Hier folgen jetzt mehrere alte Presseberichte chronologisch sortiert aus verschiedenen Medien.
Nur einen Teil der erschienen Artikel wurde hier dokumentiert.

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Ostseezeitung vom 5.5.2014: Protest gegen NPD-Fackelmarsch

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Nordkurier vom 5.5.2014: Bunter Protest gegen den Aufmarsch der NPD in Demmin

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Nordkurier vom 16.4.2014: Demminer setzen Zeichen gegen Rechts

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Nordkurier vom 20.3.2014: Ja oder Nein zum Sowjetstern?

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Nordkurier vom 20.3.2014: Jetzt gibt es doch noch ein Friedensfest

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Nordkurier vom 18.3.2014: Demminer pfeifen auf die rechten Parolen

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Nordkurier vom 14.3.2014: Kriegsgräber in der Demminer Woldeforst?

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Nordkurier, 12.3.2014

Demmin 45 – Ewiger Ruhm den Helden?

Von Thoralf Plath

Wieder einmal wagt sich das Regionalmuseum thematisch auf schwieriges Terrain. Morgen Abend geht es um unseren Umgang mit sowjetischen und deutschen Kriegsgräbern.

DEMMIN. Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Demmin: Kaum ein Thema in der jüngeren regionalhistorischen Sicht hat nach der Wende eine derartigen Umdeutung erfahren wie dieses. Massenselbstmord und die großflächige Zerstörung der Stadt – zu DDR-Zeiten war es absolut tabu, darüber öffentlich zu reden. Umso heftiger brach in den 1990er Jahren eine Debatte darüber aus, nun rechnete mancher sehr öffentlich mit dem verordneten Heldengedenken an die sowjetischen Befreier ab, der Friedhof auf dem Barlachplatz wurde umgestaltet und Erinnerungszeichen neu gesetzt, der Obelisk mit dem roten Stern verschwand. Die Rede ist seither vor allem von den zivilen deutschen Kriegstoten. Bald begannen Neona-
zis, das Thema für sich und ihre Ideologie zu besetzen. Bis heute wird Demmin alljährlich Anfang Mai von dem braunen Spuk heimgesucht.
Was setzt die Erinnerungspolitik der Hansestadt dagegen? Wie hält man es hierund in Kommunen mit sowjetischen Gedenkstätten und Grabanlagen? Welche Rolle spielen dabei alte und neue Feindbilder? Es ist ein brisantes Thema, dem sich das Demminer Regionalmuseum und das Aktionsbündnis „8. Mai“ morgen Abend in einer öffentlichen Podiumsdiskussion widmet. Gesprächspartner im Podium sind unter anderem Elke Scherstjanoi vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, Lutz Prieß und Sebastian Kindler vom Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst und der Demminer Bürgermeister Michael Koch. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Hanseufer-Zentrum (Museumseingang, vierte Etage).

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Nordkurier

Friedensfest
Ein historischer Spaziergang gegen die Fackeln
Demmin · 03.03.2014 von Gudrun Herzberg

Zum 8. Mai werden in Demmin wieder die Nationalsozialisten aufmarschen. Gegenwehr gibt es seit Jahren vom Aktionsbündnis mit Friedensfesten. Diesmal kommt etwas Neues dazu.
Demminer Bürger wehren sich mit einem Friedensfest gegen den Aufmarsch der Nazis zum 8. Mai. Gudrun Herzberg Demminer Bürger wehren sich mit einem Friedensfest gegen den Aufmarsch der Nazis zum 8. Mai.

Das Aktionsbündnis 8. Mai organisiert in jedem Jahr Friedensfeste, um den Aufmärschen der Neonazis Paroli in der Hansestadt Demmin zu bieten. Seit einigen Jahren haben sich Menschen zu diesem Aktionsbündnis zusammen gefunden, um den Tag der Befreiung vom Faschismus feierlich zu begehen.

Unterstützt wird das Aktionsbündnis von Künstlern, Wissenschaftlern und Zeitzeugen. Das ist nötig, da Rechtsextremisten versuchen, die Geschichte neu zu interpretieren, um für ihre Ziele Propaganda zu machen. In diesem Jahr hat das Bündnis beschlossen, einen historischen Spaziergang durch die Stadt zu gestalten und Mahnwachen gestalten. Damit stellt sich das Aktionsbündnis gegen den Fackelzug der NPD durch Demmin.
Vereine, Parteien und Organisationen planen für den 8. Mai Veranstaltungen, darauf hat sich der Präventionsrat geeinigt“, so Kurt Kunze, stellvertretender Bürgermeister.

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Nordkurier Leserbrief vom 16.8.2013

Stadtvertreter haben geschlafen

Siegfried Logall aus Demmin schreibt zu: „Für so ein Plakat sollen Nazigegner nun zahlen“ in der Demminer Zeitung vom 10. August.
Das hat viele Demminer empört. Dabei geht es um das Aufhängen von vier Banner an den Zufahrtsstraßen in Demmin, die darauf hinweisen, dass Demmin eine bunte Stadt bleibt und die NPD mit ihren Hetzkampagnen in Demmin nicht willkommen ist. Nun soll das Aktionsbündnis zur Kasse gebeten werden. Für uns ist es unverständlich, dass die Stadtvertreter wieder einmal geschlafen haben, obwohl es hierbei um das Image der Stadt Demmin im Bereich von Demokratie, Toleranz und Völkerverständigung geht. Gewiss hat das Aktionsbündnis 8. Mai das Aufhängen der Banner in Auftrag gegeben, aber bestimmt unter der Voraussetzung von Sponsoren, die leider wie immer kaum vorhanden sind. Denn für viele, so haben wir den Eindruck, ist das Wort „Demokratie“ zu einem Fremdwort geworden. Da diese Aktionen der NPD in Demmin schon seit Jahren durchgeführt werden, hätten die Abgeordneten der Stadt diese Kosten auch in den laufenden Haushalt einplanen können. Schließlich geht es doch um die Stadt Demmin und ein Ansehen. Man hätte das Aufhängen auch unter einer Sachmittelspende abrechnen können. Wir hätten gerne dafür eine Spendenbescheinigung ausgestellt, da in der Satzung die Begriffe Völkerverständigung und Demokratie verankert sind, so dass dabei auch die Rechtsform gewahrt wird. Gewiss soll die Arbeitsleistung der Stadtwerke vergütet werden, aber dies hätte der Bürgermeister Michael Koch auch anders klären können. Wenn man nicht bereit ist, das Aktionsbündnis zu unterstützen, dann kann es irgendwann auch passieren, dass die NPD auch im Demminer Stadtparlament vertreten sein wird. Soweit sollten auch einmal die jetzigen Stadtvertreter denken. Es ist aufgefallen, dass die NPD bei ihrer ersten Aktion auf dem Demminer Marktplatz eindeutig das Meinungsrecht missbraucht hat, indem die NPD laufend bei ihrer öffentlichen Rede gegen die Grundrechte der EU verstoßen hat. Demmin hat doch angeblich einen Europabeauftragten, dessen Aufgabe auch sein muss, mit dieser Charta ausreichend befasst zu sein, um weitere Aktionen zu untersagen.

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http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/demodemmin103.html

Stand: 15.08.2013 16:56 Uhr
Demmin: Stadt und Aktionsbündnis streiten

Demonstranten auf dem Fackelmarsch Detailansicht des Bildes Am 8. Mai kommt es in Demmin regelmäßig zu politischen Demonstrationen. (Archivbild) Immer am 8. Mai wird es auf den Straßen in Demmin lauter als an anderen Tagen. Denn an jenem Datum, dem Jahrestag des Kriegsendes, pflegen Neonazis in der Stadt aufzumarschieren. Das wiederum ruft ein breites Protest-Bündnis von Einwohnern, Vereinen und Initiativen auf den Plan. Eine beteiligte Gruppierung ist das Aktionsbündnis „8. Mai“. Dieses liegt nun mit der Stadt im Clinch. Es geht um eine Rechnung in Höhe von 540 Euro.

540 Euro für das Aufhängen von Transparenten?
Diese bekam die Bündnis-Vorsitzende Kerstin Lenz von den Stadtwerken zugestellt. Ihrer Meinung nach soll mit dem Geld das Aufhängen von vier Transparenten abgegolten werden. Denn die Stadtwerke hatten die Initiative seinerzeit beim Aufhängen der langen Spruchbänder unterstützt. Lenz hat für die Rechnung keinerlei Verständnis und kündigte an, nicht zahlen zu wollen.

Ordnungsamtschef: Rechnung gilt auch für Stromkasten
Der Leiter des Demminer Ordnungsamtes, Günther Behnke, stellt den Fall hingegen anders dar. Seiner Meinung nach beziehe sich die Rechnung der Stadtwerke eben nicht nur auf die Transparente, der wesentliche Anteil sei dem Aktionsbündnis für einen eigens aufgestellten Stromkasten mit dazugehörigen Leitungen in Rechnung gestellt worden.

In zahlreichen Besprechungen hätte die Stadt mitgeteilt, welche Leistungen am 8. Mai kostenlos zur Verfügung gestellt werden und welche vom Aktionsbündnis selbst aufgebracht werden müssten. So habe die Stadt beispielsweise eine Bühne aufgestellt und sich um Absperrungen und Beschilderungen gekümmert. Der Stromkasten und das Aufhängen der Plakate seien keine kostenlosen Leistungen gewesen. Dies sei auch im Vorfeld bekannt gewesen, das Aktionsbündnis hätte sich um Sponsoren bemühen sollen, so der Ordnungsamtsleiter.
Stadtvertreter beschäftigen sich mit dem Streit

Der Streit wird jetzt die Stadtvertretung beschäftigen. Kerstin Lenz vom Aktionsbündnis kündigte unterdessen an, als Fraktionschefin der Linken darüber beraten zu lassen, wer jetzt die Rechnung bezahlen soll.

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Nordkurier Leserbrief 13.8.2013

Sponsoren gegen den braunen Sumpf

Wolfgang Holst aus Verchen schreibt zu: „Für so ein Plakat sollen Nazigegner nun zahlen“ in der Demminer Zeitung vom 10. August. Wie bitte? 540 Euro für das Aufhängen von vier Transparenten. 135 Euro pro Transparent. Eigentlich eine stolze Summe, aber sicher wurde für diese Aktion die geballte Technik der Stadtwerke eingesetzt, um die Transparente „Demmin bleibt bunt – gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt“ sach- und fachgerecht anzubringen. Vielleicht sollten solche Aufträge zukünftig auch öffentlich ausgeschrieben werden, damit Preisvergleiche möglich werden, vielleicht finden sich in Demmin aber auch Unternehmer, die bereit sind, ihre Technik gegen den braunen Sumpf unentgeltlich einzusetzen. Wichtiger aber scheint mir, dass sich die Parteien und deren Vertreter im Stadtparlament Demmins, die auf dem Festplatz am Bollwerk ihre Stände aufgebaut hatten, um für ihre Politik zu werben, eine Lösung dieses Problems erarbeiten. Nur sollte das Aktionsbündnis nicht auch noch dafür zahlen sollen, weil es für die Stadt ein Fest gegen die Nazis organisiert. Ohne eine Lösung dieses Problems würde es zukünftig dann wohl so sein, dass sich das Aktionsbündnis entweder um mehr Sponsoren kümmern muss oder man zukünftig auf das Fest „Demmin bleibt bunt“ völlig verzichtet. Damit würde man der Stadt allerdings einen Bärendienst erweisen und es stellt sich dann die Frage, ob sich die Stadtwerke mit ihrer Forderung zum Handlanger rechter Ideologie gemacht hätten.

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Nordkurier, 10.8.2013

Demmin: Nazigegner sollen für Protest-Plakat zahlen

von Thoralf Plath

Demmin. Der gemeinsame Protest Hunderter Demminer Anfang Mai gegen den Aufmarsch von Neonazis hat jetzt für das Aktionsbündnis „8. Mai“ ein Nachspiel. Der Initiative flatterte eine Rechnung über 540 Euro ins Haus, ausgestellt von den Stadtwerken – für das Anbringen von „Demmin bleibt Bunt“-Transparenten. Wie absurd ist das denn?
Protestplakat gegen Nazidemo auf dem Demminer Marktplatz Photographer: Thoralf Plath Protestplakat gegen Nazidemo auf dem Demminer Marktplatz

Kerstin Lenz war außer sich, als sie dieser Tage einen Brief von der Demminer Stadtwerke GmbH öffnete, adressiert an das „Aktionsbündnis 8. Mai“. Das Kuvert enthielt eine Rechnung. Zu zahlen: summa summarum 540 Euro. Für das Anbringen von vier Transparenten an den Stadteinfahrten, Mitarbeiter der Stadtwerke hatten sie Anfang Mai quer über die Straßen gespannt: „Demmin bleibt bunt – gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt“. Ein traditioneller Aufruf zum Protest gegen den Nazispuk, der seit einigen Jahren jeweils zum Tag der Befreiung über die Hansestadt herfällt in Form eines so genannten Trauermarsches. Dass die Demminer in einem gemeinsamen, von allen demokratisch-gesellschaftlichen Gruppen und Initiativen der Region mitgetragenen Protest zu Hunderten gegen Rechts auf die Straße gehen, gehört zum Glück zum guten Ton in der Hansestadt. Umso mehr ärgert sich Kerstin Lenz über die Rechnung: „Wir organisieren als ehrenamtliches Aktionsbündnis diesen Protest auch für die Kommune mit, also für unsere Stadt insgesamt. Und diese unsere Stadt serviert uns dafür noch eine Rechnung? Eine Frechheit ist das.“ Günther Behnke, Chef des städtischen Ordnungsamtes, findet das keineswegs. Er versteht auch die ganze Aufregung nicht: „Die gesamte Aufteilung der Kosten für die Veranstaltungen am 8. Mai ist im Vorfeld in gemeinsamen Beratungen vereinbart worden. Selbstverständlich haben auch wir als Hansestadt viele Leistungen getragen, die Verkehrsbeschilderung etwa, die Bühne. Aber wir haben immer darauf hingewiesen, dass wir die Kosten für das Aufhängen der Transparente und die Stromkosten nicht übernehmen können, da sie nicht im Haushalt eingeplant waren.“ Das sei dem Aktionsbündnis von vornherein bekannt gewesen. Im übrigen, betont Behnke, stammt die Rechnung nicht von der Stadt, sondern von den Stadtwerken, und das sei finanztechnisch ein Unterschied. „Ist mir auch klar“, entgegnet Kerstin Lenz, Fraktionschefin der Linken im Stadtparlament, vergnatzt. Ihr sei es „in diesem Moment zweitrangig“, ob das Geld an die Kommune oder einen zu hundert Prozent kommunalen Betrieb gehe: „Die Stadtwerke hätten die Leistungen doch der Stadt in Rechnung stellen können. Wir organisieren diesen Protest für die Stadt. Ich glaube kaum, dass der Kulturverein auch so eine Rechnung präsentiert bekommt, wenn die Transparente für die Demminer Kunstnacht aufgezogen werden.“ Bezahlen will das Aktionsbündnis die Rechnung jedenfalls nicht. Dann wird wohl bald die Mahnung folgen. Gewiss, Demmin bleibt bunt. Doch in manchem offenbar auch sehr kleinlich.

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Nordkurier, 07.08.2013

Schüler aus Demmin und Israel treten zum Gedenken an Darguner Juden auf
Ein Konzert ist heute in der Synagoge der Klosterstadt geplant. Sonst herrscht aber Schweigen zu diesem Stück Heimatgeschichte.

Dargun/Demmin.Jetzt wird es mit dem Gedenken an Darguns Juden konkret: Musikschüler aus Israel und vom Musikgymnasium Demmin spielen heute Abend ab 17 Uhr in der Synagoge Stücke von Hanning Schröder. Er hatte während des Krieges seine jüdische Ehefrau Cora und Tochter Nele im Darguner Pfarrhaus versteckt. Nele wird für das Konzert an den Klostersee zurückkehren.

Doch insgesamt tut sich die Stadt anscheinend schwer mit dem Gedenken. Kein Stolperstein, keine Gedenktafel – lange muss man in Dargun suchen, um Spuren der einstigen jüdischen Mitbürger in Dargun zu finden. Lediglich am abseits der Straße liegenden Giebel der einstigen Synagoge ist ein Davidstern erhalten. Ansonsten bleibt nur die Wanderung hinein in den Wald, um auf dem jüdischen Friedhof Spuren der heute verschwundenen Gemeinde zu entdecken.

Dabei wollten die Fraktionen von SPD und Linke bereits vor Monaten einen gemeinsamen Beschlussentwurf erarbeiten, wie man künftig Darguns jüdischer Mitbürger gedenken könnte. Die Juden kamen mit der Prinzessin Augusta von Mecklenburg-Güstrow Mitte des 18. Jahrhunderts an deren Schloss und bauten eine stattliche Gemeinde auf. 1942 wurden die letzten beiden Juden in das Ghetto von Theresienstadtdeportiert.

Von Stolpersteinen oder Gedenktafeln halte man nichts, meint Stadtvertreter Wilfried Hoebel (SPD). Dafür könnte im Zuge der Rekonstruktion des jüdischen Friedhofs eine Gedenkstätte entstehen. Aber: „Das hat sich noch keiner auf seine Fahnen geschrieben.“ Und die Rekonstruktion des Friedhofes könnte frühestens 2015 starten.

Ebenso ergebnislos verlief bisher ein anderes Erinnern an Darguns Juden. In einem New Yorker Archiv lagern Briefe, Foto- und Kartenalben aus dem Nachlass von Anni Mitau. Die wurde 1907 in Dargun geboren und heiratete am 29. September 1937 Bernhard Wolff. Das war zugleich die letzte jüdische Eheschließung in der Stadt. In Dargun blieb Mutter Ida Mitau zurück. Sie gab die Fotos und Postkarten ihrer Tochter mit und schrieb ihr bis 1942. Was, das könnten Kopien aussagen, die im Archiv zu erhalten sind. Darüber wurde vor Monaten auch die Stadtverwaltung informiert, die daraufhin die Dokumente für das Stadtarchiv anfordern wollte. Doch bislang sind die Papiere nicht eingetroffen. Warum das so ist, dazu forscht Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann (Die Linke) derzeit noch in seiner Verwaltung nach.

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Nordkurier, 3.8.3013

„Die Stadtverwaltung hat viel zu schnell aufgegeben“

Von Thoralf Plath

Bürgerprotest gegen NPD-Propaganda: Stadtverwaltung und das kreisliche Ordnungsamt sahen sich nicht in der Lage, die Kundgebung der Rechtsextremen zu verhindern. Eine Kapitulationserklärung des Rechtsstaates vor den Neonazis?

Bisher haben es stets alle respektiert: Politische Kundgebungen auf dem Marktplatz in Demmin sind tabu. Nach dem Auftritt der NPD ist nun alles anders und die Ortssatzung in diesem Punkt das Papier nicht mehr wert, auf dem sie gedruckt steht. Die Nazis werden wiederkommen. Sind wir wirklich machtlos dagegen?

DEMMIN. Wie konnte die Stadt das zulassen? Neonazis schreien öffentlich vor dem Rathaus herum wie zu Hitlers Zeiten, warum hat das niemand verhindert? Fragen, wie man sie in ähnlicher Form vielfach hören konnte angesichts des Auftritts der NPD in dieser Woche. Naheliegende Fragen. Denn die Hansestadt hat eine Ortssatzung, und das ist nicht irgendwas, sondern eine Art Grundgesetz der kommunalen Selbstverwaltung in Demmin. Und in dieser Ortssatzung steht klipp und klar: Keine Politik auf dem Markt. Keine Plakate, keine Demos, nichts. Der Platz rings um das Rathaus ist tabu für so etwas. Basta. Seit Jahren halten sich alle dran. Und nun das.
Hat die Stadt wirklich alle Mittel ausgenutzt, um die so genannte Asyltour der Rechtsextremisten auf dem Markt zu verhindern? Bürgermeister Michael Koch (CDU) betont das. „Wir sind zunächst einmal nicht die genehmigende Behörde, das fällt in die Zuständigkeit des Kreisordnungsamtes. Dem gegenüber konnten wir in diesem Fall nur unsere Bedenken anzeigen, und das haben wir natürlich getan.“ Zum Beispiel wies Koch in einer Eilanzeige – die NPD hatte ihre Demo erst 48 Stunden vorher angemeldet – auf das Altersheim am Markt und die zu befürchtende Lärmbelästigung hin. Der Landkreis antwortete ihm auf dieses Argument nicht einmal. Motto: Was scheren uns die Belange alter Menschen in Demmin? Das Versammlungsrecht ist heilig. Auch für Neonazis. Vorpommern 2013. Jens Peters, Mitarbeiter im Kreisordnungsamt, warb am Rand der Demo um Verständnis dafür, dass man als Behörde nicht anders habe entscheiden können. „Die Rechtslage ist so, leider. Wir stehen natürlich nicht auf Seiten dieser Herrschaften von Rechtsaußen, das zu denken ist einfach Schwachsinn. Aber die NPD ist eine zugelassene Partei. Und das rundgesetz bewertet das Recht auf Versammlung nun mal höher als eine Ortssatzung, mit dem Argument brauchen wir gar nicht erst anzutreten.“ Aber warum hat man es nicht wenigstens versucht? Das fragten sich viele Teilnehmer der Protestdemo, auch Altbürgermeister Ernst Wellmer (CDU). „Ich hätte es drauf ankommen lassen auf eine gerichtliche Auseinandersetzung. So leicht hätte ich es der NPD als Ordnungsbehörde nicht gemacht.“ Denn jetzt steht zu befürchten, dass die Nazis bald wieder anrücken – zu noch übleren Aktionen womöglich. Darum will Kerstin Lenz, Fraktionschefin Die Linke im Stadtparlament, das Rathaus nicht so einfach aus der Verantwortung entlassen. „Dass die Versammlungsfreiheit im Grundgesetz steht, hätte man wohl vorher wissen können. Was soll also so eine Satzung? Die können wir dann doch gleich abschaffen! Die Stadtverwaltung hat in diesem Fall viel zu schnell aufgegeben, es ist ja auch das einfachste, sich hinter dem Grundgesetz zu verstecken.“ Ihre Fraktion will das Thema gleich nach der Sommerpause zur Debatte bringen. Ziel: Den Marktplatz zur Bannmeile für politischen Missbrauch machen. Wie das gelingen soll, ist allerdings mehr als fraglich.

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Nordkurier, 02.08.2013

Kein Tag für Nazis: Demmin bläst der NPD den Marsch

Mit Pfeifen, Trommeln und Buh-Rufen empfingen die Demminer die Asyl-Tour der rechtsextremen NPD. Das Protestkonzert sollte auch ein Signal sein: Die Hansestadt ist kein Ort für Neonazis. Aber warum dann ausgerechnet der Markt?

Demmin. Christine und Stefan Richter sind nicht eben Leute, die ihr Leben auf Demos verbringen, und für den geballten Krach von Trillerpfeifen und Kochtopfdeckeln haben die beiden pensionierten Musiklehrer schon gleich gar kein Ohr. Doch am Donnerstagnachmittag auf dem Marktplatz wollten auch sie ein Zeichen setzen. „Da kann man doch nicht zu Hause bleiben“, sagte Christine Richter. „Kein Ort für Neonazis“, stand auf dem Plakat, das sie sich umgehängt hatte.

„Sicher, es hätten noch mehr zum Protestieren kommen können. Ich finde es gut, dass es trotzdem so viele sind, obwohl das so kurzfristig bekannt wurde. Und dass hier heute aus allen politischen Lagern die Leute zusammenhalten. Denen da werden wir doch wohl nicht unsere Stadt überlassen.“

Mit „denen da“ war die so genannte Asyl-Tour der NPD gemeint – eine Art rechtsextremer Wanderzirkus, mit dem die Neonazis derzeit durch die Gegend ziehen, um ihre Hassparolen gegen Ausländer unters Volk zu bringen. Am Donnerstag war Demmin an der Reihe, nur: Das Volk dachte gar nicht daran, sich das Gebell der Rechten widerspruchslos anzuhören. Über hundert Demminer versammelten sich vor dem Rathaus zu einem ohrenbetäubenden Protestkonzert. Aus dem Hintergrund half St. Bartholomaei – mit allen Glocken im Geläut. Die volle Breitseite gegen Rechts. Die Tiraden der NPD-Vorturner gingen förmlich unter. Sang- und klanglos sozusagen.

Dabei war der Protest eine Spontanaktion – gemeinsam ausgerufen von den drei Fraktionen der Stadtvertretung und dem Aktionsbündnis „8.Mai“. Viel Zeit war ihnen nicht geblieben, erst 48 Stunden vorher hatten die Nazis ihre Demmin-Heimsuchung angemeldet. „Angesichts der Kürze bin ich zufrieden mit der Resonanz“, fand SPD-Fraktionschef Reinhardt Friedrichs, selbst mit Trillerpfeife auf den Markt gekommen. Auch Bürgermeister Michael Koch (CDU) sah das so. Koch musste zum Pfeifen zwar die Finger nehmen, aber eine Trillerpfeife will er sich jetzt im Schreibtisch deponieren.

Vielleicht, weil derartige Aktionen sich jetzt häufen könnten? Viele Demminer, die an der Demo teilnahmen, waren entsetzt darüber, dass den Nazis eine solche Aktion auf dem Markt genehmigt worden war. „Die Stadt hätte mehr kämpfen müssen, um das zu verhindern“, fand etwa Heike Behrens, Inhaberin eines Reisebüros. Doch Bürgermeister Koch betonte erneut, gegen die Rechtslage nicht anzukommen. „Wir als Stadt schon gar nicht. Genehmigungsbehörde ist das Ordnungsamt des Landkreises. Wir haben alle Bedenken mitgeteilt, vor allem verbietet unsere Ortssatzung politische Kundgebungen auf dem Markt. Doch das Grundgesetz bewertet die Versammlungsfreiheit höher. Da hatten wir keine Chance. Leider.“

Geog Nikelski von den Grünen bleibt dennoch dabei: In diesem Fall seien die Behörden seiner Meinung nach zu früh eingeknickt. Darum war der spontane Protest der Demminer für ihn ein ermutigendes Zeichen. „Wer in der Demokratie schläft, wird in der Diktatur aufwachen.“

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Nordkurier, 01.08.2013

Rechte nehmen Markt in Beschlag

Demmin.Politische Veranstaltungen dürfte es auf dem Demminer Markt eigentlich nicht geben. So legt es eine Satzung der Stadt fest und die demokratischen Parteien haben sich bisher daran gehalten. Jetzt aber soll dieses Herkommen gebrochen werden. Die rechtsextremistische NPD hat für heute Nachmittag ab 14 Uhr eine Kundgebung auf dem Markt angemeldet – und sie wird sie wohl entgegen der städtischen Satzung dort abhalten dürfen. Das im Grundgesetz garantierte Versammlungsrecht stehe über dem Ortsrecht, erklärt die stellvertretende Ordnungsamtsleiterin des Landkreises, Annett Sokolow. Nur wenn objektive Gründe dafür vorlägen, dass die öffentliche Sicherheit gestört würde, könnte sie die Kundgebung untersagen.

Eine Handhabe, den Auftritt der Rechten zu unterbinden, sieht auch die Stadtverwaltung nicht. Zwar habe man diesen einen anderen Platz angeboten, doch die zeigten daran kein Interesse. Zum Ausweichen zwingen aber kann das Ordnungsamt sie nicht, so Annett Sokolow.

Die Kundgebung ist offenbar ein Teil der „Asyltour“ der NPD, mit der diese laut Internetveröffentlichungen bereits in anderen Städten versuchte, Stimmung gegen die Aufnahme von Asylbewerbern zu schüren, so wie beispielsweise in Neubrandenburg.

Dem wollen sich in Demmin demokratische Kräfte entgegen stellen. Die drei Fraktionsvorsitzenden der Stadtvertretung rufen deshalb die Bürger dazu auf, sich ab 14.30 Uhr an einer Gegendemonstration am Markt zu beteiligen, informierte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Kerstin Lenz.gwa

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Nordkurier, Mi. 15. Mai 2013

Parolen an Schule geschmiert

DEMMIN. Mehrere Hakenkreuzschmierereien wurden am Dienstag in der Demminer Berufsschule entdeckt. Laut Polizei befanden sich diese Schmierereien an einer Wand im Flur des Schulgebäudes und im Sanitärbereich. Mit einem schwarzen Stift haben Unbekannte die Hakenkreuze und Parolen an die Wand gebracht, so die Polizei. Die Schmierereien seien sofort entfernt worden, hieß es von der Schulleitung. Der Staatsschutz ermittelt. gh

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Nordkurier, Mi. 15. Mai 2013

Ordnungsamt: Nicht zu viele Fahnen im Zug der NPD

NPD-Aufzug am 8. Mai in Demmin, hier neben dem Luisentor: Die Zahl der zulässigen Trauerfahnen hat sich vor Ort noch erhöht.

Demmin. Die NPD hat bei ihrem Aufzug am 8. Mai in Demmin zwar mehr „Trauerfahnen“ mitgeführt, als die ursprünglichen Auflagen vorsahen, doch für die Behörden bestand dennoch kein Grund zum Einschreiten. Das erklärte der Ordnungsamtsleiter des Kreises, Rainer Plötz, auf Anfrage des Nordkuriers. Zunächst seien nur acht der Fahnen erlaubt worden. „Es gibt aber das Urteil eines Oberverwaltungsgerichts, dass je 20 Teilnehmer eine Fahne erlaubt ist“, erläuterte er die Rechtslage. Da sich vor Ort die Teilnehmerzahl auf 250 erhöht habe, seien auch mehr Fahnen erlaubt worden.
Die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Fahnenzahl hatte zuletzt der Landtagsabgeordnete Peter Ritter (Die Linke) aufgeworfen, nachdem ein hiesiger Fernsehsender die vermeintliche Begrenzung auf acht ins Spiel gebracht hatte.
Darüber hinaus hatte das Ordnungsamt während der NPD-Veranstaltung am Hafen den Veranstalter des Friedensfestes aufgefordert, die Lautstärke zu drosseln. Gerechtfertigt, wie Rainer Plötz meint. Beide Seiten hätten die Auflage erhalten, 90 Dezibel nicht zu überschreiten. Das sei aber beim Friedensfest der Fall gewesen. Gemessen wurde das laut Plötz mit einem Gerät des Umweltamtes. Der Versammlungsleiter habe daraufhin ein entsprechendes Gespräch geführt und die Lautstärke sei zurückgedreht worden. gwa

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Nordkurier, Di. 14. Mai 2013

Polizei gerät ins Visier der NPD-Gegner
Von Georg Wagner

Vor dem 8. Mai hatten die Beamten offenbar Hinweise auf ein Gefahrenpotenzial bei den Veranstaltungen in Demmin.

Demmin. Wenige Tage nach den Veranstaltungen zum 8. Mai in Demmin ist Kritik an den Behörden laut geworden. So wirft der Landtagsabgeordnete Peter Ritter (Die Linke) der Polizei vor, den friedlichen Protest gegen den Aufzug der NPD stellenweise verhindert zu haben. Er bezeichnet es als „völlig unverständlich, dass die Schnittstelle zwischen Friedensfest und rechtsextremem Aufmarsch mit einer Doppelreihe von Polizeifahrzeugen zugestellt wurde.“ Gemeint sind damit die Peenestraße und der Bereich des Hafens westlich der Speicher, wo die NPD zu ihrem Veranstaltungsbereich abschwenkte. Östlich davon lief das Friedensfest. Diese Trennung mittels Fahrzeugen, meint Ritter, „war nicht nur eine unnötige Provokation, sondern auch eine deutliche Einschränkung des Rechts, Protest in Hör- und Sichtweite ausüben zu können.“ Es sei auch ein Rückschritt gegenüber dem Vorjahr gewesen, als es nur Gitter zur Absperrung gab.
Die Kritik an ihrem Vorgehen weist die Polizei allerdings zurück. Für sie habe die Sicherheit aller Teilnehmer der einzelnen Veranstaltungen im Vordergrund gestanden. In dieser Hinsicht war nach ihrer Einschätzung die Lage offenbar kritischer einzuschätzen als noch im vergangenen Jahr. So seien für den Aufzug der NPD 150 Teilnehmer gemeldet worden, deren Zahl habe sich dann aber vor Ort auf 250 erhöht. Zudem gab es aufgrund von Informationen im Vorfeld „Hinweise auf potenzielle Störungen und eine höhere Brisanz“, heißt es seitens der Polizeiinspektion Neubrandenburg. „In den Vorjahren gab es auch Aktionen aus dem Bereich des linken Spektrums, die auf gewisse Gefahrenmomente schließen ließen.“ Aus Gründen der Gefahrenabwehr bezeichnet die Polizei deshalb ihre Taktik als angemessen und nicht ungewöhnlich.

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Nordkurier, Mo. 13. Mai 2013

Kriegsende als Thema noch lange nicht abgearbeitet
Von Jana Otto

Die Mitglieder des Regionalmuseums wollen sich weiter mit dem Massengrab in der Woldeforst beschäftigen. Dort sind mindestens 125 sowjetische Kriegsgefangene bestattet.

Demmin. Unter dem Motto „Vergangenheit erinnern – Zukunft gestalten“ stand am Sonntag der Internationale Tag des Museums. Auch das Demminer Regionalmuseum öffnete seine Türen, auch wenn die Besucher keine extra für diesen Tag organisierten Aktionen erwartete. „Gerade zu diesem Thema haben wir in den vergangenen Tagen eine Menge geleistet“, erläutert Petra Clemens vom Regionalmuseum. Denn das Museum beteiligte sich mit mehreren Veranstaltungen an den Aktionen, die in der Hansestadt anlässlich des 8. Mai stattfanden. „Die Frage danach, wie gehen wir mit den Geschehnissen des Krieges und des Kriegsendes in Demmin um, wird uns auch weiter beschäftigen“, ist sich Petra Clemens sicher. Gerade erst wurde die vom Regionalmuseum herausgegebene Broschüre „Das Kriegsende in Demmin 1945“, präsentiert (der Nordkurier berichtete). Die Nachfrage danach ist groß. „Das überrascht mich nicht. Es zeigt, dass dieses Thema noch längst nicht abgearbeitet ist“, sagt Petra Clemens. Die Broschüre sei der Versuch, nach überprüfbaren Quellen zu suchen und sich diesem Thema auf der Grundlage einer historischen Erörterung zu nähern. Gerade die Hansestadt Demmin stünde da angesichts des alljährlichen der Nazi-Aufmarschs vor einer doppelten Anforderung. Im Zuge der historischen Aufarbeitung dieser Zeit wird sich das Museum künftig unter anderem weiter mit dem Massengrab in der Woldeforst beschäftigen, in dem nach bisherigen Zahlen mindestens 125 sowjetische Kriegsgefangene bestattet wurden. „Wir werden auch künftig Angebote dazu machen, weiter darüber nachzudenken, wie wir an das Kriegsende erinnern wollen“, versichert Petra Clemens.
Auch wenn ein Höhepunkt am Sonntag vielleicht fehlten, lohnte sich der Besuch im Regionalmuseum in jedem Fall.

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Nordkurier, Sa. 11. Mai 2013

Hansestadt wehrt sich gegen die braune Brut
Von Gudrun Herzberg

Die NPD muss unbedingt verboten werden, sagen Stadtvertreter aus Demmin. Sie wehren sich gegen die jährlichen Aufmärsche der Nazis in der Hansestadt. Und setzen ein großes Friedensfest dagegen.

Demmin.„Ich habe mich gefreut, dass am 8. Mai so viele junge Leute ans Demminer Hanseufer gekommen sind und sich gegen die Nazis positioniert haben“, sagt Kerstin Lenz, Fraktionsvorsitzende der Linken in der Demminer Stadtvertretung. Besonders Schüler des Goethegymnasiums haben aktiv das Programm mitgestaltet.
Die demokratischen Parteien müssen endlich etwas tun, damit die NPD verboten wird. „Nach dieser Veranstaltung in Demmin wird es immer wichtiger, sich für ein NPD-Verbot einzusetzen. Unsere Gelder werden herausgeschmissen, damit die Nazis hier in Demmin aufmarschieren können“, sagt sie verärgert. Das Aktionsbündnis
8. Mai tue jedes Jahr etwas dagegen, die Friedensfeste finden großen Anklang und viele Menschen zeigen, dass die Hansestadt bunt statt braun ist.
Kritisch spricht sie aber das kreisliche Ordnungsamt an. „Absprachen werden nicht eingehalten. Unsere Leute, die durch Demmin zu den Stolpersteinen und historischen Gedenkstätten gelaufen sind, um der Opfer des Faschismus zu gedenken, werden stundenlang eingekesselt und Polizei oder Ordnungsamt tun nichts dagegen“, sagt sie verärgert. Man habe nicht die Möglichkeit gehabt, den Nazis ihren Protest ins Gesicht zu sagen, so sehr wurden die NPD und ihre Anhänger abgeschirmt.
„Der Höhepunkt war aber am Mittwochabend, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes zum Friedensfest kamen, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass wir die Musik leiser machen sollen. Denn die Nazis fühlen sich gestört“, erzählt Kerstin Lenz. Das habe sie einfach nicht verstanden, dass dieser braunen Brut so viele Rechte eingeräumt werden.
Es sei schon schlimm, dass die Nazis durch Demmin marschieren. „Darum muss diese Partei nun endlich verboten werden, es ist an der Zeit“, so die Fraktionsvorsitzende. Auf die Vorwürfe gegen das Ordnungsamt gab es am Freitag keine Reaktion, da niemand mehr zu erreichen war. Kerstin Lenz sei erschüttert, wie alles abgelaufen sei.
Dem schließt sich auch Reinhardt Friedrichs von der Fraktion der SPD der Stadtvertretung an. „Es war verheerend, das am 8. Mai in Demmin ansehen zu müssen“, sagt er. „Diese Partei muss unbedingt verboten werden.“ Die Demminer haben mit Recht dagegen protestiert, so Friedrichs.
„Was hat die NPD im Landtag zu suchen. Und dann bekommen sie auch noch Geld. Es ist an der Zeit, dagegen etwas zu tun“, erklärt der Demminer.
Michael Koch, Schirmherr des Friedensfestes zum 8. Mai in Demmin, hatte am Mittwoch betont, dass man die braune Brut aus der Stadt verbannen wolle. Es sei wichtig, das Gespräch zu suchen und aufzuklären. „Die Hansestadt wird dem rechten Gedankengut keinen Nährboden geben“, so Michael Koch.

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Nordkurier, Fr. 10. Mai 2013

Buntes Friedensfest gegen Nazis
Demmin wehrt sich gegen den rechten Aufmarsch

Ein Fest für den Frieden in der Hansestadt, bei dem das Aktionsbündnis Farbe zeigte: Bunt statt braun. Ein Großaufgebot der Polizei sicherte die gesamten Veranstaltungen ab. Storch Heinar brachte beim Demminer Friedensfest Stimmung an das Hanseufer. Die SPD-Akteure verhöhnten die Neonazis.

Demmin (gwa /gh) Als sich der Zug der Fahnen tragenden Neonazis der Demminer Peenestraße nähert, nimmt der Lärm zu. Durch Polizisten an den Straßenrand gedrängt, empfangen zahlreiche Gegendemonstranten mit Pfeifen, Rufen und Transparenten den von der rechtsextremen NPD organisierten Zug, der an dieser Stelle zum Hafen abbiegt. Dort veranstalten die rechten Gruppen am Mittwochabend wie bereits in Vorjahren einen sogenannten „Ehrendienst“ für die deutschen Kriegstoten.

Gegen den Aufmarsch, dessen Teilnehmerzahl die Polizei mit rund 250 Personen bezifferte, hatte es bereits in den vergangenen Monaten verschiedene Veranstaltungen des „Aktionsbündnis 8. Mai“ gegeben. Am Donnerstag erreichte das mit dem Friedensfest am Hafen und kleineren Aktionen im Stadtgebiet seinen Höhepunkt. Organisiert vom Aktionsbündnis, dem Verein I.G.E.L., der IG Metall, dem Regionalmuseum und der Landtagsfraktion Die Linke setzten sich Hunderte Menschen für ein demokratisches und buntes Demmin ein. Die Zahl dieser Gegendemonstranten schätzte die Polizei auf etwa 400 bis 500 Personen.

Buntes Friedensfest gegen braune Extremisten

Dabei boten die einzelnen Akteure ein buntes Programm am Hanseufer. Guido Fröschke von der IG Metall und selbst Demminer rief dazu auf, allen Opfern der Kriege Ehre zu teil werden zu lassen. „Die Alten müssen endlich über diese Zeit reden. Jetzt ist es höchste Zeit dafür.“ Zeitzeugen werden gesucht. Bürgermeister Michael Koch (CDU) machte deutlich, dass Demmin kein Nährboden für rechtes Gedankengut sei.

Bunt statt braun hieß es beim Friedensfest mit viel Musik. Storch Heinar von der SPD setzte noch eins drauf: „Wir zeigen der braunen Brut, wo der Frosch die Locken hat.“ Gefeiert wurde vor und auf der Bühne am Hanseufer, und sogar auf der Peene gab es Darbietungen.

Die gesamten Veranstaltungen sicherte ein Großaufgebot von Polizei ab. Mehr als 300 Beamte von Schutz-, Bereitschafts- und Kriminalpolizei waren im Einsatz, zudem kreiste der Polizeihubschrauber über der Stadt. Gegen 19.20 Uhr bildeten Gegendemonstranten an der Ecke Loitzer und Nikolaistraße eine Sitzblockade, die von der Polizei mit Fahrzeugen abgeriegelt wurde. Dabei sollen einige Beamte leicht verletzt worden sein. „Diese konnten ihren Dienst jedoch fortsetzen“, teilte die Polizeiinspektion Neubrandenburg mit.

Gegen 22.30 Uhr beschädigten nach ihrer Auskunft bislang unbekannte Täter mehrere Autos an einem Ort, an dem auch Teilnehmer des NPD-Aufzuges Fahrzeuge abgestellt hatten. Die Schadenshöhe wurde bislang nicht bekannt. Weitere Zwischenfälle gab es nicht.

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Brauner Ungeist

Ein Kommentar von Georg Wagner

Wer gehört hat, wie Sebastian Richter vom Bundesvorstand der Jungen Nationaldemokraten den mitten im Krieg von Friedenswillen faselnden Hitler zitiert und der Bundesrepublik Völkermord an den Deutschen durch „Umerziehung“ unterstellt hat, kann nicht mehr zweifeln: Hier karschierte der gleiche braune Ungeist, der ab 1939 die Welt mit Krieg und millionenfachem Mord überzogen hat. Nur gut, dass immer mehr Menschen sich dem entgegenstellen. Und zeigen: Wir wollen die neuen Nazis nicht, weder in Demmin noch anderswo.

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Neues Deutschland, 10.05.2013

Buntes Fest gegen braunen Marsch
Rechte Kundgebung in Demmin blockiert

Schwerin/Demmin (dpa/nd). Am Endpunkt des Todesmarsches aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück haben Spitzenpolitiker des Landes Mecklenburg-Vorpommern am Mittwoch an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 68 Jahren erinnert. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen von SPD, LINKE und Grünen sowie der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Wolf-Dieter Ringguth, legten im Schweriner Vorort Raben Steinfeld Kränze nieder. Der Todesmarsch war Anfang Mai 1945 in dem Ort angesichts des nahen Kriegsendes aufgelöst worden.

In Demmin fand am Abend ein Friedensfest statt. Damit reagiert das Bündnis »Demmin bleibt bunt« alljährlich auf eine Aktion von Neonazis, die in der Kleinstadt am 8. Mai einen Aufzug veranstalten. Ein Polizist sei dabei während einer Sitzblockade gegen den Aufzug der Rechten von einem Demonstranten angegriffen und leicht verletzt worden, teilte eine Sprecherin des Polizeipräsidium Neubrandenburg mit. Dem Beamten sei gegen das Knie getreten worden. Dieser sei anschließend aber weiter dienstfähig gewesen. In einer früheren Mitteilung war noch von mehreren verletzten Polizeibeamten die Rede gewesen.

Der Kundgebung der Rechten schlossen sich laut Polizei rund 250 Teilnehmer an. Das Bündnis »Demmin bleibt bunt« brachte bis zu 600 Menschen auf die Straße. Insgesamt seien die Veranstaltungen relativ friedlich verlaufen, sagte die Sprecherin weiter.

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Störungsmelder (blog.zeit.de), 9. Mai 2013

Kriegsverlierer auf der Straße
Von Theo Schneider

Europaweit wird das Kriegsende am 8. Mai feierlich begangen, wie hier in Berlin. Doch manche trauern dem Regime nach

Der 8. Mai wird europaweit als Ende des Zweiten Weltkrieges feierlich begangen. Mit Zeremonien, Kranzniederlegungen aber auch festlichen Aktivitäten wird dem „Victory Day“ bzw. in Deutschland dem „Tag der Befreiung“ gedacht. Doch dieser Tag lockt auch immer wieder die heutigen Anhänger des untergegangenen Nazi-Regimes auf die Straße: Für sie gilt der 8. Mai 1945 als „Tag der Schande“, an dem sie versuchen, ihre geschichtsrevisionistischen Thesen an die Öffentlichkeit zu bringen.

Größte Aktion der Rechtsextremen war gestern ein Aufmarsch von 250 NPD-Anhängern in Demmin (Mecklenburg Vorpommern). Unter ihnen befanden sich auch NPD-Landtagsabgeordnete wie Udo Pastörs. Seit 2006 suchen Neonazis an dem Tag die Hansestadt heim, um eine als „zentralen Ehrendienst“ genannte Versammlung in der Stadt abzuhalten und den „grausamen Verbrechen an unserem Volk“ zu gedenken. Es ist der sattsam bekannte Versuch, an einem deutschen Opfermythos zu stricken, der lediglich das „Unrecht“ der Alliierten kennt, aber von Holocaust und deutschen Verbrechen während des Weltkriegs nichts wissen will. Sinn des Ganzen ist, das verbrecherische Handeln Nazideutschlands auf eine Stufe mit denen ihrer Gegner zu stellen, um es dadurch zu legitimieren und zu relativieren. Anmelder dieses „Trauermarsches“ war der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Michael Gielnik aus Usedom, der bereits jetzt bis 2017 Versammlungen an dem Tag angemeldet hat.
Haben den Krieg verloren: 250 Neonazis verklären Geschichte in Demmin am 8. Mai © Sören Kohlhuber

Haben den Krieg verloren: 250 Neonazis verklären Geschichte in Demmin am 8. Mai © Sören Kohlhuber

Doch es gab auch Widerspruch zu den kruden Thesen und Protest auf den Straßen: Nach Polizeiangaben waren 500-600 Gegendemonstranten in Demmin unterwegs, beteiligten sich an einem zentralen „Friedensfest“ und blockierten zeitweilig die Route der Neonazis, deren Aufmarsch deswegen umgeleitet werden musste.

In Berlin versuchte die NPD ebenfalls den „Tag der Befreiung“ umzudeuten. Dazu störten rund 20 Neonazis aus Berlin und Königs Wusterhausen (Brandenburg) um NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke mit einer Kundgebung am „Deutsch-Russischen Museum“ in Karlshorst ein dort stattfindendes Fest. Das Museum befindet sich in dem Gebäude, in dem vor 68. Jahren die Wehrmacht die Kapitulationsurkunde unterzeichnete. Jedes Jahr findet dort anlässlich des 8. Mai ein Museumsfest mit Veteranen, internationalen Gästen und Zeitzeugen statt. Trotz der bekannten Taktik der NPD, Kundgebungen nichtmehr öffentlich zu bewerben um Gegenproteste zu erschweren, fanden sich kurzfristig über 50 Menschen ein, um gegen den rechten Auftritt zu protestieren. Daraufhin zog es die NPD weiter nach Königs Wusterhausen, um sich dort am Bahnhof als Opfer der Alliierten zu inszenieren.

In Berlin beschmierten Neonazis zudem in der vergangenen Nacht ein Sowjetisches Ehrenmal in Buch. Ein Passant stellte gegen 5.30 Uhr die Sprühereien in Form verschiedener Parolen, die den „Tag der Befreiung“ thematisierten, an dem Denkmal in der Wiltbergstraße fest und verständigte die Polizei.

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Nordkurier, Mi. 08. Mai 2013

Feldpost gibt keine Antwort auf Gewalttaten

Von Gudrun Herzberg

Das Kriegsende in Demmin 1945. Umgang mit einem schwierigen Thema. Von einer Historikerin erhoffen sich die Demminer Aufklärung. Aber so manches Archiv bleibt immer noch verschlossen.

Demmin.In einer Broschüre haben sich Mitarbeiter des Demminer Regionalmuseums und die Historikerin Dr. Elke Scherstjanoi vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin mit dem Einzug der Roten Arme in Demmin und den vielen Selbstmorden beschäftigt. Im Militärarchiv des Ministeriums für Verteidigung in Moskau hat sich Elke Scherstjanoi auf die Spur begeben, angeregt von Diskussionen in Demmin zum Kriegsende 1945. „Ich wollte etwas über die Hintergründe des Brandes in Demmin und der Selbstmorde erfahren“, sagte sie gestern Abend in einer Diskussionsrunde, organisiert vom Aktionsbündnis 8. Mai und dem Regionalmuseum. Denn die Archive sind jetzt für solche Nachforschungen freigegeben worden. Aber, es gab für die Demminer einen Wehmutstropfen. Denn Berichterstattungen über politische Stimmungen der Roten Armee, der russischen Soldaten beim Einzug in Deutschland, sind immer noch nicht zugänglich.
„Wir erfahren in den Archiven etwas über die Verluste der Truppen und Bewaffnungen, aber die Kampftagebücher sagen nichts darüber aus, wie die Haltungen, die Disziplin und die Motive der Roten Armee waren“, sagt die Historikerin. Das habe sie nicht zufriedengestellt. Auf der Suche nach Erklärungen für die Stimmungen der russischen Soldaten habe sie in Feldpost geschaut. „Wir wissen nach 70 Jahren des Kriegsendes immer noch zu wenig über die Stimmungen. Vieles ist noch voller Widersprüche“, so Elke Scherstjanoi. Denn die politischen Analysen der sowjetischen Politoffiziere, die es gegeben habe, seien noch unzugänglich. Darum bezog sie sich in ihrem Vortrag auf Feldpostforschungen. Hier werden die Deutschen als Bestien, blutrünstiges Raubtiere, gemein und hinterhältige Massenmörder bezeichnet. Und es wird von Reichtum gesprochen, den sich die Deutschen bei ihren Kriegszügen aus anderen Ländern angeeignet haben. So schreibt ein 39-jähriger russischer Offizier nach Hause, dass die Deutschen zum Kriegsende in Scharen mit ihrem Besitz die Städte und Dörfer verlassen. Die Stunde der Vergeltung sei gekommen. Fragen zum Aufruf, die deutschen Frauen zu vergewaltigen, bezeichnete die Historikerin als Spekulationen. Ein Loitzer berichtete, dass viele Tote bei Trantow und Rustow in der Peene schwammen. Erst nach der Wende konnte man darüber sprechen. Es bedarf Aufklärung und gemeinsame Gespräche.

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Nordkurier, Mo. 07. Mai 2013

Farbanschlag auf SPD-Büro

Staatsschutz schaltet sich in Ermittlungen ein
von Georg Wagner

Noch ist offen, ob der Angriff auf das neue SPD-Büro in der Hansestadt im Zusammenhang mit dem Aufmarsch am 8. Mai steht. Weil das Bürgerbüro einer Partei betroffen ist, werden die Ermittlungen vom Staatsschutz geführt.

Demmin. Die SPD-Kreistagsfraktion hat ihr Bürgerbüro noch nicht einmal offiziell eröffnet, da wird es schon Objekt eines Anschlags. Wie das Polizeipräsidium Neubrandenburg am Montag mitteilte, haben es bislang unbekannte Täter vermutlich mit einer sogenannten Softairwaffe beschossen.

Sowohl an der Schaufensterscheibe als auch an der Eingangstür seien wachsähnliche, farbige Anhaftungen festgestellt worden, die durch Farbpatronen aus einer derartigen Luftdruckwaffe entstanden sein könnten. Solche Waffen, die Farbpatronen verschießen, werden für taktische Geländespiele vewendet.

Die Tat ereignete sich laut Polizei im Zeitraum zwischen dem vergangenen Freitag, 19.30 Uhr, und Sonnabend, 10 Uhr. Zwar stellten die Beamten am Tatort keine Beschädigungen fest, jetzt laufen aber Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Waffengesetz. Weil das Bürgerbüro einer Partei betroffen ist, werden sie vom Staatsschutz geführt. Dieser werde schon beim kleinsten Anfangsverdacht auf politisch motivierte Kriminalität eingeschaltet, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums auf Anfrage des Nordkuriers.

Beamte hoffen auf Hilfe aus der Bevölkerung

Konkrete Anhaltspunkte dafür oder auf einen Zusammenhang mit dem geplanten Aufmarsch von Rechten und dem Friedensfest am Mittwoch gab es nach seiner Auskunft gestern jedoch nicht. „Diese Möglichkeit lässt man bei den Ermittlungen aber nicht außer Acht“, sagte er. Ebenso vernachlässige man nicht die Möglichkeit, dass der Farbanschlag vor dem Hintergrund der diesjährigen Bundestagswahl stehen könnte.
Jetzt hoffen die Beamten auch auf sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung. Diese nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0395 5582-2223 entgegen.

Die Geschäftsstelle der SPD-Kreistagsfraktion in Neubrandenburg hatte am Montag erst durch den Nordkurier von der Tat erfahren. Nach Auskunft ihres Geschäftsführers Ike Hagemann wird das Bürgerbüro, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Amtsgericht befindet, derzeit noch eingerichtet. Mitgenutzt wird es allerdings schon vom Demminer SPD-Ortsverein.

SPD hält politischen Hintergrund für unwahrscheinlich

Von den Farbspuren war am Montagnachmittag nichts mehr zu sehen. Sie seien leicht zu entfernen gewesen, erzählte Wolfgang Holst vom SPD-Ortsverein. Er hielt einen politischen Hintergrund der Tat jedoch für unwahrscheinlich.

Bislang wird die Hansestadt Demmin nach den Erkenntnissen des Staatsschutzes trotz vereinzelter, politisch motivierter Straftaten nicht als solcher Schwerpunkt eingestuft. Es lägen auch keine aktuellen Erkenntnisse dafür vor, dass in es in Demmin und Umgebung eine fest strukturierte rechtsorientierte Szene gäbe, so die Polizei. „Sehr wohl gilt festzustellen, dass im Bereich Demmin eine lose rechtsorientierte Szene existent ist, die vereinzelt mit der Begehung von Propagandadelikten in Erscheinung tritt.“

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Nordkurier, Di. 07. Mai 2013

Ein stiller Ort für das Gedenken
Von Georg Wagner

Immer wieder suchen Menschen die Gedenktafel für die Gefallenen in St. Bartholomaei auf.
Die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs rückt in Demmin die Gedächtniskapelle ins Licht der Erinnerung.

Demmin.Wenn Menschen die Demminer Kirche St. Bartholomaei besichtigen, dann verweilen sie häufig in der Südwestecke des Turmraumes. Dort hängt, was einst für viele Leid bedeutete: Tafeln mit den Namen der Gefallenen der napoleonischen Kriege, des deutsch-dänischen, des deutsch-französischen Krieges; goldene Schriftzüge auf schwarzem Holz, letzte Zeugen gewaltsamer Tode. Geradezu filigran wirken daneben die längsten Listen, die des Zweiten Weltkriegs.
Im Jahr 2002 wurde die aus Plexiglas gefertigte Tafel enthüllt. Die alten Holztafeln unter der Nordempore waren durch Wurmbefall und Feuchtigkeit brüchig geworden, zudem wurde dort die Ausstellung über Otto von Bamberg aufgebaut. Mit der neuen Tafel in der Gedächtniskapelle rückten die verstorbenen Soldaten aber auch mehr ins Blickfeld.
Das war ihnen zuvor in vier Jahrzehnten verwehrt worden. Zwar musste auch die DDR im Zuge der KSZE-Verhandlungen in den 1970er-Jahren den dauernden Bestand von Kriegsgräbern anerkennen, doch gab es eine klare Rangfolge im Tode. „An erster Stelle standen die Gefallenen der sowjetischen Armee, dann kamen die in Deutschland gestorbenen Kriegsgefangenen, an letzter Stelle die gefallenen deutschen Soldaten“, weiß Hartmut Mandelkow um einen Rundbrief des früheren DDR-Kulturministers Klaus Gysi.
Mandelkow hat sich als Archivar der evangelischen Kirchengemeinde Demmin intensiv mit der Materie beschäftigt und mehrere Ordner dazu im Archiv. Das geht zurück auf den früheren Demminer Superintendenten Dr. Herbert Achterberg, der sich nach dem Krieg als Vertrauenspastor um die Kriegsgräber im vorpommerschen Bereich kümmerte. „Er hat akribisch Buch geführt“, sagt Mandelkow. Achterberg bewahrte wohl manchen vor dem Vergessen.
408 Namen verzeichnete die Tafel in der Gedächtniskapelle bei der Enthüllung. Mittlerweile sind auf Anregung Angehöriger weitere dazu gekommen. Offensichtlich wissen es die Familien zu danken. Die Kapelle sei gut besucht, hat Hartmut Mandelkow festgestellt. „Fast immer stehen Blumen dort.“

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Nordkurier, Mo. 06. Mai 2013
Aktionstag der Demokraten am 8. Mai

Buntes Fest kontra braune Marschierer
von Georg Wagner

Nur rund eine Woche, bevor am 8. Mai 1945 in Europa der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, fiel ihm Demmin zum Opfer. Das Gedankengut, das den verlustreichsten aller bisherigen Kriege entfesselte, ist indes längst wieder Gegenwart – auch in Demmin.
Transparent_Demmin
An den Hauptzufahrtsstraßen wie hier an der Meyenkrebsbrücke in der Loitzer Straße kündigen bereits Transparente das Friedensfest am 8. Mai an.

Demmin. Abgezeichnet hatte es sich schon im vergangenen Jahr, jetzt tritt es ein: Die NPD und andere rechtsextreme Gruppierungen werden am 8. Mai wieder durch die Hansestadt Demmin marschieren. Nachdem sie vor einem Jahr durch zahlreiche, frühzeitig angemeldete Gegenveranstaltungen auf Seitenstraßen abgedrängt worden waren, hatten sie für fünf Jahre im Voraus Aufmärsche angemeldet (der Nordkurier berichtete). Dabei sei es auch geblieben, sagte Ordnungsamtsleiter Rainer Plötz auf Anfrage unserer Zeitung.
Damit stehen den Rechtsextremisten in diesem Jahr die Hauptstraßen zur Verfügung. Allerdings wird es auch wieder Gegenveranstaltungen geben, bei denen das Aktionsbündnis 8. Mai auch Unterstützung von außerhalb der Stadt erhält. So will die Bundestagsabgeordnete Heidrun Bluhm (Die Linke) kommen, haben die Grünen um die Landtagsabgeordnete Jutta Gerkan bereits ihre Teilnahme am Demminer Friedensfest angekündigt und einen Reisebus für Bürger organisiert, der von Neustrelitz aus über Neubrandenburg in die Hansestadt fährt.
Ebenso hat der Stubbendorfer „Hof Ulenkrug“ zur Teilnahme am Friedensfest der demokratischen Kräfte aufgerufen. „Neonazis äußern Geschichtsvergessenheit, Rassismus und Antisemitismus am radikalsten und, wie bekannt, in aggressiven Aktivitäten“, heißt es darin. „Damit dies nicht vergessen und verharmlost wird, wird der 8. Mai als Tag der Befreiung in Demmin gewürdigt, werden Friedensfest und die vielfältigen Aktionen gegen den Naziaufmarsch ein klares Bekenntnis zu Frieden und Demokratie sein.“
Aufrufe zur Teilnahme am sogenannten Ehrendienst gibt es im Internet aber auch aus der rechten Szene. Dort sprechen die Autoren von den „grausamen Verbrechen an unserem Volk“, an die in Demmin erinnert werde. Von dem, was dem Einmarsch der Roten Armee voranging, dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, dem Holocaust, den Gräueltaten von SS, Einsatzgruppen und auch der Wehrmacht mit Millionen Toten, ist darin nicht die Rede.
Gerade das Verbrechen dieses vom nationalsozialistischen Deutschland begonnenen Vernichtungskrieges aber schlug Ende April und Anfang Mai 1945 auch auf Demmin zurück, als es nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen zu Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung kam, die Stadt brannte und Hunderte Menschen sich das Leben nahmen, darunter ganze Familien.
Die in der offiziellen Geschichtsschreibung der DDR tabuisierten Ereignisse hat die Stadt schon in den 1990er-Jahren gemeinsam mit Historikern und Zeitzeugen aufgearbeitet. Seit einigen Jahren aber bemächtigen sich ihrer rechtsextremistische Gruppen für ihre Propagandamärsche und einseitige Geschichtsdarstellung, haben sich ebenso Gegenveranstaltungen demokratischer Kräfte etabliert.
Das wird jetzt wieder mit dem Friedensfest der Fall sein. Insgesamt seien für Mittwoch zahlreiche entsprechende Aktivitäten angemeldet, so Ordnungsamtsleiter Rainer Plötz, darunter auch ein historischer Stadtrundgang von 8.15 bis 19.15 Uhr. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei die Strecke etwas modifiziert, „damit nicht alle aufeinander treffen.“
Unterstützt auch vom Präventionsrat der Stadt Demmin, liegt der Schwerpunkt im Hafenbereich. Dort beginnt das Friedensfest unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Michael Koch (CDU) am Mittwoch um 17 Uhr. Bis gegen 22 Uhr gibt es Musik, Theaterdarbietungen, Kunst, Filme für Vielfalt, Demokratie und Zivilcourage, eine Straßenausstellung zum Massengrab sowjetischer Kriegsgefangener in der Woldeforst ebenso wie verschiedene Stände.
Von 18 bis 19 Uhr findet ein Friedensgebet statt, bereits um 17 Uhr beginnt laut Programm die Landtagsfraktion der Linkspartei im Hafenbereich am alten Schlachthof eine öffentliche Fraktionssitzung.

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Nordkurier, Di. 16. April 2013

Lieber juggern als in Blöcken marschieren

Eine 6. Klasse der Demminer Pestalozzischule hat Juggern schon ausprobiert und Spaß dabei gehabt.

Von Kirsten Gehrke

Jugger ist nicht nur ein Trendsport, sondern fördert auch Toleranz und Teamgeist. Wie, das wollen heute Initiatoren in Demmin zeigen.

Demmin. Am bundesweiten Aktionstag „Wir setzen ein Zeichen gegen rechts“ der Initiative „Wir für Demokratie“ beteiligt sich auch Demmin. Die LAG Arbeit, die Vereine Leben M-V und I.G.E.L. werden heute unter dem Motto „Fair spielen statt mitmarschieren“ am Luisentor/Pulverturm zwischen 12 und 20 Uhr den dynamischen Trendsport Jugger mit seinem Präventionspotential und Erfahrungen mit diesem Spiel in der Jugendarbeit vorstellen. „Jugger fördert in hohem Maße Fairness, Selbstkontrolle, Teamgeist, regelgerechtes Verhalten, Aufmerksamkeit, Beweglichkeit, tja, und auch Lebensfreude“, erklärt Roland Gorsleben vom I.G.E.L.-Verein. Ihre regelmäßigen Jugger-Treffen in Demmin seien strikt demokratisch organisiert. „Jeder in unserer Jugger-Runde hat das gleiche Stimmrecht, unabhängig von alter, Herkunft, Geschlecht oder Vermögen.“ Für viele Kinder und Jugendliche seien das völlig neue Erfahrungen. Es werde nicht nur das Spiel geübt, sondern auch, sich eine Meinung zu bilden, Toleranz zu üben, aufrichtig zu sein und Verantwortung zu tragen. „Wir bieten am 16. April folglich nicht nur Schau-Spiele zum Lernen und Mitmachen für Jedermann, sondern an unserem Aktionstisch auch kompetente Gesprächspartner“, so Gorsleben. Auch Literatur werde vorgestellt, so das Buch „Juggern statt Prügeln“.
Zudem wollen die Initiatoren erklären, welches Material man zum Juggern braucht. Vor Ort wollen sie sogenannte Pompfen bauen. Jugger, das ist eine Kombination aus Mannschafts- und Duellsport, die bewirkt, dass stets alle Spieler aktiv sind. Zwei Teams mit je fünf Spielern stehen sich gegenüber. Vier von ihnen tragen gepolsterte Schlagwerkzeuge, Pompfen. Der 5. Spieler, der Quick, befördert den Jugg – den Spielball – ins gegnerische Mal (Tor).
Die Teilnehmer des Aktionstages möchten die Demminer einladen, sich inspirieren zu lassen und mit ihnen zu diskutieren. „Lehrer, Sozialarbeiter, Bewährungshelfer, Eltern – sie alle können wertvolle Anregungen erhalten oder auch mit uns zusammenarbeiten“, so Gorsleben. Kinder und Jugendliche können sich begeistern lassen und das Demminer Team verstärken.

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Nordkurier, Di. 16. April 2013

Kunst wider die Leer-Räume

DEMMIN. Zerschlagene Glasbausteine einer Bushaltestelle, durch die von bizarren Bruchzacken gesäumten Quadrate fliegt der Blick in weites mecklenburgisches Wiesenland, durch einen Streifen Asphalt nur flüchtig gestört. Eine graue Blechwand voller Nazisprüche, wohl auch ein Wartehäuschen, „Komm zu uns“, hat eine ungelenke Hand mit Farbe oben drüber gesprüht. „Schäbige Objekte“ nennt Franz Riegel seinen Bilderzyklus, zu sehen in der am Sonnabend im Lübecker Speicher eröffneten Kunstausstellung „Art der Provinz“. Es sind aufreizende Fotos, und weil sie so „unkünstlich“ daherkommen, so scheinbar profan und nüchtern, sind sie es umso mehr. Wieder einmal erweist sich der sensible, unverstellte Blick des Zugereisten als Vehikel, dem Betrachter die Augen zu öffnen. Schäbige Objekte: Entwurzeltes in einer Kulturlandschaft, die viele Brüche in ihrem Dasein noch lange nicht verwunden hat. Und neue Leerräume wachsen. Ein Land entsiedelt sich. Mecklenburg, ein Sommermärchen? Nicht nur das.
Es wird interessant sein zu hören, wie der Fotograf das selbst sieht. Franz Riegel, der vor zehn Jahren aus Bayern übergesiedelt und heute in Klein Markow zwischen Neukalen und Teterow lebend, nimmt heute Abend an einer öffentlichen Podiumsdiskussion im Speicher teil. Sie ist einem sehr zeitgemäßen Thema gewidmet: Kunst & Demokratie. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr. tp

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Nordkurier, Mi. 10. April 2013

Mit Transparenten gegen NPD

von Georg Wagner

Demmin. Mit einem Bekenntnis zu einem weltoffenen und demokratischen Vorpommern haben gestern Nachmittag Mitglieder des Aktionsbündnisses 8. Mai am Demminer Luisentor gegen die NPD demonstriert. Diese hatte gleichfalls am Luisentor einen Infostand aufgebaut. Davon hatte das Aktionsbündnis laut eigener Auskunft zufällig Kenntnis erhalten und kurzfristig die eigene Aktion organisiert. Zeitweilig hätten sich daran bis zu zwanzig Personen beteiligt, hieß es vor Ort.

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Nordkurier, Mo. 08. April 2013

Die langen Schatten einer Waffenfabrik

von Thoralf Plath

Das Regionalmuseum will einen der dunkelsten Orte der jüngeren Demminer Geschichte in das öffentliche Gedächtnis der Stadt zurück holen: die einstige Heeres-Munitionsanstalt in der Woldeforst. Auch Kriegsgefangene mussten dort für den Endsiegwahn der Nazis schuften.

Verdrängte Geschichte: Über einem Teil der Demminer Woldeforst liegt bis heute ein dunkler Schatten. Die Nazis versteckten hier von 1941-45 eine ihrer geheimen Munitionsfabriken, in der auch Kriegsgefangene schuften mussten und umkamen.

Schon der Name klingt dunkel: Woldeforst. Erinnert ein bisschen an den finsteren Lord aus der Phantasiewelt von Zauberlehrling Harry Potter. Wer der Betonplattenstraße jenseits des Gewerbegebiets in Meyenkrebs folgt und den Abzweig nach Seedorf ignoriert, steht nach zwei weiteren Kilometern vor einem Schlagbaum und unmissverständlichen Schildern, die vor dem Betreten des videobewachten Geländes warnen: Hinter den Zäunen beginnt das Gelände der Gentas Baltic GmbH. Die Firma handelt hier seit 1998 mit ausgedienter Bundeswehrtechnik, baut Militärfahrzeuge für die zivile Nutzung um und hat dabei offenkundig nicht gern Besuch. Auch viele Einbrüche und Vandalismus mögen Gentas zu den martialisch wirkenden Sicherheitsmaßnahmen bewegt haben.

Die geheimnisumwitterte Aura des so abgelegenen wie weitläufigen Areals fördern die Zäune und Warnschilder eher noch. Denn das dem 260 Hektar großen Gelände mitten im dichten Mischwald nördlich von Demmin ist seit über 70 Jahren Sperrgebiet. Einst befand sich hier die Heeres-Hauptmunitionsanstalt, die „Muna“, wie die Demminer nur sagten. Nach dem Krieg nahm die Rote Armee alles in Beschlag und sprengte wochenlang Granaten, die Detonationswellen ließen die Luft kilometerweit erzittern. Holz aus dem Woldeforst war später in Sägewerken gefürchtet – wegen der Metallsplitter. Ab 1961 diente das Gelände dem Chemischen Dienst der NVA, der hier das Objekt „ChWL 15“ betrieb.

Die Reste der Muna-Bunker das erste Mal zugänglich

Vor allem in die Zeit als Munitionsfabrik der Nazis will das Regionalmuseum Licht bringen. „Es ist kaum etwas über diese Geschichte bekannt“, sagt Museumschef Hans Clemens. Zwei auf den ersten Blick sehr verschiedene Aspekte weckten sein Interesse: Zum einen arbeitete der Maler August Clüsserath dort offenbar als Techniker, kam auf diese Weise wohl überhaupt erst nach Demmin. Im Zuge einer geplanten Ausstellung von Werken des bedeutenden Moderne-Malers wäre dies ein noch unbekannter Aspekt. Ein zweiter: In der Muna mussten auch sowjetische Kriegsgefangene schuften, viele kamen dabei ums Leben. Im Zuge der Erforschung vergessener Orten der Stadtgeschichte will Clemens dieses Kapitel ausleuchten. Im Rahmen einer Veranstaltung am 8. Mai wird auch die Muna-Zwangsarbeit zur Sprache kommen.

Und vielleicht werden die Reste der Muna-Bunker in diesem Jahr sogar zum ersten Mal überhaupt für die Öffentlichkeit zugänglich. Clemens würde dort am Tag des offenen Denkmals gern eine Veranstaltung planen. Der Denkmaltag steht in diesem Jahr unter einem passenden Motto: „Ungeliebte Orte“.

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Nordkurier, Do. 04. April 2013

Hakenkreuz-Schmiererei an mehreren Gebäuden

von Kirsten Gehrke (kis)

Können die „Schmierfinken“ diesmal schnell gefasst werden, die in Demmin erneut unterwegs waren? Die Polizei hat jedenfalls eine heiße Spur.
Demmin

Es ist noch gar nicht lange her, da war die Fassade der Demminer Zilleschule beschmiert. Nun sind erneut Graffiti im Bereich der Schützenstraße entdeckt worden. Wie Polizeisprecher Andreas Scholz vom Polizeipräsidium Neubrandenburg auf Nachfrage sagte, ermittelt erneut der Staatsschutz der Kriminalpolizeiinspektion Neubrandenburg. Denn neben persönlichen Beleidigungen seien Hakenkreuze und der Schriftzug 88 mit schwarzer und pinkfarbener Farbe an Wände gesprüht worden.
Von den etwa 30 verschiedenen Motiven und Schriftzügen hätten fünf ein Hakenkreuz zum Inhalt gehabt, so Scholz. Die Polizei vermutet, dass die jetzt entdeckten Schmierereien auf das Konto ein und der selben Täter gehen. Hinweise auf mehrere Tatverdächtige hat die Polizei bereits, bestätigte Scholz. Wahrscheinlich haben die „Schmierfinken“ von Gründonnerstag bis Dienstag ihr Unwesen getrieben.
Laut Hansestadt wurden diesmal das Heizhaus der Stadtwerke, das Monument des Stadions der Jugend und das dazugehörige Materiallager sowie die Friesenhalle und die Pestalozzischule beschmiert. Wie Bürgermeister Michael Koch (CDU) erklärte, wurde nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen vor Ort ein Malerbetrieb beauftragt, die neuerlichen Schmierereien zu entfernen. „Das Monument des Stadions ist zum Schutz gegen derartige Schmierereien mit einer Silikonschicht versehen, so dass die Reinigung hier relativ problemlos erfolgen konnte“, so Koch. Kosten hat die Stadt trotzdem. Diesmal belaufen sie sich auf rund 500 Euro. Unterdessen werde von Seiten des Ordnungsamtes regelmäßig im Stadtgebiet kontrolliert, um gegebenenfalls derartige Schmierereien festzustellen.
„Dabei leisten die Stadtwächter, die gegenwärtig im Rahmen der Bürgerarbeit tätig sind, eine große Hilfe“, meinte Koch. Wenn verfassungsfeindliche Symbole auf Wänden oder woanders festgestellt werden, werde umgehend Anzeige bei der Polizei erstattet. „Gleichzeitig wird in der Regel immer Strafantrag nach § 86 a (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) und wegen Sachbeschädigung gestellt.“ In Beratungen des Präventionsrates der Hansestadt sei das Problem immer wieder Thema.

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Nachahmer abschrecken

Ein Kommentar von Kirsten Gehrke

Es stünde der Polizei gut zu Gesicht, wenn sie diesmal die „Schmierfinken“ von Demmin so schnell wie möglich fasst. Die Chancen stehen offensichtlich gut, haben die Beamten doch schon Hinweise auf Tatverdächtige. Ein schneller Erfolg könnte vielleicht Nachahmer abschrecken. Und auch die Stadt kann auf rechtes Gedankengut gern verzichten. Deshalb sollte jeder die Augen offen halten.

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Nordkurier, Mi. 03. April 2013

Schnee hält Jugger-Camp nicht auf

Regeln und Körper wollen beherrscht sein: Im Jugger-Camp lernten Kinder und Jugendliche den neuen Trendsport kennen.

Demmin/Zarnekla (kis) Sportler schrecken vor keinem Wetter zurück. Das haben sie im Ferien-Jugger-Camp in Zarnekla gerade erst wieder bewiesen. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung oder mangelnde Bewegung“, meint Roland Gorsleben, der über den Verein I.G.E.L zu diesen besonderen Osterferien eingeladen hatte. Die widrigen, steifen Brisen aus Nordost seien kein Hinderungsgrund für stundenlanges Pompfen gewesen. „Wann gehen wir wieder juggern, wurde meist noch während des vegetarischen Mittagessens im Warmen gefragt“, so Gorsleben. Noch einige Tage vor Ferienbeginn sei es fraglich gewesen, ob das Vorhaben wegen des Winterwetters glücken würde. „Einige besorgte Eltern sagten das Kommen ihrer Schützlinge ab.“
Das war die Chance für die Nachrücker auf der Warteliste. Denn die Spielfläche konnte vom Schnee beräumt werden, dank vor allem der Hilfe von Lea Sommer, die ein freiwilliges ökologisches Jahr im Verein absolviert. Dem Erlernen, Probieren, Spielen des Trendsports Jugger habe nichts mehr im Wege gestanden.
Tageweise bis zu 13 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 16 Jahren aus Greifswald, Klenz, Demmin, Buschmühl, Reinshagen und Kützerhof wollten sich an der frischen Luft bewegen und das außergewöhnliche Spiel kennenlernen. Sie hielten sich an die Regeln des Spiels, übten sich in Fairplay und erlebten Gemeinschaft, die sie selbst gestalteten – bei den Mahlzeiten, beim Vorlesen, Spielen und etwas beim Pompfenbau. Pompfen sind die schaumstoffgepolsterten Schlaggeräte, die zum Juggern dazugehören.
Am 16. April und am 8. Mai werde es voraussichtlich im Demminer Marienhain am Nachmittag wieder die Gelegenheit geben, Jugger zur Gänze kennenzulernen. „Wir werden unsere demokratische Herangehensweise an die Organisation erörtern und mit unseren Demminer Mitspielern zeigen sowie die präventive Wirkung des Spiels diskutieren“, so Gorsleben. Sie wollen Sozialarbeiter, Lehrer, Bewährungshelfer ermutigen, sich das anzuschauen und mitzumachen. „Wir sind für alle Fragen offen.“

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Nordkurier, Mi. 27. März 2013

Recherchen aus Militärarchiv

DEMMIN. (gh) Eine Broschüre über geschichtliche Daten zum 8. Mai 1945 in Demmin bringt das Regionalmuseum der Stadt heraus. Das Aktionsbündnis 8. Mai gestaltet zum 8. Mai wieder ein buntes Fest gegen den Aufmarsch der Neonazi. Bereits am 30. April ab 18 Uhr gibt es am Hanseufer eine Veranstaltung mit Elke Scherstjanoi vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin. Sie wird über ihre Recherchen zur Einnahme
Demmins durch die Sowjetarmee im Moskauer Militärarchiv berichten. An diesem Tag wird auch das Heft des Museums präsentiert.

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Nordkurier, Fr. 22. März 2013

Aktionsbündnis hofft auf Kinder

von Jana Otto

Demmin. Die Planungen zur Gestaltung des 8. Mai nehmen in der Hansestadt Demmin immer konkretere Formen an. Wie Kerstin Lenz vom Aktionsbündnis mitteilte, stehe das Programm, das von 17 bis 22 Uhr am Hafen dargeboten wird, bereits fest. Allerdings gibt es darüber hinaus auch noch ein paar strategische Überlegungen, die noch nicht geklärt sind.
„So sind wir noch nicht ganz sicher, welche Orte und Plätze darüber hinaus belegt werden sollen“, informierte Kerstin Lenz die Stadtvertreter auf der jüngsten Sitzung. Taktisch gesehen halte sie es für unklug, die gleichen Plätze wie im vergangenen Jahr zu besetzen.
Deshalb gingen die Überlegungen in die Richtung, statt des Bahnhofs und des Parkplatzes am Stadion besser das Louisentor und den Marienhain in den Aktionstag miteinzubeziehen. Unklar ist momentan auch noch, auf welcher Seite des Hanseufers das Programm ablaufen wird. „Wir wollen am Hafen feiern und nicht auf der anderen Seite. Ich denke, es wäre gut, wenn wir diesbezüglich gemeinsam auf das kreisliche Ordnungsamt Einfluss nehmen würden“, rief Kerstin Lenz auf.
Was fehlt, sind im Moment auch noch die Rückmeldungen aus den Kindertagesstätten und den Schulen der Stadt, inwieweit sie sich mit kleinen Programmen beteiligen könnten. „Wir hoffen, dass wir die erste halbe Stunde wieder mit Kindern ausfüllen können“.

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Nordkurier, Mo. 18. März 2013

Schmiererei: Ermittlungen dauern an

Demmin.Im Fall des Hakenkreuzes, das Unbekannte kürzlich auf eine Mauer der Demminer Zilleschule geschmiert haben, dauern die Ermittlungen an. Darüber informierte das Polizeipräsidium Neubrandenburg auf Anfrage. Wie es weiter mitteilte, gingen seit Anfang 2012 aus dem Zuständigkeitsbereich des Polizeihauptreviers Demmin zehn Strafanzeigen wegen Schmierereien mit verfassungsfeindlichen Symbolen des rechten Spektrums ein. Vier davon seien aber nur bedingt oder gar nicht öffentlichkeitswirksam geworden, da sie in leer stehenden Gebäuden aufgebracht waren. Aufgeklärt wurde bislang keine der Straftaten. Strafanzeigen wegen Schmierereien mit verfassungsfeindlichen Symbolen der linken Szene seien seit Anfang 2012 nicht registriert worden, hieß es weiter.gwa

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Nordkurier, Do. 14. März 2013

Hakenkreuz-Schmiererei ruft Staatsschutz auf den Plan

Von Georg Wagner

Trotz des jüngsten Vorfalls zählt Demmin nicht zu den Schwerpunkten bei derartigen Straftaten.

Demmin.Die Überraschung fiel böse aus: Auf die Wand der frisch sanierten Heinrich-Zille-Schule in Demmin war am Mittwoch vergangener Woche ein etwa 70 mal 70 Zentimeter großes Hakenkreuz geschmiert. Zwar wurde es gleich nach der Entdeckung entfernt, doch zurück blieb ein Sachschaden in dreistelliger Höhe. Wie in solche Fällen üblich, nahm der Staatsschutz die Ermittlungen auf. Denn bei derartigen Graffiti handelt es sich um das Zeigen verfassungswidriger Symbole in der Öffentlichkeit – ein Offizialdelikt.
In Demmin zählt das nach Einschätzung des Ordnungsamtes noch zu den Ausnahmen. Hakenkreuzschmierereien kämen nur selten vor, sagt Amtsleiter Günter Behnke. „In dieser Größenordnung hatten wir es lange nicht mehr.“
Eine Einschätzung, die das Polizeipräsidium Neubrandenburg bestätigt. Schmierereien wie an der Zilleschule kämen im Bereich Demmin sehr selten vor, sagt dessen Sprecherin, Madeleine Camin. „Demmin ist kein Schwerpunkt.“ Tauchen die Symbole aber in der Öffentlichkeit auf, dann setze sich die Polizei mit den jeweiligen Ordnungsämtern oder auch Hausmeistern in Verbindung, um sie entfernen zu lassen.
Soweit es sich dabei um kommunale Gebäude handelt, ist die Stadt dafür zuständig. Bei anderen Gebäuden werde der Privateigentümer aufgefordert, die Schmierereien umgehend zu entfernen. Bei ihren eigenen Liegenschaften aber lässt es die Stadt damit nicht bewenden. „Wir stellen dann auch eine Anzeige wegen Sachbeschädigung“, so Günter Behnke. Das gelte allerdings nicht nur für verfassungswidrige Symbole, sondern generell für Graffiti.

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Nordkurier, Mi. 13. März 2013

Mehr Licht um die Frau, „de de Paster mitbröcht harr…“

Zeitzeugin Frauke Pulkenat weiß viel über die Darguner Jahre von Cora Auerbach-Schröder und deren Tochter Nele zu berichten.

Von Gerald Gräfe

Demminer Musikschüler erforschen die jüdische Geschichte Darguns. Nun suchen sie am Klostersee nach einem würdigen Ort, um ihr Wissen vorzustellen.

Dargun/Demmin.Der jüdische Staat Israel ehrte 1978 den Komponisten Hanning Schröder als „Gerechten unter den Völkern“, als „Mann mit aufrechtem Gang“. Der Künstler, 1896 in Rostock geboren und 1987 in Berlin verstorben, war im Dritten Reich mit Berufsverbot belegt. Er durfte nichts komponieren, schreiben und veröffentlichen. Seine Ehefrau Cora Auerbach war so genannte Halbjüdin.
Sie und Tochter Nele überlebten die letzten Kriegsjahre im Darguner Pfarrhaus. In Berlin versteckte das Ehepaar zudem ein jüdisches Paar und rettete es vor der Deportation in ein Vernichtungslager. Fakten, die vor knapp drei Jahren der „Nordkurier“ schon einmal kurz vorstellte. Nun ist das Schicksal von Schröder und dessen Familie Thema eines deutsch-israelischen Schülerprojektes.
Nele Nienkarken, Malte Krüger und Florian Westphal haben gemeinsam mit ihrer Lehrerin Dr. Kathrin Werner die Biographien des Künstlerpaares erforscht. In Wort, Ton und Bild entstand eine digitalisierte Dokumentation, die in Schwerin und in Demmin vorgestellt wurde. Derzeit wird sie für eine Präsentation in Israel ins Englische übersetzt. In Dargun suchen die Schüler noch nach einem Ort, um ihre Forschungen bekannt zu machen.
Vieles wissen sie von Frauke Pulkenat, die als Tochter des vormaligen Darguner Pastors Johannes Rienau Einzug und Leben von Cora Auerbach-Schröder und deren Tochter Nele im Pfarrhaus erlebte: Damals hieß es, der kurz zuvor aus Hamburg nach Dargun gekommene Rienau habe eine Frau mit im Haus, „de de Paster mitbröcht harr.“ Dass es eine so genannte Halbjüdin war, das wusste keiner. Karl Pagels als Schulfreund von Schröder hatte diesem das Darguner Asyl vermittelt. Cora Auerbach-Schröder blieb bis 1953 am Klostersee, übernahm den Kantor- und Organistendienst, leitete den Kirchenchor, gründete und führte die Ortsgruppe des Kulturbundes, wissen die Musikschüler zu berichten.
Doch deren Projekt ist noch nicht abgeschlossen: Die heute „selten gespielten Stücke“ von Schröder wollen weitere Musikschüler im kommenden Monat mit Altersgefährten aus und in Israel einstudieren und in Haifa ein erstes Konzert geben. Gewissermaßen im Gegenzug, so die Betreuerin, werden die jungen Israelis im August nach Demmin kommen und die Stücke Schröders noch mal gemeinsam aufführen. Vielleicht können die Melodien dann auch in Dargun erklingen, könnte es sich Kathrin Werner vorstellen.

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Nordkurier, Mo. 11. März 2013

Birgt Freundin des Neonazis auch schon Gefahr?

Frauen und Rechtsextremismus war ein Diskussionsthema beim Aktionsbündnis 8. Mai. Juliane Lang aus Berlin referierte.
Von Gudrun Herzberg

Rechtsextremismus – Wo finden sich Frauen in dieser Szene? Sie sind oft noch unbemerkt im sozialen Bereich aktiv. Ein Berliner Forschungswerk klärt auf.

Demmin.Jeder fünfte Neonazi ist eine Frau. Aber dennoch bleiben sie unbemerkt in dieser Szene, engagieren sich im sozialen Bereich. Das Forschungswerk Frauen und Rechtsextremismus beschäftigt sich seit 12 Jahren mit diesem Thema.
Juliane Lang aus Berlin zeigte am vergangenen Sonnabend in einem Film und Diskussionsbeitrag die Gefahr auf, die von weiblichen Anhängern dieser Szene ausgeht.
Das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin hatte zu der Veranstaltung eingeladen. Sie ist Teil des Programm, mit dem das Aktionsbündnis dem Mißbrauch der Selbsttötungen am Kriegsende in Demmin durch die NPD begegnet und das Friedensfest am 8. Mai vorbereitet. Bei dem von der NPD Mecklenburg-Vorpommerns organisierten Aufmarsch in Demmin laufen immer auch Frauen mit.
Juliane Lang zeigte aus einer Statistik auf, dass Frauen von der Einstellung zu 50 Prozent dem der Männer im Rechtsextremismus entsprechen. 33 Prozent der Frauen stellen sich zur Wahl, 10 Prozent von ihnen sind gewaltbereit. „Zumeist sind sie aber die Zuschauenden, die Freundin des Neonazis und werden in die Mutterrolle gedrängt“, sagt Juliane Lang.
Aber sie seien in Elternräten und engagieren sich in Kitas, oft unbemerkt, da sie nicht als Neonazis auftreten. Den RNF (Ring nationaler Frauen) gebe es auch in Mecklenburg-Vorpommern. Sie organisieren Mütterfrühstück oder Kaffeekränzchen, organisieren Feste. „Es gibt in der NPD klare Männer- und Frauenrollen. Eine Frau kann sich zur Wahl aufstellen lassen, aber gibt es fähige Männer, muss sie zurücktreten“, erklärt Juliane Lang.
„Die Verfolgung unserer Familie zur Nazizeit ist von Frauen ausgegangen. Man sollte die Rolle der Frauen nicht unterschätzen“, sagte ein Besucher der Veranstaltung. Auch Roland Thoms, Stadtvertreter in Demmin, meinte, dass der Nationalsozialismus ohne Frauen undenkbar gewesen wäre. Wenn Frauen gebraucht wurden, standen sie ihren Mann. Kerstin Lenz, Stadtvertreterin, sagte, dass man bereits beim Aufmarsch der NPD im Jahre 2011 in Demmin bemerkt habe, dass auch Frauen in den vorderen Reihen marschieren und Transparente tragen. Präventionsarbeit sei darum zu leisten.
Die Aufklärung sei sehr wichtig und darum freute es sie auch, dass viele junge Leute diese Veranstaltung des Aktionsbündnis zu Frauen und Rechtsextremismus besuchten. Das Aktionsbündnis 8. Mai braucht Mitstreiter. Erreichen kann man die Akteure unter 8.mai@demmin.de oder im Demminer Regionalmuseum.

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Neues Deutschland, Do. 07.03.2013

Nazi-Schmiererei in Demmin

Demmin (dpa/nd). Nach einer Hakenkreuzschmiererei an einer Schule in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) hat der Staatsschutz die Suche nach den Verursachern aufgenommen. Ermittelt werde wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Wie die Polizei gestern weiter mitteilte, hatten die unbekannten Täter das Nazisymbol auf die Rückseite des Schulgebäudes gemalt. Den Tatzeitraum grenzt die Behörde auf Dienstag 16 Uhr bis Mittwoch 7.30 Uhr ein.

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Nordkurier, Do. 07. März 2013

Schulgebäude beschmiert

Demmin. Das gerade erst sanierte Schulgebäude in der Demminer Kahldenstraße haben Unbekannte in der Nacht zu Mittwoch beschmiert. Mit schwarzer Farbe wurde in 70 mal 70 Zentimeter großes Hakenkreuz an die Rückseite des Schulgebäudes gestrichen. Der Sachschaden liegt laut Polizei im dreistellen Bereich. Mitarbeiter der Stadtverwaltung Demmin haben bereits gestern Früh nach Anzeigenaufnahme bei der Polizei die Schmierereien beseitigt. Der Staatsschutz der Kriminalpolizei Neubrandenburg hat die Ermittlungen aufgenommen.

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Nordkurier, Mo. 04. März 2013

Aktionsbündnis lädt zu Fach-Vortrag

Demmin. (jot) Im Namen des Aktionsbündnisses 8. Mai Demmin lädt das Regionalmuseum der Hansestadt zu einer nächsten Veranstaltung. Am Sonnabend, dem 9. März, wird dazu Frauke Büttner erwartet. Im Blumenladen am Hanseufer wird die Berlinerin ab 10.30 Uhr einen Vortrag zum Thema „Frauen und Rechtsextremismus“ halten. Frauke Büttner arbeitet in einem gleichnamigen Forschungsnetzwerk, das von der Amadeu Antonio Stiftung unterstützt wird. Bevor der Vortrag beginnt, wird ein kurzer Film gezeigt, anschließend erhoffen sich die Veranstalter eine rege Diskussion.
„Dieses Angebot ist ein Teil des Programms, mit dem das Aktionsbündnis dem Missbrauch der Selbsttötungen am Kriegsende in Demmin durch die NPD begegnet“, informierte Hans Clemens, Leiter des Museums. Bei dem von der NPD Mecklenburg-Vorpommern organisierten Aufmarsch in Demmin laufen immer auch Frauen mit, sagt Clemens. Die Veranstaltung bietet deshalb die Möglichkeit, mehr über die Beteiligung und die Rolle von Frauen bei Aktivitäten und innerhalb von Organisationen des Rechtsextremismus zu erfahren. Darüberhinaus sollen aber auch eigene Beobachtungen diskutiert werden.

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Nordkurier, Mi. 20. Februar 2013

Geschichte gegen den Strich gebürstet

Tabu-Themen der Stadtgeschichte im Blick: Museumsleiter Hans Clemens in einem ehemaligen Gefängniskeller der sowjetischen Nachkriegs-Militärverwaltung.

Von Thoralf Plath

Das Regionalmuseum mischt sich ein. Auch in diesem Jahr hat es eine Reihe von Veranstaltungen auf dem Zettel, die für Diskussionen sorgen dürften. Museums- leiter Hans Clemens mag sie offenbar, die unbequemen Themen. Das Kriegsende in Demmin etwa.

Demmin.Geschichte anders sehen. Mit diesem Anspruch hat der Trägerverein das alte Kreisheimatmuseum vor drei Jahren übernommen. Die Veranstaltungen und Ausstellungen, die Petra und Hans Clemens als Leitungs-Tandem des Museums seither konzipierten, waren nicht jedermanns Geschmack, Altgewohntes zu ändern, dauert in Pommern halt seine Zeit. Aber das Regionalmuseum weckt auch bei immer mehr Demminern neues Interesse an Regionalgeschichte neu. Im vorigen Jahr erreichte das Museum nach eigenen Angaben mit seinen Veranstaltungen rund 3500 Besucher. Clemens sieht es als gute Basis: „Als wir das Museum übernommen haben, war die Besucherzahl auf einige Hundert runter. Uns war klar, dass wir mit einem neuen Konzept nicht gleich alle Rekorde brechen. Das Medium Museum ist langfristig angelegt, das ist einer unserer Ansätze.“
Ein weiterer: Die Museumsleute mischen sich ein, es greifen neue Themen und Aspekte der Regional- und Stadtgeschichte auf, vergessene wie verdrängte. Auch in diesem Jahr bürstet das Regionalmuseum Geschichte kräftig gegen den Strich. Zum Beispiel am 8. Mai. Begleitend zum Aktionstag gegen die Neonazis ist ein Diskussionsforum zu einem heiklen Thema geplant: das Kriegsende in Demmin aus sowjetischer Sicht. „Eine Historikerin hat in russischen Militärarchiven und Kriegstagebüchern geforscht und die Ergebnisse in einer Publikation zusammengefasst. Diese Arbeit wird die Autorin in Demmin vorstellen und mit den Gästen diskutieren“, kündigt Clemens an. „Wir wollen an diesem Beispiel ein Kapitel der Stadtgeschichte aus einer Perspektive beleuchten, die neu ist. Zur DDR-Zeit wurde das Thema ebenso einseitig dargestellt und im Sinne der sozialistischen Ideologie verklärt, wie die Geschichtssicht nach der Wende in das andere Extrem kippte, da ging es nur noch um das Schicksal der Demminer als Opfer. Was fehlt, ist eine ungefilterte Dokumentation aus sowjetischer Sicht“, sagt Clemens. Er erwartet einen spannenden, kontroversen Disput. Und erhofft sich in diesem Kontext auch eine weiterführende Diskussion etwa über die Umgestaltung des Barlachplatzes – wo man Anfang der 1990er Jahre den sowjetischen Gedenk-Obelisken abriss.
Auch in die diesjährige Kunstnacht am 27. April will sich das Museum einbringen – erstmals mit einem Gemeinschaftsprojekt mit Jugendlichen der Peenewerkstätten, die mit Fotos ihre Sicht auf die Hansestadt zeigen. Die Bilder sollen erst im alten Blumenladen im Hanseufer zu sehen sein, und danach noch in Schaufenstern der Innenstadt.
Zum Tag des offenen Denkmals Anfang September verhandelt Clemens derzeit um eine öffentliche Exkursion in das alte Armeeobjekt in der Woldeforst. Denn der Denkmaltag 2013 steht unter einem spannenden Motto: Ungeliebte Orte. Und in der Woldeforst liegen, bis heute hinter hohen Zäunen, die Katakomben der einstigen Munitionsfabrik – ein weiteres dunkles Kapitel Demmins.

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Nordkurier, Di. 05. Februar 2013

Fehlschuss von Dargun beispiellos

Die Namen der Gefallenen des Weltkriegs von 1914 bis 1918 sind am Ehrenmal aufgeführt.
Von unserem RedaktionsmitgliedEberhard Rogmann
Die Motivwahl für eine Zielscheibe entsetzt den Geschäftsführer der Kriegsgräberfürsorge.

Dargun.Das seltsame Gebaren von Sportschützen an der mecklenburgischen Landesgrenze löst in der Hauptstadt Schwerin verständnisloses Kopfschütteln aus. Dass jemand ein Ehrenmal für gefallene deutsche Soldaten zu einem Motiv für ein Zielscheibe macht, auf die dann scharf geschossen wird, das ist Karsten Richter noch nicht untergekommen. Ganz im Gegenteil, so betont der Geschäftsführer des Landesverbands Deutsche Kriegsgräberfürsorge, seien die hiesigen Schützenvereine geachtete Partner des Volksbundes. „Da muss jemand ganz gehörig in die Irre gegangen sein. Eine bedenkliche Gedanken- und Ahnungslosigkeit auch jener, die auf die Scheibe angelegt haben. Das erschreckt“, sagt der Landesgeschäftsführer.
Zwar habe es vereinzelt Übergriffe auf Denkmale gegeben, selten zwar und zumeist aus ideologischen Beweggründen. Bei Schützenvereinen könne er dies aus seiner bisherigen Erfahrung ausschließen. „Deren Mitglieder sind sehr traditionsbewusst und heimatverbunden. Wir haben als Volksbund ein sehr gutes Verhältnis zu diesen Vereinen. Die Kameraden sind vielfach aktive Spendensammler. Zahlreiche Vereine haben die Pflege von Kriegsgräbern in ihren Orten übernommen“, schildert Karsten Richter. Er warnt nach dem Vorfall in Dargun, über die Zunft pauschal den Stab zu brechen. Zumal man dort inzwischen notwendige Konsequenzen gezogen habe.
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Mo. 04. Februar 2013

Makabere Zielscheibe sorgt für Entsetzen

Diese Schützenscheibe sorgt nun für Ärger zwischen Teterower und Darguner Schützen.

Dargun/Teterow (eb)
Der Schuss ging voll nach hinten los. Mit einiger Verzögerung allerdings. Denn bei ihrem Silvesterschießen am 29. Dezember letzten Jahres waren die Mitglieder des Darguner Schützenvereins noch guter Dinge. Die Traditionsveranstaltung hat ihren besonderen Reiz: Jeder hat mit dem Vorderlader nur einen Schuss. Gewinner ist, wer direkt ins Zentrum trifft.

Das gelang Steffen Kalinowski. Doch viel Freude hat er an der Siegestrophäe nicht, die der Vorjahressieger Jürgen Winkler aus Teterow stiftete. Angelegt hatten die Schützen nämlich auf eine Scheibe mit dem Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, das auf dem Heidberg in Teterow steht, als Ziel.

Teterower fordern eine Erklärung aus Dargun

Bei den Schützen des Teterower Vereins ist das Entsetzen groß. In einem Brief fordern sie von den Darguner Sportschützen eine Erklärung für dieses makabre Verhalten. Darin heißt es: „Dieses Ehrenmal ist eine Gedenkstätte für unsere gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Die aufgeführten Soldaten sind durch Waffen umgekommen. Und jetzt wird auf dieses Bild mit Waffen geschossen. Wie respektlos muss man sein, eine solche Scheibe als Ziel zu gestalten? Wie gedankenlos, eine derartige Scheibe als Sportschütze zu benutzen?“

Der Schuss aus Teterow trifft die Darguner kalt. Am Freitagabend ist dies das beherrschende Thema einer Krisensitzung im Verein. „Wir hatten keine Ahnung. Keiner von uns kannte das Motiv“, beteuert der Vorsitzende Manfred Akmann gegenüber unserer Zeitung. Man bedauere den Vorfall sehr. „Wir bereiten ein Schreiben an den Schützenverein in Teterow und den Bürgermeister der Stadt vor, wobei wir den Sachverhalt erläutern und um Entschuldigung bitten.“

Damit nicht genug. Die 2012-er Scheibe werde überklebt, versichert Akmann. „Da kommt ein anderes Motiv drauf.“ Und eine weitere Schlussfolgerung kündigt der Vereinsvorsitzende an. „Wir werden uns im Vorstand künftig die Scheiben fürs Silvesterschießen zeigen lassen. Bisher war das immer auch eine gewisse Überraschung und wir hatten dem Stifter freie Hand gelassen. Damit ist Schluss.“ Mit dem Stifter der Unglücksscheibe aus Teterow werde er den Vorfall auswerten, setzt Akmann noch hinzu.

Wahl zwischen Hecht, Burgwall und Ehrenmal

Jürgen Winkler sieht sich von der Lawine, der er auslöste, überrollt. „Es tut mir im Nachhinein leid. Ich hatte mich bei der Auswahl des Motivs wirklich nur von einem Gedanken leiten lassen – etwas Typisches aus Teterow sollte es sein.“ Natürlich habe er da zuerst an den Hecht gedacht, doch diese Idee wieder verworfen. Auf Hechte schießt man nicht. Burgwall oder Marktbrunnen waren ebenfalls keine überzeugenden Optionen. Also blieb es beim Ehrenmal.

Winkler bestätigt die Aussage Akmanns, dass von den Dargunern keiner das Original kannte. Dass seine Wahl ein Fehlgriff war, bedauert der Teterower. Er zeigt sich indes enttäuscht, dass niemand ihn persönlich darauf hingewiesen habe. Einzig der Vorsitzende des hiesigen Heimatbundes, Dr. Christian Kunz, habe ihn auf den Fauxpas angesprochen.

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Erst denken, dann feuern!

Ein Kommentar von Eberhard Rogmann

Jäger zielen im Schießstand auf den laufenden Keiler. Die Scheiben der Sportschützen sind meist nüchterner: Konzentrische Kreise um ein schwarzes Zentrum. Kein Wunder, dass sie auch mal auf etwas Fantasievolleres anlegen möchten. Aber auf ein Denkmal mit scharfem Schuss feuern? Allein der Gedanke widerstrebt. Die Entschuldigung, man habe nicht gewusst, dass es sich um ein Denkmal handelt, macht das Ausmaß der Gedankenlosigkeit deutlich. Geschossen wird, sobald ein schwarzer Punkt in der Mitte ein Ziel markiert. Das bringt die ganze Gilde in Verruf. Die Teterower Schützen lassen sich mit ihrer Kritik indes weniger von Lokalpatriotismus leiten. Sie zeigen, wie weit Verantwortung reicht, wenn man eine Waffe in die Hand nimmt.

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Nordkurier, Do. 31. Januar 2013

Ägypter reist durchs Land

Demmin.Ein Kriegsdienstverweigerer aus Ägypten, der jetzt in Deutschland studiert, erzählt in einem Vortrag am 19. Februar über die Lage in Ägypten. Das Aktionsbündnis 8. Mai aus Demmin hat Maikel Nabil Sanad zu dieser Veranstaltung in die Hansestadt eingeladen.
Maikel Nabil Sanad berichtet differenziert über die Lage in Ägypten aufgrund seiner Aktivitäten in der Demokratiebewegung und seiner Arbeit zu Kriegsdienstverweigerung und Menschenrechte.
Er kritisierte die Rolle des ägyptischen Militärs während und nach der Revolution und berichtet über Menschenrechtsverletzungen. Er wurde von einem Militärgericht zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach mehreren Wochen Hungerstreik wurde er nach 10 Monaten Haft entlassen. Die Veranstaltung findet ab 19 Uhr in der Aula des Goethegymnasiums statt. gh

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Nordkurier, Do. 31. Januar 2013

Schweigen soll nun ein Ende haben

Dargun.Das lange in weiten Teilen des öffentlichen Lebens der Stadt vorherrschende Schweigen zur jüdischen Vergangenheit Darguns scheint 2013 ein Ende zu finden: Mehrere Vorhaben bzw. Aktionen wurden bekannt.
So wird mit jüdischen Künstlern am 9. November in Mahnung an die Reichspogromnacht von 1938 eine Veranstaltung in der vormaligen Synagoge stattfinden. Darüber informierte die Freikirche. Die Baugeschichte und vor allem die Architektur des bald 200 Jahre alten jüdischen Bethauses ist Thema eines Fachvortrages von Dr. Heidemarie Vormann am
9. Mai im Schloss. Veranstalter ist der Evangelische Kirchenbauverein Berlin, der dort seine 4. Interdisziplinäre Fachtagung veranstaltet.
Und über das Für und Wider von Gedenktafeln und Stolpersteinen soll auch im Darguner Parlament entschieden werden. Dazu bereiten die Fraktionen der Linken und der SPD einen Vorschlag vor, teilte Stadtvertretervorsteher Wilfried Hoebel (SPD) mit. gg

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Nordkurier, Sa. 26. Januar 2013

Gebinde erinnern an Opfer des Nationalsozialismus

von Georg Wagner

Demmin.Mit Blumengebinden an der Gedenkstätte auf dem Ernst-Barlach-Platz haben die Stadt Demmin und der Landkreis, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie der CDU-Ortsverband und Die Linke gestern an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Voran ging eine Gedenkstunde im katholischen Gemeinderaum. Dort erinnerte Bürgermeister Michael Koch (links im Bild) an die unmenschlichen Verbrechen des Nationalsozialismus, die 1933 mit dem Bau des KZ Dachau begannen und in die Vernichtungslager mündeten. Allein in Auschwitz seien mehr als eine Million Menschen umgebracht worden, sagte Koch. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Lager, wo nur 7600 Häftlinge überlebten. Im Jahr 1996 erklärte Bundespräsident Roman Herzog den Jahrestag zum nationalen Gedenktag.

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Nordkurier, Do. 17. Januar 2013

Stadt fit gegen braun

von Gudrun Herzberg

Demmin tut etwas gegen Nazis. Das Aktionsbündnis 8. Mai sorgt nicht nur im Mai für eine bunte Stadt. Plätze in Demmin werden gegen den rechten Aufmarsch besetzt.

Demmin. Seit 2009 engagieren sich Hansestädter gegen den Aufmarsch der Neonazis. „ Auch in diesem Jahr hat die NPD einen Aufmarsch in Demmin angemeldet. Dagegen müssen wir etwas tun“, sagt Georg Nikelski vom Aktionsbündnis. In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Akteure aus Vereinen, Verbänden und Firmen zusammengefunden, damit die Stadt bunt bleibt.
Verschiedene Orte in der Stadt werden dazu besetzt und am Hafen wurde immer ein großes Friedensfest gefeiert. Das gibt es auch in diesem Jahr wieder. Vor dem Lübecker Speicher sollen Stände und eine Bühne dazu aufgebaut werden. Aber auch die Flächen dahinter und gegenüber werden vom Aktionsbündnis besetzt und wurden beim Ordnungsamt es Landkreises bereits beantragt. „Wie sich das Ordnungsamt entscheidet, wissen wir noch nicht. Sicher ist aber, dass es wieder ein Fest gegen Rechts geben wird“, sagt Georg Nikelski. In den nächsten Wochen werden Flyer gedruckt, die dann überall verteilt werden sollen. „Bislang sind wir mit den Spendengeldern für das Fest immer ausgekommen“, meinte Herma Ebinger vom Stubbendorfer Verein. Sie wünscht sich allerdings, dass diese Aufgabe zu Fördermitteln und Finanzen künftig ein Demminer Verein übernimmt. Vertreter der evangelischen Jugend der Pommerschen Kirche entscheiden sich für eine Mahnwache und hoffen, dass weitere junge Leute sich ihnen anschließen werden. Sebastian Schulz vom Peenechor regt an, musikalisch einen Beitrag mit dem Chor zu leisten. „ Das müssen wir allerdings erst im Chor besprechen“, meint er. Die jungen Europäer, die Peene Werkstätten und auch die Bibliothek wollen Szände am Hanseufer besetzen. Repräsentanten der Region sollen angesprochen werden, sich öffentlich zu dem rechten Aufmarsch zu äußern. „ Eine Menge guter Ideen für unser Friedensfest sind schon zusammengekommen. Wir hoffen, dass es weitere Aktivitäten gibt“, so Georg Nikelski. Das Aktionsbündnis trifft sich am 14. März ab 18 Uhr wieder am Hanseufer zur Vorbereitung auf das Friedensfest.

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Nordkurier, Mo. 14. Januar 2013

Leiden dauert oft ein Leben lang

von Georg Wagner

Das Demminer Regionalmuseum und das Aktionsbündnis 8.Mai nahmen ihre Veranstaltungsreihe im Vorfeld des Jahrestages des Kriegsendes wieder auf. Am Sonnabend ging es um Vergewaltigungen im Krieg.

Demmin. Als die Rote Armee Ende April 1945 in Demmin einrückte, kam es nicht nur zu Plünderungen und Brandschatzung, sondern auch zu massenhaften Vergewaltigungen von Frauen. Doch weder Demmin noch die sowjetischen Soldaten stellten damit eine Ausnahme dar. Rund 1,2 Millionen deutsche Frauen wurden im Zweiten Weltkrieg Opfer sexueller Gewalt durch alliierte Soldaten, 200 000 Frauen sollen sich deshalb das Leben genommen haben, 300 000 Kinder wurden dabei gezeugt und es gab unzählige Abtreibungen.
Diese auf Hochrechnungen basierenden Zahlen nannte die Diplom-Psychologin Svenja Eichhorn am Sonnabend bei einer Veranstaltung im Demminer Hanseuferzentrum. Und sie stellte sie zugleich in den Kontext des gesamten Krieges. Denn wie in Deutschland wurden auch Frauen in den von Deutschen besetzten Gebieten Opfer von Vergewaltigungen durch deutsche Soldaten ebenso wie es massenhaft Vergewaltigungen on den Kriegen unserer Tage gab – von den jugoslawischen Bürgerkriegen bis zu den Kriegen in Afrika. An den Folgen wie beispielsweise posttraumatische Störungen haben die Opfer oft bis zu ihrem Lebensende zu leiden: an Störungen in der eigenen Sexualität, in der Beziehung zu Familienmitgliedern oder Fremden und in der allgemeinen Lebenszufriedenheit. Um ihnen zu helfen, brauche es unter anderem gesellschaftliche und politische Verantwortung etwa durch entsprechende Unterstützungsangebote, stellte Svenja Eichhorn fest.
Sie hat sich mit sexualisierter Gewalt im Krieg im Rahmen ihrer Diplomarbeit beschäftigt. Bei Themen wie dem der Vergewaltigungen allerdings stellt sich der Forschung mittlerweile auch der wachsende zeitliche Abstand in den Weg. In der DDR tabuisiert, in der Bundesrepublik vielfach über Jahrzehnte verschwiegen sind viele der Opfer heute nicht mehr am Leben. Nach einem Aufruf in den Medien meldeten sich bei Svenja Eichhorn und dem Team, in dem sie arbeitet rund 300 Personen aus acht Bundesländern. Daraus entstanden ab dem Jahr 2008 schließlich 27 Interviews, aus denen sie ihre Forschungsergebnisse ableiten. Teils erschütternde Aussagen, wie Svenja Eichhorn anhand von Auszügen aus einer dieser Befragungen zeigte.
Der Vortrag der Psychologin im Hanseuferzentrum zählte zu einer Reihe von Veranstaltungen, die das Aktionsbündnis 8. Mai und das Demminer Regionalmuseum jeweils im Vorfeld des Jahrestages des Kriegsendes veranstalten. In diesem Fall ging es um die Folgen für Deutschland aus jenem Krieg, der von Deutschland ausgegangen war. „ Wir müssen uns verständigen, wie wir mit Geschichte umgehen und sie an kommende Generationen weitergeben“, sagte Petra Clemens vom Regionalmuseum.
Daraus entwickelte sich eine rege Diskussion. Die Frage, was Soldaten zu einem derart gewalttätigen Verhalten gegenüber Frauen bringe, wurde darin ebenso aufgeworfen wie die nach dem gesellschaftlichen Verständnis. Auch heute spreche niemand davon, dass den betroffenen Frauen eigentlich eine Wiedergutmachung zustände. Zumindest eines aber hat sich seit dem zweiten Weltkrieg geändert. Seit 1949. so Petra Clemens, gelten Vergewaltigungen im Krieg als Kriegsverbrechen. „Das ist verhandelbar.“

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Nordkurier, Mo. 7. Januar 2013

Leserbrief von Karsten Behrens aus Demmin zu: Demminer Chronist nimmt „Ulanen-Unsinn“ aufs Korn

Über Namensänderung kann man nachdenken

Das Traditionsverständnis in einer Demokratie ist breit gefächert. Im Meinungsstreit um die Traditionspflege könnte es kaum einen besser geeigneten Ort als Demmin geben!
Sechzig Jahre war Demmin Standort einer Militäreinheit, so wie es hunderte Städte im In- und Ausland waren. Dass an diesem Zeitraum in angemessener Form erinnert wird. halte ich für längst überfällig und legitim.
Über die einzelnen Stücke des Ensembles an der Ostkaserne kann man weiter streiten.
Dafür nahm man sich vor Errichtung zu wenig Zeit. Auch über eine Namensänderung des Platzes könnte man nachdenken.

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Nordkurier, Fr. 28. Dezember 2012

Demmin-Chronist nimmt „Ulanen-Unsinn“ aufs Korn

Dass die Ulanenkanone direkt in Richtung Kirche (und Marktplatz) zielt, halten viele Demminer für keine gute Idee.

von Thoralf Plath

Nun kommt das Schießrohr doch noch groß raus. Karl Schlösser fährt im neuesten Band seiner „Fußnoten lokaler Geschichte“ schweres Geschütz auf, um auf die Ulanenkanone am Bebelplatz zu feuern. Mit spitzer Feder.

Demmin.Ausgerechnet in Demmin, wo im letzten, von den Deutschen angezettelten Krieg die halbe Stadt in Schutt und Asche sank, mit dem heutigen Wissen um Zusammenhänge und historische Folgen ein Denkmal aus der Zeit des Militarismus zu reanimieren – darauf muss man erst mal kommen. Dachte sich Karl Schlösser, als man im September auf dem Bebelplatz die Ulanenkanone aufstellte. „Ich hab erst gedacht, das ist wohl ein verspäteter Aprilscherz, ein ziemlich schlechter allerdings“, sagt der 78-Jährige. „Aber mit den Einfällen, die von den Demminer Oberen kommen, darf man ja nicht spaßen. In manchen Dingen legen einige in unserer Stadt leider einen sehr seltsamen Ernst an den Tag.“ Prompt holte Schlösser das fertige Manuskript von Band 5 seiner beliebten Lokalgeschichts-Reihe „Demmin – Die Andere Chronik“ aus der Druckerei zurück, um noch ein Kapitel anzufügen. „Hier feiert ein Spuk fröhlich Urständ, so etwas darf man doch nicht unkommentiert lassen.“
Stoff fand er reichlich in den Veröffentlichungen des Nordkurier zum Thema – auch im aktuellen Band zitiert Demmins geschichtsbewanderter Stadtspötter genüsslich-satirisch aus Zeitungsartikeln, um mit spitzer Feder blasiertes Lokalpolitikergeschwafel, bürokratische Winkelzüge und diverse „Fußnoten lokaler Geschichte“ aufzuspießen. In Band 5, er soll im Frühjahr 2013 in die Läden kommen, geht es unter anderem um „die neueste Kreisgebietsreform“, den demografischen Niedergang („Demmin schrumpft“) oder den Traum von einem privat finanzierten Nationalpark. In der Serie „Demminer Persönlichkeiten“ sind diesmal Mike Hartmann und der streitbare Nossendorfer Hans Jürgen Syberberg dran, und auch das Thema „Kaviar aus Demmin“ liefert dem Chronisten Munition. Und dann natürlich dieses Ulanendingsbums. Eben, die Kanone.
Eigentlich sei das ja alles ein wenig verwirrend, schreibt Schlösser eingangs. „Ich stehe mit dem militärischen Handwerk zwar nicht auf vertrautem Fuß, aber ich meine, Ulanen waren eine berittene Truppe und gingen nicht mit Kanonen um. Die Demminer doch? Oder nahmen es die Stadtgewaltigen nur nicht so genau?“ Das Andenken an die unseligen Kriegszeiten brauchten sie halt dringend: „Also musste flugs dies Denkmal her, mit Sekt und guter Laune eingeweiht.“ Er habe den Eindruck, schreibt Schlösser in seinem Sonderkapitel „Die Ulanen kommen wieder“, wenn man nur Geldgeber finde, könne man in Demmin ungestraft jeden Unsinn machen. „Auch gefährlichen.“
Für ihn zeugt das historische Geschütz von „völliger Instinktlosigkeit der Verantwortlichen.“ Dass die Kanone auf ebenjenem Platz stehe, der nach dem Sozialdemokraten und Kriegsgegner August Bebel benannt ist, mache die Sache noch absurder. „Das sei unsere Geschichte, verteidigen sich die Ulanen-Liebhaber. Das ist gedankenlos dahergeplappert. Alle unsere Kriege sind unsere Geschichte. Wann kommt einer darauf, auch dem Zweiten Weltkrieg ein ehrendes Denkmal zu setzen in Demmin?“ Mit dem Ulanengedenken werde Verklärung von einst unreflektiert wiederholt. „So liefert man ungewollt den Rechten Munition.“

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Nordkurier, Fr. 14. Dezember 2012

Jetzt wird die Ulanenkanone vollends zum Politikum

von Toralf Plath

Da hat es Demmins Stadtvertretung wohl etwas auf dem falschen Fuss erwischt am Mittwochabend – so jetzt mal rein einwohnerfragentechnisch gesehen. Im Rathaussaal nahmen diesmal nämlich auch drei Mitglieder des Aktionsbündnisses 8. Mai Platz, und die meldeten sich auch gleich zu Wort in besagter Frage“stunde“. Was denn die Abgeordneten zu tun gedenken, damit Neonazis im nächsten Jahr nicht wieder mit Fackeln durch Demmin marschieren am 8. Mai? Die Stadt werde natürlich wieder ihren Beitrag leisten zu dem Protest gegen die Naziaktion, gab Stadtvertreterpräsident Eckhard Tabbert zurück, die Unterstützung des Aktionsbündnisses sei schon dadurch gegeben, dass Stadtvertreter dort mitarbeiteten. Das klang wie gestempelt, diese Antwort hätten sich die engagierten jungen Menschen auch selbst geben können, doch was sollte Tabbert auch sagen.Die Kommune scheint rechtlich schlichtweg nicht in der Lage, diesen braunen Spuk kurzerhand zu verbieten, und das ist ein Armutszeugnis für diese unsere Gesellschaft.
Die zweite Frage des Aktionsbündnisses wird die Stadtvertretung noch einmal beschäftigen. Denn die jungen Leute wollten wissen, wie nach den Diskussionen um das umstrittene Ulanenegeschütz denn nun dort weitergehen sollauf dem solcherart verunstalteten Bebelplatz. Präsident Tabbert gab die Frage weiter in die Fraktionen – wie aus der Kanone geschossen sozusagen. Wir sind gespannt wie die Flitzbögen, was den Stadtvertretern zu dem Thema einfällt.

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Nordkurier, Mo. 19. November 2012

„Ein Tag gegen das Vergessen“

Am Grab der Kriegsopfer legten gestern Vertreter der Stadt, der Bundeswehr und Vereine Blumen zum Gedenken nieder.

Von Gudrun Herzberg

Im Gedenken an die Opfer der Kriege und Gewaltherrschaft wurden Kränze am Massengrab auf dem Demminer Friedhof niedergelegt. Der Volkstrauertag ist ein Tag gegen das Vergessen.

Demmin.Propst Gerd Panknin hält einen Stein in der Hand, er sammelt Steine, von vielen Orten. Auch vom Konzentrationslager in Auschwitz. „Die Steine sind für mich Erinnerung und geben einen Anstoß zum Nachdenken“, sagte er gestern anlässlich des Volkstrauertages in seiner Rede. Einen der Steine habe er bei einem Besuch mit Jugendlichen in Auschwitz gefunden und mitgenommen. Besagter Stein erinnert ihn an das Leid jüdischer Menschen, die in Konzentrationslagern umgebracht wurden. „Es ist ein Stein des Fragens angesichts des Bösen, und heute ist ein Tag gegen das Vergessen“, sagt Gerd Panknin.
Ihn habe sehr erschüttert, dass in Greifswald die Stolpersteine, die an jüdischen Menschen erinnern, rausgerissen wurden. „In Demmin gibt es die Stolpersteine noch“. Und Propst Gerd Panknin erinnert an die vielen Vertriebenen, die ihre Heimat verlassen mussten. Nach 67 Jahren Frieden haben viele von ihnen auch in Demmin eine neue Heimat gefunden. Es gehe aber darum, nicht zu vergessen, was in der Gewaltherrschaft und den Kriegen passiert sei. Aus diesem Grunde werden in jedem Jahr zum Volkstrauertag Kränze und Blumen zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt auch auf dem Demminer Friedhof niedergelegt. Diesmal gedachte man besonders der Demminer Opfer und legte am Massengrab Blumen und Kränze nieder.
„Wir wechseln das in jedem Jahr, einmal gehen wir an die Gräber der gefallenen Soldaten und dann ans Massengrab“, erklärte Ernst Wellmer, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Im Altkreis Demmin gibt es 61 Kriegsgräberstätten in 52 Orten mit 1903 Einzelgräbern und 20 Sammelgräbern. Insgesamt liegen auf den Friedhöfen des Altkreises 3413 Kriegstote. Ein Ortsverband Demmin des Volksbundes war bereits 1926 gegründet worden. Im Mai 1991 nahm dieser als erster Verband in Mecklenburg-Vorpommern nach 57 Jahren Unterbrechung unter Leiter von Ernst Wellmer die Arbeit wieder auf. Der Kreisverband Demmin arbeitet seit 2006, unter dem Vorsitz des Demminer Bürgermeisters Michael Koch. Allein in Demmin gibt es auf dem Friedhof in der Jarmener Straße, dem Barlach-Platz, dem Friedhof Vorwerk und im Ortsteil Wotenick 1178 Einzelgräber mit 1245 Toten sowie ein Sammelgrab mit 701 Kriegsopfern, insgesamt also 1946 Kriegstoten. „Wir haben also eine ganz besondere Verantwortung und nehmen diese auch wahr“, so Ernst Wellmer. Finanziert werde die Pflege der Gräber über Spendenaktionen und Benefizkonzerten in jedem Jahr.

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Nordkurier, Do. 15. November 2012

Ideen mit Davidstern, Wasserspielen und Café

Das zentrale Haus in allen Modellen ist die Synagoge. Die Studenten gehen in allen Varianten davon aus, dass das Haus Basepohler Straße 7 (jeweils rechts im Bild) dazu gehört. Für den jetzigen unbefestigten Parkplatz (jeweils links oben) werden kleine Parks, Stellflächen oder ein Labyrinth vorgeschlagen. Auf dem Bild unten rechts ist deutlich der Davidstern zu erkennen.

Von Eckhard Kruse

Wie es in ferner Zukunft einmal an der Synagoge in Stavenhagen aussehen könnte, darüber machten sich 16 Studenten
der Hochschule Neubrandenburg Gedanken.

Stavenhagen. Noch ist der Fachwerkbau der ehemaligen Synagoge in Stavenhagen nicht saniert. Immer noch sieht er mächtig einsturzgefährdet aus. Und die Bauarbeiten sollen auch erst am 7. Dezember beginnen. Dennoch schaut der Verein „Alte Synagoge“ Stavenhagen mit wissenschaftlicher Hilfe schon in die ferne Zukunft. Denn nach der Sanierung soll erst einmal eine Dauerausstellung mit jüdischen Autoren und Wissenschaftlern eingerichtet werden. Erst dann kann man genauer über eine Verknüpfung mit der Brandruine Basepohler Straße 7 und eine Gestaltung nachdenken.
Als Visionäre ertüchtigten sich 16 Studenten der Hochschule Neubrandenburg gemeinsam mit ihrer Professorin Dr. Elke Mertens. In Zweierteams zerbrachen sie sich auf Bitte des Vereins die Köpfe und ließen binnen zweier Wochen acht Modelle einer Umfeldgestaltung entstehen. Das Ergebnis ist jetzt bis Dezember in der Stadtbibliothek zu bewundern. Bei einigen Modellen haben die Studenten den Wunsch der Stadt berücksichtigt, weitere Parkplätze in der Innenstadt zu schaffen. Andere verschwendeten keine Gedanken an die Autos und ließen kleine Parks entstehen.
Christin Dupke setzte mit ihrem Kommilitonen ein Labyrinth in ihr Zukunftsmodell. Sie zeigte auch die anderen Arbeiten. Dabei gibt es Varianten mit Wasserspielen. Andere Studenten arbeiteten jüdische Symbole ein. So wurde der Davidstern ins Pflaster integriert oder als weiträumige Treppe gestaltet. Der neunarmige Chanukka-Leuchter ist in Form von neun Stelen zu entdecken. Und schwarze Senken erinnern bei einem Plan wie am Jüdischen Museum in Berlin an die Löcher, die der Holocaust in der deutschen Gesellschaft hinterlassen hat.
Die Professorin war sehr dankbar über diese außergewöhnliche Aufgabe für ihre Studenten. „Wir hoffen, einen Beitrag geleistet zu haben, wenn nach der Sanierung des Gebäudes die Frage ansteht, wie es weitergeht.“ Ob die Pläne einmal von den Architekten ganz oder teilweise übernommen werden, diesstehtindenSternen.
Vor einer Freiraumgestaltung müssen auch erst Abstimmungen mit der Grundstückseigentümerin getroffen werden, ob sie für solche Gestaltungen auf ihrem Areal grünes Licht geben würde. Denn der Verein hat nur einen Pachtvertrag für die Fläche unter der Synagoge geschlossen. Auch die Eigentumsverhältnisse um die Basepohler Straße 7 sind noch nicht bereinigt.

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Nordkurier, Mi. 14. November 2012

Punks beschenken den Geheimdienst

von Gabriel Kords

Einfach mal Danke sagen: Das wollten die Jungs der Loitzer Punk-Band „Feine Sahne Fischfilet“ beim Verfassungsschutz. Und dort fand sich tatsächlich jemand, der ihr Geschenk entgegennahm.
So viel Humor muss man erst einmal haben: Roland Vogler-Wander vom Innenministerium nimmt einen Präsentkorb von der Loitzer Band „Feine Sahne Fischfilet“ entgegen. Die Band wollte sich für den Medienrummel um ihr neues Album bedanken, der durch eine Erwähnung im Verfassungsschutzbericht des Ministeriums ausgelöst worden war.

Schwerin/Loitz/Jarmen (gab)
Die Erwähnung der Band im Jahresbericht des Landesamts für Verfassungsschutz kam für die Musiker nämlich letztlich nicht ungelegen. Der Medienwirbel um die vermeintlich „gefährlichste Band Vorpommerns“, so die Schlagzeile unserer Zeitung, hat die Verkaufszahlen des neuen Albums „Scheitern und Verstehen“ in die Höhe steigen lassen; es muss nachproduziert werden.

So wollten Frontmann Jan Gorkow aus Jarmen und der Chef des Plattenlabels, Artur Schock, dem Verfassungsschutz am Dienstag zum Dank einen Präsentkorb überreichen. Gorkow sagte: „Weil wir ehrenwerte Kaufleute sind, wollten wir uns auch noch mal persönlich mit Handschlag bei dem Laden bedanken. Und weil man von warmen Worten allein nicht satt wird, haben wir ein Geschenk mitgebracht. Einen herrlichen Präsentkorb mit Leberwurst, Filterkaffee, grünen Bohnen und anderen Leckereien. Um dem ganzen noch eine persönliche Note zu geben, haben wir noch die aktuelle Ausgabe des Antifaschistischen Infoblattes (Titel: V-Leute und Aktenvernichter), unser Hit-Album und eine schöne Dankeskarte mit einer Giraffe drauf beigefügt.“

Nach anfänglichen Irritationen nahm Roland Vogler-Wander, Sprecher des Innenministeriums, zu dem der Verfassungsschutz gehört, den Präsentkorb entgegen – nicht ohne Heiterkeit, wie berichtet wurde. Er habe das Geschenk an den Verfassungsschutz weitergeleitet, ließ er auf Nachfrage wissen. Wie es dort ankam, ließ sich allerdings nicht ermitteln.

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Nordkurier, Sa. 10. November 2012

Fassungslosigkeit über Stillschweigen in der Stadtvertretung

Das 1823/24 errichtete Fachwerkhaus mit Synagoge und Lehrerwohnung ist eines der wenigen noch erhaltenen Zeugnisse der jüdischen Gemeinde Darguns.

Von Gerald Gräfe

Sang- und klanglos verlief gestern die Wiederkehr der Reichspogromnacht in Dargun. Auch das Erinnern an die Juden der Stadt durch die Baptisten fiel aus.

Dargun.Stille gestern Abend in und rund um die alte Synagoge in Dargun. Nur gelegentlich erhellte ein wenig Feuerschein die Fachwerkfassade: Der Fackelumzug der Karnevalisten streifte das Bauwerk der Darguner Juden. Die jährliche Veranstaltung der Baptisten – der jetzigen Eigentümer des vor bald 200 Jahren errichteten Bethauses – fiel aus.
Gemeindevorstand Rainer Brack hatte wohl Ideen für eine Ehrung zur Wiederkehr der Reichspogromnacht von 1938. Einen jüdischen Schriftsteller und jüdische Musiker hatte er geladen. Doch diese sagten ab – mit Verweis auf den Sabbat. Der ist von Freitagabend bis Samstagabend verbindlicher Ruhetag für gläubige Juden. Ab dem Abend wird nicht mehr gearbeitet. Das musste auch Brack erst noch erfahren und dazulernen. Doch nächstes Jahr, da werde es wieder eine Ehrung in dem geschichtsträchtigen Haus geben, versichert der Mann.
Bewahrt werden soll das Andenken an die jüdischen Mitbürger Darguns – der erste wurde 1734 erwähnt, die letzten Juden „verschwanden“ 1942 ins Ghetto von Theresienstadt – im Rathaus. Jüngst wurden Kopien der in den USA lagernden Briefe der vor 70 Jahren in ihren sicheren Tod deportierten Ida Mitau bestellt (der „Nordkurier“ berichtete).
Und es gibt ein deutsch-israelisches Schülerprojekt, den Spuren von Darguns Israeliten nachzugehen. Dabei könnte es zur Wiederaufführung von Stücken des Musikers Hanning Schröder kommen. Dessen halbjüdische Ehefrau Cora Auerbach überlebte die letzten Jahres des Dritten Reiches im Pfarrhaus. Für Pastor Johannes Rienau komponierte Schröder Stücke zum Gottesdienst um, erinnert sich Frauke Pulkenat als Tochter des Geistlichen.
Ansonsten aber tut man sich in der Stadt mit dem Erinnern an seine jüdischen Mitbürger schwer. Keine Gedenktafel oder Stolpersteine. Diesbezügliche Vorschläge von Bürgern blieben unbeantwortet. Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann (Die Linke) regte bereits zweimal eine Diskussion im Parlament an. „Keine Positionierung erfolgt“, ist seine Erfahrung. Dass ein dritter Anlauf Früchte trägt, mag er schon nicht mehr glauben. Es sei denn, eine Initiative oder Fraktion werde hier einmal eigenständig laut.
Fassungslosigkeit über das Schweigen der Stadtvertreter aller Fraktionen macht sich in mehreren Anfragen von Bürgern in der Stadtverwaltung und bei Lesern des „Nordkurier“ laut: „Das geht doch nicht, dass unsere Stadtvertreter dazu gar keine Meinung haben“, schüttelt Renate Schaefer ihren Kopf.

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Nordkurier, Sa. 10. November 2012

Blumen erinnern an Leiden der jüdischen Mitbürger

Mit Blumen gedachten Stadt und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gestern auf dem Jüdischen Friedhof in Demmin der Opfer der Reichspogromnacht.

Demmin. Als in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 die von den Nationalsozialisten organisierte Gewalt über die jüdischen Mitbürger in Deutschland hereinbrach, lebten in Demmin nur noch vier Menschen jüdischen Glaubens. Verschont blieben sie deshalb nicht. Auch gegen sie gab es Ausschreitungen, während in ganz Deutschland mehr als tausend Synagogen von SA und SS in Brand gesteckt, tausende jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüstet und zahlreiche Juden umgebracht oder in Konzentrationslager verschleppt wurden.
Das von den Nazis als „spontaner Volkszorn“ apostrophierte planmäßige Pogrom war der Auftakt zum Völkermord an den europäischen Juden. Gestern gedachten Vertreter der Stadt Demmin auf dem jüdischen Friedhof der Opfer der Pogromnacht. „Die Verbrechen des Nationalsozialismus am jüdischen Volk waren und sind in der Geschichte der Menschheit eine Katastrophe nicht gekannten Ausmaßes; ein hassgetriebener systematischer Völkermord infolge des Verlustes jeglicher Moral und Menschlichkeit“, sagte Vize-Bürgermeister Kurt Kunze. Er vertrat bei der Zeremonie Bürgermeister Michael Koch, der gegenwärtig an einer landesweiten Katastrophenschutzübung teilnimmt.
Kunze warnte auch vor einem Relativieren der nationalsozialistischen Verbrechen, die Hemmschwellen antisemitischer Tendenzen in unserer Gesellschaft in gefährlicher Weise absinken ließen. „Intoleranz und Gewaltbereitschaft müssen wir daher mit aller Macht entgegentreten“, sagte er. Dass es diesen Ungeist auch in Demmin gibt, hatte sich gezeigt, als hier Stolpersteine verlegt wurden. Damals hatten Unbekannte im Vorfeld ehemalige Wohngebäude jüdischer Mitbürger beschmiert. gwa

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Nordkurier, Fr. 09. November 2012

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