Hier folgen jetzt mehrere Presseberichte chronologisch sortiert aus verschiedenen Zeitungen.
Nur einen Teil der erschienen Artikel wurden hier dokumentiert.

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„Nachhilfe-Unterricht benötigen wir nicht“

Nordkurier, 11. Mai 2012

Demmin.Bis zum Jahr 2017 hat die rechtsextreme NPD Veranstaltungen zum 8. Mai in Demmin angemeldet. Unser Redaktionsmitglied Georg Wagner fragte Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) nach einer Stellungnahme.

Herr Wellmer, am 8. Mai nahmen gut 200 Personen aus dem rechten Spektrum an der Demonstration der NPD teil. Auf der anderen Seite waren rund 500 Menschen bei den Gegenveranstaltungen. Wie sehen Sie das?
Zunächst einmal bin ich dankbar dafür, dass in Demmin am 8. Mai wieder sehr deutlich gemacht wurde, dass rechtes Gedankengut mit all seinen Facetten hier keinen Nährboden hat. Mit unseren Gedenkstunden und Kranzniederlegungen erinnern wir regelmäßig an die Millionen Toten der Kriege und das Leid Hunderter Demminerinnen und Demminer im Mai 1945. Darüber hinaus haben wir nach der politischen Wende die leidvolle Demminer Geschichte aufgearbeitet und sind weiterhin dabei. Nachhilfeunterricht von Seiten der NPD benötigen wir dabei allerdings nicht. Nichts wird bagatellisiert, nichts beschönigt.

Die NPD hat für die nächsten fünf Jahre Demonstrationen in Demmin zum 8. Mai angemeldet. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Was die Anträge zu „Öffentlichen Versammlungen“ bis zum Jahre 2017 anbelangt, sind sie zunächst auf ihre Rechtmäßigkeit zu prüfen. Sollte das Versammlungsgesetz hier Lücken aufweisen, sind diese schnellstens zu schließen. Es kann doch nicht sein, dass die Stadt und ihre Bürger auf lange Dauer in ihren Rechten beschnitten werden, was die Nutzung der öffentlichen Straßen und Plätze anbelangt. Außerdem darf bezweifelt werden, dass so langfristig im Voraus alle Voraussetzungen bekannt sind und gewährleistet werden können, ohne die dann aktuellen Gegebenheiten zu kennen. Darüber hinaus zeigt sich jetzt, wie wichtig die Satzung der Hansestadt zur Verfahrensregelung über die Werbung für politische Zwecke war. Sie schiebt dem Missbrauch des Versammlungsrechtes zumindest teilweise einen Riegel vor.

Was will die Stadt nun tun?

Wir werden im Präventionsrat und mit allen demokratischen Kräften innerhalb des Aktionsbündnisses die Situation erörtern und Strategien entwickeln. Außerdem habe ich den Innenminister gebeten, die Gesetzeslage zu überprüfen. Fakt ist: Wir werden auch zukünftig deutlich zum Ausdruck bringen, dass wir die Lehren aus der Geschichte gezogen haben.

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Der 8. Mai darf nicht den rechten überlassen werden

Nordkurier, 10. Mai 2012
Kommentar von Georg Wagner

Der 8. Mai ist in Demmin ein Tag mit vielen Seiten. Er ist der Tag, an dem 1945 in Europa der zweite Weltkrieg endete und die Alliierten das Land von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft befreiten; der Tag an dem der Millionen Toten gedacht wird, die diese Herrschaft mit Krieg und Völkermord zu verantworten hat; er ist in Demmin aber auch der Tag, an dem jenes Thema im Vordergrund steht, das zu DDR-Zeiten tabuisiert war: Zerstörung, Leid, massenhafte Selbsttötungen Ende April und Anfang Mai 1945. All das geht Hand in Hand. Den Schrecken beim Einmarsch der roten Armee ging das Wüten von Wehrmacht und SS im Osten voraus.
Das wird von jenen selbst ernannten Hütern eines angeblichen wahren Deutschtums gerne unterschlagen, die seit einigen Jahren den 8. Mai in Demmin als Tag ihres vorgeblichen „Ehrendienstes“ missbrauchen. Es ist gut, dass sich dem immer mehr Menschen entgegenstellen. Rund 500 haben sich laut Polizei in diesem Jahr an den Gegendemonstrationen beteiligt, erheblich mehr als im vergangenen Jahr. Das Aktionsbündnis hat hier etwas zustande gebracht, was mancher so nicht erwartet hätte.
Darauf aber kann es sich nun umso weniger ausruhen, als die NPD bereits auf Jahre hinaus die Straßen für sich „gebucht“ hat. Unter allen demokratischen Kräften muss man sich Gedanken machen, wie man dem begegnen will. Denn eines sollte jedem redlich denkenden Menschen klar sein: Der 8. Mai ist in Demmin ein Tag, den man keinesfalls rechtsextremen Kräften überlassen kann.

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Die Polizei hat auch einen Bericht an die Presse gegeben, der bessere Artikel dazu ist im Nordkurier:

Bis 2017 Aufzüge angemeldet
Demmin: Rechtsextreme können noch jahrelang „marschieren“

Nordkurier, 10. Mai 2012

Mehr als 300 Polizeibeamte haben in Demmin die Veranstaltungen zum 8. Mai abgesichert. Deren Verlauf wertet der Einsatzleiter als zufriedenstellend.

Weil der NPD-Aufzug wegen einer Sitzblockade durch die Peenestraße umgeleitet wurde, kamen sich Rechte und Gegendemonstranten am Hafen sehr nahe. Die Polizei hatte den Raum dazwischen abgesperrt, Zwischenfälle gab es hier nicht.

Demmin (Georg Wagner)

Die Hansestadt Demmin muss auch in den nächsten Jahren mit Aufzügen rechtsextremer Gruppen zum 8. Mai rechnen. Denn die NPD hat bereits für die Zeit bis zum Jahr 2017 entsprechende Veranstaltungen angemeldet. Das bestätigte gestern die stellvertretende Ordnungsamtsleiterin des Landkreises, Annett Sokolow, auf Anfrage des Nordkuriers. Rechtlich sei es möglich, derartige Veranstaltungen schon über Jahre im Voraus anzumelden. Offenbar will die NPD damit verhindern, dass ihre Aufzüge durch Gegenveranstaltungen von den Hauptstraßen abgedrängt werden, wie es in diesem Jahr der Fall war. Weil das Aktionsbündnis 8. Mai, Parteien und Gewerkschaften bereits frühzeitig verschiedene Plätze und die Hauptstraßen mit angemeldeten Veranstaltungen belegt hatte, musste der Zug der Rechten auf die Seitenstraßen vom Mühlengraben über Baustraße, Nordmauer und Apollonienmarkt ausweichen. Insgesamt liefen die Veranstaltungen nach Auskunft der Polizei ohne größere Zwischenfälle ab. Allerdings wurden zwei Polizeibeamte leicht verletzt, als sie gegen 21 Uhr Personen des linken und rechten Spektrums trennen mussten. Das sei aber außerhalb des Aufzugs passiert, sagte Polizeisprecherin Nicole Buchfink. Darüber hinaus hatten sich nach ihrer Auskunft gegen 17.30 Uhr ein Mann und eine Frau von der „linken Klientel“ in etwa zehn Meter Höhe an einem Baum festgebunden. Polizeibeamte hätten schließlich beide überzeugt, von dem Baum herunterzusteigen. Die Beamten nahmen die Personalien auf und erteilten beiden einen Platzverweis. Gegen 19.45 Uhr sei der Mann aber erneut im Aufzugsbereich der NPD angetroffen und wegen einer versuchten Körperverletzung gegen einen Polizeibeamten vorläufig festgenommen worden. Das wurde gestern vom Aktionsbündnis dementiert. Nach dessen Darstellung handelte es sich um einen Zusammenstoß, der von dem Betroffenen nicht beabsichtigt war. Mit dem gesamten Verlauf der Veranstaltungen zeigte sich Einsatzleiter Siegfried Stang zufrieden: „Unser Einsatzkonzept ging auf. Wir waren auf nahezu alle Eventualitäten eingestellt.“ Insgesamt hatte die Polizei mehr als 300 Beamte im Einsatz, nahezu ständig kreiste auch der Polizeihubschrauber über Demmin. Am Aufzug der Rechten beteiligten sich nach Angaben der Polizei etwas über 200 Personen. Die Teilnehmerzahl der Gegenveranstaltungen bezifferte sie mit rund 500 Personen.
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Oder hier bei Weltexpress .info

09. May 12 , 11:29
500 Menschen protestieren friedlich gegen NPD-Kundgebung – An der Kundgebung der Rechtsextremen beteiligten sich rund 200 Menschen

Demmin (Weltexpress) – Rund 500 Menschen haben in Demmin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte weitestgehend friedlich gegen einen Aufmarsch der NPD demonstriert. An der Kundgebung der Rechtsextremen beteiligten sich am Dienstag rund 200 Menschen, wie die Polizei mitteilte.

Ein Mann aus der linken Szene wurde den Angaben zufolge vorläufig festgenommen, nachdem er sich einem Platzverweis widersetzt hatte. Zuvor hatte er sich gemeinsam mit einer weiteren Aktivistin in etwa zehn Meter Höhe an einem Baum festgeseilt. Die Gegendemonstranten zwangen die Rechten mit einer Sitzblockade dazu, ihre Demonstrationsroute zu ändern.

dapd
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Hier der link zum Bericht vom ndr mit Bildern.

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Courage-Preis würdigt Demokratie und Toleranz

Nordkurier, 10 Mai 2012, von Gudrun Herzberg

Zum vierten Mal ruft die Landtagsfraktion Die Linke auf, engagierte Personen und Vereine anzumelden. Der Preis wird 2013 verliehen.

Demmin.Die Linksfraktion des Landtages verlegte ihre Fraktionssitzung nach Demmin, am Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges. „Die in den vergangenen Jahren eingegangenen Bewerbungen und Vorschläge haben gezeigt, dass es viele Menschen im Land gibt, die es nicht zulassen, dass sich rassistisches, fremdenfeindliches und antisemitisches Gedankengut breit machen“, so der Vorsitzende der Linksfraktion, Helmut Holter. Mit dem Courage-Preis würdige und fordere man dieses Engagement für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert und wird an Personen oder Initiativen vergeben, die sich mutig und vorbildlich gegen rechtsextremistisches Denken und Handeln engagieren. „Wir hoffen auf gute Vorschläge, die im Kreisbüro oder bei der Fraktion einreicht werden können. Bis zum 31. März 2013 besteht dazu noch Gelegenheit“, versicherte Holter.
Die Landtagsfraktion hatte am Dienstag das Aktionsbündnis 8. Mai in Demmin unterstützt und ebenfalls einen Platz am Hafen besetzt. „Auch wir zeigen Flagge und machen deutlich, dass die Nazis auf den Straßen und Plätzen des Landes nichts verloren haben, nicht in Demmin und nirgendwo“, so der Vorsitzende der Landtagsfraktion. Die Abgeordneten reihten sich mit Vielen in den Zug durch die Stadt ein, um am Denkmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft Blumen niederzulegen und derer zu gedenken.

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Nazis provozieren Demokratie

Neues Deutschland vom 10. Mai 2012
Von Velten Schäfer, Schwerin

Makaberer Marsch in Demmin, Jagd auf Alternative in Anklam
Der Naziaufzug zum 8. Mai in Demmin endete unter Protesten, aber gewaltfrei. Derweil überziehen die Neonazikameraden derzeit Mecklenburg-Vorpommern mit Gewaltakten und Anschlägen.

»Ich Schwein feier den Tag der Befreiung«, stand auf dem Pappschild eines der etwa 250 Teilnehmer des rechtsradikalen Aufmarsches in Demmin am Abend des 8. Mai. Er trug eine entsprechende Tiermaske. Vor dem Aufzug, der nach einer Kundgebung am Demminer Hafen als Fackelzug endete, humpelte eine Gruppe verkleideter Kriegsflüchtlinge. Aus dem makabren Agitprop der Nordost-Nazis spricht derzeit großes Selbstbewusstsein.

Was hinter diesem Auftreten lauert, hat das Land dieser Tage erlebt. Mutmaßlich Neonazis haben von Anklam über Greifswald bis Rostock »alternative« Zentren und Menschen angegriffen, eine »in dieser Intensität länger nicht gesehene« Eskalation, so die Opferberatung Lobbi-MV. Um das vergangene Wochenende wurden das Kulturprojekt IKUWO in Greifswald, das Peter-Weiss-Haus in Rostock und der »Demokratieladen« in Anklam zum Ziel von Buttersäure- und Farbattacken.

Der Höhepunkt ereignete sich am Freitag in Anklam, als ein gutes Dutzend teils bewaffneter Vermummter am Abend Jagd auf alternativ gekleidete Jugendliche machte. Drei Opfer mussten stationär behandelt werden, ein Betroffener liegt noch mit Gesichtsverletzungen in der Klinik. Am 12. April soll es zu einem ähnlichen Vorfall gekommen sein, als Vermummte gegen Abend durch die Stadt zogen und ein Angegriffener mit einem Schlagring getroffen wurde. Selbst die Beschönigunsgeschichte, die die Rechten verbreiten, zeigt ihre Aggressivität: Die »Journaille« verschweige, dass »Punker seit Wochen in der Stadt herumlungern«, Anwohner »belästigen« und ihre »ungepflegt aussehenden Hunde überall die Gehwege vollkoten«.

Demmin hat sich dagegen zusammengerauft. Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) fordert ein NPD-Verbot. Bei Mahnwachen und auf einem Friedensfest versammelten sich 500 Gegendemonstranten, die Landtags-LINKE lobte ihren jährlichen »Courage«-Preis aus.

In Anklam dagegen sind die pro-demokratischen Einrichtungen schon räumlich in einer Insellage. Das »Zentrum für demokratische Kultur« etwa liegt am innerstädtischen Steintor – eingerahmt vom rechten Szene-Laden »New Dawn« und »Pommerscher Volksbücherei«, die bisher nur ein kommerzieller Buchversand ist. Eine Parallelstraße weiter soll ein Haus nur von Neonazis bewohnt sein. In einem nahen Ort gibt es ein offen auftretendes »nationales Wohnprojekt«.

Vor einem dringend nötigen soziokulturellen Ruck für die Stadt ist zunächst das Strafrecht gefordert. Drei rechtsradikale Verdächtige wurden verhaftet. Es wäre ein Signal, wenn der Fall nicht so endete wie das Verfahren gegen die fünf Neonazis, die im Dezember 2010 den Bürgermeister von Lalendorf zu Hause belästigt hatten. Sie wurden am Montag vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs freigesprochen.

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Hansestadt steht gegen Rechts auf

Nordkurier, 9. Mai 2012
Von unseren Redaktionsmitgliedern
Georg Wagner, Gudrun Herzberg und Jana Otto

Ein Fest für den Frieden in der Ex-Kreisstadt Demmin. Das Aktionsbündnis zeigte in bunten Farben, dass Demmin sich gegen Rechts stellt. Die Landtagsfraktion Die Linke lobte den Courage-Preis für 2013 aus.

Demmin.„Demmin ist bunt und wir bringen blau mit“, sagte Walter Rohde von der Demminer Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks pragmatisch. Tatsächlich bekannten die Hansestädter und auch Gäste gestern vielerorts in der Stadt Farbe, mit zahlreichen Veranstaltungen, die in erster Linie aufklären und informieren sollten. So hatten sich beispielsweise THW und die CDU-Fraktion der Stadtvertretung auf dem Parkplatz am Stadion aufgebaut. „Wir wollten uns an diesem Tag beteiligen und zeigen, dass wir gegen die Aufmärsche der Rechten sind“, sagte Elke Rohde vom THW. Das gleiche Anliegen hatten auch Kommunal- und Landespolitiker der SPD an ihrem Stand am Bahnhof. Dort gaben Stadtvertreter bereitwillig Auskunft darüber, was in ihrer Stadt gegen rechtes Gedankengut getan wird. „Ich bin beeindruckt, dass es hier so viele Initiativen gibt. Häufig kommen solche Anti-Bewegungen ja von außerhalb, hier ist das nicht so“, sagte Thomas Krüger, der für die SPD im Landtag sitzt.
Während es vielerorts laut wurde, fanden Interessierte bei der Ökumenischen Friedensandacht in der Kirche Maria Rosenkranzkönigin einen Ort der Ruhe, an diesem 8. Mai. Pastor Gerd Panknin erinnerte in seiner Andacht an die vielen Menschen, die in den Tagen zwischen dem 28. April und 4. Mai 1945 in Demmin den Freitod wählten. „Sie konnten die Unmenschlichkeit eines ganzen Krieges nicht mehr ertragen“, sagte Panknin. Die Fraktion Die Linke des Landtages lobte gestern den Courage-Preis für das Jahr 2013 aus, der an Menschen und Vereine geht, die sich aktiv gegen Rechtsextremismus einsetzen. Denn zum wiederholten Male musste auch in diesem Jahr ein Marsch der „ewig Gestrigen“, wie Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) die Nazis beschrieb, durch die Hansestadt Demmin genehmigt werden.

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Bunt gegen den rechten Aufmarsch

Nordkurier, 9. Mai 2012

Ein Fest für den Frieden in der Hansestadt. Das Aktionsbündnis zeigte in bunten Farben, dass Demmin sich gegen Rechts stellt. Die Landtagsfraktion Die Linke lobte den Courage-Preis für 2013 aus.

Ein Zug des Aktionsbündnisses zog dann vom Hafen zum Gedenkstein für die Opfer von Faschismus und Krieg, um Kränze und Blumen niederzulegen.

„Demmin ist bunt und wir bringen blau mit“, sagte Walter Rohde von der Demminer Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks pragmatisch. Tatsächlich bekannten die Hansestädter und auch Gäste am Dienstag vielerorts in der Stadt Farbe, mit zahlreichen Veranstaltungen, die in erster Linie aufklären und informieren sollten. So hatten sich beispielsweise THW und die CDU-Fraktion der Stadtvertretung auf dem Parkplatz am Stadion aufgebaut. „Wir wollten uns an diesem Tag beteiligen und zeigen, dass wir gegen die Aufmärsche der Rechten sind“, sagte Elke Rohde vom THW.

Das gleiche Anliegen hatten auch Kommunal- und Landespolitiker der SPD, an ihrem Stand am Bahnhof. Hier gaben Stadtvertreter bereitwillig Auskunft darüber, was in ihrer Stadt gegen rechtes Gedankengut getan wird. „Ich bin beeindruckt, dass es hier so viele Initiativen gibt. Häufig kommen solche Anti-Bewegungen ja von außerhalb, hier ist das nicht so“, sagte Thomas Krüger, der für die SPD im Landtag sitzt.

Unmenschlichkeit nicht ertragbar

Während es vielerorts laut wurde, fanden Interessierte bei der Ökumenischen Friedensandacht in der Kirche Maria Rosenkranzkönigin einen Ort der Ruhe, an diesem 8. Mai. „Wir gedenken der Opfer von Gewalt, Krieg und Extremismus. Im Besonderen an die schrecklichen Ereignisse Anfang Mai 1945 in dieser Stadt, die uns bis heute ins Herz geschrieben sind“, sagte Pastor Gerd Panknin, der die Andacht gemeinsam mit Maria Klatt hielt. Der evangelische Pfarrer erinnerte in seiner Andacht an die vielen Menschen, die in den Tagen zwischen dem 28. April und 4. Mai 1945 in Demmin den Freitod wählten. „Sie konnten die Unmenschlichkeit eines ganzen Krieges nicht mehr ertragen“, sagte Panknin.

Unvorstellbar sei die Not gewesen, so groß, dass eine ganze Stadt bis heute an dieser Seele zu tragen habe. Im Anschluss an diese Andacht legten Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) und Stadtvertreterpräsident Eckhard Tabbert einen Kranz am Barlach-Platz nieder. Johannes Hoffmann und Herma Ebinger vom Aktionsbündnis 8. Mai riefen am Hanseufer zum gemeinsamen Feiern auf. Es sei der Tag der Befreiung vom Faschismus und dem Gedenken der Toten von der Naziherrschaft. „Die Neonazis versuchen am persönlichen Leid der Menschen anzuknüpfen. Dagegen müssen wir uns gemeinsam zur Wehr setzen“, sagte Johannes Hoffmann.

Bürgermeister unterstützt NPD-Verbot

Und Storch Heinar setzte noch eins drauf: Wir zeigen der braunen Brut, wo der Frosch die Locken hat. Die Fraktion Die Linke des Landtages lobte gestern den Courage-Preis für das Jahr 2013 aus. Seit 2007 gibt es diesen Preis, der an Menschen und Vereine geht, die sich aktiv gegen Nazis, gegen Rechtsextremismus einsetzen. Denn zum wiederholten Male musste auch in diesem Jahr ein Marsch der „ewig Gestrigen“, wie Bürgermeister Ernst Wellmer die Nazis beschrieb, durch die Hansestadt Dejmmin genehmigt erden. „Diese Menschen haben aus der Vergangenheit keinerlei Lehren gezogen. Ich bin überzeugt: Wir alle unterstützen ein erneutes NPD-Verbotsverfahren“, betonte der Bürgermeister am Dienstag.

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Stadtrundgang folgt den Spuren der NS-Diktatur

Nordkurier, 7. Mai 2012
Von unserem Redaktionsmitglied Georg Wagner

Im Rahmen der Veranstaltungen des „Aktionsbündnis 8. Mai“ in Demmin hat das Regionalmuseum einen historischen Abriss ausgearbeitet – erzählt vor Ort.

Demmin.Als am 30. April 1945 die Rote Armee auf Demmin heranrückte, zog sich die Wehrmacht Richtung Westen zurück – und sprengte zuvor alle Brücken, um ein wenig Zeit zu gewinnen. Wohl wissend, dass sie damit der Zivilbevölkerung in der von Flüchtlingen überfüllten Stadt jede Möglichkeit nahm, sich vor den sowjetischen Panzern in Sicherheit zu bringen.
Die Erinnerung an den Morgen jenes Tages, an dem das Inferno zum Kriegsende in Demmin seinen Auftakt nahm, ist Teil des historischen Stadtrundgangs, den Hans und Petra Clemens vom Regionalmuseum im Rahmen der Veranstaltungen des „Aktionsbündnis 8. Mai“ organisiert haben. Rund ein Dutzend junge und ältere Menschen haben sich an diesem Sonnabend angeschlossen und hören die Geschichte von jenem Morgen, an dem der von Nazi-Deutschland entfachte Krieg auch auf Demmin zurück zu schlagen begann. Sinnfälliger an der Kahldenbrücke.
Sie ist die erste Station auf einem Rundweg durch die Holsten- und Clara-Zetkin-Straße, über den Barlachplatz und durch die Frauenstraße, der an verschiedenen Punkten jeweils mit kurzen Reminiszenzen an die zwölfjährige Diktatur der Nationalsozialisten verbunden ist. Und dabei manches Stück Geschichte in ein etwas neues Licht rückt wie beispielsweise ein Bild von der Ruine der St. Spiritus-Kirche in der Heilgeiststraße, die allerdings schon seit dem 17. Jahrhundert schon keine Kirche mehr war, sondern ein Proviantlager. Oder am Rathaus, wo am 10. März 1933 SA und SS mit einem Aufmarsch und Fackelzug den Markt „in Besitz nahmen“ – schon zwei Tage vor der Kommunalwahl.
Polizeibeamte, die den Rundgang beobachten sollen, sehen kurz nach dem Rechten. Alles läuft zu ihrer Zufriedenheit und die Gruppe kann ihren Weg fortsetzen in die Breitscheidstraße, die ehemalige Luisenstraße, wo etwa auf Höhe der heutigen Volksbank die jüdische Demminerin Rosa Lewinski ein Kurzwarengeschäft betrieb. Einen Tag nach der Reichspogromnacht von 1938, so ergaben die Recherchen des Museums, musste sie es schließen. Sie konnte noch nach Südafrika auswandern, wo ihr Sohn lebte.
Andere hatten nicht so viel Glück. „Stolpersteine“ erinnern an ihr Schicksal. An Grete Davidsohn in der Goethestraße, an Arnold und Liesbeth Davidsohn in der Frauenstraße, die alle deportiert und ermordet wurden.
Doch es gab auch ein anderes Demmin, den katholischen Pfarrer Adolf Nolewaika beispielsweise. Er behandelte polnische Zwangsarbeiter als Menschen und machte in der Seelsorge keinen Unterschied zwischen ihnen und Deutschen. Die Nazis sperrten ihn dafür ins Konzentrationslager Dachau, von wo er erst 1945 krank zurückkehrte. Petra Clemens erzählt die Geschichte, ehe die Gruppe vom Barlachplatz mit seiner Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft weitergeht. Unbeachtet bleibt sie nicht. Immer wieder einmal fährt ein Auto mit jungen Männern vorbei. Sie hupen, formen Zeige- und Mittelfinger zum „V“. Es bleibt unklar, wie sie es meinen.

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Polizei verstärkt am 8. Mai Einsatzkraft

Nordkurier, 5. Mai 2012

Demmin.Das Aktionsbündnis 8. Mai, die Hansestadt Demmin und der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte rufen am 8. Mai zu Aktionen für Demokratie und Toleranz auf. „Dazu bedarf es keiner Fackelaufmärsche auf unseren Straßen zur Erinnerung an die braunen Brandstifter“, heißt es im Aufruf. Bereits heute beginnen die Aktionen ab 17 Uhr am Hafen mit einer Mahnwache für die Opfer von Faschismus und Krieg, am Luisentor mit einer Ideenwerkstatt und am Lübecker Speicher mit Informationen über historische Eckpunkte Demmins. Morgen werden diese Aktionen am Luisentor ab 17 Uhr und am Hafen mit Mahnwachen fortgesetzt. Am 8. Mai gibt es eine große Aktion an verschiedenen Stellen in der Hansestadt. Die Polizeiinspektion Neubrandenburg wird am Dienstag, 8. Mai, im Stadtgebiet von Demmin aufgrund einer Vielzahl von angemeldeten öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel mit verstärkten Kräften im Einsatz sein. Auch eine Versammlung der NPD sei angemeldet, informierte Pressesprecherin Nicole Buchfink. „Bis in die Abendstunden hinein kann es deshalb im gesamten Stadtgebiet von Demmin zu verstärkten Verkehrseinschränkungen kommen“, so Buchfink. Die Demminer Polizei werde von anderen Einsatzkräften unterstützt, um die Veranstaltungen zu schützen und gegen Gewalttäter konsequent vorzugehen.gh

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Mit vielen bunten Veranstaltungen gegen den braunen Mob

Nordkurier, 4. Mai 2012
Von unserem Redaktionsmitglied
Gudrun Herzberg

Es soll der größte NPD-Aufmarsch in der Region werden, zum 5. Mal in Folge will die NPD am 8. Mai in Demmin den Jahrestag des Kriegsendes für ihre Propaganda nutzen. Ein breites Aktionsbündnis hält dagegen .

Demmin.„Wir protestieren gegen die Verhöhnung der Opfer vom Faschismus und Rassismus, ihren Missbrauch durch die Neonazis“, heißt es im gemeinsamen Aufruf des Aktionsbündnisses, der Hansestadt und des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte. Vielfältige Aktivitäten gibt es rund um den 8. Mai in Demmin.
Hier ein Überblick über die Veranstaltungen:
5. Mai am Hafen von 17 bis 20 Uhr: Mahnwache für die Opfer von Faschismus und Krieg. Es gibt eine Diskussionsrunde und die Performancegruppe gogotrash aus Berlin tritt auf.
5. Mai am Luisentor von 17 bis 20 Uhr: Ideenwerkstatt im Projekt Die Linke 2020 und öffentliches Seminar über faschistische Ideologien
5. Mai Lübecker Speicher von 17 bis 20 Uhr: politisch historischer Aufzug mit Informationen über historische Eckpunkte in Demmin
6. Mai Luisentor von 17 bis 20 Uhr: Mahnwache für die Opfer von Faschismus und Krieg; Diskussionsbeiträge zu einem demokratischen Gemeinwesen
6. Mai Hafen von 17 bis 20 Uhr: Mahnwache, Auftritt der bekannten Performancegruppe gogotrash aus Berlin
8. Mai Hafen ab 17 Uhr: Eröffnung der Veranstaltung des Aktionsbündnisses, 17.10Uhr Rede des Bürgermeisters Ernst Wellmer, 17.15 Uhr Auftritt DRK-Tanzgruppe, 17.45 Uhr Auftritt Chilenische Musikgruppe, 18.45 Uhr Reden, 19 Uhr Auslobung des Courage-Preises durch die Landtagsfraktion Die Linke, 19.15 Uhr Liedermacher Romni Gärtner, 19.45 Uhr Schülerband „Metada“, 20.15 Uhr Tanzgruppe Dancing Angels, ab 20.45 Uhr weitere Bands wie „Corazon“ und „Between“.
8. Mai Lübecker Speicher ab 17.30 Uhr: Aufzug alter Fahrzeuge durch die Stadt
8. Mai Katholische Kirche ab 18 Uhr: Friedensandacht in der Katholischen Kirche,
8. Mai Fahrzeugkorso ab 20.30 Uhr mit Treffpunkt am Parkplatz an der ehemaligen Getreidewirtschaft Demmin
8. Mai Luisentor ab 17 Uhr: Mahnwache für die Opfer von Faschismus und Krieg, Aktionen von Schülern des Goethegymnasiums
8. Mai Parkplatz Stadion ab 17 Uhr: Politische Aktion der CDU-Fraktion der Stadtvertretung und THW Orts- und Kreisverbandes
8. Mai Bahnhof ab 17 Uhr: Politische Aktion der SPD-Fraktion der Stadtvertretung
8. Mai Parkplatz Hafen ab 17 Uhr: Landtagsfraktionssitzung der Linken mit öffentlicher Filmvorführung.

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Panik trieb Menschen in den Tod

Nordkurier, 3.5.2012
Von unserem Redaktionsmitglied
Gudrun Herzberg

Anmerkung von demminnazifrei: In diesem Text sind einige Informationen enthalten, die der wissenschaftliche Untersuchung nicht entsprechen.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Demmin. Ortschronist Heinz-Gerhard Quadt hat eigene Erlebnisse und zahlreiche Aussagen von Zeitzeugen aufgeschrieben. Etwa 900 Menschen, die in den Freitod gingen, sind die Bilanz weniger Tage im Mai 1945.

Demmin.„Die Demminer Tragödie 1945 wurde durch mehrere Faktoren verursacht. Da kann man nicht nur die Geschichte mit dem Apotheker, der Russen vergiftet haben soll oder die gesprengten Brücken rund um die Stadt nennen. Das gibt ein falsches Bild“, sagt Stadtchronist Heinz-Gerhard Quadt. Er schaut auf zwei Bilder, zum einen ist das heile Demmin noch bis Ende April 1945 zu sehen, auf dem anderen die zerstörten Häuser in der Innenstadt. Es blieb nicht viel übrig nach dem Einzug der Sowjetarmee. „Es war zum einen die psychologische und militärische Situation gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Durch die Propaganda auf die Menschen, bei denen sich Wahrheit, Geschehnisse beim Vormarsch der Sowjets kompensierten mit der Rassenideologie der Nazis, waren viele verwirrt“, so Quadt. Zudem fehlten zum Ende des Krieges führende Männer und Frauen, die wie in Greifswald ein geordnetes Kriegsende hätten bewirken können. „Einzelne waren fanatisch und verhetzt. Und die Sowjetarmisten haben entsprechend ihrem Kriegsrecht ihr Racheverhalten gezeigt“, erklärt der Stadtchronist die Situation im Mai 1945.
Am 30. April 1945 stand die Sankt-Bartholomaei-Kirche von Demmin noch inmitten einer unzerstörten Altstadt. In der Luisenstraße ragten noch die fotogenen Giebelhäuser empor, reihten sich vom Mühlengraben am Luisentor bis zum Apollonienmarkt Wohn- und Geschäftshäuser, Hotels und Handelsspeicher aneinander. Auch das Rathaus war noch unversehrt inmitten der Gebäude rund um den Markt. Am Vormittag des 30. April stieg Ernst Ehlert, der Kirchendiener Stufe um Stufe die Wendeltreppe in der Bartholomaei-Kirche empor, um an der Uhr ein weißes Stück Stoff als wichtiges Zeichen für die Menschen in der Stadt zu befestigen. „Als Hoffnungszeichen gesetzt, hat es leider nicht ausgereicht, das Inferno des Tötens und Selbsttötens, des Brandes und der Zerstörung wenige Tage vor dem Kriegsende abzuwenden“, sagt Stadtchronist Heinz-Gerhard Quadt. Aber wer die Tage im Mai 1945 miterlebt habe, ob in der Stadt, ob am Rande der Stadt, in den Wiesen, in den Gärten oder aus irgendeiner Bodenluke im Eichholz oder Meyenkrebs oder gar aus vielen Kilometern Entfernung vom Kummerower See, den filigranen Kirchturm im roten Feuermeer der brennenden Stadt könne man nicht vergessen.
Und Heinz-Gerhard Quadt erinnert sich an die Tage vor dem Inferno: Am Sonntag, 29. April 1945, kommen tausende Menschen auf dem Magazinhof zusammen, weil dort aus einem Lagerfenster Konserven, wie Wurst, Fleisch hinunter in die Menge geworfen werden. Zwei Menschen werden dabei totgetreten, ein Trupp demoralisierter deutscher Soldaten reißt diverse Lebensmittel an sich, dazwischen gibt es Fliegeralarm, russische Tiefflieger schießen herab, verfehlen zumeist das Ziel, einige Gebäude in der Nähe werden beschädigt.
Der letzte Versuch, die Stadt als „offene Stadt“ zu erklären und unverteidigt zu übergeben, scheitert: Der Generalarzt aller Lazarette, Dr. Hans Gürich, stößt bei den Behörden auf Ablehnung. Es gelingt ihm einen Lazarettzug zu erhalten, mit den Hunderten von Verwundeten flieht auch Dr. Gürich wegen des ihm angedrohten Todesurteils. Am 30. April 1945 werden alle Straßen- und Eisenbahnbrücken gesprengt, nachdem die führenden Nazis einschließlich aller Militäreinheiten die Stadt verlassen haben. Auch das Wasserwerk wird bei der Sprengung der Eisenbahnbrücke teilweise zerstört und damit die Wasserversorgung unterbrochen. Kein Eisenbahnzug erreicht oder verlässt Demmin, die Versorgung mit Gas, Wasser und Energie hat aufgehört. Gegen 11 Uhr rollen die ersten russischen Panzer auf die Stadt zu. „Es gab natürlich Verzögerungen beim Einmarsch, da die Brücken kaputt waren und es wurde aus dem Hinterhalt auf einziehende Sowjetsoldaten geschossen“, so der Stadtchronist. Am 1. Mai wird Demmin für drei Tage entsprechend dem Kriegsrecht zur Brandschatzung freigegeben, Plünderung und massenweise Vergewaltigung gehen einher. Die Bevölkerung wird von Panik erfasst, viele ertränken sich in den drei Flüssen. Die meisten Toten fanden auf dem Bartholomaei-Friedhof im großen Sammelgrab, geschmückt mit Sandsteinstele und dem Kreuz auf der Weltkugel, ihre letzte Ruhestätte.

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Stadt schützt ausländische Gäste vor Nazi-Aufmärschen

Nordkurier vom 2. Mai 2012
Von unserem Redaktionsmitglied
Gudrun Herzberg

Das Demminer Aktionsbündnis bietet vielfältige Veranstaltungen rund um den 8. Mai an. Der Verein Junge Europäer beginnt zu dieser Zeit seine Europawoche und hat Gäste aus Polen und Litauen eingeladen.

Demmin.Im Zeichen von Demokratie, Völkerverständigung und Toleranz steht die Europawoche in der Hansestadt. Jugendliche aus Litauen und Polen werden erwartet. Die Gäste reisen bereits am 7. Mai an und werden aus Sicherheitsgründen am
8. Mai aber nicht in Demmin sein. Denn an diesem Tag wollen die Nazis die Hansestadt mit einem Aufmarsch bevölkern. Das Aktionsbündnis tritt dem mit vielfältigen Veranstaltungen entgegen. Dazu wurden von Vereinen, Verbänden und Parteien alle möglichen Plätze in der Stadt besetzt. Demmin will den braunen Brandstiftern mit ihren Fackelaufmärschen keinen Raum geben. Mit einem großen Friedensfest wird dagegen protestiert. Vor allem gewaltfrei wolle man sich für Demokratie und Toleranz einsetzen. Und darum gehe es auch in der Europawoche, erklärt Siegfried Logall, Projektmanager der Jungen Europäer Demmins. „Die Reisebusse aus Litauen und Polen werden abseits des Luisentores abgestellt“, sagt Siegfried Logall. Man wolle keine Provokation mit den Rechten heraufbeschwören. Außerdem gehe es um die Sicherheit der ausländischen Gäste. Für den 8. Mai habe man darum für die Gäste eine Fahrt nach Rostock geplant. Die Gäste aus Kursenai, Bobolice und Szczecin werden an diesem Abend auch nicht in der Hansestadt übernachten. „Wir haben das gut organisiert, sind am Kummerower See, um ein Grillfest zu feiern“, so Logall. Erst am 9. Mai beginnt die Europawoche mit einem Jugendforum. „Das ist für uns gelebte Toleranz. Wir haben die Kontakte mit Litauen und Polen in den vergangenen Jahren aufgebaut und wollen sie auch weiterhin festigen“, erklärt Siegfried Logall. Es gehe um das Thema „Wohin bewegt sich die EU?“. Neben Workshops an Schulen gibt es eine internationale Zeichenausstellung „Wir in Europa“.

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Opfer dürfen sich nicht vereinnahmen lassen

Nordkurier vom 30. April 2012
von unserem Redaktionsmitglied Jana Otto

Das Aktionsbündnis 8. Mai hat eine Vielzahl von Veranstaltungen rund um diesen Tag geplant. Viele Menschen unterschiedlichen Alters bringen sich hier äußerst engagiert mit ein.

Demmin. Den Schauspieler Otto Mellies und Helmut Hauck aus Alt Tellin verbindet ein ähnliches Schicksal. Beide wurden Anfang der 30er-Jahre in Pommern geboren und erlebten die Grauen des Zweiten Weltkrieges. Als Helmut Hauck schließlich das Buch „An einem schönen Sommermorgen“ mit Lebenserinnerungen des Schauspielers las, stand für ihn schnell fest, dass er diesen Künstler in die Hansestadt holen möchte. Denn Helmut Hauck engagiert sich im Aktionsbündnis 8. Mai, das auch in diesem Jahr ein deutliches Zeichen gegen nationalsozialistisches Gedankengut setzen möchte. „Ich habe den Faschismus und den Krieg erlebt. So etwas darf sich nicht wiederholen“, sagt Helmut Hauck entschieden. Am vergangenen Sonnabend war es dann soweit: Im Demminer Kino Tivoli las Otto Mellies aus seinem Buch. Zuvor hatten die beiden Herren im Foyer Platz genommen. Immer wieder kommen Gäste und gratulieren dem Schauspieler, der gerade einen Abend zuvor als bester Nebendarsteller mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde.
Doch zwischendurch sprechen die Männer auch über das, was sie verbindet und über das, was seit einigen Jahren am 8. Mai in der Hansestadt Demmin passiert. „Das ist für mich unfassbar. Es sind Leute, die nie den Krieg erlebt haben. Sie wissen nicht, was sie tun“, sagt Otto Mellies über die Aufmärsche der Neonazis. Er selbst hat auf tragische Weise die Auswirkungen des Hitler-Regimes erlebt und überlebt. „Die Opfer dürfen sich nicht vereinnahmen lassen“, findet er. Wie groß das Interesse an der Lesung war, machte ein Blick in den Kinosaal deutlich: Kein Platz blieb frei und selbst auf den Treppen ließen sich die Zuhörer aller Altersgruppen nieder.
So wie Helmut Hauck, der die Lesung mit Otto Mellies organisierte, engagieren sich viele Menschen aus der Hansestadt und aus der ganzen Region in dem Aktionsbündnis. „Jedem, der hier mitmacht, ist es ein inneres Bedürfnis, sich zu engagieren. Wir sind alles Menschen, niemand wurde von einer Partei oder Organisation hierher geschickt. Alle kommen aus verschiedenen Richtungen und haben unterschiedliche Weltauffassungen. Das ist etwas Besonderes“, sagt Kerstin Lenz. Und so reicht die Altersspanne der Aktiven von 13-jährigen Schülern bis zu über 80-Jährigen. Eines aber haben alle gemeinsam: Sie möchten mit ihren Veranstaltungen, die rund um den 8. Mai stattfinden, ein deutliches Zeichen setzen. „Wir zeigen Präsenz an verschiedenen prominenten Stellen der Stadt. Das soll zeigen, dass die Region den öffentlichen Raum nicht einfach hergibt. Es ist unser aller Raum“, sagt Georg Nikelski. Und so planten die Organisatoren ihre Veranstaltungen, ohne dass sie wussten, wann die Neonazis ihren Aufmarsch anmelden. Mittlerweile steht der 8. Mai als Termin fest.
Während es in den vergangenen Jahren vorrangig darum ging, mit den Aktionen bestimmte Plätze in der Stadt zu blockieren, um den Nazis weniger Raum für ihren Aufmarsch zu lassen, hat sich der Ansatzpunkt der Organisatoren in einen inhaltlichen gewandelt. „Wir kommen alle aus der Mitte der Gesellschaft und sehen unsere Aktionen nicht als Gegenveranstaltung. Vielmehr wollen wir den 8. Mai sowohl als Mahnung, als auch als Gedenktag begehen“, sagt Peggy Nikelski.

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Demminer zeigen Gesicht

Nordkurier, 30. April 2012
Ein Kommentar von Jana Otto

Es ist beeindruckend, mit wie viel Engagement sich Menschen aller Altersklassen, Religionen und Weltanschauungen im Aktionsbündnis 8. Mai für die Hansestadt Demmin einsetzen. Und nicht nur das. Sie möchten eben auch viele Menschen ansprechen. Ob Kinovorführung, Lesung, Mahnwachen oder Diskussions-Foren: Für jeden, der sich informieren und mit der Geschichte auseinandersetzen möchte, ist etwas dabei. Die Menschen zeigen Gesicht und verstecken sich nicht hinter ihren Gardinen. Und sicherlich schwingt die Hoffnung mit, dass der braune Spuk, der jedes Jahr durch die Stadt zieht, bald ein Ende hat.

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Demmin begeistert mit einer leuchtenden Nacht

Nordkurier, 30. April 2012
Von unserem Redaktionsmitglied Jana Otto

Foto: Schülerinnen des Goethegymnasium präsentierten Modelle der Designerin Sabine Grundmann. Sie hatte für ihre Kollektion den Baltic Fashion Award gewonnen.

An fast 20 Stationen konnten Demminer und Gäste am Sonnabend Kunst und Kultur hautnah erleben. Die Innenstadt wimmelte vor Menschen, die gerne über die Kunstmeile flanierten.

Demmin.Ein Feuerwerk an Kunst und Kultur erlebten über 1000 Besucher am Sonnabend in der Hansestadt Demmin. Zum achten Mal hatten viele Einzelne unter Federführung des Kunst- und Kulturvereins der Stadt dieses Highlight für die Demminer und auch zahlreiche Gäste aus dem Umland organisiert.
Während einige mit dem Programmheft in der Hand unterwegs waren und sich eine ganz persönliche Route ihrer kulturellen Höhepunkte zusammengestellt hatten, ließen sich viele Besucher an diesem Abend einfach treiben. „Ich war neugierig, was hier los ist“, sagt Annett Repasi. Sie wohnt zwar mittlerweile in Stralsund, ließ es sich aber nicht nehmen, anlässlich der Kunstnacht wieder nach Demmin zu kommen. Unbedingt reinschauen wollte sie im Demminer Museum. Hier stand eine alte Kniehebelpresse von 1845, mit der einst schon Wilhelm Gesellius in Demmin druckte, zum Ausprobieren bereit. Und das ließ sich die junge Frau nicht zweimal sagen und packte beherzt zu, denn es war Handarbeit gefragt. Unbedingt teilnehmen wollte Annett Repasi dann an der bolivianischen Messe, zu der in die St.-Bartholomaei-Kirche eingeladen wurde und auch die Neubrandenburger Big Band stand ganz oben auf ihrer Liste. „Es gibt einfach so viele tolle Angebote, nur schade, dass fast alles gleichzeitig stattfindet und man immer nur ein Stückchen mitbekommt“, fand Annett Repasi.
Während auch diese Kunstnacht traditionell im Demminer Tannenrestaurant von Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) eröffnet wurde, gehörte diese Station und das Museum am Hanseufer sowie der Lübecker Speicher am Hafen zu Angeboten, die etwas abseits der Kulturmeile lagen, die sich im Zentrum der Innenstadt vom Geselliusplatz bis zum Rathaus erstreckte. Zum zweiten Mal war dieser Straßenabschnitt für den Autoverkehr gesperrt, sodass die Besucher ganz gemütlich von einer Station zur nächsten gelangen konnten. „Diese Sperrung ist das Beste, was passieren konnte“, ist Franziska Tümmler-Piegholdt überzeugt. Sie präsentierte in der Buchhandlung Steffen ihre Drechselarbeiten. Handwerkliches gab es zudem in der Buchhandlung Steinke zu sehen. Hier zeigte Christine Richter Keramikarbeiten, gleich nebenan stellte Sabine Nähring ihre Werke aus. Auch im ehemaligen Jola-Kaufhaus herrschte reges Treiben, wo die jüngsten Kunstturner des Turn- und Kegelvereins ihr Können präsentierten.
Ein volles Haus gab es auch im Rathaus, wo die Hanse-Bibliothek zuerst den jüngsten Gästen das Puppentheater „Schnuppe“ präsentierte und später dann zu einer multimedialen Show des ehemaligen Demminers Andy Glandt einlud. Hier reichten die Stühle nicht aus, sodass einige Besucher sich schnell selbst eine Sitzgelegenheit organisierten, um dem Musiker nach Australien folgen zu können.
Menschentrauben bildeten sich immer wieder vor den beiden Bühnen am Luisentor. Hier gingen Musik und Show nahtlos ineinander über. Die Besucher genossen sichtlich das breite Angebot und konnten dank des trockenen Wetters im Freien der Kunst und Kultur frönen.

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Nordkurier, 25.4.2012

Demmin macht sich stark gegen braune Aufmärsche

Von Gudrun Herzberg

Ein gemeinsames Friedensfest am 8. Mai soll in Demmin eine neue Tradition begründen. Bunt möchte die Stadt an diesen Tag sein. Das Aktionsbündnis hat dazu Veranstaltungen vorbereitet, um den Nazis keinen Raum zu geben.

Demmin.„Es bedarf keiner Fackelaufmärsche auf unseren Straßen zur Erinnerung an die braunen Brandstifter“, heißt es in einem gemeinsamen Aufruf des Landrats des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Heiko Kärger, des Demminer Bürgermeisters, Ernst Wellmer, und des Aktionsbündnisses 8.Mai. „Neue Brücken braucht das Land“ dabei zu den Bürgern, zu den Nachbarländern, heißt es weiter in einem Aufruf zu Aktionen für diesen Tag. Das Aktionsbündnis 8. Mai hat sich in Demmin im Jahr 2009 gegründet, nachdem es bereits 2006 den ersten Aufmarsch der NPD in der Hansestadt gab. „Damals war es noch eine kleine braune Gruppe, aber in den Jahren 2008 und 2009 wurden es immer mehr, so dass etwas dagegen getan werden musste“, meint Kerstin Lenz vom Aktionsbündnis. Im vergangenen Jahr wurde am Demminer Hafen ein großes Fest organisiert. „Das diese braune Gefahr durch die Straßen marschiert, steht Demmin nicht gut“, so Kerstin Lenz. Das Bündnis habe sich aus Vereinen, Parteien und Privatpersonen gegründet. Wichtig sei auch in diesem Jahr, alle möglichen Plätze in der Stadt für Veranstaltungen anzumelden, um der NPD keine Chance zu geben, sich als Opfer des Kriegsendes darzustellen. Es gehe dem Aktionsbündnis darum, am 8. Mai deutlich Flagge gegen Rechts zu zeigen. Bereits am 5. Mai gibt es am Demminer Hafen von 17 bis 20 Uhr eine Mahnwache für die Opfer von Faschismus und Krieg. Es wird diskutiert über die Rede von Richard von Weizsäcker, die Performancegruppe gogotrash aus Berlin sorgt für Unterhaltung. Am Luisentor lädt Die Linke zu einer Ideenwerkstatt ein. Es werden Informationen über faschistische Ideologien gegeben. Am Lübecker Speicher um 17 Uhr informieren die Veranstalter über historische Eckpunkte Demmins. Für den 6. Mai sind am Luisentor und Hafen ab 17 Uhr wieder Mahnwachen geplant. Weitaus umfangreicher ist das Programm des Aktionsbündnisses für den 8. Mai. Um 17 Uhr sind die Demminer und Gäste dazu an den Hafen eingeladen. Es gibt viel Musik und Tanz, es kann diskutiert werden. Zudem wird der Courage-Preis ausgelobt. Aktionen gibt es zudem am Lübecker Speicher, der Katholischen Kirche, dem Luisentor, am Parkplatz Stadion, dem Bahnhof. Ein Fahrzeugkorso mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen, der Feuerwehr, Pkw, Mopeds und Fahrräder wird sich durch die Hansestadt als Symbol für Frieden und Weltoffenheit schlängeln.

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Nordkurier, 27.3.2012

Antifaschisten sind dem Richter ein Dorn im Auge

Leserbrief von Simone Dierkes

Beides passierte am gleichen Tag. In Berlin tagten die Innenminitster der Bundesländer, um ein NPD-Verbot vorzubereiten. Auch wenn dies wohl nur ein halbherziger und populiszischer Versuch ist, auf den rechtsradikalen Terror zu antworten, denn ohne den Rassismus in der Mitte der Gesellschaft zu thematisieren, wird man den braunen Sumpf nicht trockenlegen können.
In Demmin jedenfalls ticken die Uhren anders. Dort hält man sich erst gar nicht mit scheinheiligen Aktivitätem gegen Nazis auf. Im Gegenteil: Ihre Strukturen erfahren sogar noch Unterstützung.
Am Tag als in Berlin ein NPD-Verbot besprochen wurde, verurteilte der Demminer Amtsrichter Blasinski einen Mann zu einer doch recht hohen Geldstrafe, weil er volksverhetzende Propaganda aus dem Straßenbild entfernt haben soll. Eine couragierte Tat, aber davon wollte der Richter nichts wissen. Mit einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung über die rechtsradikale Gefahr will man im Demminer Gerichtsgebäude nichts zu tun haben.
Und dass Antifaschisten dem Richter ein Dorn im Auge sind, das hat er durch seine Anordnung von Taschenkontrollen und Körperabtastungen von Angeklagten und Prozessbesuchern nur allzu deutlich gemacht. So behandelt man Menschen, die man schon im Vorfeld als Kriminelle abstempelt. Und auch wenn es eine Sachbeschädigung gewesen sein solle. Eine so hohe Strafe rechtfertigt das sicher nicht.
Und auch unabhängig von einem solchen Straftatbestand: Ein nicht so auf Paragrafenreiterei fixierter Amtsrichter hätte auch anders urteilen können. Mit einem Verweis auf das in Aussicht gestellte NPD-Verbotsverfahren hätte dieses Verfahren ausgesetzt oder eingestellt werden können.
Denn – wenn das Verbot durchkommen sollte, müssten wohl die Polizisten durch die Straßen Demmins ziehen und die verbliebenen NPD-Plakate abreißen. So ganz im Einklang mit der Rechtsordnung: egal, ob es dem Herrn Richter Blasinski nun passt, oder nicht.

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Nordkurier, Artikel vom 23.3. 2012

Aktionsbündnis braucht noch Unterstützung

Das „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ organisiert in diesem Jahr gemeinsam mit der Hansestadt ein Friedensfest, anders als vor einem Jahr. An drei Tagen, nämlich am Sonnabend vor dem 8. Mai, dem Tag selbst und am Wochenende danach sei ein umfangreiches Programm geplant, sagte Kerstin Lenz, Fraktionsvorsitzende der Linken in der Demminer Stadtvertretung. Auf vielen Plätzen, wie am Hanseufer, auf dem Bahnhofsvorplatz oder dem Parkplatz am Stadion sollen Aktionen laufen. „Dafür brauchen wir noch Unterstützung“, meinte Lenz. Das Bündnis habe die Verbände angeschrieben und hoffe, dass viele mitmachen, um zu zeigen, dass Demmin bunt statt braun ist. Hintergrund ist der jährliche Aufmarsch der Neonazis. (kis)

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Nordkurier, Artikel vom 22.3. 2012

Last der Indizien zwingt Angeklagten in die Knie

Der dritte Zeuge im Prozess wegen Sachbeschädigung von NPD-Plakaten wurde gar nicht mehr gehört. Verteidigung und Gericht hatten sich auf einen Kompromiss schon vor der Verhandlung geeinigt.
Demmin (Kirsten Gehrke)

Es war ein Deal. Dabei glücklich zeigte sich H. W. nicht. Er akzeptierte die Geldstrafe, die ihm das Demminer Amtsgericht am Mittwoch wegen Sachbeschädigung von NPD-Plakaten verhängt hat. „Obwohl ich das anders sehe“, sagte er geknickt. Das Verfahren gegen den Mitangeklagten D. B. wurde indes vorläufig eingestellt. Er muss eine Geldbuße von 250 Euro an den Verein „Gemeinsam geht Vieles“ in Voßbäk-Loitz zahlen.
Die Fortsetzung der Gerichtsverhandlung verzögerte sich. Verteidiger Michael N. und Richter Jörg Blasinski verhandelten zunächst hinter verschlossenen Türen. Im Flur warteten Polizisten. Draußen saßen in zwei zivilen Autos vier Männer und beobachteten das Gerichtsgebäude. Ein Mitarbeiter des Gerichts versuchte das Polizeiaufgebot zu erklären. Nach dem ersten Prozess habe es einen Anruf eines Nazis gegeben, erzählte er. Man rechnete deshalb damit, dass am zweiten Verhandlungstag Neonazis aufschlagen. Doch das bestätigte sich nicht. Stattdessen wurden die Angeklagten und Prozessbesucher nach Tonträgern und Aufzeichnungsgeräten durchsucht und abgetastet. Taschen wurden kontrolliert. Die Polizisten und Wachleute trugen dabei Gummihandschuhe.
Im Gerichtssaal war dann alles offenbar nur noch Formsache. Vorher ausgemacht, räumte W.s Anwalt den Tatvorwurf an seinen Mandanten ein, im August NPD-Plakate in Demmin zerstört zu haben. Im Gegenzug bleibt W. ein weiteres Strafverfahren in Zusammenhang mit einer Demo gegen Rechts erspart. Auf den dritten Zeugen verzichtete unterdessen das Gericht. So beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 500 Euro, hielt diese Summe für angemessen, weil Wittmer Eintragungen im Strafregister hat.
Verteidiger M. N. jedoch empfand das Strafmaß als zu hoch und beantragte 40 Tagessätze zu je 10 Euro. Schließlich sei niemandem Leid zugeführt worden, begründete er. Der Schaden liege bei unter 100 Euro, seitens des oder der Geschädigten sei keiner an seinen Mandanten mit Forderungen herangetreten. Richter Jörg Blasinski folgte jedoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft. W. erklärte, dass er keine Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen werde. Im Innern ärgerte er sich, er wisse, dass es anders war. „Gräme dich nicht, da ist immer ein Beigeschmack“, versuchte N. ihn nach der Verhandlung zu trösten. Offensichtlich hatte W. kaum eine Wahl und ließ sich auf den Kompromiss ein. Denn beide Seiten hatten ein Interesse daran, den Prozess zu beenden. Im Vorfeld sei klargemacht worden, dass die Indizien eindeutig gegen den Angeklagten sprachen, auch wenn ihm nicht wirklich das Plakat-Abreißen nachgewiesen werden konnte. „Ich weiß, dass es anders passiert ist“, sagt W.
Entscheidend waren seine Eintragungen im zentralen Strafregister. Dort taucht er wegen Aktionen auf, wie unter anderem das Zerstören von Gentechnikpflanzen. Sein Verteidiger habe ihn zu dem Geständnis geraten. Auf der anderen Seite muss er nun nicht mehr vor Gericht wegen eines Falls bei einer Demonstration gegen die NPD im August vergangenen Jahres. Dort war er spontan als Kontaktperson zur Polizei eingesprungen. „Das ist schon strafbar, weil ich das nicht 48 Stunden vorher angemeldet habe.“ Mit dem Kompromiss am Mittwoch habe er sich den Stress einer Verhandlung diesbezüglich gespart.

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Nordkurier, Artikel vom 20.3. 2012

Polizei rechtfertigt Maex-Einsatz

Demmin.Haben die Angeklagten Plakate der NPD zerstört oder nicht? Diese Frage soll am morgigen Mittwoch, dem 21. März, am zweiten Prozesstag vor dem Amtsgericht Demmin im Neuen Weg geklärt werden. Vor einer Woche war ein Fortsetzungstermin anberaumt worden, weil ein Zeuge nicht vor Gericht erschienen war (der Nordkurier berichtete).
Unterdessen hat die Polizei das Vorgehen ihrer Mitarbeiter der Sondereinheit Maex (Mobile Aufklärung Extremismus) gerechtfertigt. Nach der Gerichtsverhandlung waren die Personalien der Prozess-Besucher sowie Kennzeichen parkender Autos aufgenommen worden. Wie Andreas Scholz, Pressesprecher im Polizeipräsidium Neubrandenburg, auf Nachfrage des Nordkurier erklärte, seien im Zuge einer Ordnungswidrigkeit die Identitäten der Personen vor dem Gerichtsgebäude festgestellt worden. Mit Ordnungswidrigkeit ist offensichtlich ein Plakat gemeint, das vor dem Prozess an einer Laterne aufgehängt wurde. Es habe ein Verstoß gegen eine gültige Satzung der Hansestadt Demmin vorgelegen, so Scholz. Nach Fertigung einer entsprechenden Anzeige seien die Notizen, die sich die Maex-Leute gemacht haben, wieder gelöscht worden, da diese für das weitere Verfahren nicht mehr benötigt wurden. Der Prozess geht morgen um 12 Uhr weiter. (kis)

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Artikel vom 14.03.2012 Nordkurier, Demminer Zeitung

Zeugen in Widersprüche verstrickt

H. W. (links) und D. B. demonstrierten gestern, dass sie lieber Plakate aufhängen als abreißen. Das wollten sie auch in jener Nacht des 30. August 2011. Nur kamen sie nicht zum Plakatieren. Stattdessen standen sie jetzt vor Gericht, weil sie in Demmin NPD-Plakate beschädigt haben sollen.

Von unserem Redaktionsmitglied
Kirsten Gehrke

Haben die beiden Angeklagten in Demmin NPD-Plakate abgerissen oder nicht? Das konnte nicht eindeutig geklärt werden. Ein Zeuge erschien nicht. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

Demmin.„Zahme Vögel singen von Freiheit, wilde Vögel fliegen“ prangt an einer Laterne vor dem Demminer Amtsgericht im Neuen Weg. Vor dem Prozess machen D. B. und H. W. das, was sie gerne machen. Plakate aufhängen. Dafür sind sie bekannt, nicht fürs Abhängen. Doch genau das wird ihnen vorgeworfen. Im Saal II des Gerichtsstandortes Neuer Weg wird es gestern eng, zu eng. Im kleinen Raum finden nicht alle interessierten Besucher Platz. Wer steht, den fordert Richter Jörg Blasinski auf, den Saal zu verlassen. Doch es regt sich Protest. „Ich finde es unglaublich, einfach unfassbar“, sagt eine Frau aufgebracht. Ein Mann will sich beim Gerichtspräsidenten beschweren. Schließlich gehen die jungen Leute hinaus, nachdem Blasinski ihnen ein Ordnungsgeld und Zwangsentfernung angedroht hat.
Drinnen verliest der Staatsanwalt die Anklageschrift. B. und W. sollen in Demmin am 30. August 2011 gegen Mitternacht Landtagswahlplakate der NPD beschädigt haben. In der Treptower-, Zetkin- und Jarmener Straße sollen sie die Kabelbinder abgenommen und auseinandergerissen, dann die Plakate liegen gelassene haben. In der Jarmener Straße seien sie dabei von der Polizei auf frischer Tat ertappt worden. Das will W. so nicht sehen. Die Polizei habe zwei Leute gefunden, die dafür bekannt seien, gegen Neonazis zu sein und gerne klettern. „Aber sind das auch die Täter?“, stellte der 43-Jährige in den Raum. Die beiden Polizisten, die in jener Nacht Dienst hatten und als Zeugen geladen sind, verstricken sich in Widersprüche. Polizeihauptmeister M. sagt aus, dass jemand im Revier angerufen hatte, dass zwei Männer mit Fahrrad durch die Stadt ziehen und Plakate abreißen. Dem seien sie nachgegangen. Kurz hinter den Bahnschienen auf Höhe der Seelenbinderhalle hätten sie einen Mann mit einem Rad gesehen, einen zweiten auf einer Laterne, der dort oben herumgewerkelt habe. Während sein Kollege mit dem Herrn an der Lampe sprach, habe er die Personalien des anderen festgestellt. Auf Drängen B.s, ob er wirklich gesehen hat, wie an einem Plakat herumgefummelt wurde, meint M. „Er war auf dem Mast und das war’s.“
W.s Anwalt M. N. indes zitiert aus dem Bericht aus der Akte, dass der Mann schnell von der Laterne heruntergeklettert sei und sich das Rad schnappen wollte. Dadurch sei der Eindruck entstanden, sie wollten fliehen. „Wir waren schnell“, meint dagegen M. Den Angeklagten B. kenne er von Demonstrationen, wie in Alt Tellin, und der polizeilichen Arbeit. An einem Politischen Aschermittwoch sei er schon auf eine Laterne gestiegen und habe sich festgebunden. Auf die Frage N., ob die Beamten die Angeklagten am Tatort durchsucht haben, antwortet M. mit Nein. „Wieso sollten wir?“, fragt er. Die Kabelbinder seien durchtrennt worden, ob durchgekniffen oder durchgeschnitten könne er nicht sagen. N. fragt noch einmal, ob sein Mandant Hilfsmittel dabei hatte, denn mit bloßer Hand die Kabel abzureißen, sei kaum möglich. „Das kann ich nicht sagen, wir haben sie nicht durchsucht“, erklärt M.
Sein Kollege Polizeioberkommissar Me. sagt etwas anderes. Aus seiner Sicht war ein Zeuge auf dem Revier erschienen und habe von Plakatzerstörern berichtet. Den Tatort an der Seelenbinderhalle bestätigt Me., auch dass jemand an einem Fahnenmast herumgefummelt habe. Als sie dort ankamen, sei der Mann von der Laterne geklettert. Sie hätten die beiden „Erwischten“ belehrt und aufgeklärt, dass sie eine Anzeige wegen Sachbeschädigung erwartet, und hätten einen Platzverweis ausgesprochen. Bei einer groben Durchsuchung hätten sie kein Werkzeug, wie eine Kneifzange, gefunden. Wie die Binder an den Plakaten geöffnet wurden, wisse er nicht. „Zerschnitten waren sie nicht“, sagt Me. Auch er kenne die Angeklagten aus Einsätzen bei Demos. Auf eine politische Diskussion habe er sich nicht eingelassen. Es sei anzumerken gewesen, dass die Männer eine Abneigung gegenüber der NPD hatten. Als Polizist sei er aber neutral, es sei ihm egal, solange etwas rechtsstaatlich sei. Er halte von keiner Partei etwas, das habe er gesagt, als er gefragt worden sei, was er von der NPD halte.
Me. bestätigt, dass es vor der Landtagswahl mehrfach Anzeigen gab wegen Sachbeschädigung. Richter Jörg Blasinski bricht die Verhandlung ab. Ein dritter Zeuge ist nicht erschienen. Die Sitzung wird am kommenden Mittwoch, 21. März, um 12 Uhr fortgesetzt.
Draußen kommt es dann zu einer verbalen Auseinandersetzung mit offensichtlichen Mitarbeitern der Maex (Mobile Aufklärung Extremismus), einer Sondereinheit der Landespolizei, als die Gruppe der Prozessbesucher noch zusammensteht. Die „Beobachter“ schreiben sich augenscheinlich alle Kennzeichen der parkenden Autos auf.
Auf Nachfrage nach dem Warum, widersprechen die beiden Männer. Auch wollen sie ihre Namen nicht preisgeben, berichten Beteiligte. Stattdessen fordern sie die Personalien von den Personen in der Gruppe, holen sich dazu Verstärkung von der Demminer Polizei. Als Vorwand hätten sie das aufgehängte Plakat vor dem Gericht genommen. Es sei nur darum gegangen, die Namen herauszubekommen, glaubt ein Beteiligter. So funktioniere die „Kontrolle von politischen Gruppen“.

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Nordkurier, Artikel vom 08.08.2011

Initiative startet Demo gegen NPDKampagne

„Wake up – Stand up“

Demmin (gwa).

Gegen einen Wiedereinzug der NPD in den Landtag, gegen rechte Gewalt und gegen die Abschiebung von Asylbewerbern haben am Sonnabend in Demmin Unterstützer der Kampagne „Wake up – Stand up! Keine Stimme den Nazis in MV“ demonstriert. Die nach Angaben der Veranstalter etwa 120 überwiegend jungen Leute zogen von Polizei gesichert vom Bahnhof aus über die Pompe-Straße durch die Innenstadt. Dabei machten sie vor der Kreisverwaltung, dem Amtsgericht und dem Polizeirevier jeweils Halt für kurze Kundgebungen und verteilten Handzettel. Tituliert war die „spontane Demonstration“, die auch an anderen Orten stattfand, als „Antifaschistische Kaffeefahrt“. Dafür waren die Teilnehmer mit mehreren Bussen unterwegs. Bei der Kampagne „Wake up – Stand up“ (Wacht auf – Steht auf), die von keiner Partei oder Gewerkschaft ausgehe, handele es sich um ein breites Bündnis von Jugendinitiativen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, sagte Sprecher Erik Jensen. Ihr Ziel sei es auch, dass die jungen Leute sich besser kennenlernen und vernetzen.

Allerdings stieß die Demo nicht nur auf Zustimmung. So ärgerten sich zwei junge Männer, die laut eigener Auskunft „keine Nazis“ waren, über Aufkleber an Verkehrsschildern. Einen Teil davon entfernten sie gleich wieder.

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Artikel am 16.6. 2011 auf Indymedia über erneuten rassistischer Vorfall in der Demminer Ausländerbehörde

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Berichte
zum 8. Mai 2011 in Demmin gibt es unter anderem auf indymedia

Bilder gibt es unter anderem beim Umbruch Bildarchiv

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Nordkurier, Artikel vom 10.05.2011

Distanz zu einem Zitat

Zum Beitrag im Nordkurier vom 7. Mai

Nazi-Propaganda führte mit in den Tod

In einem Artikel vom 7. Mai in der Demminer Zeitung schrieben Sie, anlässlich einer öffentlichen Diskussion habe der Museumsdirektor des Demminer Regionalmuseums Hans Clemens festgestellt, dass „Die Rote Armee sich tatsächlich so benommen (hat), wie es die Nazi-Propaganda vorausgesagt hatte“. Ich nahm an dieser Diskussion teil. Der Museumsdirektor Hans Clemens meinte dort etwas ganz anderes: Er zitierte den Satz aus einer von Norbert Buske, Chronist der Ereignisse in Demmin Ende April/Anfang Mai 1945, veröffentlichten Broschüre und bemerkte dazu, dass diese Feststellung von Herrn Buske eine Ungeheuerlichkeit darstellen würde und so nicht stehen gelassen werden könne.

Nebulös bleibt auch ein folgender Teil des Berichts: „Nicht vergessen werden dürfe, wer die Kriegsgräuel ausgelöst hat, hieß es schließlich aus dem Publikum.“ In der Diskussion wurde ganz unzweideutig und überhaupt nicht nebulös darauf hingewiesen, dass es der von den Nationalsozialisten ausgelöste Eroberungs- und Vernichtungskrieg in Europa und vornehmlich gegen die Sowjetunion war, an dessen Ende auch deutsche Städte, wie Demmin, und deren Bevölkerung nicht mehr verschont blieben.

Hans Düwel, Berlin

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Nordkurier, Artikel vom 10.05.2011

Aktionsbündnis will Arbeit fortsetzen

Auf lautstarken Protest stieß die Kundgebung der Rechtsextremen am Demminer Hafen. Etwa 120 Personen waren am Sonntag noch zu später Stunde auf der Veranstaltung des Aktionsbündnisses geblieben, um gegen Nazis zu demonstrieren.

Von Torsten Bengelsdorf

Demmin. Demmin am Tag danach: Zufriedenheit und Genugtuung herrschten gestern bei den Organisatoren und Mitwirkenden der Aktionen „Demmin bleibt bunt – gemeinsam gegen Fremdenhass und Gewalt“ als Reaktion auf den rechtsextremen „Trauermarsch“. „Was wir erreichen wollten, haben wir geschafft. Die Leute sind herausgekommen und haben gezeigt, was sie von dem Treiben der Rechten halten“, schätzte gestern Guido Fröschke von der IG Metall ein, die das Friedensfest am Hafen mit veranstaltete. Gefreut habe er sich auch darüber, dass sich sowohl Landes- als auch Kommunalpolitiker die Zeit genommen hatten, an den zahlreichen Veranstaltungen teilzunehmen. Das Aktionsbündnis 8. Mai wolle weitermachen und sich auch künftig dem Thema Demokratieverständnis widmen, kündigte Fröschke an.
Erleichtert zeigte sich gestern auch Landrat Siegfried Konieczny (Die Linke) vor allem darüber, dass am Sonntag in Demmin alles friedlich geblieben sei. Und dass es gelungen sei, zahlreiche Menschen zu mobilisieren, um an den vielfältigen Veranstaltungen teilzunehmen. „Besonders gefreut hat mich, dass so viele Leute mit Herzblut und Kreativität an der Abendveranstaltung teilgenommen haben und damit deutlich ein Signal setzten, dass diese Stadt bunt statt braun ist. Das musste am Sonntagabend auch von den Betroffenen zur Kenntnis genommen werden“, erklärte Konieczny. Alle hätten eine Verantwortung, dass die NPD nicht wieder im nächsten Landtag erscheint.

Als sehr gelungen und überzeugend schätzte Demmins Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) gestern die vielfältigen Aktionen am 8. Mai gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten ein. Die Menschen aus Demmin und der Region hätten deutlich gemacht, dass es in der Kreisstadt keinen Nährboden für Intoleranz und Ausgrenzung gebe. Die Mahnung zu Frieden und Völkerverständigung sowie zugleich das Gedenken an die zahllosen Opfer des Zweiten Weltkrieges – inbegriffen die Demminer Suizidopfer vom Mai 1945 – sei Leitgedanke aller Reden gewesen. Wellmer bedankte sich noch einmal bei allen Organisatoren. „Friedensfeste sollten zu einer ständigen Institution in unserer Stadt werden“, schlägt der Bürgermeister vor.

Weniger erfolgreich waren offenbar die Rechtsextremen bei ihrer Kundgebung, die weniger Teilnehmer als im Vorjahr hatte. Zudem mussten die NPD-Anhänger auf ihren angekündigten Hauptredner, den Chef der NPD-Landtagsfraktion, verzichten. Der Trauerkranz, den die Rechtsextremen wie bereist in den Vorjahren in die Peene warfen, blieb diesmal nicht lange im Wasser. Junge Leute vom Friedensfest am Hafen waren nach dem Abzug der Rechten in den Fluss gesprungen, holten das Gebinde samt einer Flagge wieder ans Ufer und zündeten es an.

Im Zusammenhang mit der NPD-Kundgebung nahm die Polizei fünf Personen in Gewahrsam und stellte von 79 die Identität fest, hieß es aus der Polizei-Inspektion Neubrandenburg. Außerdem habe es zwei Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs gegeben.

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Nordkurier, Artikel vom 09.05.2011

Brauner Marsch stößt auf Gegenwehr

Von Georg Wagner und Torsten Bengelsdorf

Demmin. Listen mit Unterschriften von rund 600 Bürgern haben gestern Abend Landrat Siegfried Konieczny (Die Linke) und Demmins Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) an Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) übergeben. Darin fordern die Unterzeichner, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die NPD zu verbieten. Über dieses Zeichen war die Landtagspräsidentin sichtlich erfreut. Sie wünsche, dass die NPD aus dem Landtag verschwindet, sagte sie.

Die Übergabe der Unterschriftenlisten war ein Teil des Demokratiefestes, das vom „Aktionsbündnis 8. Mai“ als Gegenveranstaltung zum Aufmarsch rechtsextremer Gruppierungen am Hafen organisiert worden war. Das wurde von der Landtagspräsidentin ebenso wie von anderen Rednern ausdrücklich begrüßt. „Es ist wichtig, dass man nicht nur Türen und Fenster verschließt, wenn die neuen und alten Nazis marschieren, sondern dass man Gesicht zeigt“, sagte sie. „Wir werden uns Freiheit, Demokratie und Toleranz nicht wegnehmen lassen.“

Bereits zu Beginn des Festes waren zahlreiche Besucher auf den ehemaligen Wochenmarkt gekommen. Während ein Großaufgebot an Polizei die Innenstadt absicherte und ein Polizeihubschrauber über der Stadt kreiste, feierten sie dort friedlich mit „Storch Heinar“ und den „Dancing Angels“. Der Demokratiebus war vor Ort, ebenso die Wir-Initiative des Landtags, am Versorgungsstand konnten die Besucher beispielsweise russisches Essen probieren. Transparente wie „Frieden ist bunt“ verdeutlichten, worum es bei der Veranstaltung ging.

Die sei sehr nett, fand eine Schülerin. Die Stimmung sei gut und es seien viele verschiedene Leute da, nicht nur aus Demmin. Wichtig sei es, dass man den Neonazis nicht die Stadt überlasse. So wie sie dachten auch andere, beispielsweise Günter Hegewald. „Es ist wichtig, dass es gemacht wird und dass alle demokratische Parteien an einem Strang ziehen“, sagte er.

Unter den Besuchern waren Politiker aller Couleur. Dazu zählten unter anderem die stellvertretende Landtagspräsidentin Renate Holznagel und Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (beide CDU), die Landtagsabgeordneten Ute Schildt (SPD) und Peter Ritter (Die Linke), Kreistagspräsident Edgar Kliewe (CDU) und Stadtvertretungspräsident Eckhardt Tabbert (Die Linke), aber auch Gisela Ohlemacher vom Deutschen Gewerkschaftsbund und Guido Fröschke von der IG Metall, der mit zu den Veranstaltern gehörte.

Gegen 20 Uhr marschierten dann etwa 200 Rechtsextreme in einem von ihnen sogenannten „Trauermarsch“ für jene Menschen, die sich bei Kriegsende in Demmin das Leben genommen hatten, vom Stadion aus durch die Clara-Zetkin- und Rudolf-Breitscheid-Straße zum Wirtschaftshafen, wo sie eine Kundgebung abhielten. Gleichzeitig demonstrierten zahlreiche Menschen, darunter auch der Bürgermeister, auf dem gegenüberliegenden Ufer gegen den Aufmarsch, ein Gegendemonstrant war sogar mit einem Transparent auf das Dach des Peene-Einkaufszentrums geklettert. Mit lauten Rufen wie „Nazis raus“ oder „Ihr habt den Krieg verloren“ wurden die Rechtsextremen von der Gegenseite des Peeneufers begrüßt. Ein geräuschvoll über der Kundgebung kreisender Polizeihubschrauber sorgte zudem dafür, dass die rechten Redner einige Zeit unterbrechen mussten. Mit Fackeln zogen die selbsternannten Volksgenossen dann wieder ab. „Macht, dass ihr wegkommt“, schallte es ihnen vom anderen Peeneufer hinterher. Die Polizei blockierte währenddessen mit mehreren Einsatzwagen die Kahldenbrücke. Als einzigen Zwischenfall meldete die Polizei, die mit 300 Kräften im Einsatz war, eine Blockade in der Zetkin-Straße im Vorfeld des Marsches. Etwa 20 Leute hatten dort die Fahrbahn besetzt. Die Polizei sprach Platzverweise aus. Bereits am Nachmittag war an der Friesenhalle ein von der Stadt organisiertes Friedensfest gelaufen.

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Nordkurier, Artikel vom 09.05.2011

Sieben Bands rocken gegen Rechts“Demokratie ist schließlich das Wichtigste, was wir

haben.“

Von Susann Moll

Demmin.

„8. Mai Nazi-frei“ hatten sich die Schüler des Goethegymnasiums auf die Fahne geschrieben. Sie hatten für den Vorabend des Friedensfestes am Sonntag ein Festival organisiert. So rockten sechs Bands bis in die Morgenstunden die Demminer Waldbühne.

Den Auftakt übernahmen „Between Us“. Für die drei Jungs war das Konzert ein Heimspiel. Mit gecoverten, aber auch selbst geschriebenen Songs begeisterten sie ihr Publikum. „Es hat hier sehr viel Spaß gemacht“, erzählte Schlagzeuger Enrico Kliefoth nach dem Auftritt. Die Deutsch-Rocker kennen sich aus dem Jugendzentrum Friesenhöhe und proben dort regelmäßig.

Das Programm war indes zunächst etwas durcheinander geraten, da die Neubrandenburger Band „Leichenblässe“ abgesagt hatte. Um die Besucher nicht zu lange warten zu lassen, sprang Axel Schulz, Leiter des Jugendzentrums Friesenhöhe, mit seinem Sohn Benjamin und dessen Freund Malte Krüger ein.

Die „Screaming Monkeys“ von der Insel Usedom waren nur sehr kurz auf der Bühne, da sie zu spät von einem anderen Auftritt kamen. Umso begeisterter war das Publikum von der nachfolgenden Band. Die Berliner „Stakeout“ brachen endgültig das Eis und bewegten die „Meute“ zum Tanzen. „Wir wollen ja heute an euch das Beispiel der Demokratie zelebrieren“, merkte Sänger Thomas an und so gab es auf Zurufe der Zuhörerschaft noch eine Zugabe. Die vier Musiker machen seit fast sieben Jahren zusammen Musik und sind mittlerweile in ganz Deutschland unterwegs. Ihr Auftritt auf der Waldbühne hat ihnen sehr gut gefallen und auch mit dem Motto des Abends können sie sich identifizieren. „Wir sind gegen alles, was böse ist“, erklärte Front-Sänger Thomas Martens nach dem Konzert.

„Les Bumms Boys“ aus Rostock hatten etwas andere Klänge im Gepäck. Neben Gitarre, Bass und Schlagzeug brachten die vier Percussion und ein Cajon mit. Sie besangen ihre „Liebe zur Musik“, aber überzeugten auch mit rein akustischen Titeln.

Am meisten fieberte das Publikum aber der israelischen Band „Billy And The Firm“ und ihrer Supportband „Death by Chocolate“ aus der Schweiz entgegen. Die fünf Schweizer Jungs haben insgesamt elf Konzerte zusammen mit der Indie/Rock-Band aus Israel gespielt. Am Tag zuvor waren sie in Berlin. Das in Demmin war das letzte ihrer gemeinsamen Tour. „Verdienen tun wir nichts. Wir sehen das als Investition, denn wir konnten in Städten spielen, wo wir sonst nicht hingekommen wären“, erzählte der Sänger von „Death by Chocolate“ Mathias Schenk.

Gegen ein Uhr betrat dann Sängerin Billy mit ihren drei Bandkollegen die Bühne. „Billy And The Firm“ forderten ihre Zuhörer auf, mit ihnen zu feiern und auf der Bühne zu tanzen. „Alles wird besser, wenn wir nicht urteilen, sondern uns alle lieben“, erklärte Billy Levy, die einzige Musikerin an diesem Abend. Sie zeigte jedoch, dass auch Frauen rocken können. Mit auf Tour hatte sie ihren sieben Monate alten Sohn, der während des Konzerts im Bus schlief.

Für das Publikum hat sich das Kommen offenbar gelohnt. „Es ist super toll hier. Auch wenn zum Anfang die Stimmung etwas runter war. Stakeout haben echt was drauf“, schwärmten Steffi Eggert aus Demmin und Anne-Sophie Rocher aus Gülzowshof nach dem Auftritt der Berliner.

Auch wenn das Rockkonzert nur spärlich besucht war, Organisatorin Linda Streich ist zufrieden: „Es hat sehr viel Spaß gemacht. Die Bands waren grandios und die Leute hatten Spaß, das ist doch die Hauptsache.“ Unterstützt wurden die Schüler des Goethegymnasiums von den Gewerkschaft „IG Metall“. Deren Vertreter Guido Fröschke freut sich über das Engagement der Jugendlichen: „Demokratie ist schließlich das Wichtigste, was wir haben.“

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Artikel vom 07.05.2011 Nordkurier, Demminer Zeitung

Nazi-Propaganda führte mit in den Tod

Diskutierten am Donnerstagabend über das Kriegsende in Demmin (von links): Elke Scherstjanoi, Petra Clemens und Eleonore Wolf.

Von Torsten Bengelsdorf

Demmin. Trotz Recherchen in Sterbebüchern und Begräbnisregistern: Eine genaue Zahl wird es für Demmin nie geben. Das wurde auf einer Podiumsdiskussion des Demminer Regionalmuseums deutlich, die sich – neben der Sonderausstellung in den Museumsräumen – am Donnerstagabend noch einmal mit den Selbsttötungen zum Kriegsende 1945 in Demmin beschäftigte.
Eingeladen hatte sich das Museum unter anderem die Leiterin des Neubrandenburger Stadtarchivs, Eleonore Wolf, die aufzeigte, dass die Viertorestadt ein ähnliches Schicksal durchlitten hatte wie Demmin: Flüchtlings-Trecks, Brandschatzungen und Suizide. „Es haben sich aber weit weniger Menschen das Leben genommen als angenommen. Den meisten ist der Lebensmut geblieben und sie haben sich an den Wiederaufbau gemacht“, meinte Wolf.

Auch für Demmin gibt es Zahlen. 196 Suizide seien im Sterbebuch der Stadt namentlich aufgezählt. Das Begräbnisregister des Friedhofes führe für Mai und Juni 1945 insgesamt 402 Fälle auf, erklärte Petra Clemens vom Museumsverein. Endgültige Angaben dürften dies wohl aber eher nicht sein, wurde in der Diskussion deutlich. Da meldete sich ein älterer Pensiner zu Wort, der erlebt hatte, wie im Mai 1945 viele Leichen auf der Peene trieben – aus Demmin weiter in Richtung Loitz. „Keiner hat sie geborgen, niemand hat sie gezählt.“

Und es gibt noch eine große Unbekannte, machte Dr. Elke Scherstjanoi vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin deutlich: „Das ist die große Zahl der Flüchtlinge. Die Zahl der Nicht-Demminer macht das Gros derjenigen aus, die im Wasser gefunden wurden. Die meisten, die im Wasser zu Tode kamen, hatten kein Zuhause.“ Eine Ansicht, die an diesem Abend nicht ohne Widerspruch blieb.

Auch was die Menschen in den Tod getrieben haben könnte, wurde am Donnerstagabend erneut diskutiert. Da seien die Vergewaltigungen durch die Sowjetsoldaten gewesen. „Die Rote Armee hat sich tatsächlich so benommen, wie es die Nazi-Propaganda vorausgesagt hatte“, stellte Museumsdirektor Hans Clemens fest. Doch nicht immer seien Gräueltaten einer Siegerarmee der Anlass gewesen, wandte Elke Scherstjanoi ein. „Wir haben es hier auch mit dem Ergebnis der deutschen Propaganda zu tun. ,Du weißt ja, was du zu tun hast, wenn der Russe vor der Tür steht, war den Frauen immer wieder gesagt worden.“ Selbst in Briefen der Ehemänner von der Front hätten solche Sätze gestanden.

Nicht vergessen werden dürfe, wer die Kriegsgräuel ausgelöst hat, hieß es schließlich aus dem Publikum. Und dass alles getan werden müsse, dass sich die Ereignisse von damals niemals wiederholen.

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Neues Deutschland

Von Velten Schäfer 07.05.2011
Trübe Gewässer
Neonazis wollen die Demminer Selbstmordwelle von 1945 instrumentalisieren
Hunderte Tote gab es Anfang Mai 1945 bei der Plünderung von Demmin durch die Rote Armee. Nun wollen Neonazis aus der Geschichte Kapital schlagen – von deren genaueren Umständen sie nichts wissen wollen.
Beschaulich zieht die Peene durch Demmin, friedlich und glitzernd, alles andere als ein trübes Gewässer. Doch am Sonntagabend soll das Flüsschen in der Noch-Kreisstadt Schauplatz eines gespenstischen Szenarios werden: Unter anderem NPD-Landeschef Udo Pastörs und andere rechtsradikale Größen wollen zum Flussufer ziehen, um dort ihren Geschichtswahlkampf für die Landtagswahl einzuläuten. Und auf dem anderen Ufer, wenn auch seitlich versetzt, werden die Gegner dieses Spektakels ein Fest feiern, um gegen die Vereinnahmung ihres Ortes durch die braune Partei und ihre Kameraden ein Zeichen zu setzen. Noch nie, sagt Christian Schössler, der die Gegenaktivitäten mit organisiert, hätten so viele ihre Mitarbeit zugesagt wie dieses Jahr. Es sind die üblichen Akteure: Gewerkschaft, Linkspartei, Studenten aus Greifswald. Der neue katholische Priester macht immerhin einen Friedensgottesdienst.
Demmin hat seit etwa drei Jahren ein massives Nazi-Problem, für das weder Stadt noch Landkreis etwas können: Die Neonazibewegung will das Städtchen, das in Reportagen über den »ärmsten Landkreis Deutschlands« schon so oft als Kulisse für Klischees herhalten musste, nun auch noch zum »Dresden des Nordens« ausrufen: ie jüngere Geschichte der Stadt wird als Zeitzeugin gegen den »Befreiungsmythos« aufgeboten. In ihrem Aufruf schreiben die »Volkstreuen Kräfte«, die Rote Armee habe erst die (erheblichen) Alkoholvorräte »ausgeraubt« und dann grund- und wahllos mit Massenvergewaltigung, Morden und Plünderungen begonnen und schließlich die Stadt niedergebrannt. Aus »Angst und Scham« hätten sich »über 1000« Einwohner das Leben genommen – daran wollen die Neonazis nun mit einem »Ehrendienst« mit Fackeln gedenken.
Fest steht, dass Demmin gebrannt hat, dass es eine regelrechte Plünderung gab, Selbstmorde und noch Wochen später Leichen in der Peene. Allerdings kann das Kreisgeschichtsmuseum die kolportierten Zahlen nicht bestätigen. Seit vergangenen Herbst hat man Totenbücher und Friedhofsregister überprüft – und ist auf etwa 560 Tote aus den Tagen kurz vor dem Kriegsende gekommen, ungeklärte Fälle eingeschlossen.
In der DDR spielte all das aus erdenklichen Gründen keine große Rolle. Dass »weitgehend ein Tabu« über der Tragödie gelegen habe, sagt auch Christian Schössler. Das ist nun Wasser auf die Nazi-Mühlen. Dennoch versucht die Stadt, die sich anfangs lieber wegduckte vor dem braunen Besuch, inzwischen mehr dagegen zu halten. Am Mittwochabend etwa durch eine Diskussion zur Lokalgeschichte, bei der auch Zeitzeugen zu Wort kamen. Manche haben tatsächlich die ganze Familie verloren in den Tagen, als der Krieg schon fast vorbei war.
Doch bei genauerem Hinsehen gewinnt die Geschichte an Facetten. So wollten die Rotarmisten sich wohl eigentlich nicht lange in Demmin aufhalten, sondern nach Rostock weitermarschieren. Zu dem »Stau« in Demmin ist es nur gekommen, weil dort die Brücken gesprengt worden waren und die Truppen einstweilen nicht weiterkamen. In der Stadt, die wie Schössler sagt, schon vor 1933 eine braune Hochburg war, hat es zudem Einzelne gegeben, die aus Häusern auf Soldaten schossen. Namentlich bekannt ist etwa ein Lehrer, der erst seine Familie tötete und dann auf die Soldaten feuerte. Ein Zeitzeuge, seinerzeit im Schützengraben, beteuerte in einem Brief an den Demminer Bürgermeister, drei russische Unterhändler, die eine kampflose Übergabe aushandeln wollten, seien zuvor erschossen worden. Zudem starben mehrere russische Offiziere, nachdem sie von der Stadtapothekerin offenbar vergifteten Wein verabreicht bekommen hatten. Die letzten Nazis haben das Unglück gerufen, nun »trauern« ihre Erben. Das ist es, was Christian Schössler am meisten ärgert. Er stammt aus Dresden und hat die Bomben überlebt.

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Artikel auf Indymedia über die Selbsttötungen in Demmin 1945

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Artikel auf ndr über das Kriegsende in Demmin. Ist aber wohl schon ein wenig älter, merkt mensch auch an den Quellenangaben

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Artikel vom 30.04.2011 / Nordkurier, Demminer Zeitung

Frühjahr 1945: Drei Tage zwischen Leben und Tod
„Sie sollten genau darüber nachdenken, mit welchem Feuer sie da spielen.“

Von Torsten Bengelsdorf

Foto von der Ausstellung

Demmin. Drei Tage im Frühjahr 1945. Drei Tage, an denen sich viele Einwohner in Demmin zwischen Leben und Tod entscheiden. Drei Tage, denen sich das Demminer Regionalmuseum jetzt mit seiner neuen Ausstellung „Selbst in den Tod gegangen, ums Leben gebracht …“ widmet. Am Donnerstagabend war die Eröffnung.

30. April 1945:

Die Rote Armee rückt in die Stadt Demmin ein. Die Wehrmacht ist längst geflüchtet. Die Panzersperren sind für die Sowjetsoldaten kaum ein Hindernis, die gesprengten Brücken schon. In der Stadt wird auf die Rotarmisten geschossen. In der Treptower Straße durch den Lehrer Moldenhauer und aus dem Luisentor heraus durch eine Gruppe, angeführt vom Drogeristen Christian Österlin. 17 Rotarmisten werden an diesem Tag getötet. So wird an einer der Ausstellungstafeln berichtet.

Anlass für die Recherchen des Museums ist der für den 8. Mai erneut geplante Aufmarsch der neuen Nazis in Demmin, führte Museumsdirektor Hans Clemens in die Ausstellung ein und fügte hinzu: „Sie sollten genau darüber nachdenken, mit welchem Feuer sie da spielen.“

Eine Karte zeigt die Truppenbewegungen, zeigt, in welche Richtung die Wehrmacht Demmin verlassen hat, woher die Rote Armee kam, welche Brücken gesprengt wurden, wo die Panzergräben die Sowjetsoldaten aufhalten sollten.

In den Sterbebüchern des Standesamtes häufen sich laut Museumsverein ab dem 30. April die Eintragungen über Selbsttötungen. Sie tragen die Vermerke: Selbstmord durch Erhängen, „erhängt“ heißt es bei Kindern, Freitod durch Erschießen, ertrunken, erschossen worden oder einfach nur tot aufgefunden. Betroffen sind vor allem Familien, in denen die Väter und Männer Funktionsträger des Regimes oder in gehobenen Berufspositionen waren, so der Haupttruppführer im Reichsarbeitsdienst, der Geschäftsführer einer Krankenkasse, ein Polizeihauptwachtmeister, ein Oberleutnant.

1. Mai 1945:

Erste Kampfverbände ziehen über inzwischen errichtete Notbrücken in Richtung Rostock ab. In der Nacht haben sowjetische Soldaten Frauen vergewaltigt und Häuser geplündert. Feuer beginnt die Stadt zu beherrschen. Es brennt in der Hauptstraße vor dem Luisentor und in Straßenzeilen der Altstadt.

Neben den Sterbebüchern des Standesamt hat das Museum auch das Beerdigungsregister des Demminer Friedhofs ausgewertet. Es zählt im Frühjahr bis in den Sommer 1945 hinein 360 Personen in Massengräbern auf. 265 von ihnen haben den Freitod gewählt, 95 starben unter anderem durch Kriegseinwirkungen oder auch Krankheiten. Die oft kursierende Zahl von über 1000 Suiziden in Demmin lässt sich laut Museum weder durch die Sterbebücher noch das Beerdigungsregister belegen.

Drei Motive sieht Museumsdirektor Clemens für die Selbstmordserie: „Da war zunächst die kollektive Flucht vor der Realität, vor der Besatzung durch die Sowjetarmee. Dann waren Angst und Schrecken verbreitet: Die Menschen wollten sich nicht weiter dieser Situation aussetzen. Und zum dritten benahmen sich die sowjetischen Truppen genauso wie es die nationalsozialistische Propaganda vorausgesagt hatte.“ Letztendlich sei es eine Massenpsychose gewesen, die im Nationalsozialismus und seinem Rassenwahn wurzelt, auf Gewalt, Terror und Krieg ausgerichtet war.

2. Mai 1945:

Die Situation gleicht der des Vortages. Demütigungen und Übergriffe setzen sich fort. Ganze Familienverbände wählen den Freitod.

Ihr Schicksal haben Schüler der Klasse 9a der Pestalozzi-Schule auf kleine Zettel geschrieben. Fotos zeigen die zerstörte Stadt Demmin im Sommer 1945 und bei der Enttrümmerung im Jahr 1952.

Zu sehen ist die Ausstellung in den Museumsräumen bis Ende Juni.

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http://www.jungewelt.de/2011/04-20/005.php

20.04.2011 / Antifa / Seite 15
Protest gegen Aufmarsch am 8. Mai
Antifaschistischer Widerstand gegen jährliche Neonazi-Provokation in Demmin wächst
Von Karsten Wiegand
Die Kreisstadt Demmin, umgeben von der kargen Schönheit vorpommerscher Landschaften belegt einen traurigen Spitzenplatz in der gesamtdeutschen Arbeitslosenstatistik. Die neofaschistische NPD hat den Kampf um die Straße ausgerufen und macht sich Hoffnungen, auf den Wiedereinzug in Mecklenburg-Vorpommerns Landtag bei den Wahlen am 4. September.

Bereits am 1. Mai wollen Rechte durch Greifswald marschieren. Eine Woche später ist Demmin dran. Unter dem Motto »8. Mai 1945 – kein Grund zum Feiern – Vergessen wir Tod, Leid und Besatzung nicht« hat der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD, Michael Gielnik, einen Aufzug für die Abendstunden angemeldet. Der gelernte KFZ-Mechaniker kandiert auf einem aussichtsreichen Listenplatz für den Landtag. Der »Schweigemarsch soll damit zum vierten Mal in Folge am 8. Mai in Demmin stattfinden. Dabei wird in Mecklenburg-Vorpommern – einzigartig in Deutschland – der 8. Mai offiziell als Tag der Befreiung begangen.

Die NPD-Demagogen verschweigen, »daß die Sowjetunion im 2. Weltkrieg die meisten Opfer zu beklagen hatte und daß Geschehnisse wie in Demmin nur im Zusammenhang mit der Gewalt des Naziregimes und den 20 Millionen sowjetischen Kriegstoten gesehen werden können«, heißt es in einem Aufruf des antifaschistischen »Aktionsbündnisses 8. Mai«. Als die Rote Armee Ende April 1945 in Demmin ankam, waren deutsche Soldaten und parteitreue Faschisten längst verschwunden. Am Kirchturm wehte die weiße Fahne und russische Parlamentäre verhandelten über die geplante kampflose Übergabe der Stadt. Dann kam alles anders. Da die Brücken über die Peene von den abziehenden deutschen Truppen gesprengt worden war, saßen die Verbände der Roten Armee in der Stadt fest. Ihre Parlamentäre wurden erschossen und eine Anzahl sowjetischer Offiziere vergiftet. Diese und andere Verbrechen führten dazu, daß Demmin drei Tage zur Plünderung freigegeben wurde. In Panik nahmen sich zahlreiche Einwohner das Leben.

Gegen den jährlichen Aufmarsch regt sich immer stärkerer Widerstand. Einem Verbot räumt Landrat Siegfried Konieczny (Die Linke) keine Chance ein. In den vergangenen Jahren hatten Stadtvertreter und Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) dazu aufgerufen, den Aufmarsch zu ignorieren, die Fenster zu schließen und die Häuser nicht zu verlassen. In diesem Jahr ruft das Aktionsbündnis zu ziviler Courage auf. Bereits am 7. Mai wird es ein Rockkonzert gegen rechts geben, auf dem neben anderen die israelische Band Billy and the Firm auftritt. Vertreter von Stadt und Landkreis veranstalten am Folgetag ein Friedensfest auf dem Marktplatz und rufen zu einer Menschenkette auf.

Am Abend des 8. Mai werden die Rechten mit einer Veranstaltung »Demmin bleibt bunt« in unmittelbarer Nähe ihrer Route, im Hafen, konfrontiert sein. Organisatoren sind Schüler des Goethe-Gymnasiums, Mitarbeiter des Regionalmuseums, Vertreter der IG Metall und engagierte Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung. Ob es zu einer Verhinderung des Neonaziaufmarsches kommen wird, hängt vor allem davon ab, ob sich genügend Menschen zu Blockadeaktionen bereitfinden. Im nahe gelegenen Greifswald wurde jedenfalls schon dazu aufgerufen, den Aufmarsch am 1. Mai zu verhindern.

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Atomkraftgegner wollen auch Nazis „stilllegen“

Ostermarsch. Der Anti-Atom-Treck legt bei seiner Tour durchs Land in Demmin einen Zwischenstopp ein. Und fordert eine verantwortungsvolle Energiepolitik.
26.04.2011

Von Torsten Bengelsdorf

Demmin. Sie kamen mit einigen Traktoren und zahlreichen Fahrrädern: Die Hansestadt war am Sonntag erstmals Station eines Ostermarsches. Atomkraftgegner aus dem ganzen Land halten auf ihrem Weg von Schwerin zum Zwischenlager in Lubmin für etwa eine Stunde am Luisentor, um sich zu stärken, vor allem aber, um den Demminern das Anliegen ihres Anti-Atom-Trecks zu erläutern. Viel erklären müssen sie da nicht. Seitdem Fukushima zu trauriger Bekanntheit gelangt ist, wird schließlich auch am Demminer Luisentor regelmäßig für ein Ende der Atomkraft protestiert. „Jeden Montag halten wir hier eine Mahnwache ab, dazu kommen jedes Mal zwischen 30 und 40 Leute“, berichtet einer der Organisatoren, Heinz Wittmer, den Treck-Teilnehmern. Es gebe genügend technische Reserven in Deutschland, um alle Atomkraftwerke abzuschalten, ist er überzeugt und erntet Beifall und „Abschalten“-Rufe. Auf der Wiese gegenüber vom Luisentor haben es sich die Radler derweil gemütlich gemacht. Eine „Volksküche“ ist rasch aufgebaut, Radeln macht hungrig. Ein unheimlich schönes Natur- und Gemeinschaftserlebnis sei die Tour quer durchs Land, berichtet die 26-jährige Rebecca. Als der Reaktor in Tschernobyl 1986 in die Luft flog, sei sie noch im Sandkasten-Alter gewesen. Heute wünsche sie sich, dass nie wieder Kinder aus ihren Sandkästen geschickt werden, weil diese verstrahlt sind.

Unter den Demminern, die den Treck willkommen heißen, ist Luci Dewald. „Ich finde das prima, das die Leute gegen die Atomkraft demonstrieren. Das Volk bewegt sich und kann etwas bewirken“, sagt die aus Russland stammende Demminerin und fügt hinzu: „Ich weiß, was Tschernobyl bedeutet.“ Nicht jedem gefällt der Anti-Atom-Treck. Ein Motorradfahrer hat die jungen Leute auf ihrer Tour gerade als „deutschfeindliches Dreckspack“ beschimpft. „Deutschfeindlich? Unser Anliegen ist auf jeden Fall menschenfreundlich“, entgegnet Rebecca. Noch eine Forderung macht auf der einstündigen Kundgebung die Runde: „Atomkraft aus- und Nazis abschalten!“ ruft Adelwin Bothe ins Mikrofon und erklärt: „Wir haben erfahren, dass hier an dieser Stelle am 8. Mai ein Aufmarsch der Nazis durchziehen wird. Und dass es dazu eine große Gegendemonstration gibt.“

Auch der Treck der Atomkraftgegner sei immer wieder von Nazis belästigt worden. Von relativ vielen, wie Bothe einschätzt. „Wir wollen auch zeigen, dass wir mit solchen Idioten nichts zu tun haben wollen.“ „Atomkraft abschalten, sofort. Nazis stilllegen“, lautet jetzt die Forderung.

Nach einer guten Stunde geht der Treck wieder an den Start. Über Loitz geht es weiter nach Greifswald. In Demmin ist Dienstag ab 18 Uhr am Luisentor bereits die nächste Mahnwache geplant. Auf den Tag genau 25 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl.

Nordkurier-Demmin

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Buntes Programm steht jetzt fest
14.04.2011

Kurzfilme sollen möglichst auch „anderer Seite“ eine Botschaft bringen.

Demmin (gwa).

Die vom Aktionsbündnis zum Jahrestag des Kriegsendes geplanten im Freien werden unter dem Motto „Demmin bleibt bunt“ auf dem Parkplatz gegenüber den Speichern am Hafen stattfinden. Das teilte das Bündnis gestern Abend mit. Die Genehmigungen für die Veranstaltung am 8. Mai lägen vor, Probleme habe es dabei nicht gegeben, sagten Sprecher des Bündnisses. Sie appellieren jetzt an die Bevölkerung, zahlreich zu den Veranstaltungen zu kommen. So könne schon durch die Anwesenheit gezeigt werden, dass Demmin gegen Rechtsextremismus ist.

Das Programm, das um 17 Uhr beginnt, steht gleichfalls fest. Geplant sind Auftritte von „Storch Heinar“ und den „Dancing Angels“, Fußball, Boxen und Karatevorführungen, eine Versteigerung und Auftritte von Musikgruppen. Zudem sollen Kurzfilme aufgeführt werden. Diese würden möglichst so gezeigt, dass „die andere Seite eine Botschaft bekommt“, sagte Guido Fröschke von der IG Metall.

Sprechen werden beim Demokratiefest des Aktionsbündnisses Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) und Landrat Siegfried Konieczny (Die Linke). Das Aktionsbündnis wolle keine Plattform für Wahlkampf sein, hieß es.

Am Abend zuvor gibt es ein von Gymnasiasten organisiertes Rockkonzert auf der Waldbühne, bei dem verschiedene Bands wie beispielsweise „Between us“ aus Demmin und die israelische Band „Billy And The Firm“ auftreten werden (der Nordkurier berichtete).

Nordkurier-Demmin

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Aufruf zum 8. Mai verteilt
14.04.2011

Demmin (TB). „Zeigen Sie am 7. und 8. Mai durch Ihre Teilnahme an den vielfältigen Aktionen deutlich Flagge gegen Rechts!“ Dieser Aufruf des Landkreises, der Hansestadt und des Aktionsbündnisses 8. Mai findet jetzt in der Hansestadt und auch darüber hinaus im Kreisgebiet große Verbreitung. Den Aufruf erhalten unter anderem alle kreiseigenen Einrichtungen, die Hansestadt verteilt ihn an Demminer Unternehmen, das Aktionsbündnis an Schulen und Vereine. „Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen am 7. und 8. Mai an den Veranstaltungen teilnehmen und damit gegen den Aufmarsch der Rechten auftreten“, erklärte Kreissprecherin Silke Egger.

Am 8. Mai ist in Demmin unter anderem ein Friedensfest mit Vereinen, Verbänden, Kirchen und Sportgruppen geplant. Außerdem soll im Stadtgebiet eine Menschenkette gebildet werden (der Nordkurier berichtete). Auch Landespolitiker wie die Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) haben ihre Teilnahme zugesagt.

NPD-Anhänger haben für den 8. Mai zum dritten Mal in Folge einen sogenannten Trauermarsch angemeldet.

Nordkurier-Demmin

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„Wir wollen den Nazis etwas entgegenstellen.“
12.04.2011

Gymnasiasten zeigen Flagge

Henry Warnke und Linda Streich begutachten die Endfassung eines Flyers des Aktionsbündnisses. Nach dem Konzert am 7. Mai gibt es am Tag danach ein großes Friedensfest. FOTO: Susann Moll

Von Susann Moll

Demmin. „Mach Demmin ein bisschen bunter, zeig Farbe!“ So lautet der Aufruf des Aktionsbündnisses, das am 8. Mai Gegenaktionen zum Aufmarsch der Neonazis in Demmin vorbereitet. Mit im Bündnis engagieren sich auch Schüler des Goethegymnasiums. Sie wollen vor allem Jugendliche mobilisieren und organisieren deshalb am Vorabend des Friedensfestes ein Konzert auf der Waldbühne.

Sieben Bands werden hier am 7. Mai auftreten. Neben Gruppen aus Mecklenburg-Vorpommern, wie „Between Us“ aus Demmin, „Les Bumms Boys“ aus Rostock, „Leichenblässe“ aus Neubrandenburg und „Screaming Monkeys“ aus Ückeritz auf der Insel Usedom sind auch die Punk-Rocker „Stakeout“ aus Berlin dabei. Headliner des Konzerts ist jedoch eine Rock-Band aus Israel. „Billy And The Firm“ nehmen die weite Reise auf sich, um sich gegen die Rechten in Demmin zu stellen. Mit im Gepäck haben sie ihre Support-Band (Unterstützer-Band) „Death By Chocolate“ aus der Schweiz.

Linda Streich und Henry Warnke sind zwei der Schüler, die im „Aktionsbündnis 8. Mai“ mitwirken. „Im vergangenen Jahr gab es auch schon Aktionen, die waren aber zu kurzfristig und unorganisiert“, meint der

18-jährige Henry Warnke. Das soll dieses Jahr anders werden, deshalb planen die Mitglieder des Aktionsbündnisses auch bereits seit Dezember des vergangenen Jahres. „Wir wollen den Nazis etwas entgegenstellen und Demmin zeigen, dass es Alternativen gibt“, erklärt Linda Streich.

Die beiden Schüler engagieren sich auch in der Demminer Gruppe „Endstation Rechts“. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht zu informieren und aufzuklären. Es gehe vor allem darum, unsere Demokratie zu wahren, sagt Henry Warnke.

Die Schulleitung und die Lehrer des Goethegymnasiums unterstützen die Schüler bei ihren Aktionen. So wurde eine eigene Schüler-AG in Vorbereitung auf den 8. Mai gegründet. Außerdem zeigt die Schule ab dem 2. Mai die Sammlung „Neofaschismus in Deutschland“, eine Wanderausstellung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes mit Unterstützung der Gewerkschaft verdi. Auf den 26 Großplakaten werden unter anderem die Strukturen, die Kleidung und die Musik der Neonazis dargestellt. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich ab 2. Mai die Ausstellung in der Schule anzusehen.

Nordkurier-Demmin

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Demmin fordert am 8. Mai NPD-Verbot
09.04.2011

Demmin (TB).

Bei den Protestaktionen gegen den am 8. Mai geplanten Aufmarsch von Rechtsextremen in Demmin soll auch ein Verbot der NPD gefordert werden. Dazu werden bei den verschiedenen Veranstaltungen im Stadtgebiet Unterschriftenlisten ausliegen. Darauf einigten sich die Mitglieder der Präventionsräte der Hansestadt und des Landkreises bei ihrer Zusammenkunft in dieser Woche.

Man müsse versuchen, ein NPD-Verbot zumindest anzustreben, meinte der SPD-Stadtvertreter Roland Thoms bei der Zusammenkunft. „Wir sollten die braune Pest per Gesetz verbieten“, sagte er. Man sollte die Landespolitik auffordern, ein NPD-Verbot zu fordern, griff Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) den Vorschlag auf. Und auch der Landtagsabgeordnete Peter Ritter (Die Linke) unterstützte dieses Ansinnen: „Man muss es immer wieder manifestieren, dass es den Willen gibt, die NPD zu verbieten.“ Ritter regte an, die Unterschriftenlisten an die Präsidentin des Schweriner Landtags, Sylvia Bretschneider (SPD), zu übergeben, die ebenfalls zu den Protestaktionen am 8. Mai in Demmin erwartet wird.

Nordkurier-Demmin

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Aufruf gegen Rechts zum 8. Mai gestartet
05.04.2011

Von Torsten Bengelsdorf

Demmin. „Gemeinsam für einen friedlichen und weltoffenen Landkreis Demmin“ – mit diesem Aufruf wenden sich Landrat Siegfried Konieczny (Die Linke), Demmins Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) sowie das Aktionsbündnis 8. Mai an alle Bürgerinnen und Bürger des Landkreises, am 7. und 8. Mai an den vielfältigen in der Hansestadt geplanten Aktionen deutlich Flagge gegen Rechts zu zeigen. „Verhindern wir dauerhaft den Missbrauch dieses historischen Tiefpunktes in der Geschichte der Hansestadt Demmin“, heißt es in dem Aufruf, der gestern Nachmittag auf einer gemeinsamen Zusammenkunft der Präventionsräte des Landkreises und der Stadt Demmin veröffentlicht wurde. Man wolle nicht tatenlos zuschauen, wie Dummheit und Hass das menschliche Zusammenleben, die Gastfreundschaft und die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen.

Wie dem mittlerweile dritten Aufmarsch rechter Kräfte in Demmin am 8. Mai begegnet werden kann, darüber haben in den vergangenen Wochen der Demminer Präventionsrat und das Aktionsbündnis 8. Mai intensiv beraten. Bürgermeister Wellmer gab gestern weitere Einzelheiten bekannt. So sollen am Vorabend des 8. Mai auf dem 1945-er Gräberfeld auf dem Friedhof in der Jarmener Straße Kränze niedergelegt werden. „Wir werden die zahllosen Toten des Zweiten Weltkrieges und die Demminer Suizidopfer des Mai 1945 nicht vergessen! ,Nachhilfe‘ von Rechts brauchen wir nicht!“ betonte der Bürgermeister. Am Sonntag, dem 8. Mai, beginnen die Veranstaltungen dann um 12 Uhr mit einem Ökumenischen Friedensgebet in der katholischen Kirche. Es schließt sich eine Kranzniederlegung auf dem Barlach-Platz an. Ab 13 Uhr treffen sich Vereine, Chöre und Tanzgruppen zu einem Friedensfest in und an der Friesenhalle. Das Fest endet mit einer Menschenkette, Glockengeläut, Sirenenton und einer Schweigeminute.

Am Abend startet dann ein weiteres Friedensfest am Hafen.

Dass sich beide Präventionsräte und das Aktionsbündnis gemeinsam zur Wehr setzen gegen den erneuten rechten Aufmarsch, wertete Landrat Koniecz-ny als große Chance, dass sich möglichst viele Bürger an den Friedensfesten beteiligen.

Eine Chance, den rechten „Trauermarsch“ verbieten zu lassen, sieht Konieczny nicht mehr. „Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass dies keinen Sinn hat.“

Nordkurier-Demmin

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Auf den Spuren der jüdischen Opfer
In welchem Haushalt gibt es noch Kleiderbügel der Textilhandlung?
01.09.2010

Demmin (NK). Zwischen Dahlien sitzen die beiden in der Gartenanlage unterhalb von Nordmauer und Synagoge, die man an den drei hohen, vermauerten Bogenfenstern erkennt. Möglicherweise entstand das Foto im Sommer 1937, das lässt zumindest ein Vergleich der Fotos aus dem kleinen privaten Bildnachlass vermuten, auf denen der Aufmarsch der Bäckerinnung beim Festumzug zur 700-Jahr-Feier festgehalten ist. Das Foto hat Wolfgang Fuhrmann jetzt dem Demminer Regionalmuseum zur Verfügung gestellt. Er folgte damit der Bitte des Museums an die Demminer, in ihren Familiennachlässen nach Fotos oder anderen Zeugnissen zu suchen, die etwas von den jüdischen Menschen, die einst in der Stadt lebten, zeigen oder erzählen. „Nun braucht man nicht ein so großes Bildarchiv wie Wolfgang Fuhrmann zu besitzen, um die Ausstellung, die nach den letzten jüdischen Bürgern Demmins und ihren Schicksalen nach 1933 fragt, zu unterstützen“, meint Petra Clemens vom Trägerverein des Museums und fragt: Wer hat Vorfahren, die ebenfalls einen Garten an der Nordmauer besaßen, also dort, wo die Synagoge stand? Wer hat einen Großvater oder Urgroßvater, der Mitglied der Demminer Feuerwehr war und von ihr Fotos hinterließ? Das wäre zum Beispiel eine Chance, David Davidsohn, der sie bis 1919 leitete und bis 1933 als ihr „Ehren-Branddirektor“ gewürdigt war, einmal anders zu sehen als auf den zwei bekannten offiziellen Fotografien. Wer bewahrt Handarbeiten auf, die Grete und Ida Davidsohn angefertigt haben? In welchem Haushalt wird noch ein Kleiderbügel benutzt, der aus der Textilhandlung der Davidsohns stammt und deren Namen trägt? Wer hat ein Foto, auf dem der Kurzwarenladen von Rosa Lewinsky in der Luisenstraße 22 erscheint? Wer weiß von seinen Vorfahren, dass sie mit ihren Kindern Meinhard, Kurt und Charlotte zur Schule gegangen sind? Das Museum wolle Anteil nehmen, den Menschen jüdischen Glaubens mehr als die Namen wiederzugeben.Seit dem 21. August liegen in Demmin drei Stolpersteine für Menschen jüdischen Glaubens, die dem Rassenwahn der Nazis nicht entkommen sind: In der Frauenstraße 25 für Arnold und Lisbeth Davidsohn, die an dieser Stelle einst ihr Wohn- und Geschäftshaus, eine Textilhandlung, hatten. Sie kamen im Ghetto Theresienstadt um, am 10. beziehungsweise 20. Februar 1943. In der Goethestraße 3 für Grete Davidsohn, die in dem heute noch vorhandenen Haus lebte, gemeinsam mit Schwester Ida und Bruder David. Sie wurde im August 1942 nach Theresienstadt deportiert und von dort am 23. September ins Vernichtungslager Treblinka.Wie es mit dem Erinnern an die jüdischen Bürger Demmins weitergehen soll, dazu möchten die Vereinsmitglieder am morgigen Donnerstag bei ihrer nächsten Veranstaltung „Museum im Gespräch“ ab 19 Uhr in den Museumsräumen ins Gespräch kommen. Besucher können sich dann hier auch die Ausstellung anschauen, die aus Anlass der Stolperstein-Verlegung im Museum zu sehen ist.

Nordkurier-Demmin

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Schmierereien am Ort der Stolpersteine

20.08.2010

Von Torsten Bengelsdorf

Demmin. Das Entsetzen war groß gestern morgen in der Hansestadt. In der Goethestraße, just an der Stelle, an der am Wochenende Stolpersteine zur Erinnerung an die hier einst wohnenden jüdischen Mitbürger verlegt werden sollen, war der Gehweg mit schwarzer und roter Farbe beschmiert. Anwohner berichteten von einem Davidstern, daneben die Aufschrift „Jedem das Seine“. Die Hansestadt ließ die Schmierereien sofort entfernen und stellte Strafanzeige. In dem Haus wohnte einst die Familie Davidson, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet worden war. Der Polizei war es in der Nacht zuvor gelungen, in unmittelbarer Nähe fünf Tatverdächtige festzunehmen. Eine Streife war offenbar zufällig in der Goethestraße vorbeigekommen. Die Beamten entdeckten die frische Farbe auf dem Gehweg und nicht weit entfernt davon vier junge Männer. Außerdem habe in einem Auto ein Mädchen auf die vier gewartet, teilte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler mit. Weitere Angaben wollte er gestern noch nicht machen. Es werde noch in alle Richtungen ermittelt. Entsetzt und empört reagierte Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) gestern auf die Schmierereien. Gleich am frühen Morgen hatte er sich mit Vertretern des Ordnungs- und des Kulturamtes vor Ort ein Bild gemacht. „Die Texte zeigen deutlich, wie wichtig verstärkte Präventionsarbeit ist und wie richtig es ist, mit den geplanten Stolpersteinen auf die Folgen der Naziherrschaft aufmerksam zu machen und gleichzeitig vor rechtem Gedankengut zu warnen“, erklärte der Bürgermeister in einer ersten Reaktion. „Mit dieser Aktion haben die Neonazis wieder einmal ihr wahres Gesicht gezeigt.“ Die Rechnung für das Ausbessern des Gehweges werde die Stadt den mutmaßlichen Tätern zustellen, kündigte der Bürgermeister an. Außerdem soll im Präventionsrat und in den Gremien der Stadtvertretung darüber beraten werden, wie dem braunen Ungeist verstärkt entgegengewirkt werden könne.Die Stolpersteine sollen am Sonnabend verlegt und am kommenden Montag dann ganz offiziell der Öffentlichkeit übergeben werden. Ernst Wellmer wird dazu am Montag Worte des Gedenkens sprechen. Anschließend wird ein Kranz auf dem jüdischen Friedhof in der Bergstraße niedergelegt.

Nordkurier-Demmin

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Nordkurier, Artikel vom 17.05.2010

Geschichte: Ein fast vergessenes Kriegsschicksal

Von Gerald Gräfe

Dargun. Eine Jüdin soll während des Zweiten Weltkrieges im Darguner Pfarrhaus untergekommen sein? Eine Frage, die sich seit Kurzem Propst Klaus Hasenpusch stellt. Per E-Mail hatte sich ein Mann aus den USA bei ihm gemeldet und um einen Besuchstermin gebeten.

Nico Schuler, so der Name des Gastes aus Texas, der gebürtig aus Greifswald stammt, richtig Nico Schüler heißt und heute als Professor of Music Theory and Musicology an der Texas State University School of Music arbeitet. Bereits seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich der Mann mit dem Komponisten Hanning Schröder, hat über diesen Bücher geschrieben und forscht weiter zu dessen Leben und Werk. Und dabei stieß Schüler auch auf das Pfarrhaus in Dargun.

Der 1896 in Rostock geborene Hanning Schröder war als Wahl-Berliner mit der Musiklehrerin und -wissenschaftlerin Dr. Cornelia Auerbach verheiratet. Einige seiner Werke hatten in den Konzertsälen von Freiburg, Jena, Rostock und Berlin Anerkennung gefunden. Schröder war als virtuoser Bratscher in Orchestern und in Kammermusikensembles gefragt und erfolgreich. Da ereilte ihn 1935 der Ausschluss aus der Reichsmusikkammer, quasi das Berufsverbot. „Besuche“ von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), Bespitzelungen und Bedrohungen aufgrund seiner Kompositionen von Arbeiterliedern, seiner Kontakte mit dem „linken“ jüdischen Komponisten Hanns Eisler und weil er sich nicht von seiner Frau trennte, erschwerten sein Leben erheblich und machten ihm das Komponieren fast unmöglich. Denn Cornelia Schröder-Auerbach war jüdischer Abstammung.

In dieser Situation brachte Schröder seine Frau in Dargun in Sicherheit: Beim dortigen Pastor Johannes Rienau im Pfarrhaus lebte die „Halbjüdin“ Cornelia Schröder-Auerbach ab 1943 mit ihrer Tochter Nele. Und in Dargun wirkte die Frau von 1944 bis 1952 als Organistin und Leiterin des Kirchenchores. Ehemann Hanning hingegen durfte dank einer Ausnahmegenehmigung bis Kriegsende als Bratschist in Berlin arbeiten.

Übrigens, Cornelia Schröder-Auerbach war die erste promovierte Musikwissenschaftlerin in Deutschland, lernte bei Max Reger und wirkte an der Berliner Akademie der Wissenschaften, bevor sie Beruf und Berliner Heimat aufgeben musste. Fast zeitgleich, von Anfang 1944 bis zum März 1945, verbargen die Schröders in ihrer Wohnung in Berlin-Zehlendorf ein jüdisches Paar und retteten es damit vor dem sicheren Tod.

Nach dem Krieg leitete Hanning Schröder die Sektion Kammermusik im Ostberliner Komponistenverband. Durch den Mauerbau bedingt, waren seine Aktivitäten ab 1961 fast nur auf Westberlin beschränkt, wo er als freischaffender Komponist arbeitete. Cornelia Schröder-Auerbach war nach ihrem Wegzug aus Dargun von 1954 bis 1959 Leiterin der Sektion Musik an der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin. Tochter Nele studierte Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft und war danach zuletzt unter anderem als Intendantin des Berliner Hebbel-Theaters und als Präsidentin des Deutsch-Französischen Kulturrates tätig. Seit 2006 ist sie Vize-Präsidentin der Akademie der Künste. Hanning Schröder und Cornelia Schröder-Auerbach starben 1987 beziehungsweise 1997.

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Nordkurier, Artikel vom 17.05.2010

Trommeln und Tänze aus Afrika

Loitz (gh). Es ist wieder Leben in den alten Verwaltungsräumen der einstigen Loitzer Stärkefabrik. Die Mitglieder der Tanzgruppe haben in mühevoller Arbeit den Saal im oberen Geschoss hergerichtet. Da wurde genäht und gebastelt, für ein Afrika-Projekt. „Wir hatten die Idee, auch einmal in andere Länder zu schauen, wie dort getanzt und Musik gemacht wird“, sagt die Leiterin der Loitzer Tanzgruppe, Barbara Meier. Zwei Monate lang haben sie für die Gestaltung des Raumes gebraucht, afrikanische Tänze einstudiert. Am Sonnabend war es endlich soweit, das Fest konnte beginnen. Und die Loitzer haben sich sogar einen Trommellehrer aus Neubrandenburg eingeladen.

Es ist laut in der Stärkefabrik, die Mädchen und Jungen haben großen Spaß am Trommeln. Und Barbara Meier hat auch die Behindertengruppe aus Demmin eingeladen, die sie für einen Tanzkurs betreut. Nach dem Trommelkurs und dem Tanzen haben die Eltern für das leibliche Wohl gesorgt. Bürgermeister Johannes Winter (CDU) ist begeistert: „Der Raum sieht toll aus“. Im Juli gibt es einen weiteren Höhepunkt für die Loitzer Tanzgruppe, sie ist nach Bulgarien zu einem Folklorefest eingeladen.