein dar. Es werden zur Dekoration Bilder von Uniformen und Ausrüstungen gezeigt.
Die Soldaten sind da einfach nur in der Schlacht gefallen – kein Wort davon, was dies bedeutet.

Schautafel Ulanen
Nach dem Runterladen des Bildes ist die Schrift zu lesen.

Beim „ruhmreichen“ Krieg 1870/71 gegen den Erzfeind Frankreich geht es in die Details, die verlustreichen Kämpfe im ersten Weltkrieg werden nicht erwähnt.

Letzte Woche gab es eine Artikelreihe im Nordkurier zur deutschen Geschichte und die Region Demmin Anfang November mit interessanten Infos, es folgen die Links zu nachlesen:

1. Schicksalstage deutscher Geschichte
2. Erster Weltkrieg – Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts
3. Revolutionstage im November
4. Die Ulanen in Demmin
5. Mauerfall: Die friedliche Revolution
6. Reichspogromnacht

Erste Reaktionen auf: Kriege verhüten!

Heute im Nordkurier meldet sich der Spender des Gedenkplatzes zu Wort und sieht keine Kriegsverherrlichung, wirft der Aktionsgruppe fehlendes historisches Wissen vor, sowie den Rechten eine Steilvorlage zu geben: Roman Gau: Kanone vor der Ostkaserne stand schon 1892 da
Doch die Rechten wußten schon davor, was sie an den Ulanen haben, wie auch auf mupinfo nachzulesen ist.
Zur Darstellung auf dem Gedenkplatz: Auf den Schautafeln erscheinen die Ulanen als nette Truppe, was sie nun wirklich nicht waren. Mit der Geschichte der Ulanen wird sich in absehbarer Zeit noch genauer auseinandergesetzt. Dann ist klarer, was eine geeigneter Ort und eine geeignete Form wäre, um an die Ulanen zu erinnern. Und wenn Gau schon sagt, es sei ein Museumsstück, warum steht es dann nicht gleich dort?

Die nächsten Tage wird im Demminer Nordkurier noch mehr dazu erscheinen, denn er ruft alle dazu auf ihre Meinung abzugeben, also haltet euch nicht zurück: red-demmin@nordkurier.de

Video zur Kondom-Aktion

Kriege verhüten!

Heute um 16 Uhr gab es ein kurzes aber farbenfrohes antimilitaristisches künstlerisches Umgestalten des Gedenkplatzes für die Ulanen.

Aktion Kanone 1

11 Feen, Elfen und sonstige Wesen umschwirrten die Kanone und zogen darüber gefühlvoll einen pinken Schutz, auf dass nie wieder so ein Teil in Demmin abgefeuert wird.
Begleitet von weiteren 11 TeilnehmerInnen wollen sie die Kriegsverherrlichung stoppen.

Aktion Kanone 2

Es gibt auch schon einen Artikel beim Nordkurier

Nachtrag: Link zum Video der Aktion

Die nächsten Tage kommt noch ein Bericht über Reaktionen auf die Aktion.

Auch schon online: Artikel bei indymedia

Die dazu passende Musik findet ihr bei revolte springen

Erste Anmerkungen zum Gedenkplatz gab es schon vorher.

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Verteilt wurde ein Flyer auf buntem Papier:

Flyer als pdf

Kriege verhüten!

Mit einer bunten Aktion für ein buntes Demmin und
für eine Umgestaltung des Gedenkens an die Ulanen

Mit einer ansprechenden Choreographie stülpen wir heute gefühlvoll ein pink­farbenes Kondom über die Kanone in Demmin, um an die Probleme krieger­ischer Auseinandersetzungen zu erinnern.

Militär steht immer für Gewalt. Und egal wo auf der Welt – die Zivilbevölkerung ist immer die am stärksten Leidtragende. Das Militär bringt auch keinen Aufschwung, sondern Zerstörung. Ein militärischer Ein­satz mag zwar kurzfristig eine Verän­der­ung bringen, festigt aber zugleich struk­tur­elle Gewalt und Hierar­chien, welche einer gesell­schaf­tlichen Entwicklung hin zu mehr Frieden im Wege stehen. Nicht nur den eigenen Einfluß oder Reichtum zu mehren, sondern sich mit den eigenen Bedürfnissen und denen der Anderen gemeinsam auseinander zu setzen, kann anstrengend und langwierig sein, dafür gibt es dann wahrscheinlich für alle tragbare Lösungen. Sonst folgen ständig wieder brutale Auseinandersetzungen um Rohstoffe, Land und um die Macht.

Militärische Objekte als Dekoration in die Landschaft zu stellen, ist keine geeignete Form des Erinnerns.
Bei dem Gedenken für die Ulanen am August-Bebel-Platz fehlen kritische Töne zur Rolle der Ulanen in der damaligen Zeit. Das Denkmal ist unreflektiert und historisch außer der Reihe. Sinnvoll wäre davor eine breite öffentliche Diskussion über Sinn und Zweck gewesen.

Über die jetzigen Form des Gedenkplatzes für die Ulanen freuen sich auch die Neo-Nazis, kommt dies doch ihrer Sicht der Welt zum Beispiel bei Männlichkeit und Nationalstolz entgegen.

Deswegen wollen wir eine erneute Umgestaltung des August-Bebel-Platzes.

Gegen Militärdenkmäler!
Für gewaltfreie Konfliktlösungen!

Zum aktiven Gedenken

Auch wenn derzeit andere Kommentare zum Gedenkplatz für die Ulanen in der Diskussion sind, eine erste farbliche Anmerkung gab es vor einer Woche schon, kurz nach der Einweihung.

Farbe an Gedenktafel

Vor Ort ist schon wieder kräftig gesäubert worden, trotzdem sieht das Wachhäuschen immer noch so aus als ob da nachts heimlich drangepisst wird.

Spannenderweise zielt die Kanone auf die große St. Bartholomaei-Kirche in Demmin, in der am 17.12.2012 um 17:00 Uhr ein Benefizkonzert des „Wehrbereichsmusikkorps I Küste“ stattfindet, welches wohl mehr kostet als es (für die Kriegsgräberfürsorge?) einspielt, wodurch auch klar ist, dass es hier mehr ums Image der Bundeswehr geht als um den guten Zweck.

Das Ulanendenkmal, welches auch öfter in der Diskussion ist, sieht im derzeitigen Zustand viel attraktiver aus und erinnert so auch eher an das was Krieg bedeutet.

Denn die Ulanen waren keine netter Sportverein, sie waren Teil des Militärs.
Ulanen 1914

Der Kaiser und die Konservativen

Ein Blick in die Zeitungen lässt derzeit das Gefühl aufkommen, einigen Menschen ist Traditionspflege wichtig, egal was das im Detail auch bedeutet. In Demmin leben die Ulanen wieder auf und bekommen einen neuen Gedenkplatz, in Pasewalk rauchen und jagen die Kürassiere wieder.

Den Konservativen ändern sich anscheinend die Werte zu schnell. Denn selbst die CDU ist jetzt irgendwie gegen Atomkraft, setzt sich teilweise für Homosexuelle ein und vieles mehr.
Sie wollen anscheinend zeigen, dass es eine Geschichte gibt, die des Erinnerns wert ist, in der die eigene Stadt noch was darstellte, damals in der Kaiserzeit. Bevor die bösen Nazis kamen. Und aus welcher Tradition sind die denn entstanden? Wollen die Konservativen wirklich zurück in Leibeigenschaft und all dem anderen? Diese Zeit war nun wirklich nicht toll. Da ließen sich weit aus bessere Geschichten finden, von Menschen die sich gegen Unterdrückung und Ausbeutung gewehrt haben. Nur waren das keine Konservativen.
Ein Aspekt ist auch, dass den Konservativen das Militär, der deutsche Held – das deutsche Opfer zu wenig gewürdigt wird. Die Bundeswehr steht aber zu Recht oft in der Kritik für ihre Auslandseinsätze und hat genauso Schwierigkeiten mit der Traditionspflege. Das Militär ist Teil des Problems, nicht der Lösung. Sinnvolle zivile Konfliktlösung sieht anders aus.

Über solch konservatives Erinnern freuen sich logischerweise auch die Neo-Nazis, kommt das doch deren Traditionspflege sehr entgegen.
In Münster (Westfalen) wurde zumindest gerade in einem BürgerInnenentscheid die Rückbenennung eines Platzes auf Hindenburgplatz verhindert. Hoffen wir, dass sich in Vorpommern genügend Menschen finden die eine andere Art von Erinnern und Zukunft wollen.

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!