Archiv der Kategorie 'Veranstaltungen vom Aktionsbündnis'

Wie wird eine Frau zur Heldin? Porträt einer Widerständigen

Wer Sophie Scholl wirklich war und wie aus ihr eine Projektionsfläche für Linke und Rechte wurde.
Zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl – MV diskutiert über Widerstand

Lesung mit Robert M. Zoske und Diskussion am Donnerstag, 5. August um 19 Uhr im Lübecker Speicher Demmin

„Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte.“ Das sagte Sophie Scholl nach ihrer Verhaftung im Februar 1943, so steht es im Protokoll der Geheimen Staatspolizei. Doch wie gelangte die 21-Jährige zu dieser Überzeugung? 1942 schrieb Sophie: „Habe ich geträumt bisher? Manchmal vielleicht. Aber ich glaube, ich bin aufgewacht.“ Was musste geschehen, damit aus einem begeisterten Hitlermädchen eine entschlossene Widerstandskämpferin wurde? Robert M. Zoske spürt dieser Frage in seinem empathischen Porträt nach. Auf der Basis neuer Quellen und bisher unveröffentlichter Dokumente zeigt er Sophie Scholl, so wie man sie bislang noch nicht kannte. Sophie Scholl wäre in diesem Jahr am 09. Mai 100 Jahre alt geworden.

Sophie Scholl: Es reut mich nichts. Ein Porträt. Propyläen, Berlin 2021 (3. Aufl.), 448 S., Abbildungen, 24 €.

Vita: Robert M. Zoske, geboren 1952 in Schleswig-Holstein, ist evangelischer Theologe und Historiker der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Bis 2017 arbeitete er als Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Er hat 2014 über Hans Scholl promoviert, 2018 erschien die vielbeachtete Biografie Flamme sein! Hans Scholl und die Weiße Rose. Zoske lebt mit seiner Frau in Hamburg.
Eine Veranstaltung vom Peter-Weiss-Haus Rostock und dem Aktionsbündnis 8. Mai Demmin
Teil einer Veranstaltungsreihe vom 5. bis 14. August in MV

Am Eingang kontrollieren wir, ob die Besucher*innen getestet, geimpft oder genesen sind.

Mehr Infos: http://peterweisshaus.de/widerstand/


Copyright des Bildes: Frederika Hoffmann

Esther Bejarano zum 8. Mai 2021

»Wir sind da! Meine Befreiung im Mai 1945 und meine Hoffnungen.«

Esther Bejarano am 3. Mai 2021 am Lessing-Denkmal in Hamburg zum Tag der Befreiung.

Der 8. Mai muss ein Feiertag werden!

Details für morgen

Der 8. Mai der Tag der Befreiung vom Faschismus!

Kommt nach Demmin und feiert mit uns ab 17 Uhr bis 20 Uhr im Hafen

Mit Maske, Abstand, Hygienekonzept.

Die Nazis selbst haben jetzt offiziell abgesagt!

Wir feiern jetzt nur noch im Hafen mit vier Kundgebungen nebeneinander. Dazu gibt es Live-Musik

Tanzen, lachen, feiern!

Mehr zum Programm ist hier: http://demminnazifrei.blogsport.de/programm/

Kontakttelefon: 0152- 3190 2847

Aktuelles findet sich hier: #8MDM

Mehr zum Tag der Befreiung und zur Petition, damit der 8. Mai ein Feiertag wird findet ihr hier: http://demminnazifrei.blogsport.de/tagderbefreiung/

Der 8. Mai – ein Tag um zu feiern !

Der 8. Mai ist ein Bezugspunkt in der Erinnerungspolitik. Es ist der Tag der Befreiung vom Faschismus und des Kriegsendes.
Daraus zu lernen bedeutet:
- AfD, NPD und ihre Verbündeten aufzuhalten,
- das Treiben gewalttätiger und mordender Neonazis zu unterbinden, ihre Netzwerke in Polizei, Bundeswehr aufzudecken und aufzulösen,
- einzugreifen, wenn Jüdinnen und Juden, Muslime, Roma und Sinti und andere, die nicht in das Weltbild von Nazis passen, beleidigt und angegriffen werden,
- Geflüchtete in Deutschland aufzunehmen,
- die Logik des Militärischen zu durchbrechen und Waffenexporte zu verhindern.

Mit der unteilbaren Menschenwürde ist nicht vereinbar, dass hunderte im Mittelmeer ertrinken und Geflüchtete nicht aus griechischen und bosnischen Lagern evakuiert werden. Gesundheit, Bildung, ein gutes Leben für alle wollen wir. Und es ist machbar.

Wir wollen erinnern an Menschen wie Sophie Scholl, die sich gegen das Naziregime gestellt hat und dafür 1943 ermordet wurde. Ihr Geburtstag jährt sich am 09. Mai zum 100sten Mal.

Am 8. Mai wollen wir erinnern aber auch feiern. Den Frieden feiern und wir wollen eintreten für eine offene, solidarische und ökologische Gesellschaft, um positive Bezugspunkte für die Zukunft zu setzen. Der 8. Mai muss ein Feiertag werden!
„Dieser Tag soll ein Tag gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung jeglicher Form werden. Es soll außerdem darauf hingewirkt werden, dass an diesem Tag bundesweit Veranstaltungen zum Thema Antifaschismus durchgeführt werden.“ Beschluss des DGB-Bundeskongress 2018

Die NPD macht dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge keinen Trauermarsch – das freut uns und wir feiern um so fröhlicher.

Start des Programms ab 17 Uhr bis ca. 20 Uhr am Hafen von Demmin mit Hinterlandgang, Samba-Band, Fette Elke, Redebeiträge und offenes Mikrofon, verschiedene Interaktionen und vielem mehr. Präsentiert werden die Inhalte der Mahnwachen, die ursprünglich über die Stadt verteilt waren.

Es sind im Hafen vier Kundgebungen nebeneinander mit jeweils 50 Menschen erlaubt, bei Inzidenz unter 100 mit 100 Menschen. Wenn ein Ort gefüllt ist, seht ihr eine rote Flagge, wenn noch Platz ist eine grüne. Insgesamt ist genug Platz, also kommt zum Tag der Befreiung.

17 Uhr: Friedensgebet in St. Bartholomaei

Essen und Trinken wird es vor Ort abgepackt in kleineren Mengen geben, aber nehmt zur Sicherheit lieber selber was mit. Alkohol erlaubt die Behörde nicht.
Das Hygienekonzept ist wichtig mit Maske, Abstand und mehr. Falls ihr Krankheitssymptome habt, bleibt ihr besser zu Hause.

Anreisen dürfen derzeit alle aus MV.

Kontakttelefon: 0152- 3190 2847

#8MDM

weitere Infos zum Tag der Befreiung sind hier: https://tagderbefreiung.info/

Kein Naziaufmarsch am 8. Mai in Demmin und Erfolg in Greifswald am 1. Mai

Wir sind ein wenig verwundert und erfreut. Nach derzeitigem Stand werden die Nazis am 8. Mai nicht nach Demmin kommen. „Es wird von der Anmeldung kein Gebrauch gemacht”, so Kreissprecherin Haidrun Pergande. Auch auf den Seiten der NPD findet sich kein Hinweis, dass sie für den 8. Mai etwas planen. Der 8. Mai wird anderes als in den letzten mehr als 10 Jahren bis jetzt noch nicht mal erwähnt.

Beim Naziaufmarsch gestern in Greifswald, der erfolgreich blockiert wurde, sagten sie kein Wort zum 8. Mai in Demmin. Schon nach 1 km mussten sie umdrehen! Das war kein toller Wahlkampfauftakt für die NPD und dementsprechend frustriert liefen sie zurück.

Wenn die Nazis am 8. Mai keinen Naziaufmarsch in Demmin machen, gibt es ein neues Konzept und wir reduzieren unser Programm am Samstag, den 8. Mai 2021 auf Kundgebungen am Markt und Hafen ab 17 Uhr.

Und: Wir werden feiern !!! – mit Hygienekonzept!

#8mdm

Intensive Vorbereitungen für den 8. Mai 2021

Wir feiern den 8. Mai, den Tag der Befreiung vom Faschismus und sind aktiv für eine offene und solidarische Gesellschatf! Egal was sonst noch an dem Tag passiert. Denn noch ist nicht klar, ob die Nazis marschieren wollen und was die Behörden dazu sagen. Nach derzeitiger Pandemielage wird es keine großen Versammlungen geben.

Über die Stadt verteilt sind an 8 Orten in Demmin Versammlungen von uns für den 8. Mai angemeldet. Wegen der Pandemielage und anderen Unklarheiten feilen wir noch am Konzept für den 8. Mai, der diesmal ein Samstag ist. Wir haben ein Hygiene-Konzept mit Abstand, Maske und anderem vorbereitet.

Die Nazis haben noch nichts veröffentlicht, was sie zum 8. Mai machen wollen. Im letzten Jahr hat sich das weniger als 48 Stunden vorher entschieden. Wir erwarten aber, dass dazu bald eine Ansage von ihnen kommt und sie nicht wie im letzten Jahr einfach absagen, denn im Wahljahr wollen sie bestimmt ihren Senf dazugeben.
Auch Gerichtsentscheidungen über Corona-Auflagen könnten kurzfristig fallen.

Vorläufiges Programm:

Friedensgebet um 17 Uhr in St. Bartolomaei

ab 17 Uhr Versammlungen in der Stadt an 8 Orten mit unterschiedlicher inhaltlicher Ausrichtung
Themen:
- 100. Geburtstag von Sophie Scholl am 9. Mai
- #unteilbar – für eine offene, solidarische Gesellschaft
- Rassismus und Kolonialismus
- 8. Mai als Feiertag – Tag der Befreiung
- Aktiv werden – kreativ/interaktiv
- Nagelkreuzgemeinde und die Litanei von Coventry
- Versammlungsrecht
- Für Frieden – die aktuellen Kriege in aller Welt
- für ohne Nazis

Lasst uns feiern – tanzend, laut und bunt!
Der Tag der Befreiung vom Faschismus und das Kriegsende
Und klar, mit Hygiene-Konzept!

Hashtag #8mdm

Kontakttelefon: 0152- 3190 2847

Spendenkonto:
Demminer Bürger e.V.
IBAN: DE56 1505 0200 0301 016020
BIC: NOLADE21NBS
Verwendungszweck: 8. Mai

weitere Infos zum Tag der Befreiung finden sich hier: https://tagderbefreiung.info/


Am 9. Mai 2021 wäre der 100. Geburtstag von Sophie Scholl


und unsere Forderung bleibt: 8. Mai – Bundesweiter Feiertag

Was erwartet uns diese Jahr zum 8. Mai?

Noch ist vieles unklar, wie der 8. Mai in Demmin aussehen wird. Durch die Pandemie und aktuell hohen Inzidenzzahlen ist ein normales Planen genauso wie im letzten Jahr nicht möglich. Aktuell sind wir in der Feinabstimmung für verschiedene Szenarien und werden in der nächsten Zeit dazu unsere Ideen veröffentlichen. Die Behörden halten sich noch bedeckt, da die Regierung noch keine klaren Regeln für die nächste Zeit erlassen hat.
Die NPD ist im Wahlkampfmodus und hat für den 1. Mai in Greifswald nach zwei Jahren mal wieder eine Demo angekündigt. Deswegen gehen wir davon aus, dass sie auch für den 8. Mai planen. Ob sie wie im letzten Jahr kurzfristig (offiziell wegen den wegen den Corona-Auflagen) wieder kurzfristig absagen, bleibt abzuwarten.
Wir bereiten uns auf alles denkbare vor und halten euch auf dem Laufenden, haben schon mehrere Versammlungen für den 8. Mai angemeldet. Also haltet auch diesen Samstag frei, denn wir werden mit einem sinnvollen Corona-Konzept auf alle Fälle den Tag der Befreiung feiern!!!

Für eine offene, solidarische Gesellschaft!
Mit kreativen Ideen gegen Geschichtsrevisionismus!

#8mdm

Befreiungskalender

Der Tag der Befreiung – für viele Leute nicht unbedingt der 08. Mai 1945. Die Befreiung vom Faschismus durch die Alliierten fand beispielsweise in Aachen bereits am 21.10.1944 statt, im ehemaligen KZ Groß Rosen am 13.02.1945.
In den nächsten Wochen wollen wir euch einen Eindruck vom Zeitverlauf 1945 geben, indem ihr mit kurzen Texten & Fotos über die Befreiung verschiedener Orte und Lager in Europa informiert werdet. Diese Beiträge erscheinen vor allem auf unserem Twitterkanal: https://twitter.com/demminnazifrei

Viele Informationen über die Befreiungstermine kommen von https://dasjahr1945.de, einer Website von VVN-BdA

„(…), dass Auschwitz nicht noch einmal sei.“ (Adorno)

13.02.45 KZ Groß Rosen im damaligen Kreis Schweidnitz (Schlesien), südlich von Breslau (Wroclaw)

Das KZ Groß Rosen entstand in der Nähe eines Steinbruches der SS-eigenen Firma Deutsche Erd- und Steinwerke im Juni 1940 als Außenlager des KZ Sachsenhausen.
Die Häftlinge kamen aus mindestens 27 Herkunftsländern, vor allem aus Polen und der UdSSR, im letzten Jahr viele Juden aus Polen und Ungarn.
Am 8. und 9. Februar 1945 wurde das Stammlager Groß Rosen und 23 Außenlager geräumt. Zirka 44.000 Häftlinge wurden in über 50 nachgewiesenen Evakuierungszügen nach Buchenwald, Flossenbürg, Mauthausen und Dora-Mittelbau verbracht. Ein SS-Kommando erschoss mehr als 30 im Lager versteckte Häftlinge.
Das Hauptlager wurde am 13. Februar 1945 von der Roten Armee eingenommen.


http://www.nise81.com/archives/1055

und unsere Forderung bleibt: 8. Mai – Bundesweiter Feiertag

Aktion am Samstag, 30.1. in Demmin : Kein Pushback ist legal!

Am Samstag, 30.1. um 14 Uhr gibt es eine Aktion am Marienhain (Demminer Innenstadt). Wir wollen auf die unmenschliche Situation der Geflüchteten an den EU-Außengrenzen aufmerksam machen. Im Marienhain werden wir sichtbar auf die Missstände hinweisen.
Kommt dazu und achtet auf Hygiene und Abstand!

Unsere Aktion ist Teil eines europaweiten Aktionstag unter dem Motto „Aufnahme statt Abschottung“. In vielen Städten und Kommunen werden die Forderungen nach draußen getragen, Spuren hinterlassen um Solidarität mit Menschen an den europäischen Außengrenzen zu zeigen.

Die EU und Deutschland nehmen die Verhältnisse in Bosnien nicht nur in Kauf, sondern haben sie bewusst herbeigeführt. Schutzsuchenden wird die Ankunft in der EU systematisch verweigert. Anstelle eines Asylverfahrens erwartet die Menschen in Kroatien eine gewalttätige Grenzpolizei, die sie mit brutalen Methoden zurück nach Bosnien-Herzegowina drängt.

Die Bundesregierung unterstützt dieses Vorgehen: Erst im Dezember 2020 schenkte das Deutsche Innenministerium der kroatischen Grenzpolizei 20 Fahrzeuge. Diese Finanzierung des Grenzschutzes ist eine Finanzierung der Gewalt, die von Amnesty International als Folter eingestuft wird. Dieser systematische Bruch nationalen, europäischen und internationalen Rechts ist der Grund, weshalb Menschen in Bosnien-Herzegowina festsitzen.

Insgesamt sind aufgrund der EU-Abschottungspolitik etwa 10.000 Menschen in Bosnien gestrandet. Sie alle benötigen Schutz und eine Perspektive.

#KeinPushbackIstLegal!

Tagesschau dazu: Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hat europäische Staaten scharf kritisiert, die Flüchtlinge an den Grenzen zurückweisen.

mehr Infos:
https://balkanbruecke.org/aktionstag-30-01-2021/
https://seebruecke.org/news/aktionstag-30-01-aufnahme-statt-abschottung/

Redebeitrag am 8. Mai 2020 im Hafen

Ein Mitglied vom Aktionsbündnis sprach im Hafen über die Geschichte vom 8. Mai und vom Aktionsbündnis:

Ich habe den 8. Mai 1945 nicht selbst erlebt, auch nicht das faschistische System, von dem Europa durch die Alliierten befreit wurde. Ich habe Überlebende des Widerstandes, der KZ, der Gestapokerker kennengelernt. Sie haben mir erzählt von dem Vernichtungswahn der Nazis, der fast die gesamte jüdische Bevölkerung Europas traf, der gegen Sinti, Roma und viele andere gerichtet war.

Schon als Jugendliche fuhr ich mit der Familie in die Klassikerstadt Weimar und dort auf den Ettersberg, zur Gedenkstätte des KZ Buchenwald. Hier war – neben tausenden anderen – der Bruder meines Vaters Häftling und wurde umgebracht. Für meine Familie war der 8. Mai 1945 Befreiung.

Viel später musste ich erfahren, dass die grosse Mehrheit der deutschen Bevölkerung diesen Tag als Niederlage, als Untergang empfand. Sie hatten sich mit dem Nationalsozialismus identifiziert und standen nun vor den Trümmern ihrer Gefolgschaft.

Doch der Untergang lag im Jahr 1933, als die Faschisten mit Hilfe Grossindustrieller, Banker, Grossagrariern und Millionen deutscher Wählerinnen und Wählern an die Macht kamen. Am 5. März 1933 wurde die NSDAP in Demmin mit 53,7 Prozent gewählt. Reichsweit blieb sie mit 43,9 Prozent unter dem Demminer Ergebnis.

Diese Ursachen spielen immer weniger eine Rolle in der Öffentlichkeit, gedacht wird aller „Opfer von Krieg und Gewalt“. Die Täter scheinen vom Himmel oder besser aus der Hölle zu kommen und wieder dahin zu verschwinden.

Gründe genug, sich zu engagieren. So seit 2006, als die Neonazis ihre groteske Posse in Demmin begannen. Mit einer Handvoll Leuten versuchten wir in diesen ersten Jahren, die Stadt wach zu rüttteln und den Spuk zu vertreiben. Doch da wurde die Parole herausgegeben: Schliesst die Fenster und seht weg.

Wir gründeten das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin, organisierten Veranstaltungen zu Geschichte und Gegenwart, zeigten Filme, baten Autoren, ihre Bücher zu präsentieren.
Zum historischen Stadtspaziergang und dem Friedensfest am Hafen kamen dann ab 2009 auch viele Demminer_innen.

Gemeinsame Versuche, den Neonazimarsch aufzuhalten, scheiterten an der Polizei, die von Mal zu Mal mehr wurden und besser aufgerüstet waren. Mit ihrer brutalen Aktion 2014 einem jungen Demonstranten gegenüber verschreckten sie viele Leute.

Deshalb organisierte das Aktionsbündnis eine internationale Konferenz um den 8. Mai 2015. Esther Bejerano, die die KZ Auschwitz und Ravensbrück sowie den Todesmarsch überlebt hat, trat mit ihrer Band «microphon mafia» in Demmin auf.

Dankbar bin ich den vielen jungen Leuten aus der Region und darüber hinaus. Nachdem weder die Stadt noch die verschiedenen Ordnunghüter gewillt waren, den Neonazis das Marschieren zu verbieten, entschlossen wir uns gemeinsam, unser Fest zu feiern und den Spuk zu verlachen.

Nur das es eben kein Spuk ist, wie der NSU, Kassel, Halle, Hanau, Nordkreuz, NPD und AfD zeigen. Jahrzehntelang war man auf dem rechten Auge blind…

Für mich ist und bleibt dieser Tag, der 8. Mai, der Tag der Befreiung. Er verbindet mich mit den Antifaschist*innen weltweit. Und er muss ein Feiertag werden…

zu Hanau hier noch das Plakat zum Runterladen als PDF

Dr. Bajan wollte am 8. Mai 2020 in Demmin spielen, was wegen der aktuellen Lage und den unklaren Bedingungen nicht stattfinden konnte, hier ein paar Lieder:

Bericht und Reflexion zum 8. Mai 2020

Den Tag der Befreiung vom Faschismus feiern und mit Gedenken an die damalige Zeit, an das was geschehen ist erinnern, aber auch was wir daraus gelernt haben und was dies in der Gegenwart bedeutet, war das Thema der Veranstaltung gestern im Hafen von Demmin. Es kamen mehr als 3 X 50 Menschen für die Kundgebungen, so dass sich vor der Veranstaltung und auf der anderen Peeneseite sich dutzende Menschen aufhielten, dabei aber bis auf wenige Ausnahmen an die Corona-Abstandsregeln hielten.

Die Stimmung war gut, wenn auch teilweise ungewohnt oder seltsam durch die Corona-Regeln. Bis 20 Uhr gab es verschiedene Programmpunkte und das Video unten gibt es gutes Gesamtbild davon. Die Polizei war anfangs noch im Modus eines vorbereiteten Großeinsatzes, mit der Zeit wurde es entspannter.

Demmin war gestern nicht wirklich nazifrei. Auf der Kahldenbrücke standen ein paar und provozierten, einer mit Hitlergruß. In den Straßen um den Hafen waren sie vereinzelt unterwegs. In Demmin wohnen viele Nazis und die werden auch nicht so schnell verschwinden. Aber es gab am 8. Mai keinen Fackelmarsch und auch keine Kundgebung der Nazis. Auch wenn das vor allem wegen Corona geschah: Ohne die jahrelangen Proteste hätte die NPD für die Kundgebung gestern nicht komplett abgesagt. Sie haben zwar am Friedof noch Blumen abgelegt und was schwimmen lassen, aber mehr war nicht drin. Sie haben ein Mitglieder- und Mobilisierungsproblem.

Wir werden dran bleiben und sehen, was im nächsten Jahr ist. Bis dahin werden wir verschiedene Veranstaltungen, Ausstellungen und vieles mehr anbieten, sobald das wieder geht.

Wir wollen uns jeden Tag einsetzen für eine offene, solidarische und ökologische Gesellschaft und für den Frieden.
Wir wollen einander zuhören und diskutieren.
Wir wehren uns dabei gegen Faschismus und Rassismus und gegen menschenverachtendes Handeln.

PS: Mit unserer Veranstaltung wollten wir neben dem schon erwähnten auch fordern, dass der 8. Mai ein Feiertag wird.

Berichte dazu:
Nordkurier-Artikel
NDR-Beitrag
Mai 1945: Der Weltuntergang von Demmin
Mehr zum Thema als Podcast von Rostock nazifrei

Demmin nazifrei

Das war heute ein wirklich chilliger 8. Mai für Demmin
Es war es ein toller Tag mit Gedenken – und einer Feier, die im nächsten Jahr gerne noch größer sein kann. Danke an alle, die dabei waren.

Morgen mehr Bericht und Reflexion

Verändertes Programm für den Tag der Befreiung, den 8. Mai

Wir feiern den Tag der Befreiung vom Faschismus am
Freitag, 8. Mai ab 17 Uhr im Hafen von Demmin (Adresse: Am Bollwerk)
Musik, Reden, einem offenen Mikrofon, Abwechslung bis max. 23 Uhr

Im Hafenbereich wird es mind. drei genehmigte Kundgebungen mit jeweils 50 Menschen geben, so dass alle die wollen, mitfeiern können und die Corona-Regeln (Gesichtsmaske, Abstand, Hygiene…) eingehalten werden. Einige Gesichtsmasken haben wir in der Reseve, aber denkt daran eure eigene mitzubringen. Und nehmt euch selbst was zu essen mit, ist besser für die Hygiene.

Die Paddel-Demo wird es auch geben.

ab 16 Uhr: Friedensgebet in St. Bartholomaei
mit Präsentation vom Trauertuch

Alle anderen Kundgebungen im Stadtgebiet werden abgesagt. Und ob die Nazis noch irgendwo was versuchen haben wir auf dem Schirm.

Die, die nicht kommen können oder wollen: beteiligt euch bei der Onlineaktion und dem Hashtag #Befreiungfeiern

Info-Telefon bei Fragen: 0160-6208018

Wir freuen uns mit euch gemeinsam den Tag der Befreiung zu feiern – kommt zahlreich.

Lasst uns tanzen, lachen, feiern!

Nazis haben abgesagt !!!

irgendwie noch nicht zu fassen und wir müssen erst noch ne Nacht drüber schlafen, wie wir jetzt genau damit umgehen.

Aber die Nazis haben etwas mehr als einer Stunde abgesagt und schreiben sie seien Opfer der Staatsgewalt, die in Coronazeiten speziell die Nazis entrechten würde. Wir gingen aus anderen Gründen davon aus, dass sie dieses Jahr nur ein kleiner Haufen werden, denn sie bekamen in den letzten Monaten kaum noch was auf die Reihe. Vielleicht wollten sie sich auch diese Peinlichkeit ersparen.

Wir feiern erst mal, dass die Nazis nicht marschieren und freuen uns riesig.

Unser Programm vom 8. Mai wird morgen komplett überarbeitet und wir feiern dann den Tag der Befreiung

D E M M I N – N A Z I F R E I

Das Programm zum 8. Mai und eure Beteiligung

Im Programm für den 8. Mai ist immer noch Bewegung, viele geplanten Programmteile zum 75. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus sind wegen der derzeitigen Lage weggefallen, dafür online einiges dazugekommen (siehe unten).

Angemeldet sind Kundgebungen (mit begrenzter Teilnehmerzahl, Abstand und Gesichtsmaske vom Amt beauflagt):
Es wird also keine große Demo von uns geben.
Aber kommt zu den Kundgebungen!

Mit dem Programm zum Tag der Befreiung starten wir
ab 17 Uhr auf dem Marktplatz mit einigen Reden, einem offenen Mikrofon und Begleitmusik
danach geht es im Hafen weiter mit zwei Versammlungen nebeneinander,.
Wir vermuten, dass die Nazis im Hafen einen Kranz abwerfen und wollen sie dabei kommentieren. Genauer geschrieben haben sie noch nichts, wir halten euch bei Änderungen auf dem Laufenden.
Die „Party“ im Hafen ist bis ca. 23 Uhr angemeldet.
Angemeldet ist auch eine Paddel-Demo auf der Peene.
Im Stadtgebiet sind derzeit weitere Mahnwachen angemeldet, die wir bei Bedarf nutzen werden, also je nach dem was die Nazis machen.

Denkt daran, euch Essen für den Tag einzupacken, da wir vor Ort aus gegebenem Anlass keine Essensstände haben werden.

ab 16 Uhr: Friedensgebet in St. Bartholomaei
mit Präsentation vom Trauertuch
Derzeitige gesetzliche Auflagen müssen eingehalten werden, also zum Beispiel Kontaktverbot, Abstand, 1 Person pro 10qm, …

Einige vom Programm ist ins Internet, auf Social-Media-Kanäle und auf Websites verlagert
daran könnt ihr euch gerne beteiligen also unter dem Hashtag: #Befreiungfeiern

Dabei bekommen wir Unterstützung von Rostock Nazifrei
https://www.facebook.com/Rostockfueralle/
https://twitter.com/HRONazifrei/
https://www.instagram.com/rostock.nazifrei/

Und es gibt zum Tag der Befreiung in MV eine neue Website:
https://tagderbefreiung.info/

Viele Bündnisse und Organisationen unterstützen die Petition des VVN-BdA und der KZ-Überlebenden Esther Bejarano, den 8. Mai zum Feiertag zu machen. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, rufen wir euch dazu auf, auf kreative Art und Weise ein Zeichen zu setzen. Was bedeutet der 8. Mai
für euch? Und konkret der 8. Mai in Demmin? Warum wollt ihr, dass es ein Feiertag wird? Ob mit einem Schild & Spruch, mit einem Banner aus eurem Fenster oder Kreide auf der Straße – euer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!
Schickt uns die Fotos entweder per E-Mail an rostock-nazifrei@posteo.de. Ihr könnt sie auch einfach öffentlich (!) auf eurem Profil in den sozialen Medien posten. Nutzt dafür bitte unbedingt den Hashtag #Befreiungfeiern, damit wir eure Forderungen auch finden können! Diese
möchten wir dann am 8. Mai auf unseren Kanälen vorstellen.

Lasst uns feiern – tanzend, laut und bunt – gegen den Naziaufmarsch!
Der Tag der Befreiung vom Faschismus und das Kriegsende

Kommt am 8. Mai nach Demmin – wir feiern die Befreiung und wehren uns gegen die Geschichtsverdrehung durch die Nazis

Heute haben wir die Bestätigung vom Ordnungsamt bekommen, dass wir mehrere stationäre Versammlungen in Demmin am 8. Mai machen dürfen, sowohl im Hafen als auch in der Stadt. Die Nazis schreiben, dass sie noch keine Entscheidung getroffen haben, was sie machen wollen. Sie dürften wohl eine Kundgebung im Hafen machen, wollen aber anscheinend mehr: durch die Stadt marschieren. Bundesweit ist die Genehmigungslage unterschiedlich, aber da wir damit rechnen müssen, dass die Nazis klagen werden, müssen wir davon ausgehen, dass sie vielleicht doch einen „Trauermarsch“ machen dürfen.
Verschiedenen Gruppen haben deswegen schon länger wie in den letzten Jahren mehrere Kundgebungen entlang der Naziroute angemeldet. Pro Versammlung sind 50 Menschen erlaubt, aber wie gesagt, mehrere sind angemeldet. Wo und wie genau kommt als Info die nächste Woche.
Stellen wir uns den Nazis entgegen!

Klar ist, dass wir wollen, dass alle gesund bleiben wollen und werden uns deswegen am die Corona-Standards mit Abstand, Gesichtsmaske und anderen Auflagen halten. Wir fragen uns aber immer noch, wie das bei einem sich bewegenden Naziaufmarsch funktionieren soll.

Auf den Social Media Kanälen bekommen wir die nächsten Tage Unterstützung von Rostock Nazifrei – Hashtag: #Befreiungfeiern

Weiteres ist in Vorbereitung und folgt die Tage!

Gerade jetzt ist ein Feiern des Friedens und das Eintreten für eine offene, solidarische und ökologische Gesellschaft wichtig, um positive Bezugspunkte für die Zukunft zu setzen.
Im Zentrum steht dieses Jahr die Forderung, den 8. Mai zu einem bundeseinheitlichen Feiertag zu erklären. Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Die nationalistischen und rassistischen Geister von damals holen uns ständig ein und sind tödlich, wie sich allein in den letzten Monaten in Kassel, Halle und Hanau mörderisch zeigte. Wer nur nach vorne schauen will und verkennt, wie sehr unser Gestern unser Heute prägt, wird nie Frieden finden.

Lasst uns feiern – tanzend, laut und bunt – gegen den Naziaufmarsch!
Der Tag der Befreiung vom Faschismus und das Kriegsende!

Kranzniederlegung auf dem Gräberfeld

Heute um 9 Uhr wurde auf dem Gräberfeld vom Kriegsende ’45 in Demmin einen Kranz abgelegt mit:
Faschismus und Rassismus tötet. Wehret den Anfängen.
Aktionsbündnis 8. Mai

Heute ist der Jahrestags des Einmarschs der Roten Armee.
Heute vor 75 Jahren begannen die Massensuizide in Demmin. Nazis instrumentalisieren dies seit Jahren für ihre Zwecke.
Am 8. Mai werden wir dann die #Befreiungfeiern

Artikel im Nordkurier


Bilder: Aktionsbündnis 8. Mai

Plakat-Aktion zum 8. Mai

Noch ist unklar, ob die Nazis am 8. Mai was machen (dürfen), ob Versammlungen überhaupt am 8. Mai in Demmin vom den Behörden erlaubt werden. Vermutlich maximal Kundgebungen mit vielen Auflagen wegen der Gesundheit von allen. Genaueres wird wohl erst nächste Woche bekannt.
Doch warum wir gegen die Nazis demonstrieren hat sich auch bei Corona nicht geändert.
Deswegen wurden heute morgen um 7 Uhr drei gemietete Plakatwände in Demmin an der Naziroute beklebt mit der Forderung:, dass der 8. Mai ein Feiertag werden soll und mit einer Erinnerung an die Opfer des Rechtsterrorismus von Hanau.

Hier das Plakat mit Esther Bejerano zum Runterladen

Petition von VVN-BdA

Petition von Die Vielen

Faschismus und Rassismus töten bis heute!

Artikel im Nordkurier dazu


Bilder: Privat

Gedenken an Mohammed Belhadj

Am 22.4.2001 wurde Mohammed Belhadj, ein Aslybewerber aus Algerien, von vier Rassisten am Südufer vom Zarrenthiner Kiessee ermordet. In dieser Zeit hab es viele rechtsextreme Taten und das hat bis heute nicht aufgehört.

Am Nachmittag vom 22.4. 2020 wurden vom „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ zum Blumen am Zarrenthiner Kiessee bei Jarmen abgelegt, wegen Corona nur von zwei Menschen in Vertretung von vielen.
Das war zum ersten Mal ein öffentliches Gedenken am Todesort.
Bis zum nächstes Jahr, dann zum 20. Todestag, soll es viele Gespräche geben und sich für einen dauerhaften Gedenkort eingesetzt werden.

Ganz in der Nähe vom Tatort findet sonst das „Wasted in Jarmen“ statt.

Viele Infos bei Pro Bleiberecht MV

Informativer Artikel im Nordkurier


Das Gedenken war in der Badesanstalt vom Zarrenthiner Kiessee, Der Tatort ist am Südufer (hinten rechts im Bild zu sehen, damals mit dem Auto befahrbar, heute abseits gelegen)

Mohammed Belhadj

Gewissen in Aufruhr (Film in fünf Teilen)

Deutschland vor 75 Jahren: von allen Seiten rücken alliierte Streitkräfte vor. Die Wehrmacht ist auf dem Rückzug, der Ausgang des Krieges schon klar, aber an vielen Stellen gibt es noch erbitterte Kämpfe. Was genau passierte, hing teilweise an der Entscheidung einzelner Befehlshaber. Die Kapitulation der Stadt Greifswald rettet vielen Menschen das Leben.
In Demmin war es verboten, weiße Fahnen rauszuhängen. Bei einer anderen Entscheidung wären viele Ereignisse in Demmin vielleicht anders verlaufen.

Hier ein älterer Film über die Ereignisse in fünf Teilen. Sehenswert sind alle Teile, auch wenn aus heutiger wissenschaftlicher Perspektive das eine oder andere ein wenig anders präsentiert werden würde.
Wir wollten dies im April in Demmin öffentlich zeigen und mit euch darüber diskutieren, was jetzt gerade leider nicht geht.

Also wenn ihr die nächsten Tage Zeit habt, schaut es euch an und empfehlt es weiter.
Hier der Teil Nr. 3, die anderen sind aber auch auf Youtube:

Teil 1

8. Mai unter besonderen Vorzeichen

Der 8. Mai 2020 in Demmin wird sich deutlich unterscheiden von den vorangegangenen. Die Ansteckungsgefahr soll sich nicht erhöhen und trotzdem wollen wir nicht vergessen. Angesichts der Corona-Pandemie sucht das „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ derzeit nach alternativen Wegen, an den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Faschismus zu erinnern. Gerade jetzt ist ein Feiern des Friedens und das Eintreten für eine offene, solidarische und ökologische Gesellschaft wichtig, um positive Bezugspunkte für die Zukunft zu setzen.

Im Zentrum steht dieses Jahr die Forderung, den 8. Mai zu einem bundeseinheitlichen Feiertag zu erklären. Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano erklärte dazu „Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten.“ In Deutschland fehlt bis heute ein fester Rahmen, um kollektiv an die Gräuel des Zweiten Weltkrieges und an das weltweite Aufbäumen gegen eine menschenfeindliche Ideologie zu erinnern. Die nationalistischen und rassistischen Geister von damals holen uns ständig ein und sind tödlich, wie sich allein in den letzten Monaten in Kassel, Halle und Hanau mörderisch zeigte. Wer nur nach vorne schauen will und verkennt, wie sehr unser Gestern unser Heute prägt, wird nie Frieden finden.

Seit einigen Wochen erleben wir sehr deutlich, dass wir alle im selben Boot sitzen. Und wir sehen, was möglich wäre, wenn die Bedrohungen nicht nur marginalisierte Menschen hier und anderswo, sondern allen gefährlich werden. Gesundheit und Menschenleben sind plötzlich wichtiger als das Wirtschaftswachstum. Der Mangel an medizinischer Ausrüstung macht die Umstellung von Produktionsprozessen möglich. Alle militärische Aufrüstung der Welt hilft nicht gegen einen kleinen Angreifer. Hoffentlich gibt uns das für die Zukunft zu denken. Denn wie wären wir heutzutage gewappnet, wenn die Rüstungsetats in den vergangenen Jahrzehnten in Gesundheit, in Bildung oder die Bekämpfung von Armut, Wohnungslosigkeit und Unterernährung gesteckt worden wären. Angesichts der Soforthilfen taucht das bedingungslose Grundeinkommen am Horizont auf. Wir würden es begrüßen.

Gleichzeitig ist auch jetzt Solidarität oft nicht grenzenlos. Mit der unteilbaren Menschenwürde ist nicht vereinbar, dass Geflüchtete nicht aus griechischen und bosnischen Lagern evakuiert werden, während zehntausende Saisonarbeiter*innen für die Ernte eingeflogen werden. Auch das Ringen um die knappen medizinischen Güter prägt vielfach das Recht des Stärkeren und Reicheren.

Unserem kreativen Protest können wir wahrscheinlich diesmal nicht auf der Straße Nachdruck verleihen, möchten aber allen fleißigen Stricker*innen aus Demmin, den umliegenden Dörfern und über die Grenzen unserer Region hinaus danken, die sich bereits an der Aktion „Bunte Maschen statt brauner Märsche“ beteiligt haben. Unsere Grüße gehen deshalb auch nach Gribow, Hamburg, Berlin, Malchin, Gnoien, Rostock, Greifswald, Freiburg… Auch wenn wir aller Voraussicht nach aufgrund der Einschränkungen während der Corona-Pandemie die vielen bunten Schals nicht anbringen können, werden wir dafür sorgen, dass sie zu einem anderen Zeitpunkt ihren aussagekräftigen Einsatz bekommen.

Für eine solidarische Zukunft können wir uns jetzt gut einsetzen. Welche Wege wir dafür finden und wie wir unterstützt werden können, ist auf www.demminnazifrei.blogsport.de zu verfolgen. Wir hoffen, dass die große Beteiligung der letzten Monate an Organisation und Überlegungen zum 8. Mai 2020 und darüber hinaus erhalten bleibt.

Hier die Petition zum 8. Mai als Feiertag:
https://www.change.org/p/8-mai-zum-feiertag-machen-was-75-jahre-nach-befreiung-vom-faschismus-getan-werden-muss-tagderbefreiung-bkagvat-bundesrat

Der 8. Mai und Corona

Noch ist unklar, wie der 8. Mai in Demmin dieses Jahr aussehen wird, doch der Coronavirus wirft seine Schatten voraus. Große Demonstrationen ähnlich wie im letzten Jahr wird es vermutlich nicht geben. Pläne und Vorbereitungen wurden in den letzten Monaten schon viele gemacht und angemeldet. Ein konkreter Aufruf zur Teilnahme an den Protesten ist vorbereitet, aber noch nicht veröffentlicht. Die Nazis haben noch nichts angekündigt. Spätestens Ende April wird mehr Klarheit da sein.

Derzeit wird verstärkt an Ideen gearbeitet, was an Protest / Meinungsäußerungen bei Verbot von Großveranstaltungen noch umgesetzt werden kann. Einige tolle Ideen gibt es schon. Das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin hatte dazu gerade die erste Telefonkonferenz seit Bestehen, denn auch hier finden keine normalen Gruppentreffen mehr statt.
Vor drei Tagen gab es beispielsweise eine angemeldete Kundgebung in Kiel, mehr Infos hier

Wegen der Corona-Krise dürften keine Grundrechte über den Haufen geworfen werden. Zugriff des Staates auf die Handyortungen ist keine Lösung. Keine Maßnahmen einführen, die danach schwer wieder rückgängig gemacht werden können wie der Bundeswehr-Einsatz im Inneren. Keine autoritäre Strukturen aufbauen. Statt dessen viele Menschen auf Corona testen und andere Maßnahmen zur Eindämmung umsetzen.
Grenzenlos solidarisch sich um andere kümmern ist angesagt, sich gegenseitig helfen und körperlichen Kontakt minimieren, ohne dabei den Lagerkoller zu bekommen. Und Care-Arbeit wie die Arbeiten im Krankenhaus und in der Lebensmittelversorgung sollten gut bezahlt werden, nicht wie in den letzten Jahren kaputtgespart.

In den nächsten Tagen werden wir verstärkt zu Online-Protest aufrufen.

29.03.2020 16 Uhr Hängt Banner raus und beteiligt euch an der Online Aktion der Seebrücke
https://seebruecke.org/

Beteiligt euch an der Petition: Der 8. Mai muss Feiertag werden!
https://weact.campact.de/petitions/petition-der-vielen-diebefreiungfeiern-1

Emailaktion: Schreibt Politiker*innen, dass sie die Lager an den Außengrenzen evakuieren und auflösen müssen.
http://bleiberecht-mv.org/de/2020/03/26/gefluechtete-aufnehmen/

Fordert: Tödliche Exporte verbieten!
https://www.ohne-ruestung-leben.de/mitmachen/toedliche-exporte-verbieten.html

Griechische Lager jetzt evakuieren

8. Mai als Feiertag – gefordert unter anderem von Esther Bejarano

Keine Rüstungsexporte in andere Länder auf der Welt. In der Corona-Krise werden leider immer noch Waffen produziert wie bei Rheinmetall oder Heckler und Koch. Warum produzieren die jetzt keine Beatmungsgeräte für die medizinische Versorgung?

Der nächste Strickmarathon

Je kreativer Protestaktionen sind, desto mehr Aufmerksamkeit gewinnen sie – und desto mehr Spaß machen sie allen Beteiligten. Genau das können wir bei unseren Strickevents und den vielen positiven Reaktionen feststellen. Bisher haben uns 39 kunterbunte Schals (2 m lang/ 35cm breit) aus Dänemark, Freiburg, Cottbus, Rostock, Karsdorf, natürlich aus Demmin und aus dem weiten Umland erreicht. Außerdem sind zu unserer Guerilla-Strickgruppe in Demmin weitere Strickgruppen in Hamburg, Berlin, Rostock und Ückeritz gegründet wurden.

Am 13.3.2020 ab 17 Uhr laden wir alle Interessierten mit und ohne Strickerfahrung, jeden Alters und jeder Couleur zu unserem 4.Strickmarathon ins Café 3K des Demminer Bürger e.V. in der Clara-Zetkin-Straße 16 ein. Hier gibt es Gelegenheit, sich auszutauschen, mehr Informationen zu dem Straßenkunstprojekt „8. Mai 2020 -Demmin wird noch bunter!“ zu erhalten und natürlich los zu stricken. Wolle und Nadeln stehen dank vieler Spenden bereit.

Im Unterschied zu herkömmlichem Graffiti hinterlassen unsere keine Spuren oder gar Schäden auf den ummantelten Flächen.. Natürlich haben wir den erforderlichen Antrag auf Sondernutzung beim Ordnungsamt gestellt und genehmigt bekommen. Straßenlaternen, Zäune und eventuell geeignete Gegenstände werden mit selbst gefertigten Strickstücken verkleidet. Alle bunten Garne und Wollreste, die nicht mehr benötigt werden, dienen als Material ganz nach dem Upcycling Motto: Aus alt wird sinnvoll. So tragen wir zur Verschönerung des öffentlichen Raumes bei und tun unsere politische Meinung, „Bunte Maschen statt brauner Märsche“, kund.
Wir sind begeistert wie viele Menschen sich beteiligen und mithelfen, Demmin am 8. Mai 2020 bunt einzustricken, um so Gemeinschaft und Zusammenhalt für Solidarität und gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Faschismus zu demonstrieren.
Wer Lust hat mit zu stricken, kommt vorbei am 13.3. 2020
Für Wolle, Nadeln, Snacks und Getränke ist gesorgt.

mehr Infos zum Strickmarathon per Email: demmin.n@gmx.de
oder bei Facebook: https://www.facebook.com/Cafe3KDemmin/
oder direkt beim Treffen


Alle Bilder vom Aktionsbündnis 8. Mai

Vorbereitungen für den 8. Mai 2020 laufen

Eine große Feier
Das Kriegsende des 2. Weltkriegs jährt sich dieses Jahr zum 75. Mal. Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Dies wollen wir richtig feiern.
Vermutlich wollen die Nazis, vor allem NPD und Kameradschaften, an diesem Tag leider wieder in Demmin ihren „Trauermarsch“ machen und die Geschichte dabei verdrehen. Gegen diese faschistische Ideologie, gegen Rassismus und Antisemitismus gilt es aktiv zu sein auf der Straße.
Toll wäre, wenn einfach so viele Leute feiern, dass die Nazis ihr Ding nicht machen (können) und frustriert wegfahren.
Wir wollen diesen Tag bunt und vielfältig begehen mit einem interessanten Programm, welches noch in Vorbereitung ist. Die Wochen davor wird es mehrere Veranstaltungen geben.

Die AfD Mecklenburgische Seenplatte ist von der NPD inhaltlich nicht weit entfernt:
aus der AfD-Pressemitteilung zum 8. Mai von 2019: „Gleichzeitig sehen wir angesichts des unermesslichen Leids, das die Menschen in Ohnmacht und Verzweiflung in den Freitod trieb, die Umdeutung des 08. Mai zum „ Tag der Befreiung“ ebenfalls als zynisch an.“
von 2018: „Den Tiefpunkt bildet in diesem Jahr der Auftritt der Band „ Feine Sahne Fischfilet“

Für Frieden – gegen die aktuellen und kommenden Kriege
„Nie wieder Krieg“ war eine der Erkenntnisse aus dem Zweiten Weltkrieg – die derzeitige Lage sieht anders aus. Die aktuellen Kriege, auch innerhalb von Staaten, laufen ohne Perspektive weiter und neue kündigen sich an / werden provoziert. Bei den Kriegen ist die Zivilbevölkerung immer die Leidtragende und Krieg ist Fluchtursache Nr. 1 in der Welt. Strategische Machtinteressen, Verteilungskämpfe um Ressourcen, ungerechte Wirtschaftssysteme und weiteres heizen das Ganze an.
Lösung sind nicht noch weitere militärische Einsätze sondern Aktivitäten für gewaltfreie Konfliktbearbeitung. Ein erster Schritt wäre, dass aus Deutschland keine Waffenexporte mehr stattfinden. Und mehr Ziviler Friedensdienst! Die Energie und das Geld, welches derzeit in das Militär gesteckt werden, braucht es dringend im sozialen Bereich und im Umweltschutz.
Wir werden uns an uns an den Protesten gegen das NATO-Militärmanöver Defender 2020 beteiligen, welches um den 8. Mai stattfindet.
https://www.antidef20.de/

Ähnlich wie in den letzten Jahren soll es am 8. Mai in Demmin eine große Demo am späten Nachmittag und Protest entlang der ganzen Naziroute geben.
Weitere Planungen werden bald veröffentlicht – ihr könnt euch gerne an der Vorbereitung beteiligen.

Der nächste Strickmarathon ist am 28.2. um 17 Uhr im Cafe 3K
Wir machen Demmin noch bunter!

Die evangelische Kirchengemeinde hat ihre Veranstaltungen um den 8. Mai schon veröffentlicht.

Strickmarathon im Café 3K:

Bild: Cafe 3K

1. Strickmarathon in Demmin !

Am 29.11.19 um 17 Uhr laden wir alle Interessierten mit und ohne Strickerfahrung, jeden Alters und jeder Couleur zu unserem 1.Strickmarathon ins Café 3K des Demminer Bürger e.V. in der Clara-Zetkin-Straße 16 ein.
Hier gibt es Gelegenheit, sich auszutauschen und mehr Informationen zu dem Straßenkunstprojekt „Stricken für Vielfalt und Toleranz“ zu erhalten.
Zum 8. Mai 2020 werden wir das gesamte Erscheinungsbild der Stadt völlig verändern mit gestricktem Graffiti. Eine Straßenkunst, die mit wenigen Materialien auskommt. Viel mehr als Wolle und Nadeln sind nicht notwendig. Im Unterschied zu herkömmlichem Graffiti hinterlassen diese keine Spuren oder gar Schäden auf den ummantelten Flächen. Aber was sollte es gegen diese Straßenkunst einzuwenden geben. Straßenlaternen, Zäune und eventuell geeignete Gegenstände werden mit selbst gefertigten Strickstücken verkleidet. So tragen wir zur Verschönerung des öffentlichen Raumes bei und tun unsere politische Meinung, „Bunte Maschen statt brauner Märsche“, kund.
Wir senden damit eine eindeutige Botschaft, die zum Nachdenken anregt und hoffentlich einige irritiert.
Wer hat Lust mit zu stricken für eine offene und bunte Welt?
Für Wolle, Nadeln, Snacks und Getränke ist gesorgt.

Infoblatt zum Runterladen als PDF

Aktionsbündnis 8. Mai Demmin
Infos und Kontakt: demmin.n@gmx.de

Publikumspreis der Ehrenamtsstiftung

Das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin hat beim Engagementpreis der Ehrenamtsstiftung MV den Publikumspreis gewonnen.
Danke für die Auszeichnung! Die Anerkennung freut uns.
Danke an alle, die uns unterstützt haben – seid auch im nächsten Jahr dabei!
Die Planungen für das nächste Jahr laufen und es gibt wieder viele kreative Ideen, um den Nazis in ihre Trauersuppe zu spucken.

Bei der Preisverleihung

Ausstellung: Das Geheimnis der Versöhnung ist Erinnerung

Ausstellung mit Fotos und Texten zum Krieg gegen die Sowjetunion

Von Sonntag, den 11. August bis Sonntag, den 15. September 2019
in der St.-Bartholomaei-Kirche in Demmin
Mo.-Fr. 13-17 Uhr, Mi. 9-12 Uhr, Sa. 13-17 Uhr

Während der Dauer der Ausstellung gibt es Möglichkeiten, sich auszutauschen. Frau Dr. Elke Scherstjanoi wird (Nachtrag: leider erst im November) wieder nach Demmin kommen mit ihren Rechercheergebnissen zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Demmin.

Eröffnung am Sonntag, den 11. August 2019, um 17 Uhr
in der St.-Bartholomaei-Kirche in Demmin durch Dr. Jörg Morré, Direktor
des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst

Das Geheimnis der Versöhnung ist Erinnerung
Bald ist es 75 Jahre her, dass die Vertreter der deutschen Wehrmacht bedingungslos kapitulierten. Damit endete ein grausiger Krieg in Europa, angezettelt von einem grausigen Regime aus Deutschland. Zwischen 70 und 75 Millionen – Soldaten und Zivilisten – verloren ihr Leben. Darunter 27 Millionen Tote allein aus der Sowjetunion. Die Gräuel, die unmittelbar nach dem Krieg geschehen sind, sind furchtbar. Aber sie dürfen nicht vergessen machen, was zuvor geschah. Auch nicht in der Stadt Demmin. Hier instrumentalisieren die Neonazis die Selbstmorde, vor allem die der Frauen und Kinder, in einem jährlichen Aufmarsch.

Am 8. Mai dieses Jahres sagte ein mitmarschierender Rentner: „Nie hätte sich ein Soldat der Wehrmacht etwas Schlechtes zuschulden kommen lassen. Das waren die Russen in den Uniformen getöteter Deutscher!“ Und er kann auch öffentlich sagen: „Über einen Holocaust ist mir überhaupt nichts bekannt“.(Nordkurier, 22. Mai 2019, S. 14)

Vielleicht begleiteten diesen Aufmarsch auch Menschen aus Demmin, deren Verwandte sich vor Verzweiflung und Angst damals umbrachten. Doch die Neonazis trauern nicht um Ihre Verwandten, sie betrauern den Untergang des verbrecherischen Dritten Reiches.

Wir Nachkriegsgenerationen haben die Chance, uns Wissen anzueignen.
Wir haben die Chance, uns anders zu verhalten. Wir können uns einsetzen für Versöhnung und Frieden.
Dazu laden wir Sie herzlich ein.

Quelle: Friedensbibliothek-Antikriegsmuseum Berlin
Leihgabe der Friedensbibliothek-Antikriegsmuseum der Evangelischen
Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

Die Veröffentlichungen stellen keine Meinungsäußerung des BMFSFJ oder des BAFzA dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Autor*innen die Verantwortung.

Kriegsgräberstätten in Demmin und der Umgang damit

Leider sind bei der Gedenkstätte in der Woldeforst vor ein paar Tagen die Sitzbänke gestohlen worden. Vermutlich sind es einfache Diebe gewesen. Aber es zeigt, dass diese Gedenkorte keine große Bedeutung in der Region zu haben scheint. Den „Russen“ wird immer noch viel Schuld an der Zerstörung von Demmin und weiteren Kriegsfolgen gegeben. Obwohl klar ist, dass weniger passiert wäre, hätte es keinen Widerstand beim Einrücken der Roten Armee gegeben. Doch dafür war Demmin damals zu braun.

Immerhin gibt es heute Gedenkstätten, die an die Verbrechen der Nazis erinnern. Über die Gestaltung davon gibt immer noch Meinungsverschiedenheiten. Aber immerhin sind am Barlachplatz jetzt die bekannten Namen der dort beerdigten sowjetischen Kriegstoten nach vielen Jahren wieder lesbar.

Erinnerungskultur lebendig zu halten ist eine langfristige Aufgabe. Ab Mitte August soll es in Demmin in der Kirche St. Bartholomaei mehrere Wochen lang einen Ausstellung geben, die unter anderem die Verbrechen der Wehrmacht in der Sowjetunion zeigt.


Der Gedenkstein am Barlachplatz mit den bekannten Namen der dort beerdigten sowjetischen Kriegstoten wurde am 8. Mai 2019 errichtet.


Einweihung der Gedenkstätte in der Woldeforst am 17.5.2018

Warum wir den 8. Mai als Tag der Befreiung feiern – und wie braun damals Demmin war

Vollständiger Redetext zum Stadtspaziergang am 8. Mai 2019

Aktionsbündnis 8. Mai Demmin

Der 8. Mai 1945 – er war der Tag der Befreiung für die Überlebenden des Widerstandes, die Inhaftierten der KZ, der Nazi-Kerker, für die Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, für alle, die sich den Nazis verweigerten – quer durch Europa. Doch die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung empfand diesen Tag als Niederlage, als Untergang, da sie sich mit dem Nationalsozialismus identifiziert hatte, die Vernichtung der europäischen Juden, der Sinti und Roma, der Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, der vielen Opfer unter der europäischen Zivilbevölkerung für gerechtfertigt hielten.
Wir Antifaschistinnen und Antifaschisten von heute begehen diesen Tag als Befreiung von einem verbrecherischen Regime, für uns liegt der Untergang im Jahr 1933, als die Faschisten mit Hilfe Großindustrieller, Banker, gewalttätigen Einschüchterungen und Millionen deutscher Wählerinnen und Wähler an die Macht kamen. Nur sechs Jahre später stürzte dieses System die Welt in einen Krieg, der über 60 Millionen Menschen das Leben kostete, davon allein über 27 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Sowjetunion. Diese Ursachen spielen immer weniger eine Rolle in der Öffentlichkeit, gedacht wird aller «Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft». Die Täter scheinen vom Himmel oder besser aus der Hölle zu kommen und wieder dahin zu verschwinden. Es bleiben – Opfer, Unschuldige.

Mit dem Historiker-Streit ab Mitte der 1980er Jahren, später den Fernsehsendungen und Berichten von Guido Knopp, Jörg Friedrich und anderen über den Bombenkrieg gegen Nazi-Deutschland, die Vertreibungen aus Osteuropa und die Kriegsgefangenschaft deutscher Soldaten in der Sowjetunion sowie dem Film «Der Untergang» im Jahre 2004 wurde systematisch die nazistische Vorgeschichte ausgeblendet. Thorsten Hinz, Autor der neurechten «Jungen Freiheit», schreibt darin am 29. 10. 2004 einen Artikel mit der Überschrift «Gezeitenwechsel öffnet Horizonte». Und seitdem steigen die Gedenkfeiern und -märsche für die deutschen Opfer.
Die Aktivitäten der Neonazis am 8. Mai in Demmin gehören in diese Entwicklung, sind kein lokal begrenztes Ereignis, sondern Strategie. Sie träumen von der «konservative Revolution» – ob NPD, Dritter Weg, Null Prozent, Reichsbürger, Identitäre, völkische Siedler, Burschenschaften, Kameradschaften, AfD. Sie nicht ernst zu nehmen, kann in die nächste Katastrophe führen…

Wie sah es in Demmin am Ende der Weimarer Republik, zu Beginn des faschistischen Reichs aus?
Zur Reichstagswahl am 20. Mai 1928 gaben in Demmin 33 Wähler der NSDAP ihre Stimmen. Schon zwei Jahre später, am 14. September 1930, waren es 2′129 Bürgerinnen und Bürger von Demmin, die die NSDAP wählten.
Am 5. März 1933 gingen von 9′220 Demminer Wahlberechtigten 8′305 zur Wahl, was einer Beteiligung von 90 Prozent entsprach. Die NSDAP erhielt 4′429 Stimmen, gleich 53,7 Prozent. Reichsweit kam die NSDAP auf 43,9 Prozent – zehn Prozent unter dem Demminer Ergebnis.

Im Februar 1930 gründet sich die Ortsgruppe der NSDAP in Demmin, ihr Leiter wird der Chefarzt des Krankenhauses, Otto Ansinn.
Rund sieben Monate später, einen Tag nach der Reichstagswahl vom 14. September 1930, weht vom Luisentor die Hakenkreuzfahne. Otto Ansinn erinnert sich in seiner Schrift im Jahr 1935 «Aus der Kampfzeit der NSDAP» an Befürchtungen, die Polizei könnte in der kurzen Zeit des Verbotes der SA und der SS Hausdurchsuchungen durchführen. Aber dazu kam es nicht, laut Ansinn: «In meinem Freund, dem Bürgermeister (Georg) Münter, hatte ich stets eine tadellose Rückenstärkung. Er war nationalsozialistisch eingestellt und somit auch seine Polizeibeamten, die mich stets von bevorstehender Gefahr unterrichteten und warnten».
Einen Monat nach der Gründung der NSDAP-Ortsgruppe Demmin, am 19. März 1930 veröffentlicht diese eine große Anzeige zu einem Vortrag im Demminer Tageblatt aus dem Verlagshaus Gesellius, in der u.a. steht: «Juden haben keinen Zutritt».

Seit 1832 gab das Familienunternehmen Wilhelm Gesellius die Demminer Zeitung, später Demminer Tageblatt heraus. Sie diente – vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis ins «Dritte Reich» den Kreis- und später städtischen Behörden als offizielles Mitteilungsblatt. Während des Nationalsozialismus wurde es 1937 offiziell zum Mitteilungsblatt der NSDAP. Der dritte Wilhelm, der 1935 die Geschäfte übernahm, war auch Mitglied dieser Partei.
Egal, an welchen der drei Wilhelme das Stadtparlament in den 1990er Jahren bei der Namensgebung des Platzes gedacht hat – jede und jeder kann heute seinen Wilhelm wählen: den konservativen Gründer, seinen Sohn, der als Verleger 1930 nichts gegen den Vermerk «Juden haben keinen Zutritt» in einer Anzeige der NSDAP hatte oder den dritten Wilhelm, der mit seiner NSDAP-Mitgliedschaft sicher auch hinter den Texten des Demminer Tageblatts stand.

Im Sinne einer Erinnerungskultur, die sich den historischen Fakten und Zusammenhängen stellt, hätte man den Platz nach Adolf Nolewaika benennen sollen. Der katholische Pfarrer von Demmin handelte offen humanistisch, auch nach der Machtergreifung der Nazis. Er behandelte die polnischen Zwangsarbeiter als «richtige Pfarrkinder», trennte sie im Gottesdienst nicht von den Deutschen und predigte auch in polnisch.
Am 20. September 1940 wurde er durch die Gestapo verhaftet und in das Polizeigefängnis Stettin
gebracht. Von dort aus kam er als politischer Häftling mit der Nummer 22′992 in den «Priesterblock» des KZ Dachau. Auf dem Todesmarsch im Frühjahr 1945 liefen die SS-Posten davon und Pfarrer Nolewaika überlebte. Krank von der KZ-Haft kam er nach Demmin zurück und verstarb hier 1951.
Wenn jemandem Ehre gebührt, dann wohl ihm.

Doch zurück in die 1930er Jahre. Am 1. April 1933 wird reichsweit zu einem Boykott jüdischer Geschäfte, Ärzte, Anwälte aufgerufen. Um 10 Uhr ziehen im ganzen Land SA-Posten vor Geschäften und Praxen auf, um zu verhindern, dass der Boykott durchbrochen wird. In Demmin stehen sie vor den Geschäften Davidson in der Frauenstraße, Lewinski in der Luisenstrasse und vor der Ullsteinfiliale in der Holstenstrasse. Die Polizei schaut weg.

Der heutige Fackelzug der Neonazis ist zum Glück (noch) viel kleiner als seine Vorbilder aus dem Jahr 1933. Einen Tag nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler ruft die NSDAP am 31. Januar 1933 zum Fackelzug in Demmin. Im Demminer Tageblatt aus dem Verlagshaus Gesellius wird der Ortsgruppenleiter Ansinn zitiert: «Ein Mann aus dem Volke hat heute die Führung des deutschen Volkes übernommen. Ein Mann, von Gott begnadet, hat seine politische Kraft entwickelt. Nichts hat ihn aufhalten können. Wir wollen Adolf Hitler aufs neue Treue geloben…». Weiter im Demminer Tageblatt: «Der Heilruf bricht viel hundert stimmig sich […] In hoher Freude formierte der Fackelumzug sich. In strammem Schritt ging es durch die Straßen. Rot leuchteten die Fackeln. Wiederholt wurden auch aus den Häusern brennende Fackeln gehalten. Die Standartenkapelle 34 und der Demminer Spielmannszug schmetterten Märsche in den Abend. Jung und alt begleiteten den Zug…».

Manfred von Killinger (später Polizeikommissar für Sachsen) sprach am 6. Februar 1933 auf dem «Deutschen Abend» der Demminer NSDAP: «Der Endkampf beginnt jetzt zwischen revolutionärem Nationalsozialismus und revolutionären Internationalismus. Jeder muss sich entscheiden. […] Wir wollen den Krieg nicht, aber wir scheuen den Krieg auch nicht».

Am 27. Februar 1933 brennt der Reichstag. Ein guter Grund für die weitere Einschränkung der Grundrechte der Weimarer Verfassung. In einem Erlass für Preußen ordnet Göring am 1. März 1933 an, eine Hilfspolizei zu schaffen, um den «Ausschreitungen von linksradikaler, insbesondere kommunistischer Seite» zu begegnen.
Darauf hin werden am 4. März 1933, einen Tag vor der Reichstagswahl, im Demminer Rathaus 25 SA- und SS-Leute sowie zehn Stahlhelmer als Hilfspolizisten vereidigt.

Am 10. März 1933 sind die Demminerinnen und Demminer aufgerufen zur «Freiheitskundgebung» auf dem Markt. SA und SS formieren sich dort am Abend mit Fackeln zu einem lebendigen Hakenkreuz.

Am 28. März 1933 werden auf Beschluss des Stadtparlaments Straßen umbenannt: Die Anklamer Straße wird Adolf-Hitler-Straße (heute Clara-Zetkin-Str.), die Ebert-Straße Hermann-Göring-Straße und Göring wird zum Ehrenbürger von Demmin ernannt.
Nach der reichsweit ersten Pflanzung einer Hindenburg-Hitler-Eiche im März 1933 in Alt-Kentzlin schließt sich Demmin am 20. April 1933 dem an und pflanzt am Schiffsanleger eine Hitler-Eiche zu dessen Geburtstag. Der Platz erhielt an diesem Tag den Namen Horst-Wessel-Platz. In der Rede zur Namensgebung, die der Bürgermeister Albert Luckow hielt, bezeichnet er Wessel, eine der Führungsfiguren der Berliner SA, als ein «Opfer marxistischen Untermenschentums». Der Platzweihe und Pflanzung, die mit großer Beteiligung der Demminer Bevölkerung stattfand, folgt ein Fest am Abend im Hotel «Zur Reichspost», auf dem SA-Standartenführer Vieweg u.a. sagt: «Unbändigen Glauben haben wir alle an Hitler, den größten Staatsmann, der je gelebt hat […]. Neuer Lebensinhalt ist durch Hitler in das deutsche Volk gekommen. Der große Mann wird es empor führen zum Platz an der Sonne».

Im April 1933 forderten die NSDAP-Abgeordneten des Demminer Stadtparlaments vom städtischen Schlachthof, den dort wegen seiner politischen Ideen entlassenen Schlachtermeisters, Paul Selander, wieder einzustellen. Während des Krieges erfuhr Selander eine üble Berühmtheit. Die Gutsbesitzer der Umgebung erteilten ihm «Spezialaufträge», um die Zwangsarbeiter gefügig zu machen. Selander führte diese Aufträge mit äußerster Brutalität aus. Das Auto, mit dem er über Land fuhr, hieß im Volksmund «Blutauto».

Im Juli 1933 kommen die Kommunisten Reinhold Kunow, Werner Barkow, Reinhold Michaelis, Willi Spiegelberg, Hermann Behrendt, Otto Klebow, Paul Barkow und Rudi Birnbaum ins KZ, Artur Bünning kommt bei der Inhaftierung um, Paul Barkow stirbt an den Folgen der KZ-Haft. Karl Naumokel, Abgeordneter des Stadtparlaments, wird verhaftet.

Nach der Pogromnacht am 9. November 1938, in der die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof zerstört werden, findet am 11. November 1938 eine Kundgebung mit massenhafter Beteiligung der Bevölkerung «gegen das mordende Judentum» auf dem Demminer Marktplatz statt.

«Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem das kroch» schrieb Bertold Brecht 1941 im Epilog zum Stück «Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui». Er sollte Recht behalten, bis heute. Überall in Europa und in der Welt fühlen sich Rechtsextreme wieder stark, gewinnen wegen des Revisionismus und des Vergessens der geschichtlichen Entwicklung.

Antifaschismus ist Pflicht, gerade jetzt.

Wer bei den kommenden Wahlen auf die nationalistische Karte setzt, hat schon verloren – am Ende der nächsten Katastrophe wird wieder die Angst vor der Vergeltung kommen…


Bild: Neubrandenburg bleibt bunt

Gelungene Party zum Tag der Befreiung und frustrierte Nazis

mit ein wenig Abstand ein Blick zurück:

In der ganzen Stadt gab es diese Jahr am 8. Mai vielfältige Aktivitäten, an denen sich ca. 1000 Menschen beteiligten.
Eine Tanzdemo mit 700 Teilnehmer*innen mit interessanten Reden, eine Musikblockade gleich zu Beginn des Naziaufmarsches, die den Start um fast 30 Minuten verzögerte, viele Banner und Kommentare zum erfolgreichen unfreiwilligen Spendenlauf, der über 4000 Euro brachte, inklusive „Mein Mampf“-Stand. Sehr viel Konfetti in den Straßen, niederregnent auf die Nazis, genauso wie Klopapierrollen. Überall viel Musik und am Markt und Hafen tolle Livebands sowie einer Kanudemo. Zum ersten Mal gab es an der Kirche eine Aktion: „Friede, Freude, Kekse für alle“. Auf dem Rückweg bekamen die knapp 200 Nazis auch keine Ruhe.
Trotz diverser Spannungen lief der Bürgermeister und andere aus der Stadtspitze bei der Demo mit und enthüllte am Barlachplatz eine Gedenktafel für die dort beerdigten sowjetischen Kriegstoten mit den Namen, die von ihnen bekannt sind.

Die 850 Polizeikräfte und das Ordnungsamt agierten repressiv und hielten sich teilweise nicht an ihre eigenen Regeln, versuchten Protest von Anfang an zu reglementieren. Das war leider wie immer. Eine weitere Verschärfung der Polizeigesetze (SOG) würde unsere Grundrechte noch weiter einschränken.

Verhindern konnten wir den Naziaufmarsch leider nicht, aber die Nazis sind ziemlich frustriert nach Hause gegangen und wir hatten eine gute Party. Mal schauen, was wir uns bis ins nächste Jahr einfallen lassen. Wenn es normal läuft, feiern wir in ein paar Jahren den Tag der Befreiung in Demmin ohne Naziaufmarsch und lächeln dabei.

Die Europa- und Kommunalwahlen sind wichtig. Die AfD zieht voraussichtlich leider in vielen Städten und Gemeinden in die Parlamente ein. Das wird im Detail noch anstrengend genug. Umso wichtiger ist es, das wir nach der Wahl weiter aktiv sind. Nur wenn sich viele Menschen im Alltag kontinuierlich für eine offene, solidarische und ökologische Welt einsetzen, bewegt sich etwas. Denn oft gibt es vor der Wahl viele schöne Reden von Politiker*innen – damit auch gehandelt wird, braucht es das Engagement von Vielen.

Weitere Detailberichte vom 8. Mai folgen noch.

Einen starken Eindruck geben die Bilderalben 1, 2, 3, 4, 5, 6,

NDR (mit Video)

Nordkurier 1, 2, 3,
Ostseezeitung
SVZ

Viel Infos finden sich auf Twitter

Ein interessanter Bericht in russischer Sprache:
Beitrag von RTVI

Bericht bei Blick nach Rechts

Mahnwache am Luisenplatz

Bericht auf Indymedia und Hart Backbord

Neubrandenburger Reisegruppe

Bericht der Demobeobachtung

und zum Abschluss noch der Hinweis:

Online schauen: der ganze Film „Über Leben in Demmin“

einige Eindrücke:

Foto: Bildwerk Rostock


Foto: RechtsgegenRechts


Musikblockade – Foto: Endstation Rechts


Foto: Bildwerk Rostock


Foto: RechtsgegenRechts